Die , abgekürzt SWIFT (Eigenschreibweise Swift wie ) ist eine 1973 gegründete und in Belgien ansässige Organisation, die ein besonders sicheres Telekommunikationsnetz betreibt, das SWIFTNet, welches insbesondere mehr als 11.000 Kreditinstitute weltweit im Auslandszahlungsverkehr als Gironetz nutzen. Darüber hinaus definiert SWIFT auch Nachrichtenstandards und bietet Software und Services im Bereich Finanztransaktionen an. SWIFT ist eine Genossenschaft im Besitz der Banken und dem EU-Recht unterworfen. Innerhalb des Netzwerks werden die teilnehmenden Institute durch den BIC (Business Identifier Code) identifiziert. Er wird in der Finanzindustrie auch als SWIFT-Code bezeichnet.

Geschichte Anfang der 1970er Jahre waren bei Banken Telex-basierte Verfahren zur Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungen weitverbreitet. Zur Schaffung einer neuen technischen Grundlage wurde im Jahre 1973 eine genossenschaftlich organisierte Gesellschaft von 239 Banken aus 15 Ländern gegründet. Es wurden zunächst Standards für Nachrichten definiert, womit eine nahtlose, automatisierte Übertragung über System- und Sprachgrenzen hinweg möglich wurde. Beim Start der Nachrichtenplattform sowie des Computersystems zur Prüfung und Weiterleitung von Nachrichten im Juli 1977New SWIFT network gives banks an instantaneous link worldwide, in: Banking, Juli 1977, S. 48 f. waren 518 Institutionen aus 22 Ländern an SWIFT angeschlossen. Innerhalb von weniger als zwölf Monaten nach Aufnahme des Betriebs waren insgesamt 10 Millionen Nachrichten verarbeitet. 1980 schlossen sich Hongkong und Singapur an. Die Zahl der Nachrichten stieg von 296 Millionen im Jahre 1983 auf über 1 Milliarde im Jahre 1999 und fast 3,8 Milliarden zehn Jahre später. In Anerkennung der Leistungen im Bereich der standardisierten Kommunikation im Finanzsektor wurde SWIFT 1991 mit dem Computerworld Information Technology Award der Smithsonian Institution ausgezeichnet.

Aufgaben SWIFT leitet Transaktionen zwischen ca. 11.000 Banken, Brokerhäusern, Börsen und anderen Finanzinstituten in etwa 200 Ländern über SWIFT-Nachrichten weiter und wickelt damit den gesicherten Nachrichten- und Zahlungsverkehr der angeschlossenen Firmen und Institutionen ab.

2017 wurden 26,71 Millionen SWIFT-Nachrichten pro Tag verschickt. Das übertragene tägliche Geldvolumen betrug 2005 etwa 6 Billionen Dollar (4,8 Billionen Euro)Was ist SWIFT? Die Tageszeitung, vom 24. Juni 2006. und stieg im Jahr 2018 auf rund 35,62 Billionen Euro.Swift GPI-Überweisungen: über 3.500 Banken mit mehr als 40 Billionen US-Dollar Transaktionen in 2018 it-finanzmagazin.de; abgerufen am 21. Mai 2019.

Das Netzwerk hatte im Jahr 2017 eine Verfügbarkeit von 99,999 Prozent. Juristisch abgesicherter Zahlungsverkehr über Ländergrenzen hinweg ist heute praktisch nur mit SWIFT möglich.

Gremien Als Organe der Genossenschaft fungieren der Vorstand und der Board of Directors. SWIFT unterliegt der Bankenaufsicht.

Vorstand (Executive Committee) Der Vorstand wird geleitet von Javier Pérez-Tasso und besteht aus acht Personen. Er wird durch das Board of Directors bestimmt und ist verantwortlich für das Tagesgeschäft.

Board of Directors Der Board of Directors soll die Geschäftsführung steuern und beaufsichtigen. Er nimmt damit die Funktion eines Aufsichtsrats ein und hat wenig Einfluss auf das Tagesgeschäft. Das Board besteht aus 25 Mitgliedern. Zumeist sind dies Vertreter internationaler Großbanken, darunter je zwei aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Belgien und Deutschland. Jeweils ein Vertreter kommt aus Kanada, Südafrika, Russland, China, Japan, Singapur, Italien, den Niederlanden, Spanien, Schweden, Luxemburg, Dänemark und Australien. Mit 17 Mitgliedern stellt Westeuropa eine Mehrheit im Aufsichtsrat.

Aufsichtsorgane Neben dem Board haben die Zentralbanken der G10-Länder (Vereinigte Staaten, Belgien, Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Italien, Japan, Kanada, Niederlande, Schweden, und seit 1983 auch die Schweiz) sowie die Europäische ZentralbankÜberwachung - SWIFT. Deutsche Bundesbank; abgerufen am 10. Oktober 2022. eine Aufsichtsfunktion.

Sitz der Genossenschaft Der Sitz ist in La Hulpe, Belgien. In Zoeterwoude, Niederlande, in Culpeper (Virginia), USA, und in Diessenhofen, Schweiz, befindet sich jeweils ein (OPC).

Das OPC in der Schweiz wurde 2009 provisorisch in Zürich-Altstetten in Dienst genommen, um eine dezentralisierte Nachrichtenarchitektur zu schaffen, die europäischen Datenschutzbedenken Rechnung trägt. und SWIFT Da die Räume in Zürich nur gemietet waren, baute SWIFT ein eigenes, weitgehend unterirdisches Operationszentrum in Diessenhofen.Bankenorganisation Swift baut RZ in Zürich. inside-it.ch; abgerufen am 21. Mai 2019 Nach einjähriger Bauzeit wurde das Zentrum 2013 fertiggestellt.

Technik SWIFT standardisiert den Nachrichtenverkehr der Finanzinstitute untereinander. SWIFT transportiert nur Nachrichten, führt aber keine Konten für die Partner und gleicht – im Gegensatz etwa zu TARGET2 oder der EBA CLEARING – keine Zahlungen aus.; abgerufen am 7. September 2008. Es sind Hunderte von Nachrichtentypen (Abkürzung MT, aus dem englischen für ) für den Datenaustausch definiert. Diese werden sukzessive durch Nachrichtentypen im XML-Format (MX-Nachrichten) abgelöst. Zu den SWIFT-Nachrichten gehören: Zahlungen, u. a. die EU-Standardüberweisung Deckungsanschaffungen aus Wertpapier- und Devisengeschäften Kontoauszüge für gegenseitig unterhaltene Konten zwischen Kreditinstituten Zahlungsavise mit Angabe der Deckungsadressen Avise von Akkreditiveröffnungen Wertpapiertransaktionen

Die SEPA-Überweisungen (im XML ISO 20022 Format) gehören nicht zu den MX-Nachrichten. SWIFT ist hier nur Leitungsanbieter. Für den Nachrichtenstandard ist der Europäische Zahlungsverkehrsausschuss (EPC) zuständig. Die Kommunikation findet über ein gesichertes Netz, das SWIFTNet, statt. Die großen Kreditinstitute unterhalten hierfür meist Standleitungen zur Anbindung an dieses Netz.

SWIFT-Netzwerk / SWIFTNet SWIFT hat seine Infrastruktur zwischen 2001 und 2004 von einem X.25-Netz auf ein IP-basiertes Netzwerk, das SWIFTNet, umgestellt.SWIFT History swift.com; abgerufen am 21. Mai 2019 (englisch) Diese Umstellung erlaubte die Nutzung vieler für IP-Netzwerke verfügbarer Software und Technologien. Dieses neue Netzwerk erlaubt es SWIFT, neben dem traditionellen FIN-Service auch andere Methoden der Datenübertragung über das gesicherte Netzwerk anzubieten.

Seit dem 17. November 2018 müssen alle Teilnehmer in der Schweiz ISO 20022 verwenden, FIN-Nachrichten werden dort für Zahlungsverkehr nicht mehr verwendet. Es wird jetzt der SWIFT InterAct Service verwendet.

FileAct FileAct stellt eine Methode dar, beliebige Dateien zwischen den Teilnehmern des SWIFTNet auszutauschen. Folgende Übertragungsmöglichkeiten sind bereits im Einsatz: Bilateraler Austausch von Zahlungsverkehrsdaten zwischen Banken und Firmen – vergleichbar mit einer FTP-Übertragung über ein gesichertes Netz. Dieser kann zum einen in den gängigen Formaten erfolgen, wie z. B. DTAUS (Inlandszahlungsverkehr), DTAZV (Auslandszahlungsverkehr) oder im neuen SEPA-Format, aber auch in proprietären Formaten, auf die sich die Kontrahenten vorher einigen. Austausch mit Clearingstellen wie der Deutschen Bundesbank in fest geregelten Formaten und Verfahrensweisen, z. B. SEPA oder Elektronischer Massenzahlungsverkehr (EMZ)

SWIFT-Dienste SWIFTNet FIN (MT-Nachrichten) SWIFTNet InterAct (MX-Nachrichten) SWIFTNet FileAct (Dateitransfer über gesichertes IP-Netz von SWIFT) SWIFTNet Instant (Übertragung von Echtzeitüberweisungen) SWIFTNet WebAccess (HTTPS via gesichertes IP-Netz von SWIFT)

Standardisierung SWIFT arbeitet bei der Festlegung der Nachrichtenformate und -inhalte mit internationalen Organisationen zusammen und ist Registrierungsstelle (Abkürzung RA von ) für folgende Normen der ISO: ISO 9362:1994 Banking – Banking telecommunication messages – Bank identifier codes (s. folgenden Abschnitt) ISO 10383:2003 Securities and related financial instruments – Codes for exchanges and market identification (MIC) ISO 13616:2003 IBAN Registry ISO 15022:1999 Securities – Scheme for messages (Data Field Dictionary) (ersetzt ISO 7775) ISO 20022-1:2004 und ISO 20022-2:2007 Financial services – UNIversal Financial Industry message scheme In RFC 3615 wurde der Namensraum urn:swift: für Uniform Resource Names (URNs) festgelegt.

SWIFT-Code

Für den Zahlungsverkehr im SWIFT-Netzwerk wurde ein eindeutiges Bezeichnungsformat für die teilnehmenden Finanzinstitute geschaffen. SWIFT weist jeder Bank einen BIC (auch SWIFT-Code genannt) zu; BIC ist die Abkürzung für . SWIFT-Mitglieder können für Nicht-SWIFT-Mitglieder (z. B. angeschlossene Geschäftsbetriebe oder große Industriefirmen) bei SWIFT einen genauso aufgebauten Code registrieren lassen, der dann BEI () heißt. Der Aufbau des BIC ist in ISO 9362 in international standardisierter Form beschrieben. Er findet weltweit Verwendung bei Kreditinstituten, Brokern, Lagerstellen und Unternehmen.

Der BIC oder SWIFT-Code hat eine Länge von 8 oder 11 alphanumerischen Zeichen und folgenden Aufbau: BBBBCCLLbbb BBBB 4-stelliger Bankcode, vom Geldinstitut frei wählbar CC 2-stelliger Ländercode nach ISO 3166-1 LL 2-stellige Codierung des Ortes bbb 3-stellige Kennzeichnung (Branch-Code) der Filiale oder Abteilung (optional)

Beispiel: MARKDEFF (oder auch MARKDEFFXXX) ist der Zentrale der Deutschen (DE) Bundesbank (MARK) in Frankfurt am Main (FF) zugeordnet.

SWIFT Customer Security Programm Ab 2017 führt SWIFT jährlich einen Sicherheitsaudit durch, bedingt durch einen Angriff im Jahr 2016. Seitdem müssen sich alle SWIFT-Teilnehmer einem jährlichen Health Check unterwerfen.Customer Security Programme swift.com; abgerufen am 21. August 2020 (englisch)

SWIFT und Politik Weitergabe vertraulicher Daten an US-amerikanische und europäische Behörden

Seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA übermittelte SWIFT nach eigenen Angaben vertrauliche Daten über Finanztransaktionen an US-amerikanische Behörden. In Presseberichten ist von 20 Millionen übermittelter Bankdaten pro Jahr die Rede. Die US-Regierung ist unmittelbar nach den Anschlägen über CIA, FBI, US-Finanzministerium und US-Notenbank an die SWIFT-Führung herangetreten. Diese folgte der Aufforderung freiwillig. Dabei waren das 25-köpfige SWIFT-Direktorium sowie ein Kontrollgremium, dem auch ein Mitglied der Deutschen Bundesbank angehörte, von den Vorgängen informiert. Wie die dpa berichtete, habe SWIFT versucht, eine Genehmigung für die Datenweitergabe zu erhalten, die befragten Zentralbanken hätten darauf jedoch nicht reagiert. In der New York Times, welche die Vorgänge aufdeckte, wurde angezweifelt, dass die Vorgehensweise legal war.US-Regierung lässt internationales Finanzdatennetz überwachen. heise online, 23. Juni 2006 So sieht etwa das zivilgesellschaftliche Netzwerk „Aktion Finanzplatz Schweiz“ in der Weitergabe der Daten einen Verstoß gegen das Schweizer Bankgeheimnis. Die Bush-Regierung rechtfertigte das Vorgehen mit dem „Krieg gegen den Terror“.

SWIFT selbst gab 2006 zu, bestimmte Transaktionsdaten an das US-Finanzministerium übermittelt zu haben; mit Hilfe der Zahlungsströme konnte Riduan Isamuddin (genannt Hambali), ein führendes Mitglied der Terrororganisation Jemaah Islamiyah, gefasst werden.Kontrolle in den USA: Swift rückte Kontodaten freiwillig heraus. Handelsblatt.com, 13. Januar 2014.