Der Rheinisch-Bergische Kreis, gegründet am 1. Oktober 1932, ist ein Kreis im Süden von Nordrhein-Westfalen.
Geografie
Lage Der Rheinisch-Bergische Kreis liegt, wie sein Name schon erkennen lässt, in dem Teil des Bergischen Landes, der dem Rhein zugewandt ist.
Das Kreisgebiet gehört zum Rheinischen Schiefergebirge. Von der Kölner Bucht steigt das Land nach Osten hin an. Die höchsten Punkte sind der Kleine Heckberg bei Federath, Stadt Overath mit und der Rattenberg bei Buchholzen, Stadt Wermelskirchen mit . Der niedrigste Punkt mit über NN befindet sich im Tal der Wupper in Leichlingen.
Der Kreis hat bei einer Fläche von 438 Quadratkilometern eine Nord-Süd-Ausdehnung von rund 33 sowie eine Ost-West-Ausdehnung von etwa 26 Kilometern.
Die äußersten Grenzpunkte sind im Norden bei der Ortschaft Preyersmühle, im Osten auf Overather Gebiet nahe dem Kleinen Heckberg, im Süden in der Wahner Heide und im Westen die Stadtgrenze von Leichlingen zu Langenfeld entlang der A3.
Das Gebiet ist relativ regenreich durch die Wolken, die der Wind von Westen herantreibt. Die Entwässerung erfolgt zum Rhein hin durch die Wupper, die Dhünn mit ihrem Zufluss Eifgenbach, die Strunde, die Sülz und die Agger.
Der Mittelpunkt des Rheinisch-Bergischen Kreises liegt an der Zwergenhöhle Herrenstrunden.
Gemeinden
Name Einwohner Fläche Einw./km² Status AGS Bergisch Gladbach km² große kreisangehörige Stadt 05 378 004 Burscheid km² kreisangehörige Stadt 05 378 008 Kürten km² kreisangehörige Gemeinde 05 378 012 Leichlingen (Rheinland) km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 378 016 Odenthal km² kreisangehörige Gemeinde 05 378 020 Overath km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 378 024 Rösrath km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 378 028 Wermelskirchen km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 378 032 km² Rheinisch-Bergischer Kreis 05 378 (Einwohnerzahlen vom )
Die beiden Diagramme zeigen die Flächenanteile und die Bevölkerungsanteile der einzelnen Kommunen.
Nachbarkreise Der Kreis grenzt im Uhrzeigersinn im Westen beginnend an die kreisfreien Städte Köln und Leverkusen, an den Kreis Mettmann, an die kreisfreien Städte Solingen und Remscheid, an den Oberbergischen und an den Rhein-Sieg-Kreis.
Geschichte mini|Kreishaus in Bergisch Gladbach
Vorgeschichte Die Besiedlung einer Region durch den Menschen ist eng an geografische Gegebenheiten, Witterung und Klima gebunden. In vor- und frühgeschichtlicher Zeit stellte sich das heutige Kreisgebiet als ein unwirtliches Hügelland mit dicht bewaldeten Höhen und sumpfigen Tälern dar. Spuren einer frühen Besiedlung, etwa aus der Steinzeit und der Bronzezeit, sind spärlich. Erst seit dem 9. Jahrhundert v. Chr. mehren sich entsprechende Hinweise. Im westlichen Teil des heutigen Kreisgebietes, unweit des Rheintals, fanden sich mehrere Gräber aus vorrömischer Zeit. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts n. Chr. setzte von Westen her offenbar eine Besiedlung des Berglandes durch fränkische Bevölkerungsgruppen ein.
Die älteste schriftliche Quelle ist uns erst aus dem Frühmittelalter überliefert: Der Prümer Urbar von 893 ist ein Verzeichnis der Weiler und Bauernhöfe, die zu der Abtei Prüm gehörten. Darin verzeichnet ist auch vogelberhc, heute Hoffnungsthal in Rösrath.Georg Geist: Ein Jubiläumsjahr für Rösrath. In: Rheinisch-Bergischer Kalender 1993. Joh. Heider Verlag, Bergisch Gladbach ISBN 3-87314-272-4.
Der Rheinisch-Bergische Kreis ist Teil der Region Bergisches Land – wobei „bergisch“ nicht von der hügeligen bis bergigen Landschaft zwischen Wupper und Sieg abgeleitet ist. Vielmehr resultiert der Landschaftsname aus dem gräflichen, später herzöglichen Geschlecht der Herren von Berg. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts etablierte sich hier die Grafschaft Berg, die 1380 zum Herzogtum Berg erhoben wurde. Das Herzogtum bestand bis 1806. Napoléon übernahm das Herzogtum auf dem Tauschweg vom Bayerischen König Maximilian . und übereignete es seinem Schwager Joachim Murat. Im Zusammenhang mit der Errichtung des Rheinbundes (1806) entstand das Großherzogtum Berg, das bis 1813 Bestand hatte. In dieser Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Neuerungen in Verwaltung und Rechtswesen eingeführt, siehe auch Code civil.
Nach zweijähriger provisorischer Verwaltung durch das Generalgouvernement Berg kam das Gebiet aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen 1815 zum Königreich Preußen. Das Kreisgebiet wurde 1822 Teil der Rheinprovinz.
Der alte Kreis Zum Zwecke von Einsparungen bei den öffentlichen Haushalten wurde am 1. Oktober 1932 in Preußen eine Kreisreform durchgeführt, bei der zahlreiche kleinere Kreise aufgelöst wurden. Dabei wurden im Regierungsbezirk Köln unter anderem die beiden Kreise Mülheim am Rhein und Wipperfürth zusammengeschlossen. Der ursprünglich für den neuen Kreis vorgesehene Name Bergischer Kreis wurde durch Beschluss des Preußischen Staatsministeriums vom 27. September 1932 in Rheinisch-Bergischer Kreis geändert.Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen vom 1. August 1932. In: Preußische Gesetzsammlung, 1932, S. 264; genealogy.netErlass des Preußischen Staatsministeriums vom 27. September 1932. In: Ministerialblatt für die preußische innere Verwaltung, 1932, S. 1036. Kreissitz wurde Bergisch Gladbach, als Verwaltungsgebäude diente bis 1972 die Villa Zanders.200 Jahre Kreise im Rheinisch-Bergischen Kreis. Präsentation des Archivs des Rheinisch-Bergischen Kreises, 2015.
Der erste oder alte Rheinisch-Bergische Kreis umfasste bei seiner Gründung am 1. Oktober 1932 die Städte Bergisch Gladbach und Wipperfürth die Gemeinden Bensberg, Klüppelberg, Lindlar, Odenthal, Overath, Porz und Rösrath die Ämter Engelskirchen (mit den Gemeinden Engelskirchen und Hohkeppel) und Kürten (mit den Gemeinden Kürten, Bechen, Olpe und Wipperfeld). Die Ost-West-Ausdehnung entsprach also im Wesentlichen den natürlichen Gegebenheiten. Die Orte und Verkehrswege befinden sich vielfach in den Tälern der Flüsse und Bäche, die von den bergischen Höhen im Osten dem Rheintal im Westen zustreben.
Die preußische Regierung setzte 1932 den Landrat des alten Kreises Mülheim Matthias Eberhard als Landrat ein, der jedoch bereits 1933 durch Julius Mennicken, einen Funktionär der NSDAP, abgelöst wurde. Mennicken hatte das Amt bis 1945 inne. Während der NS-Herrschaft war der Landrat in vielen Angelegenheiten von den Weisungen des Kreisleiters der NSDAP abhängig. Kreisleiter während der gesamten Zeit war Walter Aldinger.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kreis Teil der Britischen Besatzungszone und seit 1946 Teil des neuen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Von der britischen Militärregierung wurde zunächst Heinrich Linder am 15. April 1945 als Landrat eingesetzt. Aufgrund seiner NSDAP-Mitgliedschaft wurde er am 19. Mai 1945 abgesetzt und Friedrich Heuser als Landrat eingesetzt. Dieser hatte dieses Amt vom 21. Mai 1945 bis zum 17. Juni 1946 inne. Anschließend wurde er Oberkreisdirektor.
Nach britischem Vorbild wurden die Zuständigkeiten des Landrats aufgeteilt. Der Landrat wurde als politischer Repräsentant vom Kreistag aus seinen Reihen gewählt und war als Kommunalpolitiker ehrenamtlich tätig. Leiter der Verwaltung war der Oberkreisdirektor, der auf Vorschlag des Kreistages von der Bezirksregierung ernannt wurde. Er musste die laufbahnrechtlichen Voraussetzungen erfüllen.
Schnell wurde die Villa Zanders als Sitz der Verwaltung zu klein. So entstand in unmittelbarer Umgebung 1953 ein Erweiterungsbau der Verwaltung, der bis 1972 von der Kreisverwaltung genutzt wurde und heute von der Stadtverwaltung Bergisch Gladbach genutzt wird.
Ehrenamtliche Landräte 1946–1948 Herbert Klein 1948–1958 Josef Roesch 1958–1962 Carl Allmann 1962–1968 Hubert Görg 1968–1974 Konrad Kraemer
Oberkreisdirektoren 1946–1947 Friedrich Heuser 1947–1966 Walter Hagemann 1966–1974 Walter Scholtissek
Die Bevölkerungszahl stieg im und nach dem Zweiten Weltkrieg stark an. Flüchtlinge aus den ausgebombten Städten und Heimatvertriebene aus dem Osten fanden im Kreis eine neue Heimat.
mini|Bevölkerungsentwicklung 1933–1972
Jahr Einwohner 1933 102.816 1939 111.369 1946 148.031 1950 159.506 1961 207.604 1970 268.901 1972 288.000 Ab 1972 wurde für die Kreisverwaltung das neue Kreishaus „Am Rübezahlwald“ im Ortsteil Heidkamp genutzt. Später kam noch ein Nebengebäude in Gronau hinzu.
Seit 1975 Nachdem bereits andere Regionen Nordrhein-Westfalens neu geordnet wurden, kam es zum 1. Januar 1975 zu einer kommunalen Neugliederung im Raum Köln durch das Köln-Gesetz.
Der nördlich des alten Rheinisch-Bergischen Kreises gelegene Rhein-Wupper-Kreis wurde aufgelöst und sein Gebiet auf sieben Städte und Kreise verteilt. Die Gemeinde Witzhelden schloss sich mit Leichlingen zusammen, Dabringhausen und Dhünn mit Wermelskirchen. Die Städte Burscheid, Leichlingen und Wermelskirchen wurden Teil des Rheinisch-Bergischen Kreises. Im Volksmund werden sie als Nordkreis bezeichnet.Erich Weihrauch: „Aus“ für den Rhein-Wupper-Kreis. In: Rheinisch-Bergischer Kalender 1976, S. 8–10Erich Weihrauch: Das nördliche Kreisgebiet und seine Vorläufer In: Rheinisch-Bergischer Kalender 1982, S. 58–62.
Der Rheinisch-Bergische Kreis verlor die Gemeinden Wipperfeld, Klüppelberg und Lindlar, das Amt Engelskirchen und die Stadt Wipperfürth an den Oberbergischen Kreis.
Die am Rhein gelegene Stadt Porz mit etwa 90.000 Einwohnern wurde Stadtbezirk von Köln.
Auch unter den im neuen Kreis verbleibenden Kommunen kam es zu Änderungen: Die Stadt Bensberg wurde aufgelöst und in wesentlichen Teilen Bergisch Gladbach zugeschlagen. Das Sülztal mit Immekeppel und Untereschbach kam von Bensberg an Overath, der Raum Dürscheid zu Kürten. Schildgen wechselte von Odenthal zu Bergisch Gladbach. Aus dem Amt Kürten wurde die Gemeinde Kürten, jedoch ohne Wipperfeld.Horst Schmitz: Das südliche Kreisgebiet und seine Vorläufer. In: Rheinisch-Bergischer Kalender 1982, S. 62–65.
Durch die Neugliederung schrumpfte die Fläche des Kreises von rund 620 auf 438 Quadratkilometer. Die Einwohnerzahl sank von 290.000 auf 243.000. Der Kreis hat nun seine größte Ausdehnung nicht mehr in Ost-West-Richtung, sondern in Nord-Süd-Richtung. Bergisch Gladbach, Kürten, Odenthal, Overath und Rösrath gelten als Südkreis.
Für die Verwaltung und die Bevölkerung der drei Städte im Nordkreis änderte sich noch mehr: Sie gehören nicht mehr zum Regierungsbezirk Düsseldorf, sondern zum Regierungsbezirk Köln. Die Infrastruktur, bisher nach Düsseldorf, Solingen und Remscheid ausgerichtet, musste teils umgestellt werden. Wichtige Behörden sitzen jetzt in Bergisch Gladbach und Köln. Die Umstellung bei den Behörden erfolgte buchstäblich von einem Tag auf den anderen. Umstellungen in anderen Bereichen wie dem öffentlichen Personennahverkehr dauerten Jahre. Dazu kamen kulturelle und religiöse Unterschiede, die sich noch jahrzehntelang bemerkbar machen. Die Menschen im Nordkreis sind zum überwiegenden Teil evangelisch, im Südkreis katholisch.
Aufgrund der Neuordnung wurden im Mai 1975 Neuwahlen zum Kreistag, zum Landtag und zu den Stadt-/Gemeinderäten durchgeführt. Im neuen Kreistag ergab sich folgende Sitzverteilung:Politik für einen neuen Kreis. In: Rheinisch-Bergischer Kalender 1976, S. 6–7
CDU: 33 Sitze SPD: 24 Sitze FDP: 6 Sitze
Die CDU stellt seit 1975 ununterbrochen die stärkste Fraktion im Kreistag. Ehrenamtliche Landräte 1975–1989 Konrad Kraemer 1989–1999 Rolf Hahn Oberkreisdirektoren 1975–1984 Walter Scholtissek 1984–1991 Klaus Siebenkotten 1991–1993 Hans-Joachim Reck 1994–1997 Jürgen Kroneberg 1997–1999 Norbert MörsHauptamtliche Landräte 1999–2004 Norbert Mörs 2004–2011 Rolf Menzel 2012–2017 Hermann-Josef Tebroke 2017–2025 Stephan Santelmann seit 2025 Arne von Boetticher
Einwohnerstatistik seit 1975 mini|Bevölkerungsentwicklung 1975–2005 400px|mini|Bevölkerungspyramide für den Rheinisch-Bergischen Kreis (Datenquelle: Zensus 2011Rheinisch-Bergischer Kreis, Alter + Geschlecht. Datenbank Zensus 2011; zensus2022.de)