mini|hochkant=1.5|Fronleichnamsprozession in Meckenbeuren im Jahr 2007

Das Fronleichnamsfest ist ein Hochfest im Kirchenjahr der katholischen Kirchen, mit dem die nach kirchlicher Lehre bleibende Gegenwart des als Sohn Gottes angesehenen Jesus Christus im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird. Die liturgische Bezeichnung ist in der römisch-katholischen Kirche seit 1970 . In der altkatholischen Kirche wird es auch Danktag für die Eucharistie genannt.

Kennzeichnend für das Fest ist die Fronleichnamsprozession, eine eucharistische Prozession. Als Festgedanken gelten heute die Feier der Gegenwart Christi in der Eucharistie als „Sakrament der Einheit“ und der „Mitte, aus der wir leben“, das öffentliche Bekenntnis des Christseins und das Bild der pilgernden Kirche (Unterwegssein mit Christus), ferner die Segnung der Schöpfung, des Alltags und der Lebenswelt der Menschen.Guido Fuchs: Fronleichnam. Ein Fest in Bewegung. Regensburg 2006, S. 100, 107.

Fronleichnam wird 60 Tage nach Ostern, also am zweiten Donnerstag nach Pfingsten, im Mai oder Juni gefeiert.

Bezeichnungen Die Bezeichnung Fronleichnam leitet sich von ab, von , ‚was den Herrn betrifft‘ (siehe auch Frondienst) und (‚der Leib‘). In der Liturgie heißt das Fest heute Sollemnitas Sanctissimi Corporis et Sanguinis Christi ‚Hochfest des Leibes und Blutes Christi‘. Bis 1970 war der liturgische Name In Festo Sanctissimi Corporis Christi ‚Am Fest des allerheiligsten Leibes Christi‘; mit der Erweiterung des Festnamens auf das Blut Christi fiel im Rahmen der Kalenderreform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil das bis dahin am 1. Juli begangene Fest des kostbaren Blutes unseres Herrn Jesus Christus weg.

Volkstümliche Bezeichnungen sind Herrgottstag, Sakramentstag, wegen der äußerlichen Gestaltung auch Kränzeltag (in Bayern; der Tag, an dem die Mädchen Kränze auf dem Kopf tragen oder an dem die „Wetterkranzl“ geweiht werden, die im Haus aufgehängt werden und gegen Blitzschlag schützen sollen). Die bayerischen Ausdrücke Prangtag oder Prangertag werden von „prangen“ (im Sinn von ‚durch glanzentfaltung, schönheit, schmuck u. s. w. sich auszeichnen‘ und ‚geschmückt aufziehen bei ... processionen‘)Grimm, Deutsches Wörterbuch s. v. prangen. hergeleitet wegen der Blumenteppiche auf dem Prozessionsweg und der Birkenbäumchen – auch „Prangerstauden“ oder „Kranzlstauden“ genannt – vor den Häusern sowie der festlichen Kleidung der Teilnehmenden. Der vom Gründonnerstag übernommene Name Antlasstag weist auf die am Feste gewährten Ablässe hin.Guido Fuchs: Fronleichnam. Ein Fest in Bewegung. Pustet, Regensburg 2006, ISBN 3-7917-1992-0, S. 13. Eine mittelalterliche Bezeichnung war Gotzleichnamstag.Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 393.

In anderen Sprachen ist die lateinische Bezeichnung des Hochfestes, , geläufig.

Liturgie und theologische Sinngebung mini|Schützen in Uniform tragen und begleiten den „Himmel“

Der Festtermin und das Anliegen des Fronleichnamstages, eines Ideenfestes, stehen in enger Verbindung zum Gründonnerstag und der damit verbundenen Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus selbst beim letzten Abendmahl. Wegen des stillen Charakters der Karwoche erlaubt der Gründonnerstag keine prunkvolle Entfaltung der Festlichkeit. Aus diesem Grund wurde das Fest Fronleichnam bei seiner Einführung um die Mitte des 13. Jahrhunderts auf den ersten Donnerstag nach der Oktav des Pfingstfestes, neun Wochen nach dem Gründonnerstag, gelegt. In Ländern, in denen Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag ist, kann das Hochfest an einem der darauffolgenden Sonntage nachgefeiert werden.„Wenn in einer Gemeinde keine Fronleichnamsprozession sein kann, empfiehlt es sich, dass sie gemeinsam mit einer ihrer Nachbargemeinden das Fronleichnamsfest feiert. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Fronleichnamsprozession an einem der auf das Fest folgenden Sonntage nachzuholen, wenn in dem betreffenden Ort die Sonntagsmesse gefeiert wird.“ In: Zum gemeinsamen Dienst berufen. Die Leitung gottesdienstlicher Feiern. Rahmenordnung für die Zusammenarbeit von Priestern, Diakonen und Laien im Bereich der Liturgie. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz 8. Januar 1999. 7. Auflage. Bonn 2007.

Von 1264 bis 1955 hatte das Fronleichnamsfest eine Oktav, die nach einer Liturgiereform durch Papst Pius XII. entfiel. Am Tag nach dem Oktavtag, dem dritten Freitag nach Pfingsten, wird das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu begangen, das in enger thematischer Beziehung zum Festgeheimnis von Fronleichnam steht.

Liturgie der Messfeier Der wichtigste Teil des Fronleichnamsfestes ist die heilige Messe. Die liturgischen Texte beziehen sich je nach Lesejahr (seit 1970) auf das Mahl mit Jesus und die Einsetzung der Eucharistie, auf die wunderbaren Speisungen im Alten und Neuen Testament und auf die eucharistischen Reden Jesu: 1. Lesung 2. Lesung(bis 1969: Epistel) Evangelium Bis 1969 Lesejahr A Lesejahr B Lesejahr C mini|Beginn der Sequenz Lauda Sion Salvatorem im Graduale Novum

Die Festliturgie hat eine Sequenz, nämlich Lauda Sion Salvatorem, die Thomas von Aquin OP um 1264 für das damals neue Fest dichtete. Deren deutsche Nachdichtung Deinem Heiland, deinem Lehrer von Franz Xaver Riedel aus dem Jahr 1773 ist ein viel gesungenes Fronleichnamslied, auch zur Prozession.

Bis 1955 wurde in der heiligen Messe an Fronleichnam die Präfation für die Weihnachtszeit verwendet, in der es heißt: Die geheimnisvolle Menschwerdung des Wortes zeigt dem Auge unseres Geistes das neue Licht deiner Herrlichkeit; indem wir Gott so mit leiblichem Auge schauen, entflammt er in uns die Liebe zu unsichtbaren Gütern.Anselm Schott: Das vollständige römische Messbuch. Herder, Freiburg im Breisgau 1963, S. 483. Dadurch wurde der inkarnatorische Charakter der Eucharistie, nämlich die bleibende Gegenwart des menschgewordenen Christus in den Gestalten von Brot und Wein, unterstrichen. Nach 1955 wurde an Fronleichnam die „gewöhnliche Präfation“ für Tage ohne eigene Präfation vorgetragen. Im Anschluss an das Zweite Vatikanum erhielt das Fronleichnamsfest eine eigene Sakramentspräfation, die vorher schon in einigen Diözesen gestattet war.Guido Fuchs: Fronleichnam. Ein Fest in Bewegung. Pustet, Regensburg 2006, ISBN 3-7917-1992-0, S. 78.

Heute stehen zwei Präfationen zur Auswahl.erzabtei-beuron.de: Schott. Tagesimpuls, abgerufen am 5. Juli 2022. In einer wird der Opfercharakter der Eucharistie betont:

In einer zweiten Präfation steht der Zusammenhang zwischen dem Abendmahl Jesu und der Messfeier der Gemeinde im Mittelpunkt:

Sinngebung der Prozession mini|Teilnehmende an der Fronleich­nams­messe unter freiem Himmel in Freiburg, Schweiz (links vorne ehemalige Gardisten der Päpstlichen Schweizergarde) Vielerorts wird der Gottesdienst zu Fronleichnam im Freien gefeiert. An die heilige Messe schließt sich in der Regel die Prozession an, regional auch „Gottestracht“ (von , Substantiv zu „tragen“)Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 23., erweiterte Auflage, Berlin / New York 1999, ISBN 3-11-016392-6, S. 830. genannt, bei der die Gläubigen die vom Priester oder Diakon getragene Monstranz mit dem Allerheiligsten (einer konsekrierten Hostie) in einem Festzug unter Gebet und Gesang durch die Straßen begleiten („theophore“ Prozession). Die Monstranz und ihr Träger werden dabei von einem „Himmel“ genannten mitgetragenen Stoffbaldachin beschirmt. Mit Stationsgottesdiensten an bis zu vier Außenaltären (Segensaltären) werden Elemente eines Flurumgangs aufgenommen; bei jeder Statio wird ein Abschnitt aus dem Evangelium vorgetragen, es werden Fürbitten gesprochen und der sakramentale Segen in alle Himmelsrichtungen, über den Ort und die Flur erteilt. Vor 1960 kamen in den vorgetragenen Perikopen das adventliche Kommen Jesu Christi zum Ausdruck, wie es in den ersten Versen der vier Evangelien jeweils unterschiedlich akzentuiert wird. Sie waren wie folgt den Segensstationen zugeordnet: 1. Altar , 2. Altar , 3. Altar , 4. Altar .Anselm Schott OSB: Das Meßbuch der heiligen Kirche. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 1924, S. 472–478 Der Prozessionsweg ist vielerorts mit Blumen bestreut, mit grünen Zweigen, Fahnen und Teppichen geschmückt. Die Prozession schließt meist in der Pfarrkirche mit dem Gesang des Tantum ergo, dem sakramentalen Segen und dem Lobhymnus Te Deum laudamus, der vor dem Tantum ergo oder zum Abschluss gesungen wird.

1959 bestimmte die Ritenkongregation, dass die Fronleichnamsprozession keine Liturgie im engeren Sinne ist, sondern eine fromme Übung (pium exercitium) und somit in die Zuständigkeit der Diözesanbischöfe fällt, 1960 veröffentlichte die Kongregation eine neue Ordnung für die Prozession, den Ordo processionis in festo sanctissimi Corporis Christi. Anstelle der Anfänge der vier Evangelien werden jetzt an den vier Segensaltären zum Fronleichnamsfest passende Perikopen vorgetragen, und die Anliegen der Fürbitten und der Segensspendung sind an den einzelnen Altären: für die Kirche (1. Segen), für Land und Volk (2. Segen), für das Gedeihen der Feldfrüchte und die Werke der menschlichen Technik (3. Segen) und für den Ort und seine Bewohner (4. Segen).Guido Fuchs: Fronleichnam. Ein Fest in Bewegung. Regensburg 2006, S. 21.

Durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) wurden die Feier der heiligen Messe und der Empfang der Kommunion als „stiftungsgemäße Hochform“ der Verehrung der Eucharistie (Andreas Heinz) hervorgehoben. Das Konzil bestimmte in seiner Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium, dass die „frommen Übungen“ wie die Prozession „aus der heiligen Liturgie abgeleitet werden und das Volk zu ihr hinführen, da sie ihrer Natur nach ja weit über diesen steht“ (SC 13.3). Dadurch verlor die Fronleichnamsprozession gegenüber der Messfeier an Bedeutung, wurde im Verlauf oft reduziert und vereinzelt abgeschafft.

Die heutige Sinngebung der Prozession geht in der Regel nicht mehr vom Vorbild eines Triumphzuges aus, sondern vom Bild der Kirche als des wandernden Gottesvolks, das in der Ekklesiologie des Zweiten Vatikanischen Konzils besondere Bedeutung erhielt; das Konzil zitierte dabei den Kirchenlehrer Augustinus, für den die Kirche „zwischen den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes auf ihrem Pilgerweg“ dahinschreitet und Kreuz und Tod des Herrn verkündet;Zweites Vatikanisches Konzil: Dogmatische Konstitution über die Kirche. In: Lumen gentium. Nr. 8; Augustinus-Zitat: Augustinus: Civ. Dei, XVIII, 51, 2: PL 41, 614.„Die Kirche als pilgerndes Gottesvolk könnte ein gültiges Motiv der Gestaltung [sc. der Fronleichnamsprozession] sein.“ () im römischen Direktorium über die Volksfrömmigkeit und Liturgie (2001) heißt es: „Die Gläubigen […] fühlen sich als ‚Volk Gottes‘, das mit seinem Herrn auf dem Weg ist und den Glauben an ihn, der wirklich ‚Gott mit uns‘ geworden ist, zum Ausdruck bringt.“ Ihre Mitte ist Christus, „das Brot des Lebens“. Der Charakter wandelte sich von einer „eucharistischen Schaufrömmigkeit“ zu einer „Kommunionfrömmigkeit“ (Guido Fuchs).Guido Fuchs: Fronleichnam. Ein Fest in Bewegung. Pustet, Regensburg 2006, ISBN 3-7917-1992-0. S. 8. Die Verbindung von Prozession und heiliger Messe wird stärker betont: