Der Kreis Heinsberg ist ein Kreis im Westen von Nordrhein-Westfalen im Regierungsbezirk Köln. Er ist der westlichste Kreis Deutschlands; der westlichste Punkt liegt in der Gemeinde Selfkant an der deutsch-niederländischen Grenze. Einwohnerreichste Stadt ist Erkelenz; Kreisstadt ist Heinsberg.

Geografie Im Kreis Heinsberg gibt es verschiedene Landschaften: Der Selfkant im Westen mit seinem zentralen Unterelement Geilenkirchener Lehmplatte. Anteile an der Schwalm-Nette-Platte im nordöstlichen Kreisteil um Wegberg. Die Erkelenzer Börde und das Baaler Riedelland im Südosten. Die Erkelenzer Börde und das angrenzende Baaler Riedelland werden naturräumlich zur Niederrheinischen Bucht gezählt; die übrigen Kreisteile zählen zum Niederrheinischen Tiefland.

Der Norden des Kreises hat Anteil am Naturpark Maas-Schwalm-Nette, der an den auf niederländischer Seite befindlichen Nationalpark De Meinweg unmittelbar angrenzt. Im Südwesten liegt das 4,5 km² große Naturschutzgebiet Teverener Heide.

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete im Kreis Heinsberg, Liste der Landschaftsschutzgebiete im Kreis Heinsberg

Flüsse Die Rur fließt von Südosten nach Nordwesten durch das Kreisgebiet. Die Wurm mündet nördlich von Heinsberg in die Rur. Die Schwalm entspringt im Norden bei Tüschenbroich. Die Niers entspringt östlich von Erkelenz.

Gemeinden

mini|hochkant=1.1|Kreishaus Heinsberg Der Kreis Heinsberg setzt sich aus zehn Gemeinden zusammen. Sieben führen den Titel „Stadt“. Von diesen sieben sind die sechs Städte Erkelenz, Geilenkirchen, Heinsberg (Rhld.), Hückelhoven, Übach-Palenberg und Wegberg mittlere kreisangehörige Städte.

Die folgende Liste zählt die zehn Gemeinden des Kreises Heinsberg alphabetisch mit amtlichen Namen auf.

Name Einwohner Fläche Einw./km² Status AGS Erkelenz  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 370 004 Gangelt  km² kreisangehörige Gemeinde 05 370 008 Geilenkirchen  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 370 012 Heinsberg  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 370 016 Hückelhoven  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 370 020 Selfkant  km² kreisangehörige Gemeinde 05 370 024 Übach-Palenberg  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 370 028 Waldfeucht  km² kreisangehörige Gemeinde 05 370 032 Wassenberg  km² kreisangehörige Stadt 05 370 036 Wegberg  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 370 040    km² Kreis Heinsberg 05 370 (Einwohnerzahlen vom )

Der Kreis Heinsberg hat eine Fläche von 628 Quadratkilometern. Die Kreisgrenze hat eine Länge von 171 Kilometern, fast 78 Kilometer davon sind identisch mit der deutsch-niederländischen Grenze. Mit seiner Ausdehnung von 42,8 Kilometern in west-östlicher Richtung und 32,6 Kilometern in nord-südlicher Richtung gehört der Kreis Heinsberg zu den mittelgroßen Flächenkreisen in Nordrhein-Westfalen.

Nachbarkreise Der Kreis Heinsberg grenzt, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn, an den Kreis Viersen, an die kreisfreie Stadt Mönchengladbach, an den Rhein-Kreis Neuss, an den Kreis Düren sowie an die Städteregion Aachen. Im Westen grenzt er an die niederländische Provinz Limburg.

Geschichte Der Kreis Heinsberg ist ein altes Siedlungsgebiet. Dies belegen Bodenfunde aus mehreren Epochen. Ob es steinzeitliche Werkzeuge mit einem Alter von bis zu 100.000 Jahren sind, oder der rund 7000 Jahre alte Holzbrunnen, der zu Beginn der 90er Jahre bei Erkelenz-Kückhoven gefunden wurde. Auch die Römer waren in der Region heimisch, zumal das Gebiet durch Römerstraßen, unter anderem die bedeutende Verbindung Heerlen – Xanten, erschlossen wurde.

Die Christianisierung hinterließ ihre siedlungsgeschichtlichen Spuren, da bereits im 8. Jahrhundert erste Kirchenbauten nachzuweisen sind. Im ausgehenden 12. Jahrhundert entstanden im heutigen Verwaltungsgebiet des Kreises zahlreiche Burganlagen vom Typ einer Motte, meist unter Ausnützung von Spornlagen im Riedelland, kleinen Erhöhungen oder wasserreicher Umgebung. Sie waren in der Regel Rittergüter und kleine Dynastensitze; sie werden landläufig ins Frühmittelalter datiert und den Zügen der Normannen bzw. Wikinger maasaufwärts zugeordnet. Im Mittelalter gab es in der Region kein homogenes Gebiet. Unterschiedlichste Adelshäuser beanspruchten Besitztümer im heutigen Kreisgebiet, das sprachlich und kulturhistorisch dem Maasland zuzuordnen war.

Mit Errichtung des Regierungsbezirks Aachen im Königreich Preußen entstanden 1816 die Kreise Heinsberg, Geilenkirchen und Erkelenz. Während der Kreis Erkelenz 156 Jahre Bestand hatte, wurden die Kreise Geilenkirchen und Heinsberg 1932 zunächst unter dem Namen „Kreis Geilenkirchen“ zusammengefasst. Ein Jahr später erfolgte die Umbenennung in „Kreis Geilenkirchen-Heinsberg“. Im Jahr 1951 wurde dieser Kreis in „Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg“ umbenannt. Maßgebend dafür war die vorübergehende Unterstellung des Selfkantgebietes unter niederländischer Verwaltung in den Jahren 1949 bis 1963.

Am 1. Januar 1972 entstand der neue Kreis Heinsberg im Rahmen der kommunalen Neugliederung im Raum Aachen (Aachen-Gesetz) durch Zusammenlegung des Selfkantkreises Geilenkirchen-Heinsberg mit dem Landkreis Erkelenz. Seit dem 1. Januar 1975 – damals wurde die Gemeinde Niederkrüchten in den Kreis Viersen eingegliedert – hat der Kreis Heinsberg seine heutige Gestalt.

Ab Februar 2020 trat die COVID-19-Pandemie im Kreis Heinsberg auf. Über die COVID-19-Pandemie im Kreisgebiet wurde in überregionalen Medien (bundesweit und international) berichtet, nachdem bei und nach einer Karnevalssitzung am 15. Februar 2020 in Gangelt die erste größere SARS-CoV-2-Ausbreitung in Deutschland stattfand und anschließend hier die Heinsberg-Studie durchgeführt wurde.

Einwohnerstatistik mini|400px|rechts|Bevölkerungspyramide für den Kreis Heinsberg (Datenquelle: Zensus 2011.)

Jahr EinwohnerLandesdatenbank Nordrhein-Westfalen 1975 209.257 1980 214.331 1985 216.304 1990 220.602 1995 238.627 2000 250.400 2005 257.326 2010 254.936 2015 252.527 2020 256.458 2022261.833

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 61,5 % der Einwohner römisch-katholisch, 17,0 % evangelisch und 21,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe., Zensus 2011 Die Anteile der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren 51,6 % der Einwohner katholisch, 14,8 % evangelisch und 33,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15. Mai 2022, Religion), abgerufen am 20. Juli 2024

Laut Statistik des Bistums Aachen sank der Anteil der katholischen Kirchenmitglieder an der Bevölkerung im Jahr 2022 um 1,9 Prozentpunkte.Kirchliche Statistik 2022: Region Heinsberg Bistum Aachen. Abgerufen am 21. August 2024 Dieser Trend setzte sich seitdem fort und der Anteil verringerte sich 2023 um 1,7 ProzentpunkteRegion Heinsberg – Überblick Kirchliche Statistik. Bistum Aachen. Abgerufen am 21. August 2024 und 2 Prozentpunkte im Jahr 2024.

Politik Kreistag

Aktuell gibt es im Kreistag folgende Sitzverteilung nach Fraktionen (Stand November 2025):

Landräte 1816–1853: Wilhelm van der Straeten 1853–1854: Friedrich Hardt (auftragsweise) 1854–1860: Matthias Claessen 1860: Felix von der Mosel (vertretungsweise) 1860–1876: Wilhelm Leopold Janssen 1876: Friedrich Kleemann (auftragsweise) 1876–1877: Hermann Joseph Paulssen (auftragsweise) 1877–1885: Karl Loewe 1885: Alwin von Hagen (vertretungsweise) 1885–1919: Rudolf von Scheibler 1919: Karl Sieger (vertretungsweise) 1919: Wilhelm Kitz (auftragsweise) 1919–1920: Richard Graf Matuschka-Greiffenclau (auftragsweise) 1920–1928: Erwin Classen 1928–1932: Franz Röhm 1972–1979: Josef Rick 1979–1994: Karl Eßer 1994–2004: Karl Gruber seit 2004: Stephan Pusch

Oberkreisdirektoren Von 1972 bis 1997 bestand eine Aufgabentrennung in der Führung des Kreises. Der Verwaltung stand der Oberkreisdirektor vor. 1972–1987: Theo Esser 1987–1997: Leo Thönnissen

Wappen, Siegel und Flagge Dem Kreis Heinsberg ist durch Urkunde des Regierungspräsidenten Köln vom 3. September 1973 die Genehmigung erteilt worden, Wappen, Siegel, Banner und Hissflagge wie nachstehend beschrieben zu führen. Der Entwurf des Wappens stammt von Walther Bergmann.

Wappenbeschreibung „Geteilt und oben gespalten. Oben: vorn in Rot ein zwiegeschwänzter, bekrönter, silberner (weißer) Löwe; hinten in Gold (Gelb) ein schwarzer Löwe. Unten: in Silber (Weiß) ein freischwebendes, liegendes, rotes Lilienkreuz, belegt mit einer fünfblättrigen blauen Flachsblüte.“§ 2 der Hauptsatzung des Kreises Heinsberg (PDF; 47 kB)

Herkunft und Bedeutung Der Gestaltung des Wappens lag die Absicht zugrunde, die Entstehung aus den drei Kreisen Erkelenz, Geilenkirchen und Heinsberg und deren gemeinsame Interessen symbolisch darzustellen. Der zweigeschwänzte silberne Löwe auf rotem Grund war das Wappen der Herren von Heinsberg und der Stadt Heinsberg Geilenkirchen erhielt vom Herzog von Jülich als Wappen einen Löwen (schwarz auf gelbem Untergrund), der als Zeichen der Abhängigkeit von der Heinsberger Herrschaft zwiegeschwänzt dargestellt wurde und damit an den Löwen des Heinsberger Wappens erinnerte. Bei der Gestaltung des Wappens für den Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg wurde diese Darstellung zu einem eingeschwänzten Löwen geändert. Das Lilienkreuz mit der Flachsblüte stammt aus dem Wappen des Kreises Erkelenz. Die Lilie erinnert an die jahrhundertealte Beziehung der Stadt Erkelenz zum Marienstift Aachen, die Flachsblume an den Flachsanbau im Gebiet des ehemaligen Kreises.

Siegelbeschreibung „Umschrift: oben: Kreis unten: Heinsberg Siegelbild: Im Siegelrund das Kreiswappen im geteilten und oben gespaltenen Schild. Oben: vorn in Schwarz ein zwiegeschwänzter, bekrönter, weißer Löwe; hinten in Weiß ein schwarzer Löwe. Unten: in Weiß ein freischwebendes, liegendes, schwarzes Lilienkreuz, belegt mit einer fünfblättrigen, weißen Flachsblüte.“

Beschreibung des Banners „Zweifach geteilt mit frei schwebenden Wappenfiguren. Oberes Drittel: gespalten; vorn in Rot ein zwiegeschwänzter, bekrönter, silberner (weißer Löwe); hinten in Gold (Gelb) ein schwarzer Löwe. Mittleres Drittel: in Silber (Weiß) ein frei schwebendes, liegendes, rotes Lilienkreuz, belegt mit einer fünfblättrigen, blauen Flachsblüte. Unteres Drittel: Von Rot nach Gold (Gelb) gespalten.“

Beschreibung der Hissflagge „Dem Kreiswappen entsprechend geteilt und oben gespalten; die Wappenfiguren freischwebend.“

Partnerkreise Der Midlothian District in Schottland Komitat Komárom-Esztergom in Ungarn

Europaregion Der Kreis Heinsberg gehört seit 1978 zur Euregio Maas-Rhein.

Wirtschaft und Verkehr Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Kreis Heinsberg Platz 235 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko Mix“ für die Zukunft.

Kfz-Kennzeichen Bei der Bildung des neuen Kreises wurde diesem mit Wirkung vom 1. Januar 1972 das Unterscheidungszeichen HS zugeteilt. Seit dem 2. September 2013 sind aufgrund der Kennzeichenliberalisierung auch die Unterscheidungszeichen ERK (Erkelenz) und GK (Geilenkirchen) erhältlich.

Straße Individualverkehr Seit dem Ausbau der A 46 Heinsberg – Düsseldorf (Selfkantautobahn) im Jahre 1995 gibt es mehrere Anschlussstellen zu Orten im Kreisgebiet. Die Verlängerung über Heinsberg hinaus wurde jedoch nicht als Autobahn, sondern auf einer neuen Trasse als Kraftfahrstraße B56 die an die A 46 anschließt, ausgeführt.

Busverkehr Der Kreis Heinsberg gehört zum Aachener Verkehrsverbund (AVV). Die Versorgung im Busverkehr übernehmen die kreiseigene WestVerkehr. Der Fahrplan ist hauptsächlich auf den Transport von Schülern ausgerichtet, deshalb folgt das Busangebot teilweise keinem einheitlichen Takt. Während der Verkehr werktags oftmals schon nach 19 Uhr endet, kommt dieser am Wochenende nahezu ganz zum Erliegen.