mini|Ein US-amerikanischer B-1-Bomber beim Abwurf von Streubomben
Streumunition (auch Clustermunition, Bombletmunition) bezeichnet eine konventionelle Munition (Kassettenbomben oder Schüttbomben), die dazu bestimmt ist, explosive Submunitionen (Bomblets) zu verstreuen oder freizugeben, und schließt diese explosiven Submunitionen ein.Art. 2 Abs. 2 Übereinkommen über Streumunition () Waffensysteme nach diesem Konzept werden in Form von Fliegerbomben (Streubombe), Artillerie-Geschossen (auch als Cargomunition bezeichnet) oder als Sprengköpfe für Lenkflugkörper und Raketen eingesetzt.
111 Staaten haben sich im Übereinkommen über Streumunition dazu verpflichtet, Streumunition nicht einzusetzen, herzustellen oder zu lagern.
Geschichte mini|Regen- oder Sprengkugel nach Braun (1682) mit Handgranaten als Submunition mini|Sowjetische RRAB-3-Streubombe, die im Winterkrieg 1940 zum Einsatz gelangte. Streumunition ist keine moderne Erfindung. Bereits im 17. Jahrhundert gab es Streumunition. So sind im Feuerwerksbuch von Braun (1682) sogenannte Regen- oder Sprengkugeln beschrieben. Diese waren aus Holz gedrechselte Geschosse, die als Submunition mehrere Handgranaten enthielten. Geworfen wurden sie aus einem Mörser. Beim Abschuss (je nach Anzündungsart entweder „aus dem Dunst“ oder mit „zwei Feuern“) wurde ein zentral angebrachter Verzögerungssatz angezündet. Dieser brannte während der Flugphase des Geschosses ab und zündete so über mehrere Anzündkanäle im Holzkörper des Geschosses die Ausstoßladungen in den Kammern für die Handgranaten. Dabei wurden diese durch den entstehenden Gasdruck aus ihren Kammern ausgestoßen und gleichzeitig ihre Brandröhren (Zünder) angezündet. Auf diese Weise wurde ein „Regen“ von Handgranaten erzeugt, der auf dem Schlachtfeld niederging.
Im Zweiten Weltkrieg wurden von deutscher Seite folgende Submunitionstypen aus Streubomben eingesetzt: die Sprengbombe Dickwandig 1 kg kurz SD 1, die Sprengbombe Dickwandig 2 kg (kurz SD 2) sowie die Elektronbrandbomben B 1 E, B 1,3 E, B 2 EZ, B 2,2 EZ etc. und die SD 4 HL-Hohlladungsbombe zur Panzerbekämpfung. Diese wurden in unterschiedlich große Abwurfbehälter (beispielsweise AB 70 mit 23 SD 2 oder 50 SD 1 bis hin zu AB 1000 mit 610 Elektronbrandbomben B 1,3 E oder 1000 SD 1) gepackt, der wiederum wie eine große Bombe abgeworfen wurde, sich nach kurzer Fallzeit über einen Zeitzünder öffnete und die Kleinbomben freigab. Die zur besseren Tarnung meist dunkelgrün oder schmutzig gelb gefärbten Sprengbomben wurden dabei über eine Fläche verteilt und explodierten je nach eingesetztem Zünder beim Aufschlag, nach dem Ablauf einer vorher festgelegten Zeit oder bei nachträglicher Störung der Bombe (siehe auch: Deutsche Abwurfmunition des Zweiten Weltkrieges).
Im Winterkrieg wurde von sowjetischer Seite frühe Typen von Streubomben verwendet (RRAB-1, RRAB-2, RRAB-3), die von den Finnen als Molotows Brotkorb bezeichnet wurde. Beladen waren die Bomben mit Brandsätzen, Splitterbomben und später auch mit Hohlladungs-Streumunition. Ab 1941 setzte die Flieger der Rote Armee AK-2 und ASh-2-Brand-Streumunition ein. Bei der Schlacht um Kursk wurden von sowjetischer Seite erstmals Hohlladungs-Streumunition (PTAB-2,5-1,5) in Bombenkassetten zu je 48–80 Stück zur Panzerbekämpfung eingesetzt.Rkka.es: ARMAMENTO AÉREO SOVIÉTICO ANTES Y DURANTE LA IIGM
Von britischer und US-amerikanischer Seite wurden im Zweiten Weltkrieg ebenfalls Streubomben eingesetzt, sowohl Stab- und Flüssigkeitsbrandbomben als auch Splitterbomben. Während die Briten die Thermit-Stabbrandbomben vom Typ INC 4 lb verwendeten, entwickelten die USA die Thermit-Stabbrandbomben AN-M50, AN-M52 und AN-M54. Für die Luftangriffe auf Japan wurden ab 1943 die mit Napalm befüllten Stabbrandbomben AN-M69 und AN-M74 entwickelt. Allein von der Napalm-Streumunition AN-M69 wurden für die Luftangriffe auf japanische Städte 20 Millionen Stück bereitgestellt (vgl. Luftangriffe auf Tokio). Auch Italien besaß mit der AR-4 „Thermosbombe“ eine eigene Streumunition, die u. a. bei Luftangriffen in Nordafrika auf die Insel Malta eingesetzt wurde.
Die Streubombentechnik wurde nach dem Zweiten Weltkrieg federführend von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion weiterentwickelt. Bei unverändertem Grundprinzip wurden verschiedene Arten von Streumunition für militärische Zwecke entwickelt und auch für andere Einsatzarten als den Abwurf von einem Flugzeug umgesetzt; so wurde Streumunition u. a. für Artilleriegeschütze oder Raketenwerfer entwickelt. Gegen Ende des Vietnamkrieges wurde der großflächige Einsatz von Napalm zusehends durch Streubomben mit Splitterwirkung verdrängt.
Ab den 1980er-Jahren wurden sogenannte „intelligente“ Bomblets mit eigenen Sensoren zur präzisen Bekämpfung von Panzerfahrzeugen entwickelt.Charles Q. Cutshaw & Leland Ness: Jane’s: Ammunition Handbook 2004–2005. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2004, S. 415–416.
Technik und Funktion mini|Submunition explodiert auf einem Übungsgelände in Südkorea Streumunition besteht aus kleinen Bomblets (Submunition), die von einem Trägersystem bzw. Einsatzmittel zum Ziel gebracht und dort verstreut werden. Die Trägersysteme für die Bomblet sind vielfältig und es werden Fliegerbomben (Streubomben), am Flugzeug verbleibende Abwurfbehälter, Artilleriegeschosse, Mörsergranaten oder Gefechtsköpfe für Artillerieraketen, Marschflugkörper und ballistische Raketen verwendet. Die Trägersysteme können mit zwei bis mehreren tausend Bomblets beladen werden. Durch die Zündung einer Ausstoßladung oder durch die Rotation des Trägersystems werden die Bomblets über dem Ziel verteilt. In Abhängigkeit von Ausstoßhöhe und Ausstoßgeschwindigkeit verteilen sich die Bomblets über eine größere oder kleinere Fläche mit unterschiedlicher Belegungsdichte. Die Streufläche kann elliptisch- oder kreisförmig sein und eine Ausdehnung von wenigen dutzend bis mehreren zehntausend Quadratmetern haben. Durch den sehr großen räumlichen Wirkungsradius erhöht sich die Effizienz der Waffe gegen großflächige Ziele oder die Wahrscheinlichkeit, kleine, bewegliche Ziele im beschossenen Zielgebiet zu treffen. Weiter wird auch keine hohe Zielgenauigkeit benötigt. Streumunition ist damit, militärisch betrachtet, eine der wirksamsten konventionellen Waffen, die aus der Distanz gegen Bodenziele eingesetzt werden können.Ffi.no: Ove Dullum: Cluster weapons – military utility and alternatives. Forsvarets forskningsinstitutt / Norwegian Defence Research Establishment (FFI), 2008Clusterconvention.org: A Guide to Cluster Munitions (PDF; 5,1 MB)Clusterconvention.org: Cluster Munition Monitor 2025 (PDF; 8,0 MB)Bulletpicker.com: AMCP 706-180 Principles of Explosive Behavior (1972) (PDF; 30 MB)
Der Aufbau der Bomblets ist unterschiedlich und richtet sich nach dem Trägermittel und dem Einsatzzweck. Der Aufbau der Bomblets kann kugelförmig, zylinderförmig sein oder dem von kleinen Mörsergranaten oder Fliegerbomben ähneln. Um den Fall zu stabilisieren oder abzubremsen, haben verschiedene Bomblets kleine Leiterwerke oder einen Fallschirm oder Ballonschirm. Bei sehr kleinen Bomblets sind zur Stabilisierung einfache Stoff- oder Gummibänder auf der Oberseite angebracht. Als Zünder werden Aufschlagzünder, Verzögerungszünder und selten auch Näherungszünder verwendet. Neuere Bomblets verfügen über zusätzliche Selbstzerstörungs- sowie Neutralisierungsmechanismen, welche die Rate der Blindgänger laut Angaben der Hersteller gegen Null senken soll und somit die Gefährdung der Zivilbevölkerung durch nicht detonierte Bomblets (Blindgänger) drastisch reduzieren können. Durch falsche Einsatzverfahren und Qualitätsmängel versagen vielfach auch diese Sicherheitsmechanismen.Npaid.org: M85 - An analysis of reliability Das Gewicht eines Bomblets reicht von wenigen hundert Gramm bis zu mehreren Kilogramm. Es existieren eine Vielzahl unterschiedlicher Bomblets mit unterschiedlichen Wirkweisen, die zur Bekämpfung von verschiedenen Zielen konzipiert sind.
Trägersysteme / Einsatzmittel Streubomben mini| Schemaschnitt einer Streubombe vom Typ RBK-250 ZAB-2,5 Streubomben sind Fliegerbomben die mit Bomblets (Submunition) beladen sind. Der Einsatz von Streubomben geschieht aus Bombern, Kampfflugzeugen, Kampfhubschraubern sowie Unbemannten Luftfahrzeugen. Streubomben können aus mittlerer Flughöhe wie auch aus dem Tiefflug abgeworfen werden. Sie werden hauptsächlich für die Luftnahunterstützung eingesetzt. Daneben können auch taktische und strategische Ziele mit Streubomben bekämpft werden. Bei den Zielen handelt es sich um Truppenansammlungen oder wichtige Ziele wie Flugplätze, Kommunikationseinrichtungen, Radaranlagen, Luftabwehr, Beobachtungsposten, Artilleriestellungen usw. Weltweit existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Streubomben-Modelle. Sie werden als Freifallbomben oder mit Rüstzusätzen mit INS und/oder GNSS als Präzisionsbomben eingesetzt. Streubomben können mit wenigen dutzend bis über tausend Bomblets beladen sein. Ausgestoßen aus der Streubombe werden die Bomblets, in dem die Bombenbeplankung abgesprengt wird oder mit einer Ausstoßladung. Vertreter von Streubomben sind die BL755, BLG 66 Belouga, CBU-97, RBK-250 und RBK-500.Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, 2003, ISBN 0-7106-0866-7. S. 275–572.
Abwurfbehälter mini|KMGU-2-Abwurfbehälter für Streumunition Abwurfbehälter verbleiben zum Ausstoßen der Submunition am Luftfahrzeug und werden im Unterschied zu Streubomben nicht abgeworfen. Nachdem das Luftfahrzeug zum Stützpunkt zurückgekehrt ist, können diese Behälter mit neuer Submunition beladen werden. Abwurfbehälter werden überwiegend mit Kampfflugzeugen und z. T. auch mit Kampfhubschraubern eingesetzt. Der Ausstoß der Submunition erfolgt in der Regel aus dem Tiefflug. Zu den Zielen gehören Truppenansammlungen, Flugplätze und mechanisierte Verbände. Die Behälter können mit wenigen dutzend bis über tausend Bomblets, Kleinbomben, Panzerabwehrminen oder Antipersonenminen beladen werden. Während des Kalten Krieges wurden im Westen die Abwurfbehälter MW-1 sowie JP233 und in der Sowjetunion der KMGU-Abwurfbehälter entwickelt.
Luft-Boden-Raketen Für den Einsatz aus Flugzeugen und Hubschraubern wurden ungelenkte Luft-Boden-Raketen mit Submunition entwickelt. Seltener entstanden auch Luft-Boden-Lenkflugkörper mit Submunition. Luft-Boden-Raketen mit Submunition werden zur Luftnahunterstützung eingesetzt. Da diese Raketen einen kleinen Durchmesser haben, können sie nur 5–10 kleine Splitter- oder Hohlladungs-Bomblets aufnehmen. Bekannte Luft-Boden-Raketen mit Submunition sind die SNEB und Hydra 70.Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, 2003, ISBN 0-7106-0866-7. S. 697–771.
Artilleriegeschosse mini|Ein M864-Artilleriegeschoss mit 72 Bomblets Weit verbreitet sind Artilleriegeschosse mit Submunition. Diese werden auch als Cargomunition oder Dual-purpose Improved Conventional Munition (DPICM) bezeichnet. Für die Artillerie existieren Submunition-Geschosse mit Kaliber 105 mm, 122 mm, 152 mm, 155 mm und 203 mm. Ein Artilleriegeschoss mit Kaliber 155 mm kann 45–88 Bomblets aufnehmen. Primär werden Hohlladungs-Bomblets aber auch Splitter-Bomblets und Minen verwendet. Diese werden nach einer vorbestimmten Zeit mit einer Ausstoßladung aus dem Geschossboden ausgestoßen. Artilleriegeschosse mit Submunition werden im Indirekten Feuer gegen eine Vielzahl frontnaher Ziele eingesetzt.Charles Q. Cutshaw & Leland S. Ness: Jane’s Ammunition Handbook, 2004–2005. Information Group, Vereinigtes Königreich, 2004, ISBN 0-7106-2615-0. S. 287–430.
Mörsergranaten