Der Oberbergische Kreis ist ein Kreis im Süden Nordrhein-Westfalens und gehört zum Regierungsbezirk Köln. Geographisch macht der Kreis etwa die Hälfte des Oberbergischen Landes aus. Das Gebiet ist reich an Wäldern, Gewässern und Naturschutzgebieten und bedingt durch seine Nähe zu den Großstädten des Rheinlandes, Ruhrgebiets und des Bergischen Städtedreiecks ein beliebtes Ausflugsziel. Historisch und soziokulturell wird der Kreis der Kulturregion Bergisches Land zugerechnet.
Der Oberbergische Kreis weist die neuntkleinste Einwohnerzahl der 31 Kreise in Nordrhein-Westfalen auf. Einwohnerstärkster Ort ist die Kreisstadt Gummersbach, die geringste Einwohnerzahl hat die Gemeinde Morsbach. Der Kreis existiert in seiner heutigen Form seit der kommunalen Gebietsreform von 1975 und wurde aus dem alten Oberbergischen Kreis sowie Teilen des Rheinisch-Bergischen Kreises und des aufgelösten Rhein-Wupper-Kreises gebildet.
Geographie, Topographie und Natur
Der Oberbergische Kreis liegt im Osten des Naturparks Bergisches Land zwischen Rhein- und Sauerland. Er liegt 99,2 bis 518,2 Meter über dem Meeresspiegel; die Mittelgebirgslandschaft ist waldreich, geprägt von kleinteiliger Landwirtschaft und hat über 1400 Dörfer und Weiler.obk.de Der angrenzenden Metropolregion Rhein-Ruhr dient Oberberg als Naherholungsgebiet.
Nördlichster Punkt: Windung des Brebach, 480 Meter nordöstlich von der Ortschaft Griesensiepen/Spreel Südlichster Punkt: Nebenbach des Holperbaches, 660 Meter westlich von Seifen (Ortsgemeinde Forst, bei Wissen/Sieg, Landkreis Altenkirchen) Westlichster Punkt: Sülz, 200 Meter westlich von Klefhaus und 90 Meter oberhalb der Einmündung des Dürschbach Östlichster Punkt: 20 Meter nordwestlich der L342, 790 Meter östlich von Hardt
Die höchste natürliche Erhebung des Kreises ist die Homert mit 518 Metern NN auf dem Gebiet der Stadt Gummersbach am östlichen Rand des Kreisgebietes, nahe der A 45; der tiefste Punkt liegt mit knapp 100 Metern NN am Stausee Ehreshoven.obk.de
Der Oberbergische Kreis hat zahlreiche Naturschutzgebiete ausgewiesen, deren größtes die Wiehltalsperre mit über 950 ha ist. Neben den Naturschutzgebieten existiert zudem eine Reihe von Naturdenkmälern und fünf Landschaftsschutzgebiete. Die sehr wasserreiche Region verfügt über 10 Talsperren,obk.de (PDF; 1,0 MB) die nicht nur aus den größten Fließgewässern Agger, Wiehl und Wupper, sondern vor allem aus den unzähligen Bächen gespeist werden, die das Land durchziehen.
Die Biologische Station Oberberg hat im September 2016 das Projekt „Modellregion Landwirtschaft und Naturschutz – Bergisches Land“ gestartet.biostationoberberg.de
Nachbarkreise und -städte Der Kreis grenzt, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn, an die Kreise Ennepe-Ruhr-Kreis (somit auch an den Regionalverband Ruhr), Märkischer Kreis und Olpe (alle in Nordrhein-Westfalen), an den Landkreis Altenkirchen (Westerwald) (in Rheinland-Pfalz) sowie an den Rhein-Sieg-Kreis, an den Rheinisch-Bergischen Kreis sowie an die kreisfreien Städte Remscheid und Wuppertal.
Geschichte Oberberg ist Teil des Rheinischen Schiefergebirges und liegt im Westen seines rechtsrheinischen Anteils. Seine älteste Geschichte beginnt vor knapp 400 Millionen Jahren als tropisches Flachmeer. Mehr als 50 Millionen Jahre bedeckte es das Gebiet des späteren Oberbergischen Landes.
Das Oberbergische gilt im Vergleich zur Rhein-Niederung nicht als „Altsiedlungsgebiet“. Nach Deutung der Gewässernamen wurden seit der älteren Latènezeit, der späten mitteleuropäischen Eisenzeit der Nord- und Mittelbereich des Kreisgebietes von germanischen Einwanderern aus dem Norden besiedelt. Davon zeugen germanische Bachnamen in den Einzugsgebieten der Wupper/Wipper, Agger und Wiehl. Der Hauptstrom der Siedler, welche die innerbergischen Gebiete zwischen Ruhr und Sieg nach Jahrhunderten weitgehender Siedlungsleere erschlossen, kam vom Rhein her.
Die Existenz eines Königshofes ist für das Oberbergische schriftlich dokumentiert. Nach einer im Düsseldorfer Hauptstaatsarchiv aufbewahrten Urkunde übertrug Kaiser Friedrich I. (HRR) im Jahre 1167 die „Curtis von Eckenhagen“ mit den Silbergruben und weiterem „Zubehör“ dem Kölner Erzbischof. Seit der Kommunalreform von 1969 – die Gemeinden Denklingen und Eckenhagen wurden zusammengelegt – lebt die Erinnerung an die frühere Zugehörigkeit zum Reichs- beziehungsweise Königsgut in dem neuen Gemeindenamen Reichshof fort.
Abgrenzung des Bergischen Landes gegenüber dem Oberbergischen Land Das Oberbergische Land liegt im Südosten des ehemaligen, bis 1614 eigenständigen Herzogtums Berg und ehemals angrenzender Gebiete und ist heute Teil der touristischen Region Bergisches Land. Bereits 1740 trennte eine Beschreibung des Herzogtums Berg unter der Herrschaft des Hauses Pfalz-Neuburg mit seinen 17 Ämtern das „Niederbergische“ nordwärts der Wupper vom „Oberbergischen“ südlich davon.
Als das Herzogtum und die benachbarten Territorien durch Napoleon I. 1806 und durch den Wiener Kongress 1815 neu geordnet wurden, fielen auch die bis dahin selbstständigen Reichsherrschaften Gimborn-Neustadt, zu der Gummersbach gehörte, und Homburg sowie Teile der Grafschaft Mark an das Großherzogtum Berg und nach 1815 an Preußen.
Der Oberbergische Kreis von 1932 bis 1974 Der ursprüngliche Oberbergische Kreis entstand am 1. Oktober 1932 aus der Vereinigung der Kreise Gummersbach und Waldbröl (ohne das Amt Dattenfeld), mit dem Sitz der Kreisverwaltung in Gummersbach. Der ursprünglich für den neuen Kreis vorgesehene Name Agger-Wiehl-Kreis nach den Flüssen im Kreisgebiet wurde durch Beschluss des Preußischen Staatsministeriums vom 27. September 1932 in Oberbergischer Kreis geändert.Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen vom 1. August 1932, Preußische Gesetzsammlung 1932 S. 264Erlass des Preußischen Staatsministeriums vom 27. September 1932; Ministerialblatt für die preußische innere Verwaltung 1932, S. 1036 Der Name nimmt Bezug auf die ehemaligen Landesherren, die Grafen von Berg.
Der Kreis umfasste die beiden Städte Bergneustadt und Gummersbach sowie die Gemeinden Denklingen, Drabenderhöhe, Eckenhagen, Gimborn, Lieberhausen, Marienberghausen, Marienheide, Morsbach, Nümbrecht, Ründeroth, Waldbröl und Wiehl.
1957 wurde Waldbröl als dritter Gemeinde im Oberbergischen das Stadtrecht verliehen.
Vor der (ersten) Neugliederung der Gemeinden zum 1. Juli 1969 bestand der Kreis aus drei amtsfreien Städten und elf amtsfreien Gemeinden:Statistisches Bundesamt, Alle politisch selbständigen Gemeinden am 31.12.1968. Gemeindekennziffer Name Fläche in km²(Gebietsstand 31.12.1968) Einwohnerzahl(Volkszählung vom 6.6.1961) 05 3 35 111 Bergneustadt, Stadt 13,14 9.276 05 3 35 114 Bielstein (Rheinland) 27,93 9.017 05 3 35 115 Denklingen 48,60 6.677 05 3 35 116 Eckenhagen 67,94 7.401 05 3 35 117 Gimborn 40,49 7.403 05 3 35 112 Gummersbach, Stadt 41,83 32.009 05 3 35 118 Lieberhausen 40,67 4.677 05 3 35 119 Marienberghausen 37,37 4.291 05 3 35 121 Marienheide 38,09 7.892 05 3 35 122 Morsbach 55,74 7.357 05 3 35 123 Nümbrecht 34,72 5.234 05 3 35 124 Ründeroth 24,49 7.555 05 3 35 113 Waldbröl, Stadt 65,96 12.981 05 3 35 125 Wiehl 28,46 10.148
Das Gesetz zur Neugliederung des Oberbergischen Kreises reduzierte zum 1. Juli 1969 die Zahl der Gemeinden des Kreises. Neben zahlreichen Grenzverschiebungen zwischen den bestehenden Gemeinden ergaben sich dabei folgende Änderungen im Gemeindebestand: Lieberhausen wurde auf Gummersbach, Bergneustadt und Reichshof aufgeteilt. Denklingen und Eckenhagen gingen in der neuen Gemeinde Reichshof auf. Marienberghausen und Nümbrecht wurden zur Gemeinde Homburg zusammengeschlossen, die anschließend wieder in Nümbrecht umbenannt wurde. Bielstein und Wiehl wurden zu einer neuen Gemeinde Wiehl zusammengeschlossen. 1971 erhielt Wiehl das Stadtrecht.
Zuletzt umfasste der Oberbergische Kreis damit folgende Gemeinden:Statistisches Bundesamt, Alle politisch selbständigen Gemeinden am 31.12.1973
Gemeindekennziffer Name Fläche in km²(Gebietsstand 1.1.1971) Einwohnerzahl(Volkszählung vom 27.5.1970) 05 3 35 111 Bergneustadt, Stadt 38,02 16.291 05 3 35 112 Gimborn 31,93 5.095 05 3 35 113 Gummersbach, Stadt 74,05 44.474 05 3 35 114 Nümbrecht 72,30 10.050 05 3 35 115 Marienheide 38,09 9.330 05 3 35 116 Morsbach 55,75 8.619 05 3 35 117 Reichshof 114,45 15.063 05 3 35 118 Ründeroth 24,50 9.046 05 3 35 119 Waldbröl, Stadt 65,66 13.681 05 3 35 121 Wiehl, Stadt 51,08 16.606
Danach gehörten die vier Städte Bergneustadt, Gummersbach, Waldbröl und Wiehl sowie die Gemeinden Gimborn, Marienheide, Morsbach, Nümbrecht, Reichshof und Ründeroth bis 1974 zum Kreis.
Der alte Oberbergische Kreis umfasste zuletzt eine Fläche von 565,77 km².Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975
Der Oberbergische Kreis seit 1975 Durch das Köln-Gesetz wurde am 1. Januar 1975 ein rechtlich neuer Oberbergischer Kreis in seiner heutigen Form gebildet, in dem die Gemeinden des bisherigen Oberbergischen Kreises aufgingen. Aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis wechselten Engelskirchen, Lindlar (mit Hohkeppel) und Wipperfürth (mit Klüppelberg und Wipperfeld) in den Oberbergischen Kreis. Ründeroth wurde zum größten Teil nach Engelskirchen eingemeindet, Teile kamen zu Lindlar und Wiehl. Gimborn wurde zu größten Teil nach Gummersbach eingemeindet, Teile kamen zu Engelskirchen, Lindlar und Marienheide. Daneben gab es Grenzkorrekturen zwischen Gummersbach einerseits und Marienheide bzw. Wiehl andererseits sowie zwischen Marienheide und Kierspe. Aus dem aufgelösten Rhein-Wupper-Kreis kamen Hückeswagen und Radevormwald zum Oberbergischen Kreis.
Zum Oberbergischen Kreis gehören nun die Städte Bergneustadt, Gummersbach, Hückeswagen, Radevormwald, Waldbröl, Wiehl und Wipperfürth sowie die Gemeinden Engelskirchen, Lindlar, Marienheide, Morsbach, Nümbrecht und Reichshof.
Einwohnerstatistik mini|400px|rechts|Bevölkerungspyramide für den Oberbergischen Kreis (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Oberbergischer Kreis, Alter + Geschlecht)
Jahr Einwohner 1933 79.105 1939 83.552 1950 121.369 1960 130.100 1970 148.300Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1980 246.100Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1990 263.276 2000 287.186 2010 280.840Landesamt für Statistik NRW 2015 273.452obk.de Statistik des Oberbergischen Kreises 2019 272 320obk.de Statistik des Oberbergischen Kreises 2022 275.404 Konfessionsstatistik Gemäß der Volkszählung 2011 waren von den Einwohnern 37,8 % evangelisch, 30,6 % römisch-katholisch, und 31,6 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an.Oberbergischer Kreis Religion -in %, Zensus 2011 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren (2022) 31,2 % der Einwohner evangelisch, 26,2 % katholisch, und 42,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 27. Juli 2024
Laut kirchliche Statistik waren am 31. Dezember 2022 26,5 % (72.900) der Einwohner Mitglied der katholische Kirche. Am 31. Dezember 2023 waren von den Einwohnern 70.800 katholische Kirchenmitglieder, Ende 2024 69.000, und Ende 2025 waren es 66.900 Kirchenmitglieder.Statistik: Das Erzbistum Köln in Zahlen, abgerufen am 20. April 2026.
Politik
Kreistag Die Diagramme zeigen die Stimmenanteile und die Sitzverteilung nach der Kommunalwahl am 14. September 2025.
Landräte 1932–1933: Gustav Haarmann (von 1911 bis 1932 Landrat des Kreises Gummersbach) 1933–1935: Gottfried Krummacher, NSDAP 1935–1945: Theodor Pichier, NSDAP 1945 : Anton Köchling, CDU 1945–1951: August Dresbach, CDU 1951–1952: Fritz Eschmann, SPD 1952–1956: Wilhelm Henn, CDU 1956–1961: Fritz Eschmann, SPD 1961–1964: Reinhard Kaufmann, CDU 1964–1969: Heinrich Schild, CDU 1969–1989: Hans Wichelhaus, CDU