mini|Godfrey Kneller, König Jakob II. von England rahmenlos|klasse=skin-invert
Jakob II. von England (englisch James II; * 14. Oktober 1633 im St James’s Palace in London; † 16. September 1701 in Saint-Germain-en-Laye), zugleich Jakob VII. von Schottland, wurde am 23. April 1685 zum König von England, König von Schottland und König von Irland gekrönt. Er folgte seinem Bruder Karl II. nach, dem er zuvor als Lord High Admiral und Oberbefehlshaber der Royal Navy sowie als Lord High Commissioner von Schottland gedient hatte. Nach seinem damaligen Titel Duke of York wurde 1664 die von den Niederländern kampflos übergebene Kolonie Nieuw Amsterdam in New York umbenannt.
Bereits 1668/69 war der im französischen Exil aufgewachsene Prinz zum Katholizismus konvertiert mit dem erklärten Ziel, England zu rekatholisieren. Das führte alsbald zum Widerstand gegen sein Recht zur Thronnachfolge seines kinderlosen Bruders Karl II., jedoch hatte der Widerstand zunächst keine Folgen, weil eine Thronnachfolge durch seine protestantischen Töchter aus erster Ehe angenommen wurde und die Geburt eines katholischen Thronnachfolgers aus seiner zweiten, katholischen Ehe nicht mehr zu erwarten war. Entgegen dieser Erwartungen wurde ihm 1688 aus der zweiten, katholischen Ehe doch noch ein Sohn geboren. Kurz darauf wurde Jakob II. wegen seiner pro-katholischen und absolutistischen Politik im Verlauf der Glorious Revolution im Januar 1689 als König abgesetzt und durch seine Tochter Maria und ihren Mann Wilhelm III. von Oranien ersetzt.
Geschichtlicher Überblick Jakob war der letzte katholische Monarch, der über die damals anglikanischen bzw. presbyterianischen Königreiche England und Schottland herrschte. Seiner katholischen Personalpolitik misstraute ein Großteil der Bevölkerung. Besonders der Adel warf ihm vor, er wolle Britannien zum Katholizismus zurückführen und eine absolutistische Herrschaftsform wie in Frankreich errichten. Dies führte dazu, dass seine Gegner ihn in der Glorious Revolution 1688 absetzten. Ihm folgte nicht sein zur Thronfolge berechtigter Sohn James Francis Edward aus der zweiten, katholischen Ehe nach, sondern seine protestantische Tochter Maria II. aus erster Ehe, gemeinsam mit ihrem Gemahl Wilhelm von Oranien, dem Statthalter der Niederlande, der als Wilhelm III. auf den Thron berufen wurde.
Jakob II. versuchte mehrfach mit Hilfe Ludwigs XIV. von Frankreich, auf den Thron zurückzukehren: Aus dem französischen Exil fuhr er 1689/90 in das katholische Irland, wo er für etwas über ein Jahr wieder herrschen konnte, bis er in der Schlacht am Boyne von seinem Schwiegersohn besiegt wurde und nach Frankreich zurück floh. 1696 scheiterte ein Mordkomplott gegen Wilhelm III.
Auch der Sohn James Francis Edward Stuart (the Old Pretender, der „alte Thronanwärter“) und der Enkel Charles Edward Stuart (the Young Pretender, der „junge Thronanwärter“) bemühten sich um militärische Unterstützung durch verschiedene europäische Staaten, scheiterten jedoch mit ihren Jakobitenaufständen in den Jahren 1715, 1719 und 1745. Schon ab 1690 wurden ihre Anhänger Jakobiten genannt.
Jugend mini|Sir Peter Lely, König Karl I. und der jugendliche Jakob II. (1647) Jakob wurde am 14. Oktober 1633 im St James’s Palace in London geboren. Er war dritter Sohn König Karls I. von England, Schottland und Irland und Königin Henrietta Marias, der Tochter Heinrichs IV. von Frankreich. Da der erstgeborene 1629 am Tage der Geburt verstorben war, stand er in der Thronfolge nach dem Bruder, dem späteren König Karl II., an zweiter Stelle. 1642 wurde er in den Hosenbandorden aufgenommen, am 17. Januar 1644 wurde ihm der Titel eines Duke of York verliehen.
Während des Englischen Bürgerkriegs blieb er in der monarchistischen Hochburg Oxford, während der Vater die Streitkräfte des House of Commons und der Puritaner bekämpfte. Als die Stadt 1646 kapitulierte, wurde Jakob auf Anweisung des Parlaments im St James’s Palace unter Arrest gestellt, sein älterer Bruder floh nach Frankreich. 1648 konnte Jakob mit Unterstützung der Schriftstellerin Anne Halkett aus dem Palast entkommen und verkleidet nach Den Haag fliehen. Als König Karl I. 1649 von den Gegnern hingerichtet wurde, erklärten die Monarchisten Jakobs Bruder Karl II. zum König, der von Schottlands und Irlands Parlamenten anerkannt wurde. 1650 nach Schottland zurückgekehrt, wurde er im folgenden Jahr in Scone gekrönt. Nicht erringen konnte er seinerzeit die Krone Englands. 1651 wurde er in der Schlacht von Worcester von englischen Invasionstruppen besiegt und floh nach Frankreich.
Auch Jakob suchte Zuflucht in Frankreich. Dabei diente er in der französischen Armee unter Marschall Turenne. Als Bruder Karl im Jahr 1656 ein Bündnis mit Spanien, einem Gegner Frankreichs schloss, trat er der spanischen Armee bei, wo er unter Ludwig II. von Bourbon, Prinz von Condé diente. Sowohl Turenne als auch Condé lobten den Duke of York ob seiner militärischen Fähigkeiten. mini|links|Peter Lely, Lady Anne Hyde und Jakob, National Portrait Gallery, London
Nach dem Tod Oliver Cromwells und der Amtsaufgabe von dessen Sohn Richard Cromwell rief das Parlament, um die politischen Wirren zu beenden, den Bruder Karl zurück nach England, wo er als Karl II. am 29. Mai 1660 den Thron bestieg. Jakob kehrte an der Seite des Bruders zurück. Obwohl er an erster Stelle der Thronfolge stand, erschien es unwahrscheinlich, dass er tatsächlich dessen Nachfolge antreten würde. König Karl II. war jung und unverheiratet, aber bereits Vater einiger illegitimer Kinder.
Jakob hatte angeblich am 24. November 1659 im niederländischen Breda heimlich Lady Anne Hyde, die Tochter des Edward Hyde, 1. Earl of Clarendon, des Leiters der Exilregierung Karls II. geheiratet. Am 3. September 1660 wurde die Vermählung in London in einer offiziellen Zeremonie wiederholt. Bereits im Folgemonat gebar die Duchess of York ihr erstes Kind.
Jakob, Duke of York, wurde zum Lord High Admiral ernannt und war Oberbefehlshaber der Royal Navy während des zweiten (1665–1667) und dritten Englisch-Niederländischen Seekriegs (1672–1674). Sein Staatssekretär im Marineamt, Samuel Pepys, beschrieb diese Zeit in seinem bekannten Tagebuch. Nachdem die Engländer 1664 Nieuw Nederland in Nordamerika erobert hatten, wurde die Stadt Nieuw Amsterdam zu seinen Ehren in New York umbenannt. Das 150 Meilen flussaufwärts am Hudson River liegende Fort Oranje wurde nach Duke of Albany, seinem zweiten Titel, in Albany umbenannt. Jakob war 1660 einer der Mitbegründer der Company of Royal Adventurers trading to Africa, ein Hauptbetreiber des britischen Sklavenhandels.Abigail L. Swingen: Competing Visions of Empire, Labor, Slavery, and the Origins of the British Atlantic Empire. Yale University Press, New Haven 2015, S. 58. Er stand seit 1662 der Royal African Company vor, die in der Nachfolge der Royal Adventurers den Transatlantischen Sklavenhandel betrieb. Sein Brandzeichen war DY, Duke of York.Simon P. Newman: Freedom Seekers. Escaping from Slavery in Restoration London. University of London Press, London 2022, S. 188.W. St Clair: The Grand Slave Emporium. Cape Coast Castle and the British Slave Trade. London 2006, S. 211–212.
Religionskonflikte 1668 oder 1669 konvertierte Jakob zur katholischen Kirche. Seine protestantischen Gegner im Parlament unter der Führung von Anthony Ashley Cooper konnten mit der Verabschiedung der Testakte erreichen, dass alle zivilen und militärischen Staatsbediensteten einen Eid ablegen mussten, der mit der Lehre der katholischen Kirche unvereinbar war. Außerdem mussten sie nach dem Ritus der Church of England die Kommunion empfangen. Der Duke of York weigerte sich, den Eid abzulegen und die Kommunion zu empfangen und verzichtete auf seinen Posten als Lord High Admiral. mini|hochkant|Willem Wissing, Prinzessin Maria Beatrix von Modena, 1685, National Portrait Gallery, London
König Karl II. widersetzte sich dem Konfessionswechsel seines Bruders und verlangte, dass die Kinder des Dukes als Protestanten erzogen wurden. Trotzdem erlaubte er seinem Bruder, der 1671 Witwer geworden war, 1673 die katholische Prinzessin Maria von Modena zu heiraten. Einige Engländer misstrauten der neuen Duchess of York und betrachteten sie als eine Agentin des Papstes.
Im Jahr 1677 versuchte der Duke of York die Protestanten zu beschwichtigen, indem er seiner Tochter Maria erlaubte, den protestantischen Statthalter der Niederlande, Prinz Wilhelm III. von Oranien, zu heiraten. Dieser war zugleich sein Neffe. Trotz der Zugeständnisse blieb die Furcht vor einem künftigen katholischen Monarchen bestehen. Sie wurde durch die fehlgeschlagenen Schwangerschaften der Frau seines Bruders, der Königin Katharina, noch verstärkt. Der aus der anglikanischen Kirche ausgestoßene Priester Titus Oates schürte den Unmut, indem er von einem päpstlichen Komplott zur Tötung Karls II. predigte, das angeblich zum Ziel hatte, den Duke of York auf den Thron zu setzen. Dieses frei erfundene Gerücht verursachte eine Welle antikatholischer Hysterie, die sich über die Nation ergoss. Der Duke of York entschloss sich in weiser Voraussicht, England zu verlassen und nach Brüssel zu gehen. Im Jahr 1680 wurde er zum Lord High Commissioner von Schottland ernannt und bezog den Holyrood Palace in Edinburgh.
In England unternahmen Lord Shaftesbury und andere den Versuch, den Duke of York aus der Thronfolge auszuschließen. Einige unter ihnen schlugen sogar vor, dass die Krone an den unehelichen Sohn Karls II., den Duke of Monmouth, gehen sollte. Als 1679 die Exclusion Bill kurz vor der Verabschiedung stand, löste König Karl II. das Parlament auf. Die Exclusion Bill trug auch zur Herausbildung des englischen Zweiparteiensystems bei. Die Whigs unterstützten das Gesetz, während die Tories sich diesem widersetzten. Zwei weitere Parlamente wurden 1680 und 1681 gewählt, wurden jedoch jeweils aus dem gleichen Grund wieder aufgelöst.
Nach der Auflösung des Parlaments 1681 wurde kein neues Parlament mehr einberufen. Die Popularität Karls II. war zu jener Zeit sehr groß. Deshalb konnte er dem Duke of York 1682 erlauben, nach England zurückzukehren. Dabei erlitt dieser vor der Küste von Great Yarmouth am 6. Mai 1682 Schiffbruch, als die Gloucester, ein 1654 vom Stapel gelaufenes 54-Kanonen-Schiff, auf eine Sandbank lief. Die Havarie wurde dadurch ausgelöst, dass der Duke of York sich mit dem Lotsen über den richtigen Kurs stritt. Da der Duke of York sich zunächst weigerte, das Schiff evakuieren zu lassen, kamen bis zu 250 Menschen ums Leben.Tobi Thomas: Wreck of Royal Navy warship sunk in 1682 identified off Norfolk coast. In: The Guardian. 10. Juni 2022, abgerufen am 10. Juni 2022. Die Entdeckung des Wracks 2007 wurde zunächst aus Angst vor Schatzräubern geheim gehalten und im Juni 2022 bekanntgegeben.Legendäres Schiffswrack vor Englands Küste entdeckt. ORF.at, 10. Juni 2022, abgerufen am 10. Juni 2022.
Im Jahr 1683 scheiterte eine protestantische Verschwörung (Rye House Plot) mit dem Ziel, den König und seinen Bruder zu ermorden, kläglich. Stattdessen wuchs die Beliebtheit der beiden.
König von England, Schottland und Irland Karl II. starb 1685 ohne legitime Nachkommen und trat auf dem Sterbebett zum katholischen Glauben über, was nahelegt, dass er zu Lebzeiten wohl nur aus Gründen der Staatsraison offiziell am anglikanischen Glauben festgehalten hatte. Sein Bruder folgte ihm auf dem Thron nach und herrschte in England und Irland als Jakob II. und in Schottland als Jakob VII. Er wurde am 23. April 1685 in der Westminster Abbey gekrönt. Zunächst gab es nur wenig offenen Widerstand gegen den neuen Herrscher. Viele konservative Anglikaner unterstützten ihn sogar. Das neue Parlament, das im Mai 1685 zusammentrat, schien ihm wohlgesinnt und gewährte ihm ein großes Einkommen. mini|links|Königliches Wappen von Jakob II.