Bismut oder Wismut (historisch auch Wismuth) ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Bi und der Ordnungszahl 83. Im Periodensystem steht es in der 5. Hauptgruppe oder Stickstoffgruppe.

Bismut ist ein hellgraues, weiches, eher sprödes sowie ungiftiges Schwermetall. Es wird vor allem für Legierungen benutzt.

Geschichte Im Altertum waren Bismut und seine Erze noch unbekannt.Jost Weyer: Geschichte der Chemie Band 1 – Altertum, Mittelalter, 16. bis 18. Jahrhundert. Springer, 2018, ISBN 978-3-662-55797-6, S. 408. Erste Hinweise auf Wismutgruben stammen 1463 und 1477 aus Schneeberg im Erzgebirge.Oswald Hoppe: Der Silberbergbau zu Schneeberg bis zum Jahre 1500. Dissertation, Heidelberg 1908, S. 22, .Jens Kugler: Der Silberfund und das unterirdische Gastmahl 1477 in Schneeberg – Legende oder Wirklichkeit? In: Tagungsband zum 4. Internationaler Bergbau-Workshop, 3. bis 6. Oktober 2001 in Mels, Sonderband der Minaria Helvetica. S. 68–77 (online). In der Schrift Ein nützlich Bergbüchlin (ca. 1505) wird das Erz von Bismut (wißmad ärcz) als Begleiter von Silbererz erwähnt.Michael Ruck: Wißmad Ärcz, Bisemutum, Wismut, Bismut. In: Gesellschaft Deutscher Chemiker (Hrsg.): Chemie der Elemente. 2019, S. 72–74 (online). Georgius Agricola unterscheidet in seiner Schrift De natura fossilium von 1546 drei Sorten von Blei: Weißblei (heute Zinn), Schwarzblei (heute Blei) und aschgraues Blei (mittellateinisch plumbum cinereum; heute Bismut) und nennt auch den latinisierten Namen „bisemutum“.

Die Herkunft des Namens ist nicht eindeutig geklärt. Er erscheint im Deutschen 1390 als wesemut und lateinisch 1450 als wismutum,Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 18. Auflage. (bearbeitet von Walther Mitzka). De Gruyter, Berlin 1960, S. 866, Wismut. 1530 als bisemutumGeorgii Agricolae medici: Bermannus, sive de re metallica. Basileæ 1530, S. 75 ff. und kann auf die in einer arabischen Dioskurides-Übersetzung des 9. Jahrhunderts belegte Form b[i]sīmūtīyūn zurückgeführt werden, die selbst wohl eine Transliteration von ‚Bleiweiß‘ darstellt. Auch die Entstehung aus ‚Antimon‘ wurde angenommen; oft wird außerdem auf die angeblich erste Mutung in der Zeche St. Georgen in der Wiesen bei Schneeberg im Erzgebirge im 15. Jahrhundert verwiesenWismut. In: Wolfgang Pfeifer u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 4. Auflage. dtv, München 1999, ISBN 3-423-32511-9, S. 1574. – oder auf die Variante wis(se)mat, die ‚weiße Masse‘ bedeuten soll.Elke Grab-Kempf: Zur Etymologie von dt. Wismut. In: Beitraege zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur (PBB). 125, 2003, S. 197–206, doi:10.1515/BGSL.2003.197. Im Deutschen wurde lange Zeit Wismut(h) als Name des Elements verwendet. Die offizielle Schreibweise wurde 1975 von einer Kommission der Gesellschaft Deutscher Chemiker, der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft und der Gesellschaft Österreichischer Chemiker geändert und an die international übliche Schreibweise Bismut angepasst.W. Klemm: Vorwort zur deutschen Fassung der zweiten Ausgabe. Veröffentlicht in: International Union of Pure and Applied Chemistry (Hrsg.): Nomenklatur der Anorganischen Chemie. Deutsche Ausgabe der Empfehlungen 1990. Wiley-VCH, 1993, ISBN 978-3-527-60319-0, S. XXIV-XXVII.

Umfangreichere wissenschaftliche Untersuchungen des Bismuts veröffentlichten 1739 Johann Heinrich PottJohannis Henrici Pott: Observationum et animadversionum chymicarum praecipue circa sal commune, acidum salis vinasum et wismuthum. Berlin, 1739 (online auf archive.org). und 1753 Claude François Geoffroy. Dabei konnte Geoffroy endgültig zeigen, dass Bismut sich von Blei und Zinn unterscheidet und ein eigenständiges Element ist.Claude François Geoffroy: Sur le bismuth. In: Histoire de l'Académie Royale des Sciences. 1753, S. 190–194 ().Hermann Sicius: Handbook of the Chemical Elements. Springer Nature, 2024, ISBN 978-3-662-68921-9, S. 331–339.

Eine frühe Anwendung von Bismut war die Wismutmalerei vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Hierbei wurde auf Holzkästchen metallisch glänzendes Bismut als Hintergrund für farbige Ornamente, Blumen oder Figuren eingesetzt und so ein besonders großer Kontrast erzeugt.

Vorkommen

mini|links|Bismuthinit

Bismut ist mit einem Gehalt von 0,0085 ppm in der kontinentalen Erdkruste ein seltenes Element. Wenn man die gesamte Erde betrachtet, ist der Bismutgehalt mit 0,03 ppm größer. Dabei ist der Anteil im Erdkern mit 0,09 ppm relativ hoch, während im Erdmantel nur geringe Mengen des Elements vorhanden sind.Rebecca A. Fischer, William F. McDonough: Earth's core composition and core formation. In: Ariel Anbar, Dominique Weis (Hrsg.): Treatise on Geochemistry. 3. Auflage, Elsevier, 2025, ISBN 978-0-323-99763-8. Dies liegt daran, dass Bismut ein moderat volatiles Element ist und unter den Bedingungen der Erdentstehung sowohl siderophile (eisenliebende) als auch chalkophile (schwefelliebende) Eigenschaften aufweist.K. Righter, K. Pando, D. K. Ross, M. Righter, T. J. Lapen: Effect of silicon on activity coefficients of Bi, Cd, Sn, and Ag in liquid Fe-Si, and implications for differentiation and core formation. In: Meteoritics & Planetary Science. Band 54, Nr. 6, 2019, S. 1379–1394, . Dadurch sind bei der Entstehung der Erde große Mengen Bismut in den Kern abgesunken, es wird geschätzt, dass über 95 % des auf der Erde vorhandenen Bismuts sich im Kern befindet.

Die meisten Gesteine enthalten nur sehr geringe Mengen Bismut. Ausnahme ist Granit, in dem das Element sich durch fraktionierte Kristallisation anreichern kann.Eimear Deady, Charlie Moon, Kathryn Moore, Kathryn M. Goodenough, Robin K. Shail: Bismuth: Economic geology and value chains. In: Ore Geology Reviews. Band 143, 2022, Artikel 104722, . Durchschnittlich enthält Granit etwa 0,27 ppm BismutCristiana L. Ciobanu, Nigel J. Cook: Bismuth. In: William White (Hrsg.): Encyclopedia of Geochemistry. Springer, 2018, ISBN 978-3-319-39311-7, S. 153–155., es sind jedoch auch deutlich bismutreichere Granite bekannt. Ein extrem bismutreicher Granit mit Gehalten von 560–710 ppm Bismut wurde bei Podlesí in Tschechien gefunden.Karel Breiter, Hans-Jürgen Förster, Radek Škoda: Extreme P-, Bi-, Nb-, Sc-, U- and F-rich zircon from fractionated perphosphorous granites: The peraluminous Podlesí granite system, Czech Republic. In: Lithos. Band 88, 2006, S. 15–34, . Unter den Sedimentgesteinen sind Tiefseesedimente und Schiefer relativ bismutreich, während Sand- und Kalkstein wenig Bismut enthalten. In Kohle ist Bismut typischerweise angereichert.

Vor allem unter hydrothermalen Bedingungen können viele verschiedene Bismutminerale entstehen. Für ein so seltenes Element bildet Bismut ungewöhnlich viele Minerale, 2025 sind 247 verschiedene Bismutminerale anerkannt. Überwiegend handelt es sich dabei um Sulfide und Sulfosalze, aber auch andere Chalkonide wie Oxide, Selenide und Telluride. Häufig ist auch gediegenes Bismut zu finden. Neben diesem sind die wichtigsten Bismutminerale Bismuthinit Bi2S3, Bismutit (BiO)2CO3, Tetradymit Bi2Te2S, Aikinit PbCuBiS3 und Wittichenit Cu3BiS3. Bekannte Fundorte von Bismutmineralen sind unter anderem die Grube Clara in Oberwolfach im Schwarzwald, Mittersill in Österreich und Băița in Rumänien.The mineralogy of Bismuth. In: mindat.org, Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 18. November 2025.

Besonders häufig ist Bismut mit Gold und Silber vergesellschaftet. Die enge Verbindung zu Gold liegt daran, dass bei den Temperaturen, unter denen sich Goldvorkommen bilden, auch Bismut schmilzt. Schon kleine Mengen Bismut in einer hydrothermalen Schmelze können Gold binden und es so anreichern. Zudem kristallisiert die Gold-Bismut-Legierung Maldonit zusammen mit gediegenem Bismut aus.

Es gibt eine Reihe von Erzlagerstätten, die signifikante Anteile an Bismut enthalten. Hierzu zählen Wolfram-Skarne, granitbedingte Adern und Greisen, IOCG (Eisenoxid-Kupfer-Gold)-Lagerstätten und Pegmatite. Erze werden aber selten gezielt wegen Bismut abgebaut, es wird in der Regel als Nebenprodukt beim Blei-, Wolfram-, Kupfer- und Goldbergbau abgebaut und aus diesen Erzen extrahiert. Eine Ausnahme war die 1985 geschlossene Tasna-Mine in Bolivien mit Bismutgehalten im Erz von > 1 %. Die aktuell (Stand 2019) wichtigsten Lagerstätten für die Gewinnung von Bismut sind Shizhuyuan und Lamo in China und Núi Pháo in Vietnam.

Bismut als Mineral mini|links|Federwismut aus der Pöhla-Tellerhäuser Mine, Landkreis Schwarzenberg, Erzgebirge, Sachsen (Gesamtgröße der Probe: 6,8 cm × 4,5 cm × 3,1 cm)

Bismut tritt in der Natur gediegen, das heißt in elementarer Form auf und ist von der International Mineralogical Association (IMA) als Mineral anerkannt. Da Bismut bereits im Gründungsjahr der IMA, 1958 bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet Bismut als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Bismut lautet „Bi“.Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 19. November 2025]). Als Typlokalität von Bismut gilt Schneeberg im Erzgebirge.Native Bismuth. In: mindat.org, Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 19. November 2025.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer I/B.01. Dies entspricht der Klasse der „Elemente“ und dort der Abteilung „Halbmetalle und Nichtmetalle“, wo Bismut zusammen mit Antimon, Arsen, Arsenolamprit, Paradocrasit, Pararsenolamprit und Stibarsen die Arsengruppe mit der Systemnummer I/B.01 bildet. Die von der IMA verwendete 9. Auflage der Systematik der Minerale nach Karl Hugo Strunz führt das Bismut zusammen mit Antimon, Arsen und Stibarsen in der Unterabteilung der Arsengruppen-Elemente unter der System-Nr. 1.CA.05 (veraltete 8. Auflage: I/B.01-40). Bei der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana gehört Bismut zur „Arsengruppe“ mit der System-Nr. 01.03.01.

Gediegenes Bismut bildet sich in Hydrothermal-Gängen von Pegmatiten und topashaltigen Zinn-Wolfram-Quarzadern und meist zusammen mit verschiedenen Kupfer-, Nickel-, Silber und Zinnerzen. Bismut entwickelt nur selten gut ausgebildete Kristallformen, die aber eine Größe von bis zu 12 Zentimetern erreichen können. Üblicherweise findet es sich in Form dendritischer, blätteriger oder körniger Aggregate, aber auch als polysynthetische Zwillinge mit paralleler Streifung („Federwismut“) oder trichterförmig ins Kristallzentrum eingezogenen Seitenflächen.John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Bismuth. In: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001. (PDF 57,4 kB).

Bisher (Stand: 2025) gelten rund 2530 Fundorte für gediegenes Bismut als bekannt. Die Fundstätten liegen in Europa vor allem im Erzgebirge, dem Schwarzwald, den österreichischen Alpen, der Auvergne in Frankreich, Portugal, der Slowakei und Schweden. Außerhalb Europas findet es sich unter anderem in New South Wales, Australien, im Süden Chinas, Japan, im Sudbury-Becken in Kanada, Bolivien, Südafrika und weiteren Orten.

Gewinnung und Darstellung Bismut wird überwiegend als Nebenprodukt bei der Herstellung anderer Metalle, insbesondere Blei und Wolfram, aber auch Kupfer und Zinn gewonnen. Nur selten ist ein gezielter Abbau von Bismuterzen zur Gewinnung des Elementes möglich. Die Produktionsmethoden unterscheiden sich je nach Ausgangserz.