thumb|Hausziegen (Capra aegagrus hircus)Die Hausziege (Capra aegagrus hircus; früher Capra hircus) ist nach dem Hund und zusammen mit dem Schaf vermutlich eines der ersten wirtschaftlich genutzten Haustiere. Hausziegen gehören zur Gattung der Ziegen in der Familie der Hornträger.

Benennung Das weibliche Tier von Capra aegagrus hircus (synonym: Capra hircus Linné), zu lateinisch capra („Geiß“Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 168 („Capra – eyn geyß“ = Capra hircus L.)), wird neben Ziege (von )Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage, hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 883 (Ziege). auch Geiß (von ; vergleiche auch // ), Hippe,Heinrich Gradl: Zur Kunde deutscher Mundarten. In: Adalbert Kuhn: Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete des Deutschen, Griechischen und Lateinischen. Band 19, Heft 3. Berlin 1870, S. 56. Zicke oder Zibbe genannt, das männliche Tier Bock (Ziegenbock), das kastrierte männliche Tier heißt Mönch und das Ziegenjunge Ziegenkitz, Zicklein, Ziegenlamm, Geißlein oder Kitzlein, in der Schweiz Gitzi genannt.

In den oberdeutschen Dialekten sowie den rheinfränkischen Dialekten stehen Gaiß/Goiß/Goaß bzw. Gääß/Gaaß/Gååß allgemein für die weibliche Ziege (vergleiche , ) und Geißbock für das Männchen. Durch Luthers Bibelübersetzung hat sich Ziege in der Hochsprache durchgesetzt.Ziege. In: Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 3. Auflage. 1997.

Im Lateinischen wurden Ziegenjunge und Ziegenböckchen Haedus (auch Hedusetwa bei Isidor von Sevilla oder im Bestiarium von Aberdeen. und Edus) genannt.Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 179.

Domestikation mini|Ziegenbock einer Herde halbwilder Hausziegen auf Mallorca

Die Hausziege stammt von der Bezoarziege ab. Die Domestizierung erfolgte wahrscheinlich vor dem 11. Jahrtausend v. Chr. im vorderen Orient, vermutlich in der südlichen Levante (das Gebiet von Israel und Jordanien) oder im Zagrosgebirge in Iran. Studien gehen von einer etwa zeitgleichen, aber unabhängig voneinander erfolgten Domestikation an verschiedenen Stellen des Vorderen Orients aus. Danach erfolgte schnell eine Vermischung der Populationen durch den menschlichen Nomadismus. Gewöhnlich wird angenommen, dass mit der Domestikation rasch morphologische Änderungen am Skelett eintreten, besonders die Form des Hornzapfens, außerdem eine Größenabnahme. Auch das Geschlechter- und Altersverhältnis in Tierknochen von archäologischen Fundstellen wird herangezogen, um domestizierte und gejagte Populationen zu unterscheiden.

Fundorte, die eine frühe Domestikation der Ziege belegen, sind zum Beispiel: Gandsch Dareh (, jetzt im Bezirk Harsin, Kermanschah, Iran), 9000–7500 v. Chr. Hier wurde die Alterszusammensetzung als Beleg der Domestikation angeführt (es wurden bevorzugt männliche Jungtiere getötet), außerdem waren die Tiere durchschnittlich kleiner als heutige Wildtiere. Ali Kosch (in der Nähe von Susa, jetzt in der Provinz Ilam, Iran), 7500–5500 v. Chr. Hier wird das Überwiegen junger Tiere als Beleg der Domestikation angeführt, zusammen mit Veränderungen im Querschnitt des Hornzapfens.

Mit der Neolithisierung des europäischen Festlandes wurden Ziegen als Nutztiere importiert, wie zum Beispiel bei der Neolithisierung der Mittelmeerinseln Zypern und Kreta.Gila Kahila Bar-Gal, Patricia Smith, Eitan Tchernov, Charles Greenblatt, Pierre Ducos, Armelle Gardeisen, Liora Kolska Horwitz: Genetic evidence for the origin of the agrimi goat (Capra aegagrus cretica). In: Journal of Zoology. Band 256, Nr. 3, 2002, S. 369–377, DOI:10.1017/S0952836902000407. In der Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas ist die Ziege erstmals in der Körös-Kultur (6200 bis 5600 v. Chr.) als Nutztier nachgewiesen, da es neben Knochenfunden auch Tongefäße mit eingeritzten Ziegenköpfen gibt. Ziegen und Schafe sind ebenfalls feste Bestandteile der ältesten bäuerlichen Kultur auf deutschem Boden, der Bandkeramik. Die Knochen beider Arten sind nach klassisch-anatomischer Bestimmung oft schwer unterscheidbar, daher ist der tatsächliche Anteil der Ziege in der Vorgeschichte bislang schlecht erforscht.

Wirtschaftliche Bedeutung mini|Pferch für Ziegen in Makedonien

Ziegen liefern Fleisch, Leder, Milch (mehr als Schafe) und mitunter auch Wolle. Sie fressen, wenn alle Pflanzenarten vorkommen, zu 60 % Blätter und Baumbewuchs, zu 20 % Kräuter und nur zu 20 % Gras.Jack L. Albright, Clive Wendell Arave: The behaviour of cattle. CAB International, Wallingford (Oxon, UK) / New York 1997, ISBN 0-85199-196-3. Sie sind sehr genügsam, da sie über ein sehr effektives Verdauungssystem verfügen. Sie werden auch als die Kuh des kleinen Mannes bezeichnet, da sie einfacher zu ernähren und zu halten sind, wenn man über wenig Platz und Futter verfügt. Sie wurden und werden heute insbesondere in bergigen Landschaften (z. B. Alpen, Norwegen) gehalten und können aufgrund ihrer Kletterfähigkeiten auch dort gehalten werden, wo die Haltung von Rindern nicht mehr möglich ist.

Ziegen können den Bewuchs ganzer Landschaften zerstören und so zur Wüstenbildung beitragen, da sie fast alle Pflanzen abfressen. Die Beweidung durch Ziegen unterlag daher in vielen Gegenden strengen Vorschriften.

In Antike und Mittelalter wurden verschiedene Teile von Ziegen, etwa das Fleisch, die Haut und der Rauch der verbrannten Haare, sowie die Milch, der Kot (bzw. Mist) bzw. „Köttel“, die HarnblaseVgl. Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 384 (zu Gaisz, Gaiszmilch, Gaiszmist, Gaiszplatter und Gaiszpon). und die ZiegengalleBernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. 404 (zigengalle, zigenmilch). als Arzneimittel in der Heilkunde verwendet.Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 179 zu Haedus bzw. Edus: lateinisch für „(Ziegen-)Böckchen“ der Art „Capra“.

Wirtschaftlich genutzt werden: Ziegenmilch Ziegenfleisch Ziegenleder (Chevreau-Leder) und Zickelleder (insbesondere für Handschuhe) sowie Ziegenfelle (vor allem Zickelfelle);weitere Ziegenledernutzungen siehe Gasometerleder, Glacéleder, Saffian Ziegenhaar (Angoraziege, Kaschmirziege)

Landwirtschaftlich von Bedeutung war die Hausziege schon im antiken Rom; sie ist es bis heute in Kleinasien, Zentralasien und der Mongolei.

Die Nutzung der Ziege als Zugtier war bis Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Europa weit verbreitet. Die erstaunlich kräftigen, genügsamen und robusten Ziegen wurden vor Kutschen und Wagen gespannt und, falls keine größeren Tiere verfügbar waren, auch zum Pflügen verwendet. In bergigem Gelände dienten Ziegen als Lasttiere.

mini|Ziegenherde zur Landschaftspflege an einem Steilhang der deutschen A 59. In Deutschland werden Ziegen auch in der Landschaftspflege eingesetzt. Hier eignen sie sich insbesondere zur Eindämmung der Verbuschung an Steilhängen, bei denen eine manuelle Gehölzbeseitigung personalintensiv und daher teuer wäre. , Infodienst Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg. Abgerufen am 19. Mai 2013. In Nordrhein-Westfalen werden von der Straßenbauverwaltung im Rahmen von Modellversuchen Ziegen auch zur Pflege von Hanglagen an Autobahnen eingesetzt. Dabei sind sie durch ihre Fähigkeit, sich auf die Hinterbeine zu stellen, in der Lage, auch größere Gehölze abzuschälen und so absterben zu lassen.Management von Offenland-Lebensräumen an pflegeproblematischen Steilhängen durch Ziegenbeweidung, Veröffentlichung der Hochschule Anhalt. Abgerufen am 5. Mai 2013. Dies ist häufig bei der Zurückdrängung von Neophyten erwünscht, wie etwa der Robinie. In den abgefressenen Gebieten ist nach Standortwechsel der Tiere meist eine Zunahme seltener bzw. lebensraumtypischer Arten festzustellen.Landschaftspflege mit Ziegen - 10 jährige Erfahrungen aus Nordrhein Westfalen, Veröffentlichung des Ziegenhof-Stumpf, abgerufen am 12. Mai 2013 (PDF; 51 kB) In diesem Zusammenhang werden sie auch zur Bekämpfung des Riesen-Bärenklaus eingesetzt.

Im Alpenraum werden (nur noch selten) Ziegen herdenweise zusammen mit Schafen in Transhumanz gehalten. Schaf und Ziege sind keine Nahrungskonkurrenten, denn die Schafe halten sich überwiegend an das stets ausreichend vorhandene Gras.

Zu Pferden, die einzeln im Stall oder auf der Weide gehalten werden, führt man nicht selten eine oder mehrere Ziegen, um Aggression oder Depression beim Herdentier Pferd zu verhindern. Eine Ziege in derartiger Funktion nennt man Beistellziege.

Verbreitung mini|Verwilderte Ziegen auf dem An Teallach, Schottland

Hausziegen als genügsame Überlebenskünstler sowie Milch- und Fleischlieferanten sind heute außer in extrem kalten Regionen weltweit verbreitet, sowohl als Nutztiere als auch verwildert. Verwilderte Hausziegen in großer Zahl gibt es beispielsweise in Australien. Lange wurden Hausziegen als Proviant für vorbeifahrende Schiffe auf vielen Inseln ausgesetzt, wo sie verwilderten. Sie hatten dort, etwa auf den Galápagos-Inseln, eine verheerende Wirkung auf die einheimische Flora und Fauna. Zum Schutz der endemischen Arten wurden Ziegen auf einigen Inseln bewusst wieder ausgerottet. Die Hausziege findet sich auf der Liste der 100 gefährlichsten Neobioten.

Hausziegenrassen mini|Rove-Bock in der Provence mini|Ziegen haben rechteckige, horizontale Pupillen.

Es gibt eine große Anzahl regionaler Rassen von Hausziegen. Je nach Züchtungsziel und Hauptverwertungsart werden sie in Fleischziegen, Milchziegen und Fellziegen unterteilt. Zu diesen zählen unter anderem: Anglo-Nubische Ziege Angoraziege Appenzellerziege Bagot-Ziege Bunte Deutsche Edelziege Bunte Holländische Ziege Burenziege, (eine Fleischziege) Bündner Strahlenziege Erzgebirgsziege Gallaziege, auch Somali-Ziege genannt Gemsfarbige Gebirgsziege Girgentana-Ziege Graue Bergziege (Capra Grigia) Kaschmirziege Nera Verzasca Ostafrikanische Zwergziege Pfauenziege Poitevine Roveziege Saanenziege Schami Serpentina Stiefelgeiss Tauernscheckenziege Thüringer Waldziege Toggenburgerziege Walliser Schwarzhalsziege (siehe auch Kupferhalsziege) Weiße Deutsche Edelziege Westafrikanische Zwergziege

Siehe auch: Liste von Ziegenrassen

Krankheiten der Hausziege Die Schaf- und Ziegenbrucellose ist eine Deckseuche von Schafen und Ziegen, die vom Bakterium Brucella melitensis aus der Gattung Brucella verursacht wird. Die Paratuberkulose wird durch Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis ausgelöst.

Ziegen in Mythologie, Religion und Brauchtum Östliches Mittelmeer Griechenland mini|Chimära, Mischwesen mit Löwenkopf und Ziegenkopf auf einer apulischen rotfigurigen Schale, 350–340 v. Chr. (Louvre, Paris)