Der Landkreis Peine ist ein Landkreis im Osten Niedersachsens.

Geographie Der Landkreis Peine erstreckt sich in etwa auf halber Strecke zwischen den beiden niedersächsischen Oberzentren Hannover und Braunschweig. Im Süden des Kreisgebiets hat er Anteil an den fruchtbaren Ackerböden der Braunschweig-Hildesheimer Lößbörde. Etwa nördlich der Bundesautobahn 2 machen sich im Norden des Kreises bereits Ausläufer der Südheide bemerkbar. Die Böden werden hier sandiger.

Der Landkreis liegt nördlich der Mittelgebirgsschwelle bereits in der Norddeutschen Tiefebene. Höchste natürliche Erhebung ist mit 131 m ü. NHN der Ballenberg, westlich der Ortschaft Barbecke in der Gemeinde Lengede, an der südlichen Kreisgrenze zum Landkreis Hildesheim und zur Stadt Salzgitter.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die Region Hannover, an den Landkreis Gifhorn, an die kreisfreien Städte Braunschweig und Salzgitter sowie an den Landkreis Hildesheim.

Flüsse, Kanäle Durch den Kreis verlaufen die Flüsse Fuhse, Oker, Aue und Erse sowie der Mittellandkanal mit dem Stichkanal Salzgitter.

Geschichte Der Landkreis Peine wurde durch die preußische Verwaltung zum 1. April 1885 aus der Stadt Peine, dem Amt Peine und 21 Gemeinden und Gutsbezirken des Amtes Meinersen neugebildet. Der nördliche Teil des Landkreises war ein Teil des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg und gehörte zur Gografschaft Edemissen des Amtes Meinersen. Der südliche Teil gehörte seit dem Mittelalter zum Hochstift Hildesheim. Letzteres fiel 1803 dem Königreich Preußen zu, 1814 dann dem neuen Königreich Hannover.

1941 kamen die Braunschweiger Enklaven Ölsburg und Neuölsburg zum Kreis hinzu. Außerdem wurde die braunschweigische Gemeinde Woltorf in die bereits zum Kreis gehörende Gemeinde Woltorf eingegliedert. Die nächste Erweiterung erfolgte am 1. Juli 1972 um die Orte Barbecke, Broistedt und Woltwiesche, die bis dahin dem Landkreis Wolfenbüttel angehörten und nach Lengede eingemeindet wurden. Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Hämelerwald, Dedenhausen und Eltze an den Landkreis Hannover und die Gemeinde Ohof an den Landkreis Gifhorn abgetreten. Gleichzeitig erhielt der Landkreis Peine die Gemeinden Vechelde und Wendeburg mit sämtlichen Ortschaften (1974–1981 mit Didderse, vorher Landkreis Gifhorn) – die heutigen Wendeburger Ortsteile Rüper und Wense gehörten schon zum Landkreis Peine – aus dem aufgelösten Landkreis Braunschweig. Zur Neubildung der Gemeinde Didderse wurde am 1. Mai 1981 ein Gebiet von der Gemeinde Wendeburg abgetrennt, die neue Gemeinde kam zum Landkreis Gifhorn.

Die Region hatte seit der Gründung der Ilseder Hütte 1858 in Groß Ilsede eine Tradition im Bergbau und der Verhüttung. 1976 wurde der Erzabbau eingestellt. Ein tragisches und weithin bekanntes Ereignis in der Geschichte des Landkreises ist das Grubenunglück im Jahr 1963 in Lengede, bei dem 29 Bergarbeiter ums Leben kamen.

Am 10. Juli 2014 beschlossen die Mitglieder der Gemeinderäte Ilsede und Lahstedt den Zusammenschluss beider Gemeinden. Die Fusion der Gemeinden wurde zum 1. Januar 2015 umgesetzt.. Peiner Allgemeine Zeitung, 10. Juli 2014, abgerufen am 11. Juli 2014

Eine geplante Fusion der Landkreise Peine und Hildesheim war für den 1. November 2016 vorgesehen.. Peiner Allgemeine Zeitung, 18. Februar 2014, abgerufen am 11. Juli 2014Hildesheimer wollen Fusion nur mit Peine. Braunschweiger Zeitung – Peiner Nachrichten, 16. November 2013 Peiner Allgemeine Zeitung, 3. Oktober 2013, abgerufen am 11. Juli 2014 Hildesheimer Allgemeine Zeitung, abgerufen am 11. Juli 2014 Die Aufnahme von Fusionsverhandlungen wurde in verschiedenen Gremien kontrovers diskutiert.Thorsten Pifan: In: Peiner Allgemeine Zeitung, 6. Juni 2014, abgerufen am 11. Juli 2014 Im Juli 2015 scheiterte der angestrebte Zusammenschluss in einer Abstimmung im Kreistag Hildesheim. In: Peiner Allgemeine Zeitung, 21. Juli 2015, abgerufen am 12. Oktober 2015, Website des Landkreises Hildesheim zur Landkreisfusion, abgerufen am 12. Oktober 2015

Einwohnerstatistik 400px|mini|Bevölkerungspyramide für den Kreis Peine (Datenquelle: Zensus 2011.)

Jahr Einwohner Quelle Zeitleiste 1890 37.150 1900 46.682 1910 50.511 1925 54.543 1939 56.266 1950 106.108 1960 95.500 1970 98.000 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1980 118.400 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1990 120.441 2000 132.243 2010 131.545 2015 132.320 2020 135.844 2025 137.149

Konfessionsstatistik Gemäß der Volkszählung 2011 waren 52,7 % der Einwohner evangelisch, 11,3 % römisch-katholisch und 36,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Ergebnisse Zensus 2011 Bevölkerung kompakt Personen Religion, abgerufen am 23. Juni 2024 Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren (2022) 41,4 % der Einwohner evangelisch, 9,7 % katholisch und 48,9 % konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 20. Juli 2024

Politik Amtshauptleute des Amtes Peine vor 1885 1870–1873 August Hoppenstedt

Landräte 1885–1888 Bernhard Bauerschmidt (NLP) 1888–1893 Rudolf von Bennigsen (NLP) 1893–1898 Hans von Hammerstein-Equord 1898–1920 Oswald aus dem Winckel 1920–1928 Gustav Berlin 1928–1932 Hans Brandt (SPD) 1932–1934 Hans Waldow Ritzler 1934–? Helmut Freise 1945–1946 Richard Brennig (KPD) 1946–1948 Heinrich Steinmann (SPD) 1948–1949 Hermann Ernst 1949–1951 Karl Munzel (CDU) 1951–1952 Richard Langeheine (DP) 1952–1955 Bruno Schütz 1955–1957 Horst Leßmann (DP) 1957–1958 Bruno Schütz 1958–1961 Kurt Brandes 1961–1964 Bruno Böhme 1964–1972 Hertha Peters (SPD) 1972–1981 Paul Becker 1981–1986 Helmut Glandt 1986–1996 Otto Heinz Ohlendorf 1996–2000 Rosemarie Leunig 2000–2021 Franz Einhaus (SPD) seit 2021 Henning Heiß (SPD)

Franz Einhaus wurde bei den Landratswahlen 2006 mit 61,3 Prozent der Stimmen und 2016 (54,1 %) im jeweils ersten Wahlgang wiedergewählt. Bei der Landratswahl 2021 wurde der Sozialdemokrat Henning Heiß im zweiten Wahlgang mit 65,0 % der Stimmen gegen Banafsheh Nourkhiz Mahjoub (CDU) zum neuen Landrat gewählt.Ergebnis auf votemanager.kdo.de, abgerufen am 7. Oktober 2021.

Kreistag Die erste Kreistagswahl nach dem Zweiten Weltkrieg brachte 1946 für die SPD 20, die niedersächsische Landespartei elf, die CDU neun und die KPD zwei Sitze. auf www.paz-online.de, abgerufen am 6. Januar 2022. Bei den letzten Wahlen zum Kreistag kam es zu folgenden Ergebnissen:

Partei 13. Sept. 2026 12. Sept. 2021 11. Sept. 2016 11. Sept. 2011 10. Sept. 2006 9. Sept. 2001 SPD 33,74 % 17 Sitze 36,84 % 18 Sitze 42,18 % 21 Sitze 47,73 % 23 Sitze 48,58 % 24 Sitze 48,2 % 25 Sitze CDU 22,20 % 11 Sitze 28,41 % 14 Sitze 30,43 % 15 Sitze 31,21 % 16 Sitze 34,86 % 18 Sitze 37,9 % 19 Sitze AfD 18,78 % 9 Sitze 5,57 % 3 Sitze 8,70 % 4 Sitze – – – – – – Grüne 10,94 % 6 Sitze 13,10 % 7 Sitze 8,51 % 4 Sitze 11,51 % 6 Sitze 6,33 % 3 Sitze 5,1 % 2 Sitze Die Linke 4,87 % 2 Sitze 2,20 % 1 Sitz 2,67 % 1 Sitz 2,87 % 1 Sitz – – – – PB 2,67 % 1 Sitz 5,47 % 3 Sitze 2,24 % 1 Sitz 3,77 % 2 Sitze 3,09 % 2 Sitze 5,4 % 2 Sitze FDP 2,29 % 1 Sitz 5,09 % 2 Sitze 3,12 % 2 Sitze 2,18 % 1 Sitz 4,12 % 2 Sitze 3,3 % 2 Sitze FW 1,23 % 1 Sitz – – – – – – – – – – Volt 1,21 % 1 Sitz 0,39 % 0 Sitze – – – – – – – – FBI 1,17 % 1 Sitz 1,56 % 1 Sitz 1,35 % 1 Sitz – – – – – – dieBasis 0,56 % 0 Sitze 1,37 % 1 Sitz – – – – – – – – Die PARTEI 0,34 % 0 Sitze – – – – – – – – – – Piratenpartei – – – – 0,75 % 1 Sitz 1,71 % 1 Sitz – – – – WASG – – – – – – – – 2,22 % 1 Sitz – – GuB – – – – – – – – 0,77 % 0 Sitze – – Wahlbeteiligung 71.909 von 108.033 63.785 von 109.679 61.361 von 107.853 56.820 von 106.290 56.148 von 107.341 57.010 von 104.362 66,56 % 58,16 % 56,89 % 53,45 % 52,3 % 54,62 % nls.niedersachsen.de Ergebnisse der Kommunalwahlen 2001 und 2006 Ergebnis der Kommunalwahlen 2011Ergebnis der Kommunalwahlen 2021

Wappen links|75px Der Landkreis ließ sich am 18. November 1958 vom niedersächsischen Innenministerium ein neues Wappen genehmigen. Es zeigt den Wolf des Peiner Stadtgründers Gunzelin von Wolfenbüttel in doppelter Gestalt, rot auf goldenem Feld, auswärts gekehrt und wehrhaft aufgerichtet. Die beiden Wölfe stehen sozusagen auf Wacht für den Bestand des Kreises Peine gegen die stets gebietshungrigen Wappenlöwen der städtischen Ballungszentren Hannover und Braunschweig. In der Farbgebung des Wappens war man frei, da die Farben des nur auf Schildsiegeln überlieferten Wappens Gunzelins nicht bekannt sind. Man wählte Gold und Rot, die Farben des bischöflichen Fürstenstaates Hildesheim, an den das Gebiet des heutigen Landkreises kurz nach Gunzelins Tod gelangte und zu dem es fortan fünfeinhalb Jahrhunderte (bis 1802) gehörte.Arnold Rabbow: Neues Braunschweigisches Wappenbuch. Braunschweiger Zeitungsverlag, Meyer Verlag, Braunschweig 2003, ISBN 3-926701-59-5, S. 125.

Zuvor führte der Landkreis bereits von 1934 bis 1958 ein geteiltes und halbgespaltenes Wappen. Dieses zeigte im oberen goldenen Feld einen schwarzen nach links springenden Wolf mit roten Krallen und roter Zunge. Im unteren linken Feld ein silbernes Zahnrad auf rotem Grund und im rechten Feld eine schräggestellte silberne Sichel auf grünem Grund. Diese nahmen Bezug auf die im Kreis Peine betriebene Landwirtschaft und die dort angesiedelte Industrie. Der Entwurf stammte von Emil-Werner Baule und wurde am 15. Januar 1935 vom preußischen Staatsministerium genehmigt.

Landschaft Der Landkreis ist Mitglied in dem eingetragenen Verein Braunschweigische Landschaft mit Sitz in Braunschweig. Er wurde zur Pflege kultureller Einrichtungen in der Region gegründet.

Kreispartnerschaften Der Landkreis Peine unterhält eine Partnerschaft mit der Stadt Heinola in Finnland und dem polnischen Powiat Opolski (Oppeln). Im Oktober 2009 wurde ein Partnerschaftsvertrag mit der Stadt Nanchang, Hauptstadt der Provinz Jiangxi in der Volksrepublik China, unterzeichnet.

Wirtschaft und Verkehr Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Peine Platz 186 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko Mix“ für die Zukunft.

Eisenbahn Schon im Jahre 1844 eröffnete die Braunschweigische Staatsbahn ihre Ost-West-Strecke Peine–Braunschweig, die an die im Vorjahr entstandene Hannöversche Staatsbahn von Hannover her anschloss.Manfred Grunert: Eisenbahnstrecken im Peiner Land. Teil 1: Die Nebenstrecken. Braunschweigische Heimat (98), Heft 1/2012, S. 22–25. Teil 2: Die Hauptstrecken. Braunschweigische Heimat (98), Heft 2/2012, S. 6–8.

Die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft richtete an ihrer 1871 erbauten Strecke Hannover–Stendal in Plockhorst, im jetzigen Nordzipfel des Kreises, einen Bahnhof ein. Hier kreuzte später die Reichsbahnstrecke Celle–Braunschweig, die Plockhorst 1921 erreichte und 1923 weitergeführt wurde. Eine Querverbindung Plockhorst–Peine kam 1922 hinzu.

Die Ost-West-Trasse Hildesheim–Braunschweig wurde von der Preußischen Staatsbahn 1889 eröffnet. In Broistedt, heute im Süden des Kreises Peine, schloss sich die bereits 1884 als Schmalspurbahn erbaute Ilsede-Lengeder Eisenbahn der Ilseder Hütte an, die später als Kleinbahn Groß Ilsede–Broistedt firmierte und bis 1919 umgespurt wurde. In Groß Ilsede war sie mit der schon 1865 (als Pferdebahn) ebenfalls von der Ilseder Hütte eröffneten Bahn nach Peine verbunden. Sie bilden heute die Peiner Eisenbahn der Verkehrsbetriebe Peine-Salzgitter GmbH.