Der Landkreis Wesermarsch liegt im Nordwesten Niedersachsens und umfasst das Gebiet westlich der Weser zwischen Bremen und der Wesermündung. Seine Kreisstadt ist Brake, die größte Stadt hingegen Nordenham.

Geografie Physische Geografie Die Fläche der Landschaft Wesermarsch deckt sich links der Weser weitgehend mit der des gleichnamigen Landkreises. Die Landschaft reicht allerdings in mehrere Landkreise. So befindet sich der Geestrand als Grenze zur Wesermarsch im Westen und im Süden in den Landkreisen Ammerland bzw. Oldenburg und im Osten zum Landkreis Osterholz. Zur Landschaft Wesermarsch gehören auch Gebiete beidseits der Weser, v. a. linksseitig das historische Stadland und rechtsseitig die historische Landschaft Osterstade. Auch ragt die Wesermarsch im Süden beidseits in das Land Bremen hinein.

Der vorherrschende Landschaftstyp ist die durch Deiche vor Hochwasser und Sturmfluten geschützte Marsch, die zu zwei Dritteln unterhalb des mittleren Flutwasserspiegels liegtLeenert Cornelius: und somit vor regelmäßiger Überflutung durch Wasser der Weser, der Nordsee und des Jadebusens geschützt werden muss. Im Westen und im Osten schließt die Marsch an die Geest an. An der B 211 befindet sich in Loyermoor der „Geest-Abbruch“, der eine Höhendifferenz von gut 30 Metern überbrückt.

Verteilt über den Landkreis sind auch verschiedene Moore, so gilt z. B. das so genannte Schwimmende Moor am Jadebusen im Ortsteil Sehestedt der Gemeinde Jade gelegen, als herausragendes Naturdenkmal der einmaligen Art. Im Südwesten liegen das Rockenmoor und das Grasmoor, in der Mitte des Landkreises das Frieschenmoor und im Westen bei Jade das Kreuzmoor. Der ganze Landkreis ist von umfangreichen Netzen von Entwässerungssielen und -gräben durchzogen.

mini|300px|Das Huntesperrwerk an der Mündung der Hunte (vorne) in die Weser (hinten) Die Hunte durchfließt von Oldenburg kommend den Landkreis und mündet bei Elsfleth in die Weser. An der Mündung befindet sich das Huntesperrwerk, welches zum Schutz vor Hochwasser errichtet wurde. An der südlichen Grenze liegt nahe der Landesgrenze zu Bremen das Ochtumsperrwerk.

Kulturgeografie Die oldenburgische Wesermarsch besteht aus den friesisch besiedelten Gebieten des Stadlandes und Butjadingens im Norden, sowie dem oldenburgischen Stedingen im Süden. Mit ihren Marschböden war und ist die Wesermarsch hinreichend geeignet für die Vieh- und Pferdezucht, weniger für Ackerfrüchte. Früher hat dies die Wesermarsch zu einem der wohlhabendsten Landstriche im ganzen Oldenburger Land gemacht. Dementsprechend haben die reichen Marschbauern auch für eine standesgemäße Ausstattung ihrer Gotteshäuser mit Altaraufsätzen, Kanzeln, Taufsteinen und Orgeln gesorgt.Kulturportal Nordwest: Kirchen in der oldenburgischen Wesermarsch

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an den Jadebusen und die Innenjade, an das Wattenmeer zwischen Innenjade und Außenweser, jenseits der Weser an die kreisfreie Stadt Bremerhaven und an die Landkreise Cuxhaven und Osterholz sowie an die Stadt Bremen (wie Bremerhaven zum Land Bremen gehörend), an die kreisfreie Stadt Delmenhorst, an den Landkreis Oldenburg, an die kreisfreie Stadt Oldenburg (Oldb) und an die Landkreise Ammerland und Friesland.

Klima Der Landkreis Wesermarsch zählt laut dem Klimarisikoindex des Instituts der deutschen Wirtschaft und der Versicherung Ergo aus dem Jahr 2026 zu den in Deutschland besonders vom Klimawandel betroffenen Regionen. Als wesentliche Risiken werden Stürme, Starkregen, Überschwemmungen und Sturmfluten genannt.

Geschichte Landschaftsgeschichte Seit circa 6000 v. Chr. wird durch den Wechsel von Überflutungsphasen (Transgression) und Senkungsphasen (Regression) des Meeresspiegels der Küstenverlauf der Nordsee bestimmt. Während die Marsch in den Überflutungsphasen kaum bewohnbar war, konnte sie in den Ruhephasen besiedelt und bewirtschaftet werden. In einer solchen Senkungsphase wurde z. B. die Siedlung an der Hahnenknooper Mühle um 900 v. Chr. angelegt. Das Wasser der Weser und ihrer linken Nebenflüsse konnte sich in der noch nicht eingedeichten Marsch weitflächig verteilen. Erst in einer erneut einsetzenden langsamen Transgressionsphase in den folgenden Jahrhunderten wurde die Flussmarsch häufiger vom Salzwasser überspült, was die Boden- und die Trinkwasserqualität verschlechterte, so dass die Siedlungen nördlich der Hunte aufgegeben werden mussten.Förderverein Bronzezeithaus Hahnenknoop e. V.

Seit dem 2. Jahrhundert gingen die Bewohner der Wesermarsch dazu über, sich gegen die Fluten des Meeres und der Weser durch Wurten, später auch durch Deiche zu schützen.Geodatenportal Niedersachsen: Wurten und Deiche Radikal verändert wurde die Gestalt der Wesermarsch-Landschaft durch Meereseinbrüche im hohen und späten Mittelalter: Butjadingen wurde zeitweise zu einer Insel, in deren Süden die Heete den sich bildenden Jadebusen mit der Weser verband. Eine zweite Verbindung machte auch aus dem Stadland eine Insel; sie verlief vom Osten des Jadebusens über die Ahne und das Lockfleth zur Weser südlich von Brake. Eine dritte Insel im Weserdelta lag westlich von Ahne bzw. Lockfleth; im Westen wurde sie von der Friesischen Balge, einem Meeresarm, der das heutige Bett der Jade einnahm, im Süden von der Liene begrenzt, einem Strom, der die Jade mit der Weser verband und nördlich von Elsfleth in die Weser mündete (bei Flut) bzw. bei Ebbe von ihr ausging.Dietrich Hagen: (PDF; 725 kB). In: Dietrich Hagen, Heinrich Schmidt, Günter König: Oldenburg. Land zwischen Nordsee und Dammer Bergen. Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung, Hannover 1999, S. 30Ludwig Kohli: Handbuch einer historisch-statistisch-geographischen Beschreibung des Herzogthums Oldenburg sammt der Erbherrschaft Jever, und der beiden Fürstenthümer Lübeck und Birkenfeld. Wilhelm Kaiser, Bremen 1823, S. 59–77

Ab dem 16. Jahrhundert wurde ein lückenloses Deichband entlang der Weser, der Innenjade und dem Jadebusen gebaut. Die letzte Lücke wurde 1725 beim Schwimmenden Moor am Jadebusen geschlossen. Die zwischen Jade und Weser liegenden Meeresarme wurden so vom Zustrom der Wassermassen von der Nordsee und von der Weser her abgeschnitten. Teils versandeten die Gewässer von selbst, teils wurden sie zu kleinen Entwässerungskanälen zurückgebaut, teils auch zugeschüttet. Auf diese Weise entstand nördlich der Hunte und südlich von Langwarden ein zusammenhängendes Landgebiet zwischen Jade bzw. Jadebusen und Weser.

Politische Geschichte mini|Der Hartwarder Friese Bereits in römischen Quellen ist von Chauken die Rede, die das küstennahe Gebiet zwischen Weser und Ems besiedelten. Als Handelsplatz der Chauken in der Wesermarsch ist Tecelia nahe der Huntemündung bekannt. Ab 250 n. Chr. verließen viele Chauken als Reaktion auf einen Meeresspiegelanstieg ihre Wurten in der Wesermarsch. Die frei gewordenen Gebiete wurden ab 400 von Friesen besiedelt.

Westlich der Wesermündung entstand der Gau Rüstringen, dessen östlicher Teil heute den Norden der Wesermarsch bildet. Seit dem 10. Jahrhundert sicherten die Bewohner Rüstringens den fruchtbaren Marschboden durch Erdwälle vor der See. Die im 11. Jahrhundert errichteten Kirchen in Rüstringen zeugen von dem beachtlichen Wohlstand und der bewahrten Freiheit der Friesen. Im Mittelalter bewirkten gewaltige Sturmfluten tiefgreifende Veränderungen des Küstenverlaufes. Der Versuch der Grafen von Oldenburg, die nördliche Wesermarsch unter ihre Gewalt zu bekommen, schlug zunächst fehl. Erst einem verbündeten braunschweigisch-oldenburgischen Heer gelang es 1514 in der Schlacht bei der Hartwarder Landwehr in der Nähe von Rodenkirchen, die Wesermarsch-Friesen zu besiegen.

Über die Geschichte Stedingens im frühen Mittelalter ist nur wenig bekannt. 783 wurde Bischof Willehad mit der Christianisierung der Küstengebiete westlich der Weser beauftragt. 1062 ließ sich der Bremer Erzbischof Adalbert das „unbesiedelte Gebiet“ zwischen „Aldenabrock“ (Oldenburg) und Bremen als Besitz übertragen. Nach 1062 wurde Stedingen nach und nach (wieder) besiedelt. Zunächst gründeten Sachsen aus benachbarten Geestgebieten Siedlungen entlang der Weser oberhalb der Huntemündung und der Ollen. Ab 1106 wurden Holländer nach Stedingen geholt. Die Kolonisatoren erhielten Privilegien, die mit denen in den nördlich gelegenen Siedlungsgebieten der Friesen vergleichbar waren. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts kam es zu Konflikten mit dem Bremer Erzbischof, die zum Stedingerkrieg führten. In der Schlacht von Altenesch verloren die Stedinger 1234 ihre Freiheit.Ulf Neundorfer: Stedingen im Spiegel der Geschichte

Gemeinsam mit dem Hause Oldenburg gehörte die gesamte Wesermarsch von 1667 bis 1773 zu Dänemark. Ab 1774 stand die Wesermarsch unter der Herrschaft des Herzogtums Oldenburg. Die Verwaltungsreform nach den Befreiungskriegen beseitigte 1814 die gräflichen Vogteien und das Département des Bouches-du-Weser (1811/1813).Landkreis Wesermarsch:

Verwaltungsgeschichte Seit 1879 war das Gebiet des heutigen Landkreises in die drei oldenburgischen Ämter Brake, Butjadingen und Elsfleth gegliedert. 1933 wurden diese drei Ämter, die Gemeinde Altenesch aus dem Amt Delmenhorst sowie die Gemeinden Jade und Schweiburg aus dem Amt Varel zum neuen Amt Wesermarsch zusammengeschlossen. Gleichzeitig wurden viele der alten Gemeinden zu neuen Großgemeinden zusammengefasst, unter anderem Altenesch und Berne zur Gemeinde Stedingen.Oldenburgisches Gesetz zur Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung vom 27. April 1933

Die Stadt Wilhelmshaven trat 1937 die Siedlung Eckwarderhörn an die Gemeinde Butjadingen des Amtes Wesermarsch ab. Am 1. Januar 1939 wurde aus dem Amt Wesermarsch der Landkreis Wesermarsch, der 1946 mitsamt dem Land Oldenburg zum neu gegründeten Land Niedersachsen kam. Die meisten der 1933 gebildeten Großgemeinden wurden 1948 wieder in kleinere Gemeinden aufgespalten.Gesetz über die Neubildung von Gemeinden im Niedersächsischen Verwaltungsbezirk Oldenburg vom 26. April 1948

Die Gebietsreform in Niedersachsen schuf am 1. März 1974 den heutigen Zuschnitt des Landkreises Wesermarsch: Die am Ostufer der Weser gelegene Gemeinde Landwürden schied aus dem Landkreis aus und wurde in die Gemeinde Loxstedt im Landkreis Wesermünde eingegliedert. Die Kreisgrenze zwischen den Landkreisen Wesermarsch und Wesermünde wurde durchgehend in die Strommitte der Weser verlegt. Dadurch kam unter anderem die Flussinsel Harriersand vollständig zum Landkreis Wesermünde. Durch verschiedene Zusammenschlüsse wurde die Zahl der Gemeinden im Landkreis Wesermarsch auf neun verringert. Die Änderungen der Gemeindegliederung bei den Gebietsreformen von 1948 und 1972 sind in der folgenden Übersicht dargestellt: Gemeindegliederung des Landkreises Wesermarsch 1933–1948 1948–1974 heuteBrake Brake BrakeButjadingen Burhave Butjadingen Langwarden Stollhamm Nordenham Nordenham Nordenham Abbehausen Abbehausen Esenshamm Seefeld StadlandRodenkirchen Schwei Rodenkirchen Ovelgönne Ovelgönne OvelgönneMoorriem Oldenbrok Moorriem Elsfleth Elsfleth ElsflethJade Jade Jade SchweiburgStedingen Berne Berne Altenesch LemwerderLandwürden Landwürden (zu Loxstedt)

Einwohnerentwicklung mini|400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Wesermarsch (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Kreis Wesermarsch, Alter + Geschlecht.)

Jahr Einwohner Quelle 1933 67.421 1939 71.440 1950 112.549 1960 96.700 1970 98.000 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1980 92.800 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1990 90.413 2000 94.084 2010 90.772 2020 88.524

(ab 1987 jeweils zum 31. Dezember)LSKN-Online

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