Der Landkreis Friesland ist ein Landkreis im Nordwesten von Niedersachsen in Ost-Friesland. Kreisstadt ist Jever.
Geographie Lage Der Landkreis Friesland liegt auf dem traditionellen Siedlungsgebiet der Friesen in Ost-Friesland, der Halbinsel zwischen der Ems und dem Jadebusen (wie die benachbarte Stadt Wilhelmshaven), gehörte aber politisch nie zu Ostfriesland. Nach dem Untergang der Herrschaft Jever wurde das Jeverland, wie zuvor bereits die Friesische Wehde, Teil von Oldenburg und wird noch heute zum Oldenburger Land gezählt. Zum Kreisgebiet gehört die ostfriesische Insel Wangerooge.
Der vorwiegende Landschaftstyp ist die Marsch (Schwemmland), gefolgt von Geest und Moor. Weit verbreitet in der Landschaft sind Wallhecken in Form von Wällen, die mit Bäumen oder Sträuchern bewachsen sind. Sie sind Teil der Kulturlandschaft Frieslands und stammen aus dem Mittelalter. Sie dienten damals der Abgrenzung der Grundstücke, heute dienen sie als Windschutz und stellen ökologische Kleingebiete dar. Wegen der Lage des Landkreises direkt an der Nordsee spielt der Tourismus eine wichtige Rolle. Besondere Reize für Urlauber bietet die im Wattenmeer gelegene, neun Kilometer lange Insel Wangerooge.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an das Wattenmeer der Nordsee, an die Jade und den Jadebusen mit der dazwischen liegenden kreisfreien Stadt Wilhelmshaven sowie an die Landkreise Wesermarsch, Ammerland, Leer und Wittmund.
Küste Die Küste des späten 16. Jahrhunderts ist auf der 1595 entstandenen historischen Karte des ostfriesischen Gelehrten Ubbo Emmius wiedergegeben. Deutlich zu erkennen sind die Meereseinbrüche des Schwarzen Bracks zwischen Gödens und Varel sowie der Harlebucht im Landkreis Wittmund.
Geschichte Seit dem 19. Jahrhundert war das Gebiet des heutigen Landkreises in die beiden Ämter Jever und Varel sowie die amtsfreien Städte Jever und Varel gegliedert.
Im Rahmen der Oldenburgischen Verwaltungsreform wurde 1933 aus dem Amt und der Stadt Jever, der Stadt Varel und dem größten Teil des Amtes Varel das Amt Friesland gebildet. Damit waren (vgl. oben) die friesischen Teile des Landes Oldenburg zusammengefasst; aus dieser oldenburgischen Binnenperspektive erklärt sich der gewählte Name des Kreises, der den ansonsten viel weiter reichenden Begriff Friesland nicht sprachlich näher eingrenzt. Gleichzeitig wurden die meisten der alten Gemeinden der Ämter Jever und Varel zu neuen Gemeinden zusammengefasst.Oldenburgisches Gesetz zur Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung vom 27. April 1933. Am 1. Januar 1939 wurde das Amt Friesland in Landkreis Friesland umbenannt. Der Landkreis kam 1946 als Teil des Freistaates Oldenburg zum neu gegründeten Land Niedersachsen.
Die 1933 gebildeten Gemeinden wurden 1948 wieder in kleinere Gemeinden aufgeteilt.Gesetz über die Neubildung von Gemeinden im Niedersächsischen Verwaltungsbezirk Oldenburg vom 26. April 1948.
Die Gebietsreform in Niedersachsen begann im Landkreis Friesland am 1. Januar 1971 mit dem Zusammenschluss der Gemeinden Hohenkirchen, Minsen und Tettens zur neuen Gemeinde Wangerland. Am 1. Juli 1972 wurde das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Friesland-Wittmund wirksam: Die Gemeinde Sengwarden schied aus dem Landkreis aus und wurde in die kreisfreie Stadt Wilhelmshaven eingegliedert. Die ostfriesische Gemeinde Gödens aus dem Landkreis Wittmund wurde in die Gemeinde Sande eingegliedert. Die Zahl der Gemeinden des Landkreises wurde auf acht verringert.
Die Änderungen der Gemeindegliederung bei den Gebietsreformen von 1948 und 1972 sind der folgenden Tabelle zu entnehmen: Gemeindegliederung des Landkreises Friesland 1933–1948 1948–1971 heute Friesische Wehde Bockhorn Bockhorn Neuenburg Zetel Zetel Jever Jever Jever Oestringen Cleverns-Sandel Sande Sande Schortens Schortens Kniphausen Sillenstede Sengwarden (zu Wilhelmshaven) Varel Varel Varel Varel-Land Varel-Land Wangerland Hohenkirchen Wangerland TettensMinsen Minsen Hooksiel Waddewarden Wangerooge Wangerooge Wangerooge Durch die am 1. August 1977 in Kraft getretene niedersächsische Kreisreform wurde der Landkreis Friesland aufgelöst und die Gemeinden Bockhorn und Zetel sowie die Stadt Varel wurden in den Landkreis Ammerland umgegliedert. Die Stadt Jever und die Gemeinden Sande, Schortens, Wangerland und Wangerooge wurden mit dem ostfriesischen Landkreis Wittmund zu einem neuen Landkreis Friesland zusammengefasst, dessen Kreisstadt Wittmund wurde.
Aufgrund verschiedener Verfassungsklagen vor dem niedersächsischen Staatsgerichtshof in Bückeburg wurde die Kreisreform in Teilen als verfassungswidrig festgestellt und dem Niedersächsischen Landtag eine Überarbeitung des Gesetzes für den Raum Ammerland/Friesland nahegelegt. Zum 1. Januar 1980 wurde daher die Neugliederung des Raumes Friesland/Wittmund zurückgenommen und die Landkreise Ammerland, Friesland und Wittmund wurden in den Grenzen von 1977 wiederhergestellt. Kreisstadt ist seitdem wieder die Stadt Jever. Die ehemalige ostfriesische Gemeinde Gödens verblieb als Teil von Sande im Landkreis Friesland.
Ab Dezember 2012 entwickelte sich auf Anregung des Landrates des Landkreises Friesland, Sven Ambrosy, und des Oberbürgermeisters von Wilhelmshaven, Andreas Wagner, eine sehr kontrovers geführte Debatte um eine intensivere Kooperation zwischen beiden Kommunen. Hintergrund war unter anderem das Zukunftsprogramm des Landes Niedersachsen, das bei Gebietsreformen 75 Prozent der kurzfristigen Schulden der an der Fusion beteiligten Kommunen übernimmt. Im Falle von Wilhelmshaven/Friesland hätte die Entschuldungshilfe für Wilhelmshaven 35 Millionen Euro und für Friesland neun Millionen Euro betragen. Zur Klärung der Einsparmöglichkeiten wurde bei der unabhängigen Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die finanziellen Auswirkungen einer möglichen Fusion der Stadt Wilhelmshaven und des Landkreises Friesland untersuchen sollte. Das Gutachten wurde im November 2013 veröffentlicht und empfahl eine Einkreisung der Stadt Wilhelmshaven in den Landkreis Friesland.KGSt-Gutachten Kooperation zwischen der Stadt Wilhelmshaven und dem Landkreis Friesland, abgerufen am 30. Dezember 2013. Wilhelmshaven hätte also seine Kreisfreiheit aufgeben müssen. Jedoch konnten sich die politischen Verantwortlichen nicht zu dieser Lösung entschließen. Beide Kommunen lehnten im Dezember 2013 die Einkreisung in den jeweiligen Gremien ab.
Siehe auch: Friesische Freiheit, Rüstringen, Östringen (Gau), Herrschaft Jever
Einwohnerstatistik mini|400px|rechts|Bevölkerungspyramide für den Kreis Friesland (Datenquelle: Zensus 2011.)
Jahr Einwohner Quelle 1933 54.942 1939 59.380 1950 94.964 1960 83.000 1970 93.200 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972. 1980 96.100 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981. 1990 94.258 . 2000 100.889 2010 99.598 2020 98.971
Konfessionsstatistik Gemäß der Volkszählung 2011 waren (Stand 9. Mai 2011) 58,2 % der Einwohner evangelisch, 8,3 % römisch-katholisch und 33,5 % waren Sonstige (konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe). Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 09.05.2011, Religion) Tabelle 1000X-1014 Personen: Religion, abgerufen am 21. September 2024 Der Anteil der Protestanten an der Gesamtbevölkerung sinkt seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt, während der Anteil der Sonstige jährlich um 1 Prozentpunkt steigt. Gemäß dem Zensus 2022 waren am 25. Mai 2022 47,3 % der Einwohner evangelisch, 7,7 % katholisch, und 45,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 25. August 2024
Laut Mitgliederstatistik der oldenburgischen Kirche für die Jahren 2022, 2023, 2024 und 2025 gab es ein Rückgang der evangelische Gemeindeglieder um 1 Prozentpunkt (Anteil an der Gesamtbevölkerung) jährlich. Mitgliederstatistik der oldenburgischen Kirche Stand 2021, abgerufen am 25. August 2024Rückgang der Mitglieder stellt evangelische Kirche weiter vor Herausforderungen, abgerufen am 22. Juni 2025Evangelische Kirche veröffentlicht Mitgliedszahlen für das Jahr 2025, abgerufen am 16. März 2026
Politik
Kreistag Dem Kreistag des Landkreises Friesland gehörten bis 2026 42 gewählte Abgeordnete und der Landrat an. Dies ist die festgelegte Anzahl für einen Landkreis mit einer Einwohnerzahl unter 100.000 Einwohnern. Durch die gestiegene Einwohnerzahl erhöht sich die Zahl ab 2026 auf 46 Abgeordnete. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die allgemeine Wahlperiode beginnt am 1. November nach der letzten Wahl und endet nach fünf Jahren zum 31. Oktober.§47 NKomVG-Wahlperiode
Bei den letzten Wahlen zum Kreistag am 13. September 2026 kam es zu folgenden Ergebnissen:Wahlergebnis 2026, abgerufen am 30. September 2026.
Übersicht über Ergebnisse vergangener Kreistagswahlen Partei 13. September 2026 12. September 2021Wahlergebnis, abgerufen am 17. September 2021. 11. September 2016Landkreis Friesland: Ihr Kreistag, abgerufen am 25. Dezember 2016 11. September 2011 10. September 2006 9. September 2001Prozent Stimmen SitzeProzent Stimmen SitzeProzent Stimmen SitzeProzent Stimmen SitzeProzent Stimmen SitzeProzent Stimmen Sitze SPD 31,86 % 50.807 15 38,2 % 54.574 16 34,3 % 46.637 15 38,2 % 49.121 16 40,9 % 47.465 19 41,8 % 53.824 20 CDU 19,85 % 31.645 9 21,2 % 30.390 9 24,3 % 33.089 10 24,0 % 30.778 10 27,9 % 32.423 13 28,9 % 37.303 13 Grüne 11,02 % 17.577 5 13,1 % 18.721 6 10,3 % 14.058 4 12,1 % 15.502 5 6,1 % 7.044 3 6,3 % 8.135 3 FDP 3,47 % 5.537 2 5,6 % 7.985 2 5,4 % 7.399 2 4,6 % 5.858 2 9,6 % 11.165 4 8,5 % 10.920 4 Zukunft Varel (ZV) 7,00 % 11.161 3 4,7 % 6.680 2 5,9 % 8.031 3 3,6 % 4.681 2 – – – – – – AfD 16,63 % 26.522 8 4,0 % 5.665 2 7,7 % 10.540 3 – – – – – – – – – Freie Bürger (FB) 1,05 % 1.670 0 3,1 % 4.444 1 2,3 % 3.105 1 – – – – – – – – – Die Linke 4,54 % 7.238 2 1,7 % 2.470 1 2,0 % 2.732 1 1,7 % 2.244 1 1,3 % 1.543 1 – – – UWG 1,03 % 1.644 0 1,7 % 2.447 1 2,4 % 3.293 1 3,6 % 4.623 1 3,8 % 4.415 2 5,0 % 6.426 3 Die PARTEI 1,38 % 2.208 1 1,4 % 2.023 1 – – – – – – – – – – – – WPW – – – 1,3 % 1.881 1 – – – – – – – – – – – – SWG – – – 1,1 % 1.630 0 2,3 % 3.115 1 3,0 % 3.809 1 2,7 % 3.134 1 4,6 % 5.923 2 MMW – – – 0,9 % 1.302 0 2,2 % 3.031 1 2,8 % 3.630 1 3,2 % 3.767 1 – – – Die Basis – – – 0,7 % 1.046 0 – – – – – – – – – – – – PFF 0,65 % 1.038 0 0,6 % 825 0 – – – – – – – – – – – – Freie Wähler 1,51 % 2.412 1 – – – – – – – – – – – – – – – Klare Kante – – – 0,3 % 414 0 – – – – – – – – – – – – SWV – – – 0,1 % 79 0 – – – – – – – – – – – – BBV/F – – – – – – 0,8 % 1.100 0 1,4 % 1.844 1 – – – – – – BfB – – – – – – – – – 4,4 % 5.626 2 4,5 % 5.223 2 2,7 % 3.451 1 Einzelbewerber – – – 0,3 % 381 0 – – – – – – – – – – – – Wahlbeteiligung 55.468 von 83.692 49.433 von 84.522 47.166 von 83.568 45.280 von 82.967 41.027 von 82.602 45.013 von 80.576 66,28 % 58,5 % 56,4 % 54,6 % 49,7 % 55,9 %
Landrat Der Landrat eines Landkreises vertritt den Landkreis auf politischer Ebene und ist gleichzeitig Chef der Kreisverwaltung. Am 12. August 2003 wurde Sven Ambrosy zum hauptamtlichen Landrat des Landkreises Friesland.Landkreis Friesland – Der Landrat, abgerufen am 27. Januar 2013. Er löste damit Karin Evers-Meyer als Landrätin und Lothar Knippert als Oberkreisdirektor ab. Ambrosy wurde 2011 und 2019 wiedergewählt. Zuvor war Ambrosy im Juli 2000 als Abteilungsleiter zum Landkreis Friesland gekommen. Ab dem 1. Juli 2001 war er außerdem stellvertretender Oberkreisdirektor.
Silke Vogelbusch ist seit dem 1. Januar 2012 Ambrosys allgemeine Vertreterin. Sie wurde im November 2011 in der konstituierenden Sitzung des Kreistags Friesland in Schortens als Erste Kreisrätin gewählt.Silke Vogelbusch wird Kreisrätin in Friesland, abgerufen am 27. Januar 2013.