Der Landkreis Leer ist ein Landkreis im Nordwesten von Niedersachsen und bildet den südlichen Teil Ostfrieslands.

Geographie Lage Der Landkreis besteht auf dem Festland aus den vier historischen Landschaften Rheiderland (im Westen), Overledingerland (im Südosten), Moormerland (im Norden) und Lengenerland (im Nordosten). Zusätzlich gehört die ostfriesische Insel Borkum zum Landkreis.

Die Südgrenze entspricht der historischen Grenze zwischen der Grafschaft Ostfriesland und dem Niederstift Münster. Sie ist bis heute eine der deutlichsten protestantisch-katholischen Konfessionsgrenzen in Deutschland.

Der Landkreis wird durchschnitten von der Ems, die im Westen in den Dollart übergeht, wo der Landkreis auch einen kurzen Küstenstreifen hat. Er umfasst aber auch die westlichsten der ostfriesischen Inseln, Borkum und Lütje Hörn.

Nachbarkreise Der Landkreis Leer grenzt im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die kreisfreie Stadt Emden und an die Landkreise Aurich, Wittmund, Friesland, Ammerland, Cloppenburg und Emsland. Im Westen grenzt er an die niederländische Provinz Groningen.

Geschichte Nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen wurde am 1. April 1885 aus den alten Ämtern Leer und Stickhausen sowie der selbständigen Stadt Leer der Kreis Leer gebildet.Kreisordnung für die Provinz Hannover (1884) Verwaltungssitz wurde die Stadt Leer.

Bei der preußischen Kreisreform vom 1. Oktober 1932 wurden die Landkreise Leer, Weener und die Gemeinde Borkum zu einem neuen Landkreis Leer mit dem Kreissitz in Leer zusammengeschlossen.Preußische Gesetzessammlung 1932

Die Gebietsreform in Niedersachsen begann im Landkreis Leer am 1. Juli 1968 mit der Eingliederung der Gemeinden Heisfelde und Loga in die Stadt Leer.Gesetz über die Eingliederung der Gemeinden Heisfelde und Loga in die Stadt Leer vom 27. Juni 1968 Am 1. Juli 1972 schieden die Gemeinden Petkum und Widdelswehr aus dem Landkreis Leer aus und wurden in die Stadt Emden eingemeindet.Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Emden – Norden – Aurich – Wittmund vom 23. Juni 1971

Eine umfassende Neugliederung des Landkreises erfolgte am 1. Januar 1973 durch zahlreiche Gemeindefusionen, bei denen unter anderem die neuen Gemeinden Dollart, Moormerland, Rhauderfehn, Uplengen und Westoverledingen gebildet wurden. Zur Gemeinde Moormerland kamen auch die Gemeinden Hatshausen, Jheringsfehn und Boekzetelerfehn aus dem Landkreis Aurich. Die Gemeinde Stiekelkamperfehn wurde mit der Gemeinde Neuefehn aus dem Landkreis Aurich zur neuen Gemeinde Neukamperfehn zusammengeschlossen.

Am 1. März 1974 wurde schließlich Idafehn, bis dahin Teil der Gemeinde Strücklingen im Landkreis Cloppenburg, Teil der Gemeinde Ostrhauderfehn und damit des Landkreises Leer. Idafehn gehörte bis 1974 also offiziell zum Saterland und damit zum Oldenburger Münsterland. Es war aber von Ostrhauderfehn aus besiedelt worden, die Umgangssprache ist Ostfriesisches Platt, die vorherrschende Konfession evangelisch-lutherisch.Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Vechta/Cloppenburg vom 11. Februar 1974

Am 1. November 2001 schlossen sich die fünf Gemeinden der Samtgemeinde Bunde (Boen, Bunde, Bunderhee, Dollart und Wymeer) zur Einheitsgemeinde Bunde zusammen.

Einwohnerentwicklung mini|400px|rechts|Bevölkerungspyramide für den Kreis Leer (Datenquelle: Zensus 2011.)

Der Landkreis Leer wurde 1932 durch die Eingliederung des Landkreises Weener vergrößert.

Jahr Einwohner Quelle 1890 48.955 1900 52.871 1910 56.645 1925 61.266 1939 99.258 1950 132.303 1960 121.200 1970 135.800 1980 141.600 1990 145.344 Landkreis Leer Demografie 2000 161.425 2010 164.705 2015 167.548 2020 171.483

Politik Kreistag Dem Kreistag des Landkreises Leer gehören 54 gewählte Abgeordnete und der Landrat an. Dies ist die festgelegte Anzahl für einen Landkreis mit einer Einwohnerzahl zwischen 150.001 und 175.000 Einwohnern. Die Abgeordneten werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die allgemeine Wahlperiode beginnt am 1. November nach der letzten Wahl und endet nach fünf Jahren zum 31. Oktober.§47 NKomVG-Wahlperiode

Die letzte Kommunalwahl vom 13. September 2026 ergab das nachstehende Ergebnis (mit den Ergebnissen der vorherigen Wahlen): MWG=Moormerländer Wählergemeinschaft Parteien und Wählergemeinschaften Stimmen2026Ergebnis der Kommunalwahl 2026, abgerufen am 23. September 2026 Sitze2026 Stimmen2021Ergebnis der Kommunalwahl 2021, abgerufen am 25. September 2021 Sitze2021 Stimmen2016Ergebnis der Kommunalwahl 2016, abgerufen am 1. Januar 2017 Sitze2016 Stimmen2011Ergebnis der Kommunalwahl 2011 Sitze2011 Stimmen2006Ergebnis der Kommunalwahl 2006 Sitze2006 Stimmen2001Ergebnis der Kommunalwahl 2001 Sitze2001 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands30,86 %1738,12 %2039,7 %2139,6 %2144,2 %2447,1 %27 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands23,93 %1329,69 %1632,4 %1833,1 %1835,1 %1933,6 %19 Grüne Bündnis 90/Die Grünen10,56 %612,22 %78,7 %513,5 %77,3 %46,5 %3 AfD Alternative für Deutschland19,28 %104,99 %37,1 %4------ MOIN Wählergemeinschaft MOIN4,50 %24,96 %32,6 %1------ FDP Freie Demokratische Partei2,45 %14,94 %32,2 %12,0 %13,9 %23,7 %2 Linke Die Linke4,71 %32,14 %11,9 %12,7 %2---- BSW Bündnis Sahra Wagenknecht 1,97 % 1---------- MWL Moormerländer Wählergemeinschaft 0,98 % 1---------- WML Wählergemeinschaft Moormerländer Löwen--1,35 %1-------- VvW Vereinigung von Wählern im Landkreis Leer--0,66 %0-------- AWG Allgemeine Wählergemeinschaft Leer--0,66 %04,0 %24,6 %35,3 %36,9 %3 Basis Basisdemokratische Partei Deutschland--0,27 %0-------- Friesen Die Friesen----1,3 %11,1 %1---- BfR Bürger für Rhauderfehn (BfR)------2,6 %12,4 %1-- Piraten Piratenpartei Deutschland------0,5 %0---- LA Linke Alternative – Landkreis Leer--------1,6 %1-- Endrizzi Liste Endrizzi--------0,2 %0-- BD Wählergruppe----------1,0 %0 UWG Unabhängige Wählergemeinschaft----------0,7 %0 WSB Wählergemeinschaft Stimme des Bürgers0,64----------- USD Unabhängige Soziale Demokraten----------0,5 %0 EB Einzelbewerber 0,12 %-----0,3 %0--0,1 %0Gesamt100541005410054100541005410054Wahlbeteiligung in Prozent65,0756,6155,151,654,557,4

Landrat Der Landrat eines Landkreises vertritt den Landkreis auf politischer Ebene und ist gleichzeitig Chef der Kreisverwaltung. Landrat des Landkreises Leer ist seit 2016 Matthias Groote (SPD). Bei der letzten Landratswahl vom 12. September 2021 wurde er mit 81,25 Prozent der Stimmen gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 56,57 Prozent. Groote wurde für fünf Jahre gewählt. Bei der Landratswahl 2026 wurde Groote mit 51,74 % diesmal für acht Jahre wiedergewählt.Landratswahl 2026

Ehemalige Landräte

1885–1890: Theodor Meyer 1890–1894: Albert Lots 1894–1899: Erhard von Wedel 1899–1904: Clemens von Wedel-Gödens 1904–1909: Ferdinand Schenk zu Schweinsberg 1910–1930: Carl Ludwig Kleine (Freikonservative Partei, DNVP) 1930–1945: Hermann Conring (ab 1937: NSDAP) 1945–1949: Hans Windels 1950–1951: Ernst Stendel (CDU) 1951–1952: Wübbo van Lessen 1952–1956: Hermann Conring (CDU) 1956–1963: Theus Bracht (SPD) 1963–1964: Jürgen Thiemens (SPD) 1964–1965: Hermann Übel 1965–1973: Anton Wübbena-Mecima, CDU 1973–1982: Alfons Pawelczyk, SPD 1982–1986: Harm Weber, SPD 1986–1997: Helmut Collmann, SPD 1997–2001: Andreas Schaeder, SPD (erster direkt gewählter Landrat im Landkreis Leer) 2001–2016: Bernhard Bramlage, SPD

Ehemalige Oberkreisdirektoren 1946–1947: Heinz Noll 1948–1955: Peter Oskar Schuster 1955–1978: Peter Elster 1979–1991: Gerhard von Haus 1991–1997: Andreas Schaeder

Ehemalige Landräte des Kreises Weener 1885–1888: Mathias Knaus 1888–1893: Lümko Iderhoff (1856–1931) 1893–1904: Adolf Kriege 1904–1909: Karl Gosling 1909–1926: Erich Bachmann 1927: Hans von Oldershausen 1927: Emil Wehriede 1928–1932: Benno Eide Siebs

Vertreter im Bundestag Der Landkreis gehört zum Bundestagswahlkreis Unterems (Wahlkreis 25), der aus dem Landkreis Leer und dem nördlichen Teil des Landkreises Emsland besteht.Anlage 2 Bundeswahlgesetz – Wahlkreise für die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag, (PDF 185,4 kB), abgerufen am 25. Februar 2025. Der Wahlkreis wurde zur Bundestagswahl 1980 neu zugeschnitten und ist seitdem unverändert. Bislang setzten sich in diesem Wahlkreis ausschließlich CDU-Kandidaten durch. Bei der Bundestagswahl 2025 wurde die CDU-Abgeordnete Gitta Connemann aus Leer erneut direkt gewählt. Über Listenplätze der Parteien zogen Anja Troff-Schaffarzyk (SPD) und Martina Uhr (AfD) aus dem Wahlkreis in den Bundestag ein.

Wappen und Flagge mini|hochkant=0.5 mini|hochkant=0.5

Blasonierung: „Das Wappen des Landkreises Leer zeigt in Blau einen golden (gelb) bewehrten, rot bezungten silbernen (weißen) Löwen, der als Halsband eine gestürzte, goldene (gelbe) Krone trägt. Das Oberwappen zeigt eine Ährenkrone mit sechs goldenen (gelben) Ähren und einem goldenen (gelben) vierblättrigen Kleeblatt in der Mitte.“ Im Wappen des Landkreises spiegelt das Kleeblatt die vier historischen Landschaften Rheiderland, Overledingerland, Moormerland und Lengenerland wider. Neben dem Kleeblatt stehen Ähren, welche die landwirtschaftliche Prägung des Gebietes symbolisieren. Ähren und Kleeblatt krönen einen blauen Wappenschild, auf dem ein weißer Löwe mit einer gestürzten goldenen Krone um den Hals zu sehen ist. Dies ist das alte Wappen des Häuptlings Focko Ukena, der im 15. Jahrhundert über das Gebiet des heutigen Landkreises herrschte. Das Wappen des Landkreises Leer wurde am 12. August 1952 durch das Niedersächsische Innenministerium verliehen und mit der 1. Hauptsatzung des Landkreises am 22. Oktober 1958 gebilligt.

Beschreibung der Flagge: „Die Kreisflagge des Landkreises Leer zeigt in drei gleich breiten Querstreifen die Farben blau-gold (gelb)-silber (weiß) und in der Mitte das Kreiswappen.“ Die Flagge wurde letztmals bei der Neufassung der Hauptsatzung des Landkreises Leer am 3. Oktober 1977 von der Bezirksregierung Weser-Ems genehmigt.Hauptsatzung des Landkreises LeerFlagge des Landkreises Leer

Wirtschaft und Verkehr Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Leer Platz 228 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko Mix“ für die Zukunft.

Straße Der Landkreis Leer bietet ein gut ausgebautes Netz von Bundes- und Landstraßen. Zudem verläuft durch das Kreisgebiet die Bundesautobahn A 28 von Leer in Richtung Oldenburg und die A 31 aus Emden in Richtung des Ruhrgebiets. Sie treffen am Autobahndreieck Leer aufeinander. Die kurze A 280 zwischen der A 31 bei Weener und der niederländischen Grenze bei Neuschanz verläuft komplett auf dem Leeraner Kreisgebiet. Im Landkreis gibt es zudem 376 Kilometer an Kreisstraßen.

Schiene Der Landkreis Leer wird in Nord-Süd-Richtung von der Bahnstrecke Rheine–Emden Süd durchzogen, die 1854 von den Hannöverschen Staatsbahnen eröffnet worden ist. Die Ost-West-Verbindung Oldenburg – Leer – Weener – Neuschanz stellten die Oldenburgischen Staatsbahnen 1869 bis Leer und 1876 ab Ihrhove her. Die Bahnstrecke Ihrhove–Groningen ist seit einer Schiffskollision im Dezember 2015 im Bereich der Friesenbrücke unterbrochen. Der Schienenverkehr soll nach dem Neubau der Friesenbrücke und nach mehreren Verzögerungen voraussichtlich Mitte 2026 wieder aufgenommen werden.NDR: "Wunderline": Züge sollen noch mal Monate später rollen vom 23. Oktober 2025, abgerufen am 6. Juni 2026.

Auf der Insel Borkum betrieb die Borkumer Kleinbahn und Dampfschiffahrt GmbH seit 1888 mehrere Inselbahnstrecken in der Schmalspur 900 mm. Hier wird aktuell der 7,5 Kilometer lange Abschnitt zwischen Hafen und Stadt genutzt.

Als weitere Schmalspurbahn kam 1900 die Kleinbahn Leer–Aurich–Wittmund hinzu. Mit der kreiseigenen Kleinbahn Ihrhove–Westrhauderfehn war das Bahnnetz 1912 vollendet.