Hitzacker (Elbe) () ist eine Stadt im nördlichen Teil des Landkreises Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen. Sie ist Teil der Samtgemeinde Elbtalaue und liegt im Wendland.

Lage Hitzacker liegt an der Einmündung der Jeetzel in die Elbe. Während die Elbhöhen (auch: Klötzie), an deren südöstlichem Fuß sich Hitzacker befindet, naturräumlich bereits zur Lüneburger Heide gehören (vergleiche hierzu: Drawehn), zählen die Niederungsgebiete der Altstadt zur Elbtalaue.

Die Höhenlage reicht von an der Jeetzelmündung bis zu in der Klötzie nordwestlich der Kernstadt. Der weiter elbabwärts gelegene Kniepenberg bei Drethem misst und bietet einen Panoramablick über die Elbtalniederung.

Stadtgliederung Die Stadt Hitzacker besteht seit der Gemeindegebietsreform von 1972 aus den nachfolgend aufgelisteten zwölf Ortsteilen. Zusätzlich existieren weitere Wohnplätze. mini|Hitzackers Altstadt mini|Elbhochwasser 2006 Ortsteile Bahrendorf Grabau Harlingen Hitzacker Kähmen Nienwedel, bis 16. März 1936 NiendorfStatistik des Deutschen Reichs, Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich. Teil I, Berlin 1939; S. 265 Pussade Seerau Tießau Tiesmesland Wietzetze Wussegel

Wohnplätze Dötzingen, Gut Hagen, Gut Leitstade Marwedel Meudelfitz, Gut Meudelfitz, Siedlung Posade, Forsthaus Sarchem Schmessau Schmardau

Vor 1972 gehörten Pussade und Forsthaus Posade zur Gemeinde Harlingen; Gut Dötzingen, Gut Hagen, Marwedel, Gut Meudelfitz, Siedlung Meudelfitz und Sarchem zur Stadt Hitzacker sowie Leitstade zu Wietzetze. Die Güter Dötzingen und Hagen sowie Marwedel sind inzwischen in die Ortslage Hitzacker eingegliedert.

Geschichte

Bereits in prähistorischer Zeit siedelten um 3000 v. Chr. Menschen am Hitzackersee. Seit etwa der Eisenzeit ist das Gebiet an der Mündung der Jeetzel in die Elbe durchgehend besiedelt. Auf dem Weinberg am Rande der Altstadt errichteten Slawen im 8. Jahrhundert die Weinbergsburg als Ringwallanlage. Hitzacker war bereits vor der Stadtgründung ein bedeutendes Handelszentrum. Die St.-Johannis-Kirche wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Die eigentliche Stadtgründung erfolgte im Jahr 1258, worauf die inzwischen zu einer mittelalterlichen Burg ausgebaute Weinbergsburg ihre Bedeutung verlor. Im Südosten der Stadt wurde als neue Burg das Schloss Hitzacker gegründet. 1296 ließ der Markgraf Otto von Brandenburg die Weinbergsburg zerstören, weil von hier aus der Raubritter Hermann Ribe Kaufmannszüge überfiel.Wendland-Lexikon, Band 2, Lüchow 2008, S. 293.

Ab dem 14. Jahrhundert Eine Hitzacker betreffende Urkunde vom 20. Januar 1376 hat folgenden Inhalt:Hans Sudendorf: Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg und ihrer Lande. Fünfter Teil: 1374–1381. Hannover 1865, S. 79.

Im Jahr 1548, Freitag nach Jubilate, äscherte eine Feuersbrunst den Ort Hitzacker bis auf die Kirche und ein Haus ein.Matthias Blazek: Das Löschwesen im Bereich des ehemaligen Fürstentums Lüneburg von den Anfängen bis 1900. Adelheidsdorf 2006, S. 89. August der Jüngere baute von 1605 bis 1635 in Hitzacker eine kleine Herrschaft mit eigener Hofhaltung in der Stadt auf. Er sammelte in dieser Zeit zahlreiche Bücher, die in einem eigenen Bibliotheksgebäude untergebracht waren und mit über 13.000 Bänden einen wesentlichen Grundstock der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel bildete. 1642 plünderten schwedische Soldaten unter Oberst Georg von Derfflinger das Schloss und die Stadt Hitzacker. Das Schloss verfiel weiter, sodass die Stadt die Fläche aufkaufte und nach Abtragung der Ruine einen Neubau errichtete. Die Bibliothek ist zu diesem Zeitpunkt bereits nach Wolfenbüttel überführt worden.Axel Kahrs: Wendland Literarisch, Ein Herrscher als Büchernarr – Herzog August in Hitzacker. S. 13–20. 1610 wurden etliche Personen in Hitzacker und Umgegend Opfer der Hexenverfolgung, die dann unter Folter andere als Mittäter beschuldigten.Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des preußischen Staats. Hildesheim/New York 1977, S. 907.Matthias Blazek: Aberglaube und Hexenverfolgung. In: Matthias Blazek (Hrsg.): Hexenprozesse, Galgenberge, Hinrichtungen, Kriminaljustiz im Fürstentum Lüneburg und im Königreich Hannover. Stuttgart 2006, S. 62 ff. Am 27. Dezember 1668 brannten in der Stadt Hitzacker Kirche, Pfarre und acht Bürgerhäuser nieder.Matthias Blazek: Das Löschwesen im Bereich des ehemaligen Fürstentums Lüneburg von den Anfängen bis 1900. Adelheidsdorf 2006, S. 102. Die im 18. Jahrhundert ausgestorbenen Polabische Sprache der Wenden bezeichnete Hitzacker als Ljauci (Lgautztgi).

In der Zeit des Nationalsozialismus betrieb die Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft bei Hitzacker ein geheimes Großtanklager für Kraftstoffe und Schmieröle. Es wurde Ende des Zweiten Weltkrieges bei Bombenangriffen stark beschädigt und bis 1948 demontiert.WiFo Tanklager Hitzacker geschichtsspuren.de Während der deutschen Teilung bestanden in Hitzacker ein Zollkommissariat und eine Zollschiffsstation, deren Personal an der innerdeutschen Grenze, die durch die Elbe verlief, patrouillierte. Von den Elbhochwassern 2002 und 2006 wurde Hitzacker besonders stark betroffen. Danach wurde u. a. eine Hochwasserschutzwand errichtet.

Eingemeindungen Am 17. Oktober 1928 wurden die beiden Gemeinden Dötzingen und Marwedel in die Stadt Hitzacker eingemeindet.Amtsblatt der Regierung Lüneburg 1928, S. 259 Die Gemeinde Sarchem folgte am 1. Juli 1957.Statistisches Bundesamt, Gebietsänderungen 1957 Am 1. Juli 1972 wurden aufgrund der Gebietsreform in Niedersachsen die Gemeinden Bahrendorf, Grabau, Harlingen, Kähmen, Nienwedel, Seerau, Tießau, Wietzetze und Wussegel nach Hitzacker eingegliedert.

Politik mini|Rathaus am Marktplatz (2014) Die Stadt Hitzacker gehört zum Landtagswahlkreis 48 Elbe und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg – Lüneburg.Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anlage zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4. ( ; 87 kB).Beschreibung der Wahlkreise. Anl. zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anl. zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325. ( ; 200 kB).

Rat Der Rat der Stadt Hitzacker setzt sich aus 15 Mitgliedern zusammen. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.

Aus der Kommunalwahl vom 12. September 2021 mit einer Wahlbeteiligung von 56,12 Prozent ging folgende Zusammensetzung hervor: Partei/Liste Stimmenanteil +/-in Prozent Sitze +/-absolut CDU 21,57 − 5,23 3 − 1 SPD 12,73 − 4,37 2 − 1 UWG 13,39 + 5,69 2 + 1 Grüne 23,56 + 12,56 3 + 1 FDP 17,5 − 0,3 3 ± 0 Initiativ für Hitzacker (INI)* 11,24 − 5,06 2 ± 0 Gesamtzahl der Sitze 15 0 +/−: Unterschied zur Kommunalwahl 2016

Bürgermeister Bürgermeister der Stadt Hitzacker ist Holger Mertins (FDP).

Ehemalige Städtepartnerschaften Wisch (Oude IJsselstreek), Gemeinde aufgelöst Lázně Toušeň (Bad Tauschim) in Tschechien, beendet

Religionen Am östlichen Rand des alten Stadtkerns befindet sich die St.-Johannis-Kirche (Hitzacker) aus dem 12. Jahrhundert, zur Region Nord des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Lüchow-Dannenberg gehörend.

Die katholische Kirche St. Maria Königin wurde 1963/64 erbaut. Zuletzt Filialkirche der Pfarrgemeinde St. Agnes in Lüchow, wurde sie 2006 profaniert. Seit 2011 wird das Gebäude als Kunsthalle „Oktogon“ genutzt.

Die neuapostolische Gemeinde Hitzacker wurde 2011 der Gemeinde in Dannenberg angeschlossen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Stadtinsel mit Fachwerkhäusern und dem 1589 erbauten Zollhaus stehen unter Denkmalschutz. Es gibt drei Museen, unter ihnen das Archäologische Zentrum Hitzacker mit einem Freilichtmuseum zur Bronzezeit. Die dritte Anlage ist das Museum Das Alte Zollhaus. Hitzacker ist Mitglied im Museumsverbund Lüchow-Dannenberg.Internetseiten des Museumsverbunds Lüchow-Dannenberg

Bauwerke St. Johannis-Kirche Villa Max Adolf Kateminer Mühle Schöpfwerk, Siel und Hochwasserschutzwand (erbaut 2006–2008, Kosten: mehr als 30 Millionen Euro)nlwkn.niedersachsen.de

Sonstiges Opferstein bei Pudripp Wildgehege in Hitzacker Fürstengräber von Marwedel und Ausgrabungen am Hitzacker-SeeArcheo-Zentrum Großsteingräber bzw. Hünengräber bei Pussade Wifo: das unterirdisch angelegte Großtanklager im Dötzinger Forst vor Hitzacker ist erhalten Hitzackers Schützengilde, die Schützengilde von 1395 zu Hitzacker (Elbe) e. V., zählt zu den ältesten Europas. Auf dem Marktplatz steht die Bronzeskulptur Der Butt., abgerufen am 4. Oktober 2016. Nach dem Vorbild der Breslauer Zwerge wurden auch in Hitzacker derartige Figuren aufgestellt (Stand Juni 2025: 43 Stück).Bronze-Zwerge in Hitzacker weg: Polizei verdächtigt 17-Jährigen am 23. Oktober 2025 auf ndr.de Sie wurden von der polnischen Bildhauerin Beata Zwolańska-Hołod gestaltet.

Wirtschaft und Infrastruktur Tourismus mini|Die Rebstöcke am Weinberg Hitzacker kann auf eine längere Tradition als Fremdenverkehrsort zurückblicken. So veranstaltete der Heimatkundliche Arbeitskreis Lüchow-Dannenberg (HALD) bereits 1983 eine Tagung mit dem Titel 100 Jahre Fremdenverkehr in Hitzacker – 50 Jahre Heimat- und Museumsverein., abgerufen am 24. November 2013. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kamen Erholungssuchende aus dem Hamburger Raum und der Region um Hannover zum Kurhotel auf dem Weinberg. Eine eigene Quelle mit Trinkbrunnen und Badeanwendungen standen für Kururlauber zur Verfügung. Auch Tagesausflüge auf dem Wasserweg, über die Elbe, fanden statt, und es gab eine eigene Schifffahrtslinie Hamburg-Lauenburg-Dömitz.

Seit den 1990er Jahren ist Hitzacker ein anerkannter Luftkurort. Mehrere Hotels haben sich auf Wellness- und Beauty-Angebote spezialisiert, und es gibt ein Kurgebiet mit Kneippbecken und Barfuß-Pfad.

In Hitzacker finden regelmäßige musikalische Veranstaltungen statt, wie die Sommerlichen Musiktage Hitzacker unter der künstlerischen Leitung von Oliver Wille oder die Musikwoche Hitzacker unter der künstlerischen Leitung von Albrecht Mayer.

Hitzacker ist an verschiedenen Marketingkooperationen beteiligt, so ist die Stadt Teil der Deutschen Fachwerkstraße, der Niedersächsischen Spargelstraße und Partner der deutsch-niederländischen Oranier-Route.

Am Hang des Weinbergs mit einer Höhe von knapp , der sich rund 40 Meter über das Elbtal erhebt, wurden unterhalb der Weinbergsburg über Jahrhunderte Rebstöcke angebaut. Erstmals erwähnt wurde der Weinbau im Jahr 1521 unter Ernst dem Bekenner. Nachdem im Jahr 1713 Hagel die Weinstöcke vernichtet hatte, wird erst seit 1980 wieder Wein angebaut und als Hidesacker Weinbergströpfchen gekeltert. Einmal im Jahr wird die Weinlese mit der amtierenden Weinkönigin gefeiert.

Verkehr mini|Personenfähre Hitzacker – Bitter (Amt Neuhaus) Hitzacker hat über die Wendlandbahn eine Verbindung nach Dannenberg und Lüneburg. Ein weiterer Haltepunkt befindet sich im Ortsteil Leitstade. Busverbindungen bestehen in Richtung Lüneburg, Uelzen und Dannenberg sowie zur Kreisstadt Lüchow. In Hitzacker gibt es eine Personenfähre über die Elbe nach Bitter.Fährzeiten

Bildung In Hitzacker gibt es drei Schulen: Grundschule Hitzacker Bernhard-Varenius-Schule Freie Schule Hitzacker

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt August Varenius (1620–1684), Theologe, Professor Bernhard Varenius (1622–1650/1651), Mediziner, Geograph Rudolf August von Braunschweig und Lüneburg (1627–1704), Herzog Sibylle Ursula von Braunschweig-Wolfenbüttel (1629–1671), Prinzessin aus dem Haus der Welfen, durch Heirat Herzogin von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg Anton Ulrich von Braunschweig und Lüneburg-Wolfenbüttel (1633–1714), Herzog, Schriftsteller und Kunstfreund Simon Leonhard von Haerlem (1701–1775), Oberdeichinspektor, Sohn des Oberdeichinspektors Blasius von Haerlem, der seit 1700 die Deichaufsicht innehatteWendland-Lexikon, Band 1, Lüchow 2000, S. 289. August Otto Johann Georg von Harlem (1778–1857), preußischer Geheimer Oberregierungsrat im Kultusministerium