Der Kreis Steinfurt ist eine Gebietskörperschaft im Norden von Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Er entstand am 1. Januar 1975 im Zuge der Kreisgebietsreform durch das Münster/Hamm-Gesetz aus dem alten Kreis Steinfurt, dem Kreis Tecklenburg und Teilen des Kreises Münster. Um eine Differenzierung zum Altkreis zu schaffen, wird er häufig auch als Großkreis Steinfurt bezeichnet. Die größte Stadt im Kreis Steinfurt ist Rheine.

Geographie Das westliche Kreisgebiet befindet sich im Münsterland, das östliche im Tecklenburger Land. Der Westerbecker Berg, die höchste Erhebung des Kreises, liegt in der Gemeinde Lienen (Bauerschaft Westerbeck). Er hat eine Höhe von 236 Meter über Normalhöhennull (NHN).

Der Kreis Steinfurt ist flächenmäßig der zweitgrößte Kreis in Nordrhein-Westfalen. Wegen der dezentralen geographischen Lage der Kreisstadt Steinfurt unterhält die Kreisverwaltung eine Nebenstelle in Tecklenburg, um eine ortsnahen Bürgerservice im gesamten Kreisgebiet zu gewährleisten.

Nachbarkreise bzw. -städte Der Kreis Steinfurt grenzt (im Uhrzeigersinn im Norden beginnend) an die Landkreise Grafschaft Bentheim und Emsland, an die kreisfreie Stadt Osnabrück und an den Landkreis Osnabrück (alle in Niedersachsen), an den Kreis Warendorf, an die kreisfreie Stadt Münster und an die Kreise Coesfeld und Borken (alle in Nordrhein-Westfalen).

Kreisgliederung

Der Kreis Steinfurt gliedert sich in 24 kreisangehörige Gemeinden, von denen vier Mittlere kreisangehörige Städte sind und eine Große kreisangehörige Stadt ist.

Name Einwohner Fläche Einw./km² Status AGS Altenberge  km² kreisangehörige Gemeinde 05 566 004 Emsdetten  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 566 008 Greven  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 566 012 Hörstel  km² kreisangehörige Stadt 05 566 016 Hopsten  km² kreisangehörige Gemeinde 05 566 020 Horstmar  km² kreisangehörige Stadt 05 566 024 Ibbenbüren  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 566 028 Ladbergen  km² kreisangehörige Gemeinde 05 566 032 Laer  km² kreisangehörige Gemeinde 05 566 036 Lengerich  km² kreisangehörige Stadt 05 566 040 Lienen  km² kreisangehörige Gemeinde 05 566 044 Lotte  km² kreisangehörige Gemeinde 05 566 048 Metelen  km² kreisangehörige Gemeinde 05 566 052 Mettingen  km² kreisangehörige Gemeinde 05 566 056 Neuenkirchen  km² kreisangehörige Gemeinde 05 566 060 Nordwalde  km² kreisangehörige Gemeinde 05 566 064 Ochtrup  km² kreisangehörige Stadt 05 566 068 Recke  km² kreisangehörige Gemeinde 05 566 072 Rheine  km² große kreisangehörige Stadt 05 566 076 Saerbeck  km² kreisangehörige Gemeinde 05 566 080 Steinfurt  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 566 084 Tecklenburg  km² kreisangehörige Stadt 05 566 088 Westerkappeln  km² kreisangehörige Gemeinde 05 566 092 Wettringen  km² kreisangehörige Gemeinde 05 566 096    km² Kreis Steinfurt 05 566 (Einwohnerzahlen vom )

Geschichte Ab dem Jahr 1971 begannen die Planungen zu einer großen Kreisreform, bei der diverse Gliederungskonzepte kontrovers diskutiert wurden. Am 8. Mai 1974 wurde das Gesetz verabschiedet, das eine Kreisreform mit Wirkung vom 1. Januar 1975 beinhaltete:

Der bisherige Kreis Steinfurt (aufgrund der damaligen Kreisstadt Burgsteinfurt umgangssprachlich oft als „Kreis Burgsteinfurt“ bezeichnet) wurde ebenso wie der Kreis Tecklenburg aufgelöst. Zu letzterem gehörten die beiden größeren Städte Ibbenbüren und Lengerich sowie 2 weitere Städte und 16 andere Gemeinden. Beide Kreise wurden unter dem Namen Kreis Steinfurt vereinigt. Zusätzlich wurden die Stadt Greven sowie die Gemeinde Saerbeck aus dem ehemaligen Kreis Münster in den neu gegründeten Kreis Steinfurt eingebracht. Historisch hatten diese Kreise in der Vergangenheit kaum gemeinsame Beziehungen. Der alte Kreis Steinfurt wurde nach der Eingliederung des südlichen Westfalens als Provinz Westfalen in Preußen gebildet. Der größte Teil dieses früheren Kreises gehörte bis 1803 zum Hochstift Münster, war also katholisch geprägt, die Grafschaft Steinfurt gehörte dem calvinistischen Glauben an, ebenso die Grafschaft Tecklenburg – daneben gab es noch die Obergrafschaft Lingen, die überwiegend katholisch war, aber eine calvinistische Minderheit aufwies.

Zum Kreissitz wurde die am 1. Januar 1975 gegründete Stadt Steinfurt, die aus dem Zusammenschluss von Burgsteinfurt und Borghorst entstand, bestimmt.

Kreisstadt Steinfurt Die 1975 gegründete Stadt Steinfurt ist Hauptsitz der Kreisverwaltung. Ursprüngliche Planungen der Gebietsreform sahen Rheine als neue Kreisstadt vor. Vielfältige Versuche der damaligen Stadt Burgsteinfurt wurden unternommen, um eine Verlagerung des Kreissitzes abzuwenden. Burgsteinfurt war nach den Maßstäben der Landesregierung zu klein, um weiterhin Kreisstadt zu bleiben. Eine Mindestgröße von 30.000 Einwohnern wurde nicht erreicht. Einen Ausweg aus dieser Situation sahen die Burgsteinfurter in einem Zusammenschluss mit der Nachbarstadt Borghorst. Dort hingegen war die Bereitschaft zu einer Fusion eher gering. Selbst ein Gutachten aus dem Jahr 1972 riet von einem Zusammenschluss aufgrund finanzwirtschaftlicher Gründe ab. Das Gutachten wies zudem auf die großen kulturellen Unterschiede zwischen den beiden Städten hin.irb.fraunhofer.de Mit Blick auf den drohenden Verlust der Kreisverwaltung ließ sich Borghorst von Burgsteinfurt überzeugen, einer Fusion der beiden Gemeinden zuzustimmen. Mit dem Inkrafttreten der Gemeindereform am 1. Januar 1975 wurde die neue Stadt Steinfurt gebildet. Die Stadt wurde nach dem bisherigen Kreis benannt, um den Namen Steinfurt für den neugebildeten Kreis bewahren zu können. Bereits wenige Monate nach der Umsetzung der Gebietsreform kam es zu ersten Problemen und Spannungen. Borghorst versuchte vor dem Verfassungsgerichtshof, eine Ausgliederung aus der neuen Stadt Steinfurt zu erwirken. Am 7. Mai 1976 wurde die Klage jedoch abgewiesen.stueer.business.t-online.de

Ein zweiter und letztlich entscheidender Punkt war das neue Kreishaus in Burgsteinfurt. Als sich bereits die Gebietsreform in den 1960er Jahren ankündigte, beschloss der Altkreis Steinfurt im Jahr 1963 dessen umstrittenen Neubau. Dieses war in letzter Instanz ausschlaggebend für den Verbleib des Kreissitzes in Steinfurt und für den Verzicht auf das verkehrsgünstiger gelegene Rheine als Kreisstadt.

Bis heute wirken diese Entscheidungen nach. Steinfurt ist inmitten des Altkreises Steinfurt aus den Gemeinden des Altkreises Tecklenburg verkehrstechnisch schlecht erreichbar. Zudem gestaltet sich wie prognostiziert das Zusammenwachsen der Stadt Steinfurt weiterhin als schwierig.

Einwohnerentwicklung mini|400px|right|Bevölkerungspyramide für den Kreis Steinfurt (Datenquelle: Zensus 2011)

Jahr 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 EinwohnerLandesdatenbank Nordrhein-Westfalen 371.773 379.878 380.718 390.945 416.252 434.885 444.231 443.357 443.374 448.197

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren 48,8 % der Einwohner katholisch, 20,8 % evangelisch, und 30,4 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 30. Januar 2026

Laut Statistik des Bistums Münster lag die Zahl der Katholiken im Kreis Steinfurt Ende des Jahres 2014 bei 247.382 Einwohnern (56 % der Gesamtbevölkerung) und Ende des Jahres 2024 bei 207.883 Einwohnern (zirka 46 % der Gesamtbevölkerung).Bistum Münster Haushalt 2026, abgerufen am 30. Januar 2026

Politik

Kreistag

Die Kreistagswahl am 14. September 2025 führte entsprechend dem Ergebnis zu folgender Sitzverteilung: Partei / Liste Sitze +/− CDU 29 + 3 SPD 17 + 1 GRÜNE 10 - 3 FDP 3 - 1 UWG 3 ± 0 DIE LINKE. 4 + 2 AfD 8 + 6

Landräte

1975–1994: Martin Stroot (CDU) 1994–1999: Christina Riesenbeck (SPD) 1999–2015: Thomas Kubendorff (CDU) 2015–2020: Klaus Effing (CDU) seit 2020: Martin Sommer (parteilos) Seit dem 1. Mai 2020 war das Amt des Landrats wegen des Rücktritts Klaus Effings vakant. Die Aufgaben wurden seitdem kommissarisch vom Kreisdirektor Martin Sommer und der ersten stellvertretenden Landrätin Gisela Köster wahrgenommen. Bei der Kommunalwahl 2020 kandidierte Sommer, der bis Anfang 2020 selbst der CDU angehört hatte, als parteiloser Einzelbewerber für das vakante Amt des Landrats und setzte sich am 27. September 2020 in einer Stichwahl deutlich mit 68,7 Prozent gegen den CDU-Kandidaten Mathias Krümpel durch.Vorläufiges Endergebnis der Stichwahl zum Landrat des Kreises Steinfurt, Kreis Steinfurt, abgerufen am 28. September 2020 Bei der Kommunalwahl 2025 wurde Sommer im ersten Wahlgang mit 70,5 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Oberkreisdirektoren 1947–1955: Johannes Strunden 1956–1980: Leo BöhmerLangjähriger Oberkreisdirektor Leo Böhmer ist verstorben Presseinformation Nr. 3 Steinfurt, 3. Januar 2008. 1980–1996: Heinrich Hoffschulte

Wappen Blasonierung: „In Gold ein breiter roter Balken, darauf ein goldener, mit einem roten Schwan belegter Schild, oben in Gold zwei rote Seerosenblätter, unten in Gold ein rotes Seerosenblatt.“ Das Kreiswappen verbindet Teile der Wappen der früheren Kreise Münster, Steinfurt und Tecklenburg. Der rote Balken in Gold war das bekannte Zeichen des Hochstiftes Münster und stand in allen Wappen des ehemaligen Kreises Münster. Der Schwan war das Wappentier der Grafschaft Steinfurt und stand deshalb im Wappen des Altkreises Steinfurt. Die roten Seerosenblätter waren das Wappenbild der Grafen von Tecklenburg und stammen aus dem Wappen des früheren Kreises Tecklenburg.

Wirtschaft und Infrastruktur Im Zukunftsatlas 2019 belegte der Kreis Steinfurt Platz 144 von 401 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko-Mix“ für die Zukunft. Rundfunk Regionalbüro Steinfurt des WDR mit Sitz in RheineRegionalkorrespondentin für den Kreis Steinfurt – NRW-Studios WDR Radio RST (Lokalsender für den Kreis Steinfurt) mit Sitz in Rheine

Feuerwehr Der Kreis Steinfurt unterhält in Rheine eine Kreisleitstelle für den Rettungs- und Feuerwehreinsatzdienst. Bis 1998 war für das Tecklenburger Land eine eigene Leitstelle bei der Berufsfeuerwehr in Ibbenbüren angesiedelt, diese wurde zum 14. April 1998 nach Rheine verlagert.

Verkehr Zur Entwicklung des Postwesens in und um Steinfurt siehe Postgeschichte von Steinfurt mini|Eisenbahnstrecke im Kreis Steinfurt

Eisenbahnstrecken:

Es befinden sich im Kreis Steinfurt die folgenden Eisenbahnstrecken:

(Kbs. 375) Amsterdam – Bad Bentheim – Rheine – Ibbenbüren – Osnabrück Altstadt – Osnabrück-Hbf – Bünde – Bielefeld / Hannover; (Kbs. 385) (Köln –) Münster – Lengerich – Osnabrück-Hbf – Diepholz – Bremen; (Kbs. 392) Osnabrück-Hbf – Osnabrück Altstadt – Halen – Bramsche – Oldenburg – Wilhelmshaven; (Kbs. 394) Osnabrück-Hbf – Osnabrück Altstadt – Halen – Bramsche – Vechta – Bremen; (Kbs. 395) (Münster –) Rheine – Lingen – Leer – N.-Norddeich; (Kbs. 407) Münster – St.-Borghorst – St.-Burgsteinfurt – Gronau – Enschede; (Kbs. 410) Hamm – Münster – Greven – Emsdetten – Rheine (– N.-Norddeich). mini|Flughafen Münster-Osnabrück in Greven

Des Weiteren gab es die folgenden weiteren Strecken (zurzeit ohne SPNV)

Osnabrück – Wersen – Westerkappeln – Mettingen – Recke – Rheine („Tecklenburger Nordbahn“) Ibbenbüren – Tecklenburg – Lengerich – Bad Iburg – Gütersloh („Teutoburger Wald-Eisenbahn“) Coesfeld – St.-Burgsteinfurt – Rheine – Fürstenau – Quakenbrück, ab Spelle stillgelegt Rheine – Gronau, stillgelegt und demontiert

Der Nahverkehrsplan SPNV Westfalen-Lippe sieht vor, dass als moderne Regionalbahn die Strecke der Tecklenburger Nordbahn Osnabrück – L.-Wersen – Westerkappeln – Mettingen – Recke wieder eröffnet werden soll.

Der internationale Flughafen Münster-Osnabrück (ICAO-Code: EDDG) liegt in Greven. Der Kreis Steinfurt ist mit knapp 30 % Beteiligung einer der bedeutendsten Gesellschafter des Flughafens.

Sehenswürdigkeiten Museen