mini|Logo seit 2001 Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) ist eine Rundfunkanstalt mit Sitz in Mainz. Gemeinsam mit der ARD und dem Deutschlandradio bildet das ZDF den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland. Das ZDF wurde 1963 gegründet und gehört zu den größten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in Europa. Neben dem Hauptprogramm ZDF ist das Zweite Deutsche Fernsehen für die Fernsehsender ZDFneo und ZDFinfo verantwortlich. Darüber hinaus beteiligt sich das ZDF an diversen gemeinschaftlichen Rundfunkangeboten. mini|ZDF auf dem Lerchenberg in Mainz (2014)
Geschichte und Entwicklung Vorgeschichte
Noch vor der Gründung der Bundesrepublik im Jahr 1949 bestanden bereits einige Rundfunkanstalten. Konrad Adenauer betrachtete Rundfunk, Radio und Fernsehen als „politisches Führungsmittel“ und versuchte, auf die bestehende Rundfunkordnung Einfluss zu nehmen. Die Ziele des Bundes waren ein gesamtdeutscher und ein internationaler Radiosender sowie ein zweites Fernsehprogramm, zunächst unter der Freies Fernsehen Gesellschaft mbH, die auch aufgrund ihrer Staatsnähe von Kritikern als „Adenauer-Fernsehen“ bezeichnet wurde.Der Bundeskanzler hatte es satt, FAZ.net vom 26. März 2013, abgerufen am 7. Dezember 2018 Am 30. September 1959 verabschiedete das Bundeskabinett den „Entwurf eines Gesetzes über den Rundfunk“. Am 25. Juli 1960 wurde sodann die Deutschland-Fernsehen GmbH zum Betrieb des zweiten Fernsehprogramms gegründet. Einige Bundesländer riefen daraufhin das Bundesverfassungsgericht an, um die Kompetenz von Bund und Ländern zur Gründung neuer Rundfunkanstalten prüfen zu lassen.
Nachdem das Bundesverfassungsgericht im 1. Rundfunk-Urteil vom 28. Februar 1961 das sogenannte „Adenauer-Fernsehen“ (die Deutschland-Fernsehen GmbH) untersagt hatte und die volle Rundfunkkompetenz den Ländern zusprach, beschlossen die Länder im März 1961 unabhängig von den bisherigen Anstalten, eine zentrale gemeinnützige Fernsehanstalt des öffentlichen Rechts zu gründen. Am 6. Juni 1961 unterzeichneten die Ministerpräsidenten auf der Ministerpräsidentenkonferenz in Stuttgart den Staatsvertrag über die „Errichtung der Anstalt des öffentlichen Rechts Zweites Deutsches Fernsehen“. Nachdem bis zum 1. Dezember 1961 nicht alle Länder den Vertrag ratifiziert hatten, trat der Staatsvertrag an diesem Tag zwar in Kraft, aber nur in den Ländern, die bis dahin die Ratifizierungsurkunden hinterlegt hatten (Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz). Als letztes Land hinterlegte Bayern am 9. Juli 1962 die Ratifizierungsurkunde. Bei der Aufsicht über das ZDF wechseln sich die Länder in zweijährigen Perioden ab.
Bei dem Standort für den Sender gab es Meinungsverschiedenheiten zwischen den Ministerpräsidenten. Franz Meyers hatte sich zunächst für Essen eingesetzt – nachdem er aber mit dem Vorschlag alleine dastand, war er schließlich zusammen mit den übrigen Unions-Ministerpräsidenten für Mainz. Die sozialdemokratischen Ministerpräsidenten befanden, Mainz sei zu provinziell und schlugen Frankfurt am Main vor. Das Argument gegen Frankfurt bestand darin, dass es keine Stadt sein sollte, in der schon eine Landesrundfunkanstalt existierte. Auf der entscheidenden Konferenz brachte Franz Meyers überraschend Düsseldorf ins Spiel. Die erste Probeabstimmung ging über Frankfurt und ergab vier Stimmen dafür (Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen), eine Enthaltung (Niedersachsen) und sechs Stimmen dagegen, die alle von den unionsgeführten Ländern kamen. Die zweite Probeabstimmung ging über Mainz oder Düsseldorf. Sie ergab fünf Stimmen für Düsseldorf (Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen), eine Enthaltung (Niedersachsen) und fünf Stimmen für Mainz. Georg-August Zinn argumentierte daraufhin, er sei in der Sache gegen Mainz, vom Persönlichen aber dafür, da man Peter Altmeier für seine jahrelangen Verhandlungen über ein zweites Fernsehprogramm danken müsse. Die nach getrennten Beratungen durchgeführte geheime Abstimmung ergab fünf Stimmen für Düsseldorf und sechs Stimmen für Mainz.Die Geschichte des ZDF, Kapitel 3.2 Unterzeichnung des Staatsvertrags über das Zweite Deutsche Fernsehen
Bei der Wahl des Intendanten standen parteipolitische Überlegungen im Vordergrund. Eine Mehrheit der Unionsparteien gestattete es dem Fernsehrat, einen Vorschlag aus den eigenen Reihen zu machen, für die Wahl waren aber auch Stimmen aus den Kreisen der SPD erforderlich. So machte ein elfköpfiger Wahlausschuss einen ausgewogenen Besetzungsvorschlag: Der Legationsrat im Auswärtigen Amt Gerhard Brand sollte Intendant werden, die SPD sollte den Programmdirektor bestimmen dürfen, der gleichzeitig stellvertretender Intendant war, die CDU den Chefredakteur und die FDP den Verwaltungsdirektor. Brand lehnte aber ab, woraufhin sich der Ausschuss auf keinen Intendanten einigen konnte, es gab lediglich eine Mehrheit für Bruno Heck, der aber bei der geheimen Wahl des Fernsehrats am 27. Februar 1962 durchfiel. Ein neuer, nun sechsköpfiger Ausschuss machte daraufhin vier Vorschläge: Hans Bausch, Berthold Martin, Karl Holzamer und Wilhelm Vaillant, Mitinhaber der RIVA-Fernsehstudios. Die SPD-Mitglieder des Fernsehrats hielten alle vier Kandidaten für akzeptabel, den CDU-Mitgliedern behagten Bausch und Vaillant nicht und man entschied sich mit 16 zu 13 Stimmen zwischen Holzamer und Martin. Holzamer wurde dann mit 44 von 58 Stimmen vom Fernsehrat gewählt, bei neun Gegenstimmen und vier Enthaltungen.Die Geschichte des ZDF, Kapitel 4.5 Wahl des Intendanten
Um am internationalen Programmaustausch teilnehmen zu können, musste das ZDF Mitglied bei der Europäischen Rundfunkunion werden. Die Landesrundfunkanstalten gingen zunächst davon aus, das ZDF würde Mitglied bei der ARD werden. Dies lehnte man aber beim ZDF strikt ab, da man seine Unabhängigkeit in Gefahr sah, und schlug bei einem ersten Treffen mit der ARD am 12. September 1962 in Stuttgart einen Dachverband vor, dem ARD und ZDF angehören sollten. Dies behagte den ARD-Vertretern aber nicht. So beantragte der ZDF-Intendant am 2. Mai 1962 eine eigene Mitgliedschaft für das ZDF, die aber abgelehnt werden musste, da nur Stationen aufgenommen werden durften, die schon ihren Sendebetrieb begonnen hatten. Weil die Positionen zwischen ARD und ZDF unverrückbar blieben, verzichtete das ZDF auf einen Programmaustausch vor Sendebeginn und beantragte dann eine erneute Mitgliedschaft. Der Verwaltungsrat der Europäischen Rundfunkunion stimmte auf seiner Sitzung vom 17. bis 20. Mai 1963 dem Antrag zu, woraufhin ARD und ZDF gleichberechtigte Mitglieder wurden.Die Geschichte des ZDF, Kapitel 4.8 ZDF Mitgliedschaft in der Eurovision
Senderkennung und Sendestart Den Sendernamen Zweites Deutsches Fernsehen hatte man ohne größere Diskussionen im Staatsvertrag aufgenommen. Da manche Mitarbeiter in der Bezeichnung Zweites etwas Minderwertiges sahen, kam es zu Alternativvorschlägen:Die Geschichte des ZDF, Kapitel 4.9 Anstaltsbezeichnung und Senderkennung Neues Deutsches Fernsehen Deutschland-Fernsehen Fernsehen Deutscher Länder Deutsches Länderfernsehen
Eine repräsentative Umfrage im Herbst 1962 wies für Zweites Deutsches Fernsehen die höchste Zustimmung aus, gefolgt von Neues Deutsches Fernsehen und Deutsches Länderfernsehen. Die Rechtslage erlaubte aber keinen neuen Namen ohne Änderung des Staatsvertrags, so dass man die Abkürzung ZDF plus einen der Vorschläge erwog. Der Verwaltungsrat hielt aber die Zustimmung der Ministerpräsidenten für erforderlich, woraufhin die Diskussion vertagt und schließlich vom Intendanten eingestellt wurde.
Für das ZDF-Erkennungszeichen hatte man einen Wettbewerb unter „zehn anerkannten Grafikern“ ausgeschrieben und sich im Januar 1963 für den Entwurf von Woldemar Hörnig (* 19. März 1914 in Chemnitz) entschieden. Er zeigte zwei Antennenmasten und zwei stilisierte Augen,ZDF Pressemitteilung vom 16. Januar 1963 wobei man im Sender gerne von Matschaugen sprach.Der Spiegel 1967, Ausgabe 16, Zuschaun tut weh
Die erste Versuchssendung strahlte das ZDF in der Nacht vom 19. auf den 20. März 1963 aus. Der offizielle Sendebeginn des ZDF war der 1. April 1963.
Eschborn und Wiesbaden Der Sendebetrieb des ZDF begann in jenen provisorischen Studios in Eschborn, die man von der Freies Fernsehen Gesellschaft übernommen hatte. Es handelte sich um einen Bauernhof und einige ehemalige Arbeitslager-Gebäude, eine gern als TelesibirskHeike Lattka: Erste „HEUTE“-Sendung – Nachrichten aus Telesibirsk; FAZ.net vom 12. April 2012, abgerufen am 7. Dezember 2018 bezeichnete Umgebung. Darin waren zwei Studios mit 230 bzw. 160 Quadratmetern und je drei Kameras untergebracht, ferner ein Synchronstudio mit zwei zusätzlichen Kameras, damit es auch für Ansagen dienen konnte. Außerdem standen zur Verfügung: eine Magnetbildanlage, drei Filmabtaster für 16 und 35 Millimeter, eine 16-mm-Aufzeichnungsanlage und eine 16-mm-Entwicklung.
Der ZDF-Verwaltungsrat befand einen Ausbau in Eschborn als zu teuer, woraufhin ein Umzug in den provisorischen Studiokomplex der Taunusfilm in Wiesbaden, Unter den Eichen, erfolgte. Dort nahm man am 1. April 1964 den Sendebetrieb auf. Auf dem Gelände der Taunus-Film GmbH waren die Sendeleitung, Aktueller Dienst und Technik untergebracht, auf einem angrenzenden Grundstück Schneideräume, Kopierwerk, Fotolabor und Chefredaktion. Darüber hinaus hatte das ZDF bis zu 30 Räume im Großraum Mainz/Wiesbaden angemietet, in denen sich beispielsweise das Zentralarchiv oder die Synchronisation befanden.
Mainz-Lerchenberg mini|links|Redaktions- und Verwaltungsgebäude in Mainz (2016) mini|Sendebetriebsgebäude in Mainz (2020) mini|hochkant|Wappen von Mainz-Lerchenberg: Heraldisch links unten in Blau das silberne erste Senderlogo
Die Planungen sahen von vornherein einen zentralen Standort für alle Abteilungen vor. Hierzu kaufte das ZDF am 25. Juni 1964 ein 1,04 km² großes, im Mainzer Stadtteil Lerchenberg gelegenes Grundstück. Im ersten Bauabschnitt konnte ein Gebäude für die Übertragungswagen Anfang 1967 bezogen werden; der zweite Abschnitt, das 14-geschossige Redaktions- und Verwaltungsgebäude im Frühjahr 1974.
Am 15. September 1977 begannen die Erdarbeiten für den 3. Bauabschnitt des Sendebetriebsgebäudes, einen von der Planungsgruppe Stieldorf entworfenen Rundbau mit dem größten Durchmesser von 166 Meter. Nach sechsjähriger Bauzeit nahm dann schließlich am 6. Dezember 1984 das neue ZDF-Sendezentrum (das damals größte in Europa) seinen Betrieb auf.
Die Verbundenheit des Stadtteils Lerchenberg zum ZDF spiegelt sich auch im Wappen wider.
Am 17. Juli 2009 ging ein neues Fernsehstudio in Betrieb. Es wird für die aktuellen Nachrichtensendungen des ZDF verwendet und ist ein virtuelles Studio. Im senderinternen Jargon wird es die „Grüne Hölle“ genannt, weil die Wände komplett grün sind, um dort die Hintergründe und 3D-Grafiken digital hineinprojizieren zu können. Rund 30 Millionen Euro hatte das Studio laut Medienberichten gekostet.beispielsweise Das Neue ZDF-Studio – Die grüne Hölle ist eröffnet stern.de vom 22. September 2009
Bis zum 2. August 2015 produzierte man noch in SD, obwohl die meiste Studiotechnik bereits für HD vorhanden war. Es gab Probleme, das virtuelle Set unter Echtzeit-Bedingungen in HD zu rendern. Im Januar 2016 folgte auch die Umstellung der Technik für die Einspieler, seitdem ist das Studio komplett HD-fähig.
Seit Juli 2021 werden alle Nachrichtensendungen in einem neuen Design und mit neuer Musik produziert. In diesem Zug wurde das virtuelle Studio umgebaut. Von der Änderung betroffen waren die Sendungen heute, heute-journal, heute-journal up:date, heute – in Deutschland, heute – in Europa, heute Xpress, logo! und das ZDF-Wetter.
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