Der Landkreis Wittmund ist eine Gebietskörperschaft im Nordwesten des Landes Niedersachsen und gehört zu Ostfriesland an der Nordsee. Er ist nach dem Landkreis Lüchow-Dannenberg nach der Einwohnerzahl der zweitkleinste Landkreis in Niedersachsen und der drittkleinste Landkreis Deutschlands. Kreissitz ist die Stadt Wittmund.

Geographie Lage Zum Kreisgebiet gehören neben den Gemeinden auf dem Festland auch die beiden vorgelagerten ostfriesischen Inseln Langeoog und Spiekeroog. Ein Großteil des Festlandes umfasst den historischen Landstrich Harlingerland.

Nachbarkreise Der Landkreis Wittmund grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Nordsee und an die Landkreise Friesland, Leer und Aurich.

Flächennutzung Von der Gesamtfläche sind nach der Katasterfläche (Stand 1. Januar 2007) 50.368 Hektar Landwirtschaftsflächen, 3889 Hektar Gebäude- und Freiflächen und fast ebenso viele Waldflächen (3880 Hektar). Die restlichen Flächen bilden Flächen anderer Nutzung (3089 Hektar), Verkehrsflächen (2512 Hektar), Wasserflächen (1525 Hektar), Erholungsflächen (228 Hektar) und Betriebsflächen (175 Hektar).

Klima Der Landkreis Wittmund zählt laut dem Klimarisikoindex des Instituts der deutschen Wirtschaft und der Versicherung Ergo aus dem Jahr 2026 zu den in Deutschland vom Klimawandel besonders betroffenen Gebieten. Als wesentliche Risiken werden Stürme, Starkregen, Überschwemmungen und Sturmfluten genannt.

Geschichte

Der Kreis Wittmund entstand 1885 aus den alten hannoverschen Ämtern Wittmund und Esens sowie der Stadt Esens.Kreisordnung für die Provinz Hannover (1884) Kreissitz wurde Wittmund.

Am 1. April 1919 schied die Stadt Wilhelmshaven, bis dahin eine durch Oldenburger Gebiet abgetrennte Exklave des Kreises Wittmund, aus dem Kreis aus und bildete einen eigenen Stadtkreis. Im Zuge der Moorkolonisierung in Ostfriesland wurden im Kreis Wittmund am 1. Juni 1922 die beiden neuen Gemeinden Mullberg und Wiesmoor gebildet. Am 1. April 1951 wurden Mullberg und Wiesmoor Teil der vergrößerten Gemeinde Wiesmoor, die dem Landkreis Aurich zugeordnet wurde.

Die Gebietsreform in Niedersachsen führte am 1. Juli 1972 zu einer weiteren Verkleinerung des Landkreises Wittmund: Die Gemeinde Gödens wurde in die Gemeinde Sande im Landkreis Friesland eingegliedert. Die Gemeinden Marcardsmoor und Wiesederfehn wurden in die Gemeinde Wiesmoor im Landkreis Aurich eingegliedert. Die Gemeinden Roggenstede und Westeraccum wurden in den Flecken Dornum im Landkreis Norden eingegliedert. Die Gemeinden Westeraccumersiel und Westerbur wurden in die Gemeinde Dornumersiel im Landkreis Norden eingegliedert. Insgesamt wurde durch die Gebietsreform die Zahl der Gemeinden des Kreises von noch 63 im Jahre 1967 auf die heutigen 19 verringert.Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Emden – Norden – Aurich – Wittmund vom 23. Juni 1971

Im Zuge der 1977 durchgeführten Kreisreform in Niedersachsen wurde der Landkreis Wittmund vorübergehend aufgelöst und mit den Gemeinden Jever, Sande, Schortens, Wangerland, Wangerooge des Landkreises Friesland zu einem neuen Landkreis Friesland zusammengeschlossen, dessen Kreisstadt Wittmund wurde. Nach einer Verfassungsbeschwerde erklärte der Niedersächsische Staatsgerichtshof in Bückeburg die Kreisreform im Raum Friesland für verfassungswidrig. Daraufhin stellte der Niedersächsische Landtag zum 1. Januar 1980 die Landkreise Ammerland, Friesland und Wittmund in ihrer ursprünglichen Form vom 31. Juli 1977 wieder her.

Einwohnerentwicklung 400px|mini|Bevölkerungspyramide für den Kreis Wittmund (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Kreis Wittmund, Alter + Geschlecht.)

Jahr Einwohner Quelle 1890 47.275 1900 55.545 1910 69.678 1925 38.881 1939 42.756 1950 60.863 1960 51.000 1970 56.700 1980 53.500 1990 52.827 Regionaldatenbank Niedersachsen 2000 57.334 2010 57.280 2020 57.384

Der Landkreis Wittmund verzeichnet seit den 1990er Jahren im Landesvergleich ein überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum.www.regis-online.de: Daten & Fakten So stieg die Zahl der Einwohner zwischen 1996 und 2006 um rund 2200. Diese Zahl ergab sich aus einem Wanderungsüberschuss von 2278 Personen bei einem Geburtsdefizit von minus 77. Der Anteil der unter 20-Jährigen an der Einwohnerzahl liegt bei 22,5 Prozent, das ist etwas mehr als der Durchschnitt Westdeutschlands von 20,7 %. Der Anteil der über 65-Jährigen lag leicht höher: 20 % gegenüber 19,5 %.

Politik

Kreistag Dem Kreistag des Landkreises Wittmund gehören 42 gewählte Abgeordnete und der Landrat an. Dies ist die festgelegte Anzahl für einen Landkreis mit einer Einwohnerzahl 100.000 Einwohnern. Die Abgeordneten werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die allgemeine Wahlperiode beginnt am 1. November nach der letzten Wahl und endet nach fünf Jahren zum 31. Oktober.§47 NKomVG-Wahlperiode

Die letzte Kommunalwahl vom 13. September 2026 ergab das nachstehende Ergebnis (mit den Ergebnissen der vorherigen Wahlen): Parteien und Wählergemeinschaften %2026Kreistagswahl 2026, abgerufen am 24. September 2026. Sitze2026 %2021Kreistagswahl 20121, abgerufen am 15. September 2021. Sitze2021 %2016, abgerufen am 5. Januar 2016. Sitze2011 %2011, abgerufen am 5. Januar 2016. Sitze2011 %2006Ergebnisse der Kommunalwahlen 2006 Sitze2006 %2001 Sitze2001 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 36,71 15 42,0 18 39,9 17 37,9 16 42,5 18 45,7 20 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 25,96 11 33,5 14 36,9 16 41,8 17 44,3 18 43,2 19 Grüne Bündnis 90/Die Grünen 8,55 4 10,2 4 7,5 3 9,9 4 4,0 2 3,2 1 AfD Alternative für Deutschland 18,23 8 4,9 2 4, 2 – – – – – – FDP Freie Demokratische Partei 2,94 1 3,1 1 3,0 12,8 1 3,8 1 3,0 1 EBI Esener Bürgerinitiative 1,98 1 1,7 1 1,5 1 2,5 1 – – – – BFB Bürger Für Bürger Wittmund 1,89 1 1,6 1 1,7 1 1,7 1 1,9 1 – – Neue Liste 1,17 – 1,6 1 – – – – – – – – Linke Die Linke – – – – 1,7 1 1,8 1 1,5 1 – – FWG Freie Wählergemeinschaft Wittmund 1,50 1 – – 1,0 0 1,4 1 1,9 1 – – Die Friesen – – – – 0,8 0 – – – – – – Einzelbewerber 1,08 – – – 0,8 0 – – – – – – Gesamt 100 42 100 42 100 42 100 42 100 42 100 41 Wahlbeteiligung67,77 %59,18 %58,6 %56,0 %57,4 %59,5 % Einzelbewerber 2026: Heiko Reinsdorf mini|Historisches Kreishaus

Die SPD schloss für die Wahlperiode 2016 bis 2021 ein Bündnis mit den Grünen, BFB, Linken und EBI. Die neue Gruppe mit dem Namen Rot-Grün-Plus kommt im Kreistag auf 23 von 42 Sitzen und hat so eine Mehrheit im Kreistag.Mehrheitsgruppe im Wittmunder Kreistag steht fest, abgerufen am 1. Januar 2016 Damit kündigte die SPD ihre seit 2006 andauernde Zusammenarbeit mit der CDU und FDP auf.Manfred Stolle: "Wir haben eine eigene politische Kultur", Ostfriesen-Zeitung, 22. Oktober 2011, abgerufen am selben Tag.

Landrat Landrat ist seit 2016 Holger Heymann. 2021 wurde er mit 81,90 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt, 2026 mit 72,63 % der abgegbenen Stimmen im Amt bestätigt. Der Landrat vertritt den Landkreis auf politischer Ebene und ist gleichzeitig Chef der Kreisverwaltung.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Holger Heymann wurde am 11. September 2016 erstmals zum Landrat gewählt. Er löste Matthias Köring ab, der in die Privatwirtschaft gewechselt war. Köring war zuvor Erster Kreisrat und damit der erste Stellvertreter seines Vorgängers Henning Schultz, der aus Altersgründen sein Amt abgegeben hatte. Schultz war seit 1998 der erste hauptamtliche gewählte Landrat gewesen. Während Schultz der CDU angehörte, wurde Köring im Wahlkampf von einem breiten Bündnis aus CDU, SPD und FDP getragen. Zwischen 1964 und 1977 sowie ab 1980 war Hermann Creutzenberg (CDU) Landrat.

Ehemalige Landräte Die bisherigen Landräte waren: Carl Hermann Lodemann (1. April 1885 – 14. November 1889) Bruno Alsen (20. November 1889 – 10. Dezember 1897) Ernst Budde (1. Dezember 1897 – 15. Juni 1911) Max Schramm (15. Juni 1911 – 31. Dezember 1929) Karl Liebenow (2. Januar 1930 – 1. Juli 1933) Hans Kreutzberger (9. Oktober 1933 – 21. Juli 1937) Adolf von Nassau (2. August 1937 – 12. Mai 1945) Eberhard Buisman (8. April 1946 – 31. Oktober 1946) Reinhard Onken (1. November 1946 – 20. Oktober 1964) Hermann Creutzenberg (1964–1977) Hermann Ehlts (August 1977 – 31. Dezember 1979), auch Landrat im Landkreis Friesland Hermann Creutzenberg (1980–1991) Werner Schmidt (11. November 1991 – 31. März 1998), letzter ehrenamtlicher Landrat Henning Schultz (1. April 1998 – 31. Dezember 2009), erster direkt gewählter Landrat im Landkreis Wittmund Matthias Köring (6. Januar 2010 – 31. Oktober 2016) Holger Heymann (seit 1. November 2016)

Ehemalige Oberkreisdirektoren Onke Oncken (1. April 1946 – 30. Juni 1957) Heinrich Strauß (1. Juli 1957 – 31. Mai 1974) Rudolf Hoyer (1. Juni 1974 – 30. Juni 1977) Eckart Bode (1. August 1977 – 31. Dezember 1979) Dieter-Joachim Bannowsky (1. Januar 1980 – 30. September 1980) Christian von Arnswaldt (1. Oktober 1980 – 25. August 1985) Henning Schultz (1. April 1986 – 31. März 1998)

Abgeordnete in Landtag und Bundestag Der Landtagswahlkreis Wittmund/Inseln umfasst den Landkreis Wittmund sowie im Landkreis Aurich die Städte Norderney und Wiesmoor, die Gemeinde Dornum und die Inselgemeinden Juist und Baltrum. Bei der letzten Landtagswahl in Niedersachsen vom 9. Oktober 2022 wurde das Direktmandat von Karin Emken (SPD) gewonnen. Sie erhielt 38,5 % der Stimmen. Emken löst damit den vorherigen Landtagsabgeordneten Jochen Beekhuis (parteilos, zuvor SPD) ab, der seit seinem Ausschluss aus der SPD-Fraktion am 22. Oktober 2019 dem Landtag als fraktionsloser Abgeordneter angehörte.

Der Bundestagswahlkreis Friesland – Wilhelmshaven – Wittmund umfasst die Stadt Wilhelmshaven sowie die Landkreise Friesland und Wittmund.Anlage 2 Bundeswahlgesetz – Wahlkreise für die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag, (PDF 185,4 kB), abgerufen am 25. Februar 2025. Bei der Bundestagswahl 2025 gewann die Sozialdemokratin Siemtje Möller das Direktmandat zum dritten Mal in Folge. Über Listenplätze ihrer Parteien zogen Anne Janssen (CDU) und Martin Sichert (AfD) aus dem Wahlkreis in den Bundestag ein.Bundestagswahl: Die Gewinner und Verlierer aus dem Nordwesten, In: Wilhelmshavener Zeitung vom 25. Februar 2025, Seite 1

Wappen mini|Wappen am Kreishaus Auf dem Wappen ist eine goldene Kogge mit drei Segeln. Auf den Segeln befinden sich die Abbildungen eines schwarzen Bären (Esens), gekreuzte Peitschen (Harlingerland) und ein Doppelkopfadler (Friedeburg). Es wurde 1951 an den Kreis verliehen.

Wirtschaft und Infrastruktur Die Wirtschaft ist geprägt durch die Landwirtschaft und den Tourismus sowie eine Vielzahl mittelständischer und Familienunternehmen. Der Landkreis gilt als strukturschwach. Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Wittmund Platz 284 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko Mix“ für die Zukunft.