Der Landkreis Vechta ist ein Landkreis im Westen von Niedersachsen. Kreisstadt ist Vechta.

Geografie Lage Der Landkreis Vechta stellt den südlichen Teil des Oldenburger Münsterlandes dar und erstreckt sich in maximaler Ausdehnung über etwa 50 km in Nord-Süd-Richtung und 30 km in Ost-West-Richtung zwischen Oldenburg und Bremen im Norden bzw. Nordosten und Osnabrück im Süden.

In der Norddeutschen Tiefebene gelegen, hat der Landkreis Vechta im Nordosten Anteil am Naturpark Wildeshauser Geest und im Süden am Naturpark Dammer Berge-Dümmer. Die höchste Erhebung des Landkreises ist der Signalberg (146 m) des Höhenzugs Dammer Berge, der mit 22 m tiefste Punkt liegt im nordöstlichen Zipfel der Gemeinde Goldenstedt am Huntetalgraben. Im Osten bilden große Hochmoore die natürliche Grenze zum Landkreis Diepholz, die teilweise unter Naturschutz gestellt sind; der Westen und die Mitte des Landkreises liegen vergleichsweise tief und sind von einer Vielzahl kleiner Nebenflüsse der Hase durchzogen. Im Nordosten bildet die Hunte die Kreisgrenze; sie nimmt das Oberflächenwasser der Gebiete im Osten des Landkreises auf.

mini|hochkant|An der Ostgrenze des Landkreises Vechta überspannt die Stahlskulptur „Goldregen“ die Hunte Als geografische Besonderheit durchquert die Weser-Ems-Wasserscheide den Landkreis Vechta von Süd nach Nord, vom Großen Moor und den Dammer Bergen im Naturpark Dümmer über die genau auf der Wasserscheide gelegene Arkeburg in der Gemeinde Goldenstedt bis nach Visbek, und weiter in den Landkreis Cloppenburg hinein.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn von Norden an die Landkreise Oldenburg, Diepholz, Osnabrück und Cloppenburg.

Gemeinden Einheitsgemeinden

In Klammern die Einwohnerzahl am . Bakum () Damme, Stadt () Dinklage, Stadt () Goldenstedt () Holdorf () Lohne, Stadt () Neuenkirchen-Vörden () Steinfeld () Vechta, Kreisstadt, selbständige Gemeinde () Visbek ()

Geschichte Im frühen Mittelalter siedelten auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Vechta westfälische Sachsen. Der Norden des Gebietes gehörte zum Lerigau, der Süden zum Dersagau.

Im Jahr 1252 ging die Regierungsgewalt in der „Herrschaft Vechta“ von den Grafen von Ravensberg auf den Bischof von Münster über. Bis 1803 war das Gebiet Teil des Hochstifts Münster. Am 18. Juli 1803 wurde das Amt Vechta als „Landvogtei“ in das Herzogtum Oldenburg inkorporiert. Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung zur sogenannten Franzosenzeit, während der Vechta von 1811 bis 1813 dem französischen Hanseatischen Département de l’Ems-Supérieur (Departement der Oberen Ems) unter Kaiser Napoleon I. zugehörte, blieb das Gebiet bis 1946 oldenburgisch. Seit der Gründung des Landes im Jahr 1946 ist der Landkreis Vechta dem Land Niedersachsen zugeordnet.

Die meisten Städte und Gemeinden des Landkreises Vechta waren bereits 1252 Teil der Herrschaft Vechta. Die Kirchspiele Emstek und Cappeln wurden 1814 zum Landkreis Cloppenburg geschlagen; das Kirchspiel Twistringen wurde 1817 an das Königreich Hannover abgetreten. 1879 wurde das Amt Vechta um das Gebiet der beiden aufgelösten Ämter Damme und Steinfeld vergrößert.Geschichte des Landkreises Vechta

Aus dem Amt Vechta wurde 1939 der Landkreis Vechta. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die drei Gemeinden Holdorf, Langförden und Lutten, die bei der oldenburgischen Gebietsreform von 1933 ihre Eigenständigkeit verloren hatten, wiederhergestellt.

Im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform wurden am 1. März 1974 die Gemeinde Lutten in die Gemeinde Goldenstedt sowie die Gemeinde Langförden in die Stadt Vechta eingegliedert. Gleichzeitig gelangten die bis dahin zum Landkreis Osnabrück gehörenden Gemeinden Vörden, Hörsten und Hinnenkamp zum Landkreis Vechta und wurden Teil der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden.Gesetz über die Neugliederung der Gemeinden im Raum Vechta/Cloppenburg vom 11. Februar 1974

mini|Kreishaus in Vechta (Vorderansicht); Verwaltungstrakt mini|Kreishaus in Vechta (Rückansicht); in der Rotunde rechts der Große Sitzungssaal Bis 1998 residierte die Kreisverwaltung in dem heutigen Niels-Stensen-Haus auf dem ehemaligen Gelände der Burg Vechta. 1998 wurde das neue Kreishaus an der Ravensberger Straße fertiggestellt. Der Gebäudekomplex beruht auf einem Entwurf von Eckhard Gerber (Hannover). Die Außenfassenden sind mit Bockhorner Klinker verblendet. An der Ravensberger Straße befindet sich ein ebenerdiger Durchgang zum Haupteingang. Der Versammlungsbereich ist als Rundbau konzipiert mit Plenarsaal, kleinem Sitzungssaal und Café. Im vorderen Innenhof stehen zehn Holzstelen des Lohner Künstlers Ulrich Fox, die die zehn Städte und Gemeinden des Landkreises symbolisieren sollen. Die Anlage wird in der hinteren Parkzone durch das „Stählerne Tor“ von Horst Linn abgeschlossen.Ruth Irmgard Dalinghaus: Kunst und Kultur im Landkreis Vechta. Oldenburgische Landschaft/Landkreis Vechta 2004, S. 58

Siehe auch: Liste der Baudenkmale im Landkreis Vechta

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1933 49.427 1939 51.912 1950 79.125 1960 74.200 1970 86.600 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1980 98.500 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1990 105.408 Regionaldatenbank Niedersachsen 2000 126.434 2010 135.374 2020 143.294

Religion Der Landkreis Vechta gehört wie der Landkreis Cloppenburg, der Landkreis Emsland, die ehemaligen Stifte Osnabrück (dieser jedoch nur zu etwa 50 %), Hildesheim und das Untereichsfeld zu den Regionen in Niedersachsen, die – im Gegensatz zum Großteil des Landes – traditionell von der katholischen Kirche geprägt sind. In Vechta befindet sich der Sitz des Bischöflich Münsterschen Offizialates.

Politik

Kreistag Der Kreistag hat aktuell 50 gewählte Mitglieder. Dies ist die festgelegte Anzahl für einen Landkreis mit einer Einwohnerzahl zwischen 125.001 und 150.000 Einwohnern.$46 NKomVG–Zahl der Abgeordneten Die Abgeordneten werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Neben den 50 in der Kreistagswahl gewählten Mitgliedern ist außerdem der amtierende Landrat sitz- und stimmberechtigt. Die allgemeine Wahlperiode beginnt am 1. November nach der letzten Wahl und endet nach fünf Jahren zum 31. Oktober.§47 NKomVG-Wahlperiode

Aus dem Ergebnis der Kommunalwahl 2026 ergab sich folgende Sitzverteilung:

Parteien und Wählergemeinschaften202620212016 Ergebnis der Kreiswahl 20162011 Ergebnis der Kreiswahl 20112006 Ergebnis der Kreiswahl 20062001 Ergebnis der Kreiswahl 2001 % Sitze% Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands47,912454,952759,072864,182869,723168,3135 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands15,17818,76920,131020,21916,99719,5410 Grüne Bündnis 90/Die Grünen8,1149,3354,1925,1622,3812,921 FDP Freie Demokratische Partei4,3226,2634,6124,4526,3534,522 UWG Unabhängige Wählergemeinschaft Landkreis Vechta (UWG)5,7035,0234,4924,9224,532 - - UBG Unabhängige Bürgergemeinschaft Lohne1,471----0,05----- AfD Alternative für Deutschland12,8264,1925,903 - - - - - - Linke Die Linke4,0121,4211,5810,991---- ZENTRUM Zentrumspartei------0,05----- FW Freie Wähler0,50----------- WG Wählergruppen 0,06-------4,72 Gesamt100501005010048100441004410050 Wahlbeteiligung65,04 %57,96 %55,71 %55,38 %56,36 %61,5 % Wählergruppen, da sich das Ergebnis von 2001 nicht auf einzelne Wählergruppen aufschlüsseln lässt

Landrat Landrat des Landkreises Vechta ist Tobias Gerdesmeyer (CDU). Bei der Landratswahl am 12. September 2021 setzte er sich gegen den Gegenkandidaten Aloys Thye-Moormann von der AfD mit 92,64 % der Stimmen durch.Landkreis Vechta – Ergebnis der Landratswahl 2021, abgerufen am 13. September 2021 In der Landratswahl am 13. September 2026 wurde er mit 72,69 % wiedergewählt.Landratswahl 2026

Hoheitszeichen

Mitgliedschaft in Institutionen Der Landkreis Vechta ist Mitglied in der „Oldenburgischen Landschaft“, einer eingetragenen Körperschaft des öffentlichen Rechts zur Pflege und Förderung kultureller und historischer Belange im ehemaligen Land Oldenburg, sowie im „Verbund Oldenburger Münsterland“, einer Einrichtung zur Förderung des Tourismus in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg.

Demografie und Wirtschaft mini|400px|rechts|Bevölkerungspyramide für den Kreis Vechta (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Kreis Vechta, Alter + Geschlecht)

Hohe Geburtenrate und niedriges Durchschnittsalter Der Landkreis Vechta liegt, wie auch der Nachbarkreis Cloppenburg, an der Spitze der Landkreise mit einem niedrigen Durchschnittsalter in Deutschland (40,5 Jahre im Lk Vechta, 40,6 Jahre im Lk Cloppenburg).Rebecca Piron: Wo sind die Deutschen am jüngsten?. kommunal.de. 4. März 2019 Dieser niedrige Wert ist durch die hohen Geburtenraten pro Einwohnerin von 1,87 (Lk Vechta) und 2,00 (Lk Cloppenburg) zu erklären. Als Grund für die relativ hohen Kinderzahlen pro Frau werden die klassische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau in der als „konservativ“ geltenden Region sowie die vergleichsweise hohe Zahl von Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion in der Region genannt, von denen viele Frauen der mittleren und älteren Geburtsjahrgänge kinderreich sind.Russen auf dem platten Land. dradio.de. 12. Mai 2009 Auch der Umstand, dass viele Einwohner fest im katholische Glauben verwurzelt sind, wird als Begründung für die hohen Geburtenraten angeführt.

Aufstieg zur wirtschaftlichen Boomregion Im Landkreis Vechta wuchs im Zeitraum von 1978 bis 2014 die Zahl der Beschäftigen um 149 %; ein so starkes Wachstum gab es seinerzeit in keinem anderen der damals bestehenden 325 Landkreise und kreisfreien Städten in den alten Bundesländern.Jens Südekum, Wolfgang Dauth, Sebastian Findeisen: Verlierer(-regionen) der Globalisierung in Deutschland: Wer? Warum? Was tun? Heinrich‐Heine‐Universität Düsseldorf, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Düsseldorf 2016, ISBN 978-3-86304-689-7, S. 4. (online). Die Arbeitslosenquote von 4 % gehörte 2014 zu einer der niedrigsten, die Eigenheimquote von über 80 % zu einer der höchsten in Deutschland. Besonderes Wachstum war bislang in der Branche Ernährungsindustrie zu verzeichnen, zumal der Landkreis Vechta zusammen mit dem Landkreis Cloppenburg als Zentrum der sogenannten Fleischveredelungsindustrie in Deutschland gilt. Das Oldenburger Münsterland weist eine hohe Konzentration von Mastbetrieben für Schweine-, Geflügel- und Rindfleisch auf.

Gefährdung des Erreichten Im Jahr 2010 lag der Landkreis Vechta im Zukunftsatlas der Prognos AG noch auf Platz 52 von 412 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland. 2016 belegte er dort Platz 66 von 402 Gebietskörperschaften („Klasse 3“). Er wurde auch 2016 als Region und mit „hohen Zukunftschancen“ bewertet. Im Jahr 2019 nahm der Landkreis Platz 126 ein. Damit gehört er im derzeit neuesten „Zukunftsatlas“ in der Gesamtbewertung zu den Gebietskörperschaften in „Klasse 4“ (Gebiete mit „leichten Chancen“). Unter dem Durchschnitt der 402 gerankten Gebietskörperschaften liegen der Prognos AG zufolge im Landkreis Vechta die Entwicklung des Arbeitsmarktes in den Jahren 2017 bis 2019 sowie die Dynamik der Wirtschaftsentwicklung insgesamt. Bei der Demografie wurde der Landkreis auf Rang 26 eingestuft.