Der Kreis Borken ist eine Gebietskörperschaft im Westmünsterland auf der Niederrheinischen Tiefebene im Nordwesten des Landes Nordrhein-Westfalen. Er entstand am 1. Januar 1975 im Zuge der Kreisgebietsreform durch das Münster/Hamm-Gesetz, gehört zum Regierungsbezirk Münster und ist Mitglied im Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Sitz des Kreises ist die Stadt Borken. Größte Stadt im Kreis Borken ist Bocholt.

Geographie Räumliche Lage Der Kreis Borken im Westmünsterland hat im Westen eine 108 km lange Grenze zu den Niederlanden. Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 57 km, die maximale West-Ost-Ausdehnung beträgt 61 km. Die höchste Erhebung ist ein Schöppinger Berg genannter Ausläufer der Baumberge mit 154 m über NN. Mit 14 m über NN ist die Niederung der Issel bei Anholt der niedrigste Punkt im Kreisgebiet. 42,8 % der Fläche des Kreises Borken (608,4 km²) sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, 48,4 km² sind Naturschutzgebiet.Kreis Borken (Hrsg.): Zahlen und Fakten 2006. Borken 2005.

Kreisangehörige Gemeinden Der Kreis Borken gliedert sich in 17 kreisangehörige Gemeinden, von denen drei Mittlere kreisangehörige Städte und eine Große kreisangehörige Stadt sind. Für ihre örtlichen Angelegenheiten sind die Gemeinden grundsätzlich selbst zuständig, während der Kreis für kleinere Kommunen örtliche und ansonsten überörtliche Aufgaben übernimmt.

Name Einwohner Fläche Einw./km² Status AGS Ahaus  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 554 004 Bocholt  km² große kreisangehörige Stadt 05 554 008 Borken  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 554 012 Gescher  km² kreisangehörige Stadt 05 554 016 Gronau (Westf.)  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 554 020 Heek  km² kreisangehörige Gemeinde 05 554 024 Heiden  km² kreisangehörige Gemeinde 05 554 028 Isselburg  km² kreisangehörige Stadt 05 554 032 Legden  km² kreisangehörige Gemeinde 05 554 036 Raesfeld  km² kreisangehörige Gemeinde 05 554 040 Reken  km² kreisangehörige Gemeinde 05 554 044 Rhede  km² kreisangehörige Stadt 05 554 048 Schöppingen  km² kreisangehörige Gemeinde 05 554 052 Stadtlohn  km² kreisangehörige Stadt 05 554 056 Südlohn  km² kreisangehörige Gemeinde 05 554 060 Velen  km² kreisangehörige Stadt 05 554 064 Vreden  km² kreisangehörige Stadt 05 554 068 Kreis Borken  km² 05 554 (Einwohnerzahlen vom )

Nachbarkreise bzw. -provinzen Der Kreis Borken grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an den niedersächsischen Landkreis Grafschaft Bentheim (2 km) sowie an die Kreise Steinfurt (33 km), Coesfeld (51 km), Recklinghausen (29 km), Wesel (45 km) und Kleve (10 km). Im Nordwesten grenzt er über 108 km an die niederländischen Provinzen Gelderland und Overijssel.

Geschichte Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurden die bisherigen Kreise Ahaus und Borken zum 31. Dezember 1974 aufgelöst und gemeinsam mit der kreisfreien Stadt Bocholt, der kreisangehörigen Stadt Isselburg (vormals Kreis Rees) sowie den Gemeinden Erle (vormals Kreis Recklinghausen) und Gescher (vormals Kreis Coesfeld) mit Wirkung vom 1. Januar 1975 zum neuen Kreis Borken zusammengeschlossen. Die bis dahin zum alten Kreis Borken gehörige Gemeinde Dingden wurde der neugebildeten Gemeinde Hamminkeln im neuen Kreis Wesel angeschlossen.

1975 bestand der Kreis Borken aus neun kreisangehörigen Städten und acht Gemeinden. 2012 wurde die Gemeinde Velen zur Stadt erhoben.

Einwohnerstatistik mini|400px|Einwohnerentwicklung des Kreises Borken von 1975 bis 2015 400px|mini|Bevölkerungspyramide für den Kreis Borken (Datenquelle: Zensus 2011)

Jahr EinwohnerLandesdatenbank Nordrhein-Westfalen 1975 289.649 1980 299.578 1985 307.162 1990 320.580 1995 342.688 2000 359.573 2005 369.112 2010 369.633 2015 369.666 2020 371.8982022379.070

Konfessionsstatistik Laut Statistik des Bistums Münster lag die Zahl der Katholiken im Kreis Borken Ende des Jahres 2014 bei 252.984 Einwohnern (68 % der Gesamtbevölkerung) und Ende des Jahres 2024 bei 220.207 Einwohnern (zirka 58 % der Gesamtbevölkerung).Kirchenaustritte im Kreis BorkenBistum Münster Haushalt 2026, abgerufen am 30. Januar 2026

Laut Statistik des Bistums Münster gab es im Jahr 2022 5001 Kirchenaustritte (fast 2 % der Gesamtbevölkerung)borkenerzeitung.de und im Jahr 2023 4288 (1,5 % der Gesamtbevölkerung)., abgerufen am 16. November 2024 2977 Menschen (fast 1 % der Gesamtbevölkerung) sind 2024 aus der katholischen Kirche im Kreis Borken ausgetreten.Knapp 3000 Katholiken aus Kreisdekanat Borken kehrten der Kirche den Rücken

Politik Kreistag Die Sitzverteilung im Kreistag nach Fraktionen und Gruppen ist seit der Kommunalwahl vom 14. September 2025 wie folgt:

Die Wahlbeteiligung betrug 61,3 %.

Kreistag für den Kreis Borken: Wähleranteil und Mandate seit 1994 Wahlperiode 58px|verweis=Christlich Demokratische Union Deutschlands|CDU 58px|verweis=Sozialdemokratische Partei Deutschlands|SPD 58px|FDP|link=Freie Demokratische Partei 58px|verweis=Bündnis 90/Die Grünen 58px|verweis=Unabhängige Wählergemeinschaft Kreis Borken 58px|verweis=Die Linke Stadtpartei fl 58px|verweis=Piratenpartei Deutschland 58px|verweis=Alternative für Deutschland Tag XII 1994–1999 51,1 33 31,5 20 2,7 – 7,0 4 7,7 4 64 XIII 1999–2004 59,1 35 25,1 15 2,9 2 4,9 3 8,0 5 60 XIV 2004–2009 55,2 33 21,7 13 6,0 43 7,3 4 9,8 6 – –1 60 XV 2009–2014 49,5 30 21,9 13 8,8 5 8,2 5 8,2 5 2,5 1 0,9 1 60 XVI 2014–2020 51,8 31 22,6 14 4,2 2 8,5 5 6,0 4 2,1 1 1,1 1 1,4 1 2,1 1 60 XVII 2020–2025 49,4 30 15,8 9 6,0 4 15,0 9 7,3 4 2,1 1 1,4 1 2,9 2 60 Quellen:Die Landeswahlleiterin, e.a.wahlergebnisse.nrw

Wappen, Banner, Flagge und Siegel Banner, Wappen und Hissflagge 63px 100px 100px Beschreibung: „In Gelb (Gold) ein mit drei weißen (silbernen) Mauerankern belegter roter Balken.“Hauptsatzung des Kreises Borken vom 17. Juni 2014, § 3 Abs. 1.

Das am 14. Mai 1979 durch den Regierungspräsidenten in Münster genehmigte Wappen ist an das Wappen des Hochstifts Münster angelehnt, zu dem große Teile des Kreisgebiets gehörten mit Ausnahme der Herrschaften von Gemen und Anholt. Die Maueranker entstammen dem Wappen der Herren von Zuylen, denen die einstige Herrschaft Anholt gehörte. Die drei Maueranker symbolisieren gleichzeitig die Zusammensetzung des neuen Kreises aus den Altkreisen Ahaus und Borken sowie der kreisfreien Stadt Bocholt.

Das Wappen des Altkreises Borken, das am 10. Mai 1955 genehmigt worden war, verlor bei der Kreisneugründung 1975 seine Gültigkeit. Daher führte der neu gebildete Kreis Borken zunächst kein eigenes Wappen und verwendete gem. § 5 der Verordnung über die Führung des Landeswappens vom 16. Mai 1956 (SGV. NW. 113) als Dienstsiegel das kleine Landessiegel. Der neue Kreistag beschloss, ein neues Wappen für den Kreis Borken entwerfen zu lassen. Deshalb wurde ein Wettbewerb veranstaltet, dessen Resultat allerdings wenig Anklang fand. So wurde der Heraldiker Waldemar Mallek damit beauftragt, einen alten Entwurf von ihm zu überarbeiten. Webseite im Portal kreis-borken.de, abgerufen am 9. August 2015

Das Banner des Kreises ist rot-gelb gespalten mit dem aufgelegten Wappen oberhalb der Mitte; die Flagge ist rot-gelb geteilt mit dem aufgelegten Wappen in der Mitte zur Stange hin verschoben.Peter Veddeler: Wappen, Siegel, Flaggen. Münster 2003, ISBN 3-87023-252-8, S. 69, 304.

Landräte 1975–1994: Franz Skorzak (CDU) 1994–2009: Gerd Wiesmann (CDU) seit 2009: Kai Zwicker (CDU)

Kultur Das Kreismuseum Borken befindet sich in Vreden. Es trug bis Ende 2014 den Namen Hamaland-Museum. Nach einem umfangreichen Umbau im Rahmen der Regionale 2016 wurde es 2017 unter dem neuen Namen kult – Kultur und lebendige Tradition Westmünsterland wiedereröffnet. Es handelt sich um das größte kulturgeschichtliche Museum im westlichen Münsterland. Die bisherige Dauerausstellung zeigte Exponate zur Geschichte der Region, zur Kirchengeschichte, zu Natur und Handwerk, Kunsthandwerk sowie Hauswirtschaft. Das herausragende Ausstellungsstück ist die Sixtus-Kasel, ein sakrales Gewand aus dem 7. Jahrhundert. Die Kasel zählt zu den ältesten erhaltenen Textilien Deutschlands. Das Museum zeigt regelmäßig auch Sonderausstellungen und bietet ein umfangreiches museumspädagogisches Programm an. Von April bis Oktober kann auch eine aus zehn Gebäuden bestehende historische Hofanlage besichtigt werden, die sich etwa 200 m entfernt im Stadtpark von Vreden befindet.

Im Jahre 2005 war der Kreis Borken Standort und Ausrichter der Skulptur Biennale Münsterland.

Verkehr Luftverkehr Die nächstgelegenen Verkehrsflughäfen sind die Flughäfen Niederrhein, Dortmund, Düsseldorf und Münster/Osnabrück.

Privat- und Geschäftsflieger können den Flugplatz Stadtlohn-Vreden nutzen. Segelfliegern und Motorflugzeugen steht darüber hinaus der Flugplatz Borken-Hoxfeld zur Verfügung.

Schienenverkehr Der Kreis Borken wird von fünf Eisenbahnstrecken erschlossen, die vorwiegend in Nord-Süd-Richtung verlaufen: Wesel–Bocholt, Winterswijk–Gelsenkirchen-Bismarck, Duisburg–Quakenbrück, Dortmund–Gronau und Münster–Enschede. Alle Strecken sind eingleisig und – mit Ausnahme von Bocholt – nicht elektrifiziert. Sie dienen fast ausschließlich dem Schienenpersonennahverkehr.

Der Süden des Kreises wurde früher durch die Bahnstrecke Empel-Rees–Münster in Ost-West-Richtung erschlossen.

Straßen Der Kreis Borken wird von zwei Bundesautobahnen und sechs Bundesstraßen erschlossen: der A 3 (E 35) Arnheim – (Hollandlinie) – Oberhausen – Köln – Frankfurt am Main – Würzburg – Nürnberg – Passau und der A 31 Emden – Leer – Meppen – Gronau – Bottrop sowie den Bundesstraßen 54, 67, 70, 224, 473, 474 und 525. Dabei liegen 49,3 km der Autobahnen und 175,2 km der Bundesstraßen im Kreisgebiet. Am 1. Januar 2005 waren 236.614 Kraftfahrzeuge zugelassen.

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis Borken bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen BOR zugewiesen. Nach dessen Auflösung führte der neugegründete Kreis Borken ab dem 1. Januar 1975 das Kennzeichen weiter. Seit dem 1. Februar 2013 werden im Zusammenhang mit der Kennzeichenliberalisierung auch die Unterscheidungszeichen AH (Ahaus) und BOH (Bocholt) ausgegeben.

Wirtschaft mini|Websaal im Textilmuseum Bocholt Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Kreis Borken Platz 198 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko Mix“ für die Zukunft. Der Bezirk Coesfeld der Agentur für Arbeit, zu dem der Kreis Borken zählt, weist seit mehreren Jahren die geringsten Arbeitslosenzahlen im Land Nordrhein-Westfalen auf.

Großen Einfluss auf die Industrialisierung im heutigen Kreisgebiet hatte die Textilindustrie mit großen Spinnereien, Webereien und Nähereien. Das Textilmuseum in Bocholt erinnert hieran.

Heute prägen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe die Wirtschaft im ländlichen Westmünsterland. Ein großes Potenzial bietet dabei die zentrale Lage zwischen dem niederländischen Achterhoek, dem westfälischen Münster und dem Ruhrgebiet. Dadurch haben verschiedene Logistikunternehmen den Standort für sich entdeckt. In den Städten Ahaus, Stadtlohn und Vreden haben die Grafische und Druckindustrie nennenswerte Bedeutung. In der jüngeren Vergangenheit hat sich zudem ein regional bedeutsames Cluster im Bereich der Informationstechnologie entwickeln können. Inzwischen sind in diesen Unternehmen mehrere tausend Mitarbeiter beschäftigt. Im Bereich Möbelherstellung und Vertrieb ist die in Stadtlohn ansässige Firma Hülsta zu erwähnen. Auch die zahlreichen landwirtschaftlichen Betriebe und die vielen direkt und indirekt mit der Landwirtschaft verbundenen Unternehmen stützen die Wirtschaftskraft des Kreises. Die Wirtschaftsförderung des Kreises Borken wurde im Wettbewerb Großer Preis des Mittelstandes 2006 als „Kommune des Jahres“, 2012 als „Premier-Kommune“ und 2018 mit der „Premier-Ehrenplakette“ ausgezeichnet.