Der Landkreis Verden ist ein Landkreis in der Mitte von Niedersachsen im südöstlichen Bremer Umland. Er gehört zur Metropolregion Nordwest. Kreisstadt ist Verden (Aller), größte Stadt ist Achim.
Geographie Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Osterholz, Rotenburg (Wümme), Heidekreis, Nienburg/Weser und Diepholz (alle in Niedersachsen) sowie an die Stadtgemeinde Bremen (Land Freie Hansestadt Bremen).
Großstädtische Einzugsbereiche Der Landkreis Verden wird durch seine Nähe zu Bremen geprägt. Er hat sich der Metropolregion Nordwest angeschlossen und gehört zum Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen. Hannover ist als Landeshauptstadt wichtig; einige Pendlerströme sind zu verzeichnen. Oyten und Ottersberg orientieren sich auch auf Hamburg.
Historische und institutionelle Einzugsbereiche Historisch gehörte der größte Teil des Landkreises zum früheren Territorium Bremen-Verden. Viele Einzugsbereiche der Institutionen wie Handelskammer, Handwerkskammer, evangelischer Kirchensprengel, Landschaftsverband und andere orientieren sich bis heute an den Grenzen dieses historischen Gebietes.
Naturräumliche Gegebenheiten Der Landkreis liegt im geographischen Zentrum von Niedersachsen und repräsentiert eine der landestypischsten Regionen. Geografisch-naturräumlich gehört das Kreisgebiet größtenteils zur Mittelweserregion (Weser-Aller-Flachland) und zur Stader Geest, die hier die Achim-Verdener Geest bildet. Es ist damit leicht gewelltes Flachland mit breiten Flussniederungen, in denen bereits stellenweise die Landschaft der küstenähnlichen Marschlandschaft gleicht. Das Kreisgebiet wird landschaftlich hauptsächlich von den Flüssen Aller und Weser geprägt. Randbereiche des Landkreises haben Anteil an anderen landschaftlichen Räumen. So liegt die nördlichste Gemeinde Ottersberg in der Wümmeniederung, die ebenfalls zur Stader Geest gehört. Das südöstlich im Kreisgebiet gelegene Kirchlinteln gehört landschaftlich zum Urstromtal der Aller und zur Lintelner Geest.
Die höchste Erhebung des Landkreises ist der Steinberg beim Verdener Stadtteil Walle mit 74 m ü. NN. Markant für den Steinberg sind der darauf befindliche Fernmeldeturm Verden-Walle und die Bundesstraße 215, die den Steinberg überquert. Die niedrigste Stelle des Landkreises Verden liegt auf Meeresspiegelhöhe (0 m ü. NN) und befindet sich in der Wümmeniederung an der Grenze zu Bremen.
Naturschutzgebiete Im Landkreis gibt es zwölf Naturschutzgebiete.Landkreis Verden Liste der Naturschutzgebiete, auf nlwkn.niedersachsen.deNeue Naturschutzgebiete, auf nlwkn.niedersachsen.de Das größte (Fischerhuder Wümmeniederung) hat eine Fläche von 772 ha,Naturschutzgebiet „Fischerhuder Wümmeniederung“ Kennzeichen: NSG LÜ 270, auf nlwkn.niedersachsen.de das kleinste (Auequelle) eine Fläche von 5 ha.
Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete im Landkreis Verden Liste der Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Verden Liste der Naturdenkmale im Landkreis Verden Liste der geschützten Landschaftsbestandteile im Landkreis Verden
Geschichte Mittelalter und frühe Neuzeit Im Mittelalter gehörte das heutige Kreisgebiet zu verschiedenen geistlichen und weltlichen Herrschaftsbereichen, u. a. zum Bistum Verden. In der frühen Neuzeit gehörte das Kreisgebiet zu den Herzogtümern Verden und Bremen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war der Landstrich Teil des schwedischen Territoriums Bremen-Verden mit Verwaltungssitz in Stade.
Zugehörigkeit zu Hannover 1714 verlor Schweden das Gebiet an Dänemark, welches es 1715 an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (seit 1814 Königreich Hannover) verkaufte. Nach verschiedenen Verwaltungsreformen im Königreich Hannover bestanden seit 1859 auf dem heutigen Kreisgebiet die beiden Ämter Verden und Achim sowie die selbständige Stadt Verden und die Ämter Ottersberg (1859 zum Amt Achim) und Westen-Thedinghausen (1681–1852) bzw. Amt Westen (1852–1859). Nach dem Deutschen Krieg 1866 wurde das Königreich Hannover von Preußen annektiert und 1867 die Provinz Hannover.
Deutsches Reich Im Rahmen der Einführung der neuen Kreisordnung für die Provinz Hannover wurde am 1. April 1885 aus der Stadt und dem Amt Verden der Kreis Verden gebildet. Gleichzeitig wurde aus dem Amt Achim der Kreis Achim.Kreisordnung für die Provinz Hannover (1884)
Bei der Kreisreform im Freistaat Preußen von 1932 wurde aus dem Kreis Verden, dem Kreis Achim sowie der Gemeinde Oiste des Kreises Hoya der neue Landkreis Verden gebildet.Preußisches Staatsministerium, § 72, Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen, vom 1. August 1932 Preußische Gesetzessammlung, Berlin 1932; Nr. 43 (Bildung des neuen Landkreises Verden), R. von Deckers Verlag, G. Schenk, 1932 Mit den beiden Gemeinden Hemelingen und Mahndorf musste der Landkreis Verden am 1. November 1939 einen Teil des Altkreises Achim an die Stadt Bremen abgeben und verlor dadurch wieder einen Teil der 1932 hinzugewonnenen Einwohner.Wikisource: Vierte Verordnung über den Neuaufbau des Reichs vom 28. September 1939
In der Spätphase der Weimarer Republik erzielte die NSDAP im Kreisgebiet überdurchschnittliche Wahlerfolge. Die dortigen Ortsgruppen bildeten sich bereits sehr früh, entsprechend hoch war die Dichte sogenannter „Alter Kämpfer“ um Heinrich Peper und andere.
In der Zeit des Nationalsozialismus bestanden auf dem Gebiet des Landkreises verschiedene Rüstungsbetriebe wie die Sprengstofffabrik Eibia G.m.b.H. für chemische Produkte in Barme, die Zwangsarbeiter nutzten, von denen zahlreiche starben oder als Displaced Persons nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren konnten. Die jüdischen Einwohner wurden von den Nationalsozialisten verfolgt, enteignet, deportiert und ermordet. Die Synagogen in Achim und Verden wurden zerstört. Auch Sinti und Roma wurden diskriminiert.Kreisarchiv Verden: Die Generalakte betreffend Zigeuner (Signatur 3/18d) Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges waren 1945 insbesondere die Eisenbahnstrecken heftig zwischen deutschen und britischen Truppen umkämpft. Im Februar 1945 wurde ein Flüchtlingszug nahe Scharnhorst bombardiert. Die Eisenbahnstrecken wurden u. a. auch für die Deportation niederländischer Juden nach Auschwitz genutzt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden aus der preußischen Provinz Hannover das Land Hannover und schließlich das Land Niedersachsen gebildet, zu dem fortan auch der Landkreis Verden gehörte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Am 5. und 6. Oktober 2022 wurden in Verden Stolpersteine als Erinnerung an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors verlegt.Stolpersteinverlegung in Verden; abgerufen: 28. Mai 2024. Bereits 2016 publizierten Hermann Deuter und Joachim Woock detaillierte Recherchen zur NS-Zeit im Landkreis Verden.Hermann Deuter & Joachim Woock: Es war hier, nicht anderswo!: Der Landkreis Verden im Nationalsozialismus. Bremen: Edition Temmen, 2016, 484 S. ISBN 3-8378-4054-9
Der Landkreis Verden unterhält seit 1955 eine Patenschaft zur Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau in Ostpreußen.Partnerschaften. In landkreis-verden.de Abgerufen am 28. November 2015 Hieraus hat sich eine Partnerschaft zum Rajon Bagrationowsk in Russland und zur Kommune Górowo Iławeckie in Polen entwickelt.
1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung neuer Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen VER zugewiesen.
Die Gebietsreform in Niedersachsen begann in den 1960er Jahren mit einer Reihe von Gemeindefusionen. Eine umfassende Neugliederung sowie eine Vergrößerung des Landkreises brachte das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Verden am 1. Juli 1972:Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Verden vom 6. April 1972 Die bis dahin zum Landkreis Braunschweig gehörende Exklave Thedinghausen wurde in den Landkreis Verden eingegliedert. Die Gemeinde Riede wechselte aus dem Landkreis Grafschaft Hoya in den Landkreis Verden. Die Gemeinde Hülsen aus dem Landkreis Fallingbostel wurde in die Gemeinde Dörverden des Landkreises Verden eingegliedert. Durch zahlreiche Gemeindefusionen umfasste der Landkreis Verden danach noch zwölf Gemeinden.
Seit der Eingliederung der Gemeinde Morsum in die Gemeinde Thedinghausen am 1. November 2006 besteht der Landkreis aus elf Gemeinden, von denen Achim und Verden (Aller) das Stadtrecht besitzen.
Einwohnerstatistik mini|400px|Einwohnerentwicklung des Landkreises Verden von 1890 bis 2010 400px|mini|Bevölkerungspyramide für den Kreis Verden (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Kreis Verden, Alter + Geschlecht.)
Jahr Einwohner Quelle 1890 25.125 1900 26.392 1910 27.638 1925 28.177 1939 68.107 1950 87.704 1960 87.704 1970 89.500 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1980 110.300 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1990 117.716 Regionaldatenbank Niedersachsen 2000 132.820 2010 133.368 2020 137.574
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 55,0 % (72.758) der Einwohner evangelisch, 6,6 % (8.757) römisch-katholisch und 38,4 % (50.785) konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Landkreis Verden Religion, Zensus 2011 Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem um 1 % jährlich gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren (2022) 42,9 % der Einwohner evangelisch, 6,0 % katholisch und 51,1 % konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 20. Juli 2024
Christentum Traditionell war das Gebiet des Landkreises Verden evangelisch-lutherisch geprägt. Die Gemeinden gehören zur Landeskirche Hannover. Die Größe des Kirchenkreises Verden entspricht der des Landkreises.
Insbesondere nach dem Krieg haben sich durch den Zuzug katholische Gemeinden gebildet, die zum Bistum Hildesheim gehören. Katholische Gemeinden bestehen in Verden (Propsteikirche St. Josef) und Achim/Oyten (St. Matthias).
Durch die hohe Zahl der Kirchenaustritte sind beide großen christlichen Kirchen Umstrukturierungsprozessen unterworfen.
Ferner leben im Kreisgebiet Muslime, Angehörige von Freikirchen, Jesiden und Zeugen Jehovas.
Politik Politisch wurde der Landkreis bis 2005 aus der Doppelspitze aus Oberkreisdirektor als Leiter der Landkreisbehörde und dem ehrenamtlichen Landrat mit repräsentativen Aufgaben geführt. Letzter Oberkreisdirektor war Werner Jahn, Nachfolger von Rainer Mawick, letzter ehrenamtlicher Landrat war Hans-Jürgen Wächter.
Nach Einführung der eingleisigen Verwaltungsspitze in den Kommunen mit der Reform des Kommunalverfassungsrechts im Jahr 1996 hat der Landkreis Verden als letzte Kommune in Niedersachsen erstmals 2005 einen direkt gewählten, hauptamtlichen Landrat ernannt.
Kreistag Der Kreistag Verden besteht aus 50 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für einen Landkreis mit einer Einwohnerzahl zwischen 125.001 und 150.000 Einwohnern.Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 12. November 2014 Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.
Der Kreistag setzte sich nach den Wahlen 2001 bis 2021 wie folgt zusammen: