mini|Hafen und Industrieanlagen in Avilés mini|Küste bei Gijón mini|Playa de Toró bei Llanes mini|San Salvador de Valdediós, 10. Jh. mini|Karte der geplanten Verwaltungsgliederung

Asturien (; offiziell spanisch Principado de Asturias, asturisch Asturies, offiziell asturisch Principáu d’Asturies; ) ist eine autonome Gemeinschaft im Nordwesten Spaniens. Das Territorium der autonomen Gemeinschaft ist identisch mit dem der Provinz Asturien (früher Provinz Oviedo). Die Hauptstadt ist Oviedo mit Einwohnern (Stand: ).

Geographie Asturien ist mit einer Fläche von 10.606 km² eine relativ kleine, aber landschaftlich vielfältige Küsten- und Gebirgsregion an der nordspanischen Atlantikküste. Politisch grenzt es im Westen an Galicien, im Süden an Kastilien und León und im Osten an Kantabrien. Das Kantabrische Gebirge verläuft in Ost-West-Ausrichtung durch ganz Asturien und prägt vor allem in der südlichen Hälfte maßgeblich das bergige und hügelige Landschaftsbild. Die höchste Erhebung bildet der Torre Cerredo mit 2.650 m innerhalb des Massivs Picos de Europa. Die 345 km lange asturische Atlantikküste (Kantabrisches Meer) nennt sich Costa Verde; hier befinden sich einige der schönsten Strände Spaniens.

In der ganzen Region herrscht ozeanisches Klima, das sich durch ganzjährig häufige Niederschläge und milde Temperaturen deutlich vom heißen und trockenen Klima in Zentral- und Südspanien unterscheidet. Das Landschaftsbild Asturiens ist daher von wesentlich mehr Grün bestimmt (España Verde, das „grüne Spanien“). Das Kantabrische Gebirge wirkt dabei als Klimascheide zum zentralspanischen Tafelland.

Naturräume

Naturräumliche Gliederung Als eine grobe naturräumliche Gliederung Asturiens können folgende Gebiete unterschieden werden:

Die Küstenzone mit Steilklippen, Buchten, Sandstränden, Dünenlandschaften und Flussmündungen. Eine landschaftliche Besonderheit der nordspanischen Atlantikküste sind auch die Rias, wie z. B. die Ría de Villaviciosa. Die zentrale Ebene rund um die Hauptstadt Oviedo. Unter Einbeziehung der benachbarten Küstenstädte Gijón und Avilés stellt dieses Gebiet einen dicht besiedelten Ballungsraum dar; hier lebt etwa 65 % der asturischen Bevölkerung. Die Mittel- und Hochgebirgsregion in der südlichen Hälfte Asturiens, wobei in einigen Bereichen die Ausläufer des Kantabrischen Gebirges bis an die Küste heranreichen. Diese Berglandschaft beinhaltet auch ein sehr dichtes Netz an Tälern unterschiedlicher Formen und Dimensionen. Die Fließgewässer Asturiens entwässern allesamt nach Norden ins Kantabrische Meer und weisen durch ganzjährig häufige Niederschläge hohe Abflussspenden auf.

Schutzgebiete Asturien besitzt insgesamt 54 offiziell geschützte Gebiete unterschiedlicher Kategorien. Diese setzen sich wie folgt zusammen:

1 Nationalpark: Parque Nacional de los Picos de Europa 5 Naturparks: Parque Natural de Somiedo Parque Natural de las Fuentes del Narcea, Degaña e Ibias Parque Natural de Las Ubiñas-La Mesa Parque Natural de Ponga Parque Natural de Redes 7 Naturreservate (Naturschutzgebiete) Reserva Natural Parcial Ría de Villaviciosa Reserva Natural Integral de Muniellos Reserva Natural Parcial de Barayo Reserva Natural Parcial de la Cueva de las Caldas Reserva Natural Parcial de la Cueva del Lloviu Reserva Natural Parcial de la Cueva del Sidrón Reserva Natural Parcial de la Cueva Rosa 39 Naturmonumente 2 Landschaftsbestandteile Cabo de Peñas Cuencas Mineras

Diese Schutzgebiete beherbergen eine vielfältige Flora und Fauna, darunter auch den europäischen Braunbären und den iberischen Wolf.

Bevölkerung Die Bevölkerung konzentriert sich in den Tälern des zentralen Landesteiles sowie an der Küste mit ihren urbanen Zentren Oviedo, Gijón und Avilés, während die Mittel- und Hochgebirgsregionen nur dünn besiedelt sind.

Historische Bevölkerungsentwicklung

Quelle: Municipal Register of Spain

Sprachen Neben der Amtssprache Spanisch wird in Asturien auch das Asturische sowie in den westlichen Randgebieten längs der Grenze zu Galicien ein Übergangsdialekt von Asturisch und Galicisch gesprochen, das sogenannte Galicisch-Asturisch oder Eonaviego.

Städte Die größten Städte Asturiens sind die Hafenstadt Gijón (asturisch Xixón) mit Einwohnern, die Hauptstadt Oviedo (asturisch Uviéu) mit Einwohnern und die Industriestadt Avilés mit Einwohnern (Stand: ).

GemeindeEinwohnerGijón Oviedo Avilés Siero Langreo Mieres Castrillón Corvera de Asturias San Martín del Rey Aurelio Villaviciosa Llanera Llanes Laviana Cangas del Narcea Valdés Gozón Lena Carreño Kleinste Gemeinde ist Pesoz mit Einwohnern.

Geschichte In der Region gibt es Höhlen mit steinzeitlichen Malereien, vor allem Tierdarstellungen, die mehr als 15.000 Jahre alt sind. Es wurden etwa 700 Dolmen gefunden. Die meisten haben die Jahrtausende nicht unversehrt überstanden, obwohl sie von Mámoas bedeckt waren.

Keltisierung Die ersten festen Siedlungen werden europäisierten Bevölkerungen zugerechnet, die sich die reichen Bodenschätze der Region, insbesondere Gold, zunutze machten und teils weit reichende Handelsbeziehungen unterhielten. In der eisenzeitlichen Castrokultur wurden umwallte Orte gegründet. Diese waren über lange Zeit (>1000 Jahre) bevölkert und werden heute ausgegraben. Etwa seit 800 v. Chr. wurde die Region von keltischen Stämmen dominiert. Diese errichteten ebenfalls befestigte Siedlungen wie das Castro de Coaña. Die keltisierten Astures dürften ihren Lebensunterhalt neben dem weiter bedeutenden Goldbergbau unter anderem auch als Hirten bestritten haben.

Römische Herrschaft Ca. 25–19 v. Chr. wurde die Region ins Römische Reich eingegliedert. Doch die Asturer waren ebenso wie andere einheimische Völker rebellisch, was als Grund für die relativ späte Integration in den römischen Herrschaftsbereich angesehen werden kann.

Nach dessen Zerfall wurde Asturien im 5. Jahrhundert Teil des Westgotenreichs.

Mittelalter Nach der Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Muslime (711–719) begann von Asturien aus der Widerstand der Christen, den Pelayo (Pelagius) († 737) organisierte. Er wurde von seinen Anhängern zum König (oder Fürsten) gewählt und besiegte, vermutlich im Jahr 718 oder 722, eine Streitmacht des für die Region zuständigen muslimischen Statthalters in der legendären Schlacht von Covadonga. Dieser Erfolg wird als der Ausgangspunkt der Reconquista betrachtet.

Aus Pelayos Machtbereich entstand das Königreich Asturien, das nach Süden expandierte und 924 Teil des Königreiches León wurde. Nach wechselvollen Vereinigungen und Erbteilungen der nordspanischen Königreiche wurde Asturien 1230 dauerhaft mit dem Königreich Kastilien vereinigt. Der spanische Thronfolger trägt seit 1388 den Titel „Fürst von Asturien“ (Príncipe de Asturias).

19. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert wurde Asturien zusammen mit Katalonien und dem Baskenland Zentrum der Industrialisierung Spaniens (vor allem Bergbau und Schwerindustrie).Holm-Detlev Köhler: Industriekultur und Raumbewusstsein in Asturien/Spanien. In: Klaus Tenfelde (Hrsg.): Raumbildung als mentaler Prozess. Schwerindustrielle Ballungsregionen im Vergleich Klartext-Verlag, Essen 2008, ISBN 978-3-89861-985-1, S. 77–97. Es gab Kohle in Asturien, Eisen im Baskenland und das Amerika-Textil-Monopol in Barcelona. So wurde Asturien zu einer der Ursprungsregionen der spanischen Arbeiterbewegung.

20. Jahrhundert Im Oktober 1934 kam es in den Bergbaugebieten zum asturischen Bergarbeiterstreik, der sich zu einer von Kommunisten geführten Erhebung von Teilen der Arbeiterschaft ausweitete, „revolución de octubre“ (Oktoberrevolution) oder „revolución minera“ (Bergarbeiterrevolution) genannt. Die von rechten Parteien dominierte Regierung der Zweiten Republik ließ ihn von Truppen niederschlagen, die zuerst unter dem Kommando von General Eduardo López Ochoa, dann von General Francisco Franco standen.

Im Spanischen Bürgerkrieg war Asturien ein Zentrum des republikanischen Widerstandes. Es war jedoch geographisch vom Hauptteil der republikanischen Zone isoliert und konnte im Sommer 1937 von Francos Truppen erobert werden. Auch nach dem Ende des Krieges 1939 war Asturien eine der aktivsten Regionen für den antifranquistischen Untergrund, der Sabotage und Attentate beging. Überwiegend zwischen 1943 und 1948 waren eine sozialistische und eine kommunistische Guerilla aktiv. Bis um 1954 stellten sie den Kampf zugunsten einer politischen Strategie ein. 1956 bis 1958, in der fest installierten Diktatur des Franquismus, folgten massive Streiks der Bergarbeiter. Franco, der über Asturien den Ausnahmezustand ausrief, sah sich gezwungen, den Fuero de los Españoles, eines der acht Leyes Fundamentales del Reino, auszusetzen, was einer der regionalen Ausgangspunkte der neu entstehenden Gewerkschaftsbewegung der Comisiones Obreras war. Ihr heutiges Autonomiestatut erhielt die Region am 11. Januar 1982. Anders als andere Autonome Gemeinschaften hat Asturien die Ausgrabung von Massengräbern des Kriegs und der Diktatur verboten.

Politik Status Die Region Asturien hat seit 1982 den Status einer autonomen Gemeinschaft. Wie in den anderen autonomen Gemeinschaften auch sind ihre politischen Organe das Parlament (Junta General del Principado de Asturias), der Ministerpräsident (Presidente del Principado de Asturias) und die Regierung (Consejo de Gobierno). Aus historisch-traditionellen Gründen führt die autonome Gemeinschaft den Namen „Fürstentum Asturien“ (Principado de Asturias). Der spanische Thronfolger, der ebenfalls traditionell den Titel „Fürst von Asturien“ (Príncipe de Asturias) trägt, verfügt aber weder politisch noch rechtlich über eine besondere Stellung in Asturien.

Parlament mini|hochkant=1.5|Sitzverteilung im Regionalparlament und Regionalregierungen (seit 1983) Seit dem Inkrafttreten des Autonomiestatuts im Jahre 1983 haben in der Regel alle vier Jahre Wahlen zum Regionalparlament (Junta General del Principado de Asturias) stattgefunden.

Nachdem die FAC-Minderheitsregierung für den Entwurf des Haushaltes 2012 im Parlament keine Mehrheit gefunden hatte, löste Ministerpräsident Alvárez-Casco das Parlament am 30. Januar 2012 auf und ordnete Neuwahlen für den 25. März 2012 an. Erst am 28. März 2012 wurden die Stimmen der im Ausland lebenden Wahlberechtigten ausgezählt. Unter Einbeziehung dieses Ergebnisses ergab sich, dass das FAC einen Sitz an die PSOE verlieren würde. Das FAC legte dagegen Wahlprüfungsklage ein. Hierauf ordnete das Tribunal Superior de Justicia von Asturien (was etwa einem deutschen Oberverwaltungsgericht entspricht) mit Urteil vom 27. April 2012 die Wiederholung der Wahl der im Wählerregister für den Wahlkreis West eingetragenen Auslandsspanier an. Zudem sollte der sechste Sitz dieses Wahlkreis bis zur Wiederholungswahl unbesetzt bleiben, weshalb sich das neugewählte Parlament am 27. April 2012 mit vorerst nur 44 Abgeordneten konstituierte. Gegen dieses Urteil erhoben die PSOE, IU und der von dem Verlust seines Mandates betroffene Kandidat der PSOE Wahlverfassungsbeschwerde beim spanischen Verfassungsgericht. Das Verfassungsgericht gab der Beschwerde am 11. Mai 2012 statt und hob das Urteil des Tribunal Superior de Justicia auf. Es fand also keine Wiederholungswahl statt. Die bisherigen Ergebnisse im Einzelnen Partei198319871991199519992003200720112012201520192023Wahlergebnisse 2023 bei El PaísPSOE262021172422211517142019PP141315211519201010111017Ciudadanos350Podemos941IU-IX546634445523FAC1612321Vox24CDS82PAS11URAS3UPyD1Total454545454545454545454545

Regierung Der vom Parlament gewählte Ministerpräsident (Presidente del Principado de Asturias) steht der Regionalregierung (Consejo de Gobierno) vor und benennt ihre Mitglieder. Die Regierungen seit 1983 im Einzelnen: