Der Landkreis Osterholz () liegt im nördlichen Niedersachsen in der Metropolregion Nordwest. Seine Kreisstadt ist Osterholz-Scharmbeck.
Geografie Lage Der Norden und Westen des Landkreises wird von der Osterholzer Geest geprägt, der Osten gehört zur Niederung von Hamme und Wümme mit dem großenteils seit dem 18. Jahrhundert kultivierten Teufelsmoor. Im äußersten Westen erstreckt sich der Landkreis mit der Osterstader Marsch bis an die Weser.
Gliederung Gemeinden
In Klammern die Einwohnerzahl am . Einheitsgemeinden Grasberg () Lilienthal () Osterholz-Scharmbeck, Kreisstadt, selbständige Gemeinde () Ritterhude () Schwanewede () Worpswede ()Samtgemeinde mit ihren Mitgliedsgemeinden: Samtgemeinde Hambergen () Axstedt () Hambergen (Verwaltungssitz) () Holste () Lübberstedt () Vollersode ()
Ehemalige Gemeinden Die folgende Liste enthält alle ehemaligen Gemeinden, die jemals dem Landkreis Osterholz angehörten.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Cuxhaven, Rotenburg (Wümme) und Verden (alle in Niedersachsen), an das Stadtgebiet von Bremen (und damit an das Land Bremen) sowie an den Landkreis Wesermarsch (westlich der Weser, wiederum in Niedersachsen).
Historische und institutionelle Einzugsbereiche Bezogen auf die historische Entwicklung gehört der Landkreis Osterholz zum früheren Territorium Bremen-Verden, das sich über das Elbe-Weser-Dreieck erstreckte. Zu diesem gehören neben dem Landkreis Osterholz die heutigen Landkreise Cuxhaven, Rotenburg (Wümme), Stade und Verden. Viele Einzugsbereiche kirchlicher, kultureller, gesellschaftlicher oder sozialer Institutionen wie Handelskammer, evangelischer Kirchensprengel, Landschaftsverband und andere orientieren sich bis heute an den Grenzen dieses historischen Gebietes. Das Territorium Bremen-Verden bildete später mit der Landdrostei Stade und dem Regierungsbezirk Stade eine Kontinuität. Letzterer ging 1978 im seit 2004 ebenfalls nicht mehr existierenden vergrößerten Regierungsbezirk Lüneburg auf.
Klima
Geschichte
Gründung und Entwicklung bis 1939 Der Landkreis hat seinen Namen Osterholz dem ehemaligen Kloster Osterholz (1184–1650) in der Kreisstadt zu verdanken, dessen Basilika als Klosterkirche St. Marien erhalten ist. Bis zum Dreißigjährigen Krieg war das Kloster, wie auch das benachbarte Kloster Lilienthal Teil des Erzstifts Bremen, das später säkularisiert Teil des Herzogtums Bremen-Verden wurde. Aus den Klöstern gingen im Rahmen der Säkularisation Ämter hervor, die ab 1719 im Kurfürstentum Hannover offizielle politische Gemeinwesen wurden. Ab 1823 waren das Amt Osterholz und das Amt Lilienthal Teil der Landdrostei Stade im Königreich Hannover.
Ein Kreis Osterholz, auch Steuerkreis genannt, wurde am 1. Oktober 1867 aus den ehemals hannöverschen Ämtern Osterholz, Blumenthal und Lilienthal für Militär- und Steuerverwaltungszwecke gegründet. Die allgemeine Verwaltung blieb Sache der alten Ämter. Nachdem am 1. April 1885 die Landdrostei Stade zum neuen Regierungsbezirk Stade umgewandelt geworden war, wurde im Rahmen der neuen Kreisordnung für die Provinz Hannover aus den Ämtern Osterholz und Lilienthal der Kreis Osterholz gebildet.Kreisordnung für die Provinz Hannover (1884). Das Amt Blumenthal bildete nun zusammen mit Teilen des Amtes Hagen den Kreis Blumenthal.Daten zum Kreis Osterholz bei territorial.de.
Der Kreis Osterholz umfasste zunächst 109 Gemeinden, von denen in den 1920er Jahren eine größere Zahl aufgrund ihrer geringen Einwohnerzahl in größere Nachbargemeinden eingegliedert wurde.Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen: Provinz Hannover Verlag des Preußischen Statistischen Landesamts, 1930. Außerdem wurden 1927 die Gemeinden Osterholz, Scharmbeck, Bargten, Ahrensfelde und Sandbeckerbruch zum Flecken Osterholz-Scharmbeck zusammengeschlossen, der am 25. Oktober 1929 die Stadtrechte erhielt.
Bei der preußischen Kreisreform von 1932 wurden die Kreise Blumenthal und Osterholz zu einem neuen und größeren Landkreis Osterholz vereinigt.Preußisches Staatsministerium, § 72, Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen. 1. August 1932 Preußische Gesetzessammlung, Berlin 1932; Nr. 43 (Bildung des neuen Landkreises Osterholz), R. von Deckers Verlag, G. Schenk, 1932. Die Anzahl der Gemeinden des Landkreises wurde in den Jahren 1936 und 1937 durch eine Reihe von Zusammenschlüssen verringert. Mit den Gemeinden Aumund, Blumenthal, Farge, Grohn, Lesum und Schönebeck musste der Landkreis Osterholz am 1. November 1939 einen Teil des Altkreises Blumenthal an die Stadt Bremen abgeben und verlor dadurch wieder einen großen Teil der 1932 hinzugewonnenen Einwohner.Wikisource: Vierte Verordnung über den Neuaufbau des Reichs vom 28. September 1939
Nationalsozialistische Herrschaft bis 1945 In Löhnhorst (heute Ortsteil der Gemeinde Schwanewede) wurde in der Zeit des Nationalsozialismus das Heim Hohehorst des Lebensborn betrieben.
Der Raum Farge/Schwanewede war in der NS-Zeit von Marinerüstung und Zwangsarbeit bestimmt. Für den Bau von drei militärischen Großbauprojekten für die Kriegsmarine – zwei Großtanklager und der U-Boot-Bunker „Valentin“ – wurden hier zeitweise bis zu 12.000 Menschen eingesetzt. Während vor dem Zweiten Weltkrieg vor allem deutsche Arbeitskräfte und im Ausland angeworbene Freiwillige eingesetzt wurden, kamen nach Kriegsbeginn ausländische Zwangsarbeiter hinzu. Im Laufe des Krieges wurden auf der Großbaustelle auch Gestapo-Häftlinge aus dem Arbeitserziehungslager Farge sowie Kriegsgefangene aus dem Stalag X-B Sandbostel eingesetzt.
In Schwanewede befand sich auf dem Gelände des Tanklagers Farge auch ein Außenlager des KZ Neuengamme, in dem KZ-Häftlinge für den Bau des U-Boot-Bunkers „Valentin“ gefangen gehalten wurden.Bunker Valentin. Der Dokumentations- und Lernort Baracke Wilhelmine im Schwaneweder Ortsteil Neuenkirchen erinnert daran.Website – dokumentations- und lernort baracke wilhelmine
Ein weiteres Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme gab es in Lübberstedt-Bilohe. Die dort eingesetzten 500 jüdischen Ungarinnen kamen ursprünglich aus dem KZ Auschwitz und mussten in der Lufthauptmunitionsanstalt Lübberstedt (MUNA) in der Munitionsherstellung arbeiten.
Der Arbeitskreis MUNA Lübberstedt hat die Geschichte des KZ-Außenlagers und der Zwangsarbeit in der Lufthauptmunitionsanstalt aufgearbeitet.Führungen durch die ehemalige MUNA LübberstedtRüdiger Kahrs: Die Evakuierung des KZ-Außenlagers Lübberstedt bei Bremen nach Ostholstein 1945. Eine Ereignisskizze Digitalisat Auf dem Gelände der MUNA befand sich bis 2009 ein Depot der BundeswehrNutzung der MUNA Lübberstedt nach 1945.
Nachkriegszeit Die Gebietsreform in Niedersachsen begann für den Landkreis Osterholz 1968, als Eickedorf, Grasberg und Wörpedorf zu einer neuen Gemeinde Grasberg zusammengeschlossen wurden.Gesetz über den Zusammenschluß der Gemeinden Eickedorf, Grasberg und Wörpedorf. 28. Dezember 1967. Eine umfassende Gebietsreform erfolgte durch das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Osterholz/Wesermünde am 1. März 1974.Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Osterholz/Wesermünde. 13. Juni 1973. Das Kreisgebiet wurde dadurch vergrößert, dass die Weserinsel Harriersand und das Gebiet Hammelwarder Sand vom Landkreis Wesermarsch sowie die Gemeinden Axstedt und Lübberstedt aus dem Landkreis Wesermünde zum Landkreis Osterholz kamen. Gleichzeitig wurde durch zahlreiche Gemeindefusionen die heutige Gliederung des Landkreises in die Stadt Osterholz-Scharmbeck und zehn weitere Gemeinden geschaffen.
In den 1970er und 1980er Jahren wurden die Ortschaften Wilstedter Moor und Tarmstedter Moor aus dem Landkreis Rotenburg (Wümme) nach Grasberg eingemeindet.
Bevölkerungsentwicklung 400px|mini|Bevölkerungspyramide für den Kreis Osterholz (Datenquelle: Zensus 2011.)
Die Zahlen der folgenden Tabellen stammen aus der ausführlicheren Tabelle des ehemaligen Regierungsbezirks Stade, den dort angegebenen Quellen und dem Gemeindeverzeichnis von 1900 und für 1904 aus der Chronik von Osterholz-Scharmbeck.Chronik von Osterholz-Scharmbeck, Band I. Von den Anfängen bis 1929. Hrsg. Stadt Osterholz-Scharmbeck, S. 251. Einwohnerzahl bis 1970 1890 1900 1904 1910 1925 1933 1939 1950 1961 1969 1970 Blumenthal 22.547 30.353 39.535 43.104 Osterholz 28.232 29.205 29.471 31.284 32.545 80.216 41.529 73.407 71.643 80.600 82.191
Einwohnerzahl ab 1980 1980 1987 1990 1995Osterholzer Kreisblatt Nr. 182 vom 7. August 1997, Steigende Einwohnnerzahlen, Lokales S. 3. 1996 1998 2002 2004Landesamt für Statistik Niedersachsen 2006 2012 2022 2025Landkreis Osterholz Osterholz 93.700 94.196 96.000 105.576 106.011 108.084 111.992 112 793 112.498 110.816 116.551 113.336
Fläche (km²) 1900 1932 1950 2000 2012 Blumenthal 175 Osterholz 478 653 620 651 651
Religionen Die evangelische Gemeinden gehören zur Landeskirche Hannover. Insbesondere nach dem Krieg haben sich durch Zuzug vieler Heimatvertriebener, Gastarbeiter aus Südeuropa und Aussiedler aus Ostmittel- und Osteuropa katholische Gemeinden gebildet, die zum Bistum Hildesheim gehören. Durch die hohe Zahl der Kirchenaustritte sind beide großen christlichen Kirchen Umstrukturierungsprozessen unterworfen.
Ferner leben im Kreisgebiet Angehörige von Freikirchen, Zeugen Jehovas, Juden sowie Muslime.
Konfessionsstatistik Laut Zensus 2011 waren Anfang 2011 55,8 % Einwohner evangelisch und 6,4 % römisch-katholisch. 37,8 % gehörten anderen Konfessionen oder Religionsgemeinschaften an oder waren konfessionslos. Abgerufen am 10. September 2019. Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um rund einen Prozentpunkt gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren (Stand Mai 2022) 43,9 % der Einwohner evangelisch, 6,0 % katholisch und 50,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 24. Juli 2024
Politik Kreistag
Parteien und Wählergemeinschaften Prozent2026 Sitze2028 Prozent2021 Sitze2021 Prozent2016 Sitze2016 Prozent2011 Sitze2011 Prozent2006 Sitze2006 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands26,691229,701430,821429,141333,4315 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands26,191232,731532,961538,031743,3320 Grüne Bündnis 90/Die Grünen15.73716,70812.28618,9699,705 AfD Alternative für Deutschland15,5274,2029,154 Linke Die Linke6,1034,8925.5133,5422,861 BF Bürgerfraktion3,2113,6123.6723,7821,461 FDP Freie Demokratische Partei1,5614,2522.7312,0416,473 UWG / UKA Unabhängige Wählergemeinschaft Worpswede / Unabhängiger Kommunalpolitischer Arbeitskreis Hambergen1,3911,631 BSW Bündnis Sahra Wagenknecht1,321 WEGBEREITER WEGBEREITER1,211 UBIG UBIG Osterholz0,960 Querdenker Wählergruppe Querdenker Lilienthal1,0701,261 WG Wählergemeinschaft0,6601.1002,3712,111 Basis Basisdemokratische Partei Deutschland0,400 NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands0,470 DL DIE LILIENTHALER2,371 WSH Wählergemeinschaft Samtgemeinde Hambergen0,610 EB Einzelbewerber0,1300,140Gesamt1004610046100461004610046 Wahlbeteiligung in Prozent66,0859,7355,8252,0953,01 Letzte Kommunalwahl am 13. September 2026Ergebnis auf votemanager.kdo.de, abgerufen am 28. September 2026.
Die nächste Kommunalwahl in Niedersachsen findet im September 2031 statt.
Landräte und (Ober-)Kreisdirektoren