mini|300px|Logo des Kreises Pinneberg

Der Kreis Pinneberg um die gleichnamige Stadt ist der flächenkleinste und zugleich bevölkerungsreichste Kreis des Landes Schleswig-Holstein und gehört zur Metropolregion Hamburg. Die Kreisverwaltung hat ihren Amtssitz in Elmshorn, offizielle Kreisstadt ist die Stadt Pinneberg. Der Kreis entstand durch die „Verordnung, betreffend die Organisation der Kreis- und Distriktbehörden, sowie die Kreisvertretung in der Provinz Schleswig-Holstein“ vom 22. September 1867PrGS 1867, 1587 und ging aus der Herrschaft Pinneberg hervor.

Der Kreis gilt als eines der größten geschlossenen Baumschulgebiete der Welt. In der Liste der 100 am dichtesten besiedelten Gemeinden Deutschlands ist der Kreis Pinneberg gleich vier Mal vertreten: mit Elmshorn an 25. Stelle, Pinneberg an 47. Stelle, Schenefeld an 52. Stelle und Uetersen an 85. Stelle. Diese vier Städte liegen etwa auf einer Linie auf dem Weg von Elmshorn über Schenefeld nach Hamburg. Direkt an der Stadtgrenze zu Hamburg befinden sich viele bevölkerungsreiche Gemeinden. Im Norden und zur Elbe hin ist der Kreis aber nach wie vor größtenteils ländlich geprägt, vor allem Amt Hörnerkirchen, Amt Rantzau, Amt Elmshorn-Land und Amt Geest und Marsch Südholstein.

Geographie Der Kreis Pinneberg liegt im Süden des Landes und grenzt im Westen und Norden an den Kreis Steinburg, im Osten an den Kreis Segeberg, im Südosten an die Freie und Hansestadt Hamburg und im Südwesten – getrennt durch die Elbe – an den niedersächsischen Landkreis Stade. Zum Kreis Pinneberg gehören auch die Elbinsel Bishorster Sand, der größte Teil von Pagensand sowie seit 1932 auch die Nordseeinsel Helgoland.

Geologie Das Kreisgebiet liegt teilweise in der Elbmarsch. Sie entstand durch Sandablagerungen innerhalb einer Bucht, die nach der Eiszeit bis an den Geestrand heranreichte, an dem sich später aufgrund des wieder angestiegenen Meeresspiegels Niedermoore bildeten.

Der höchste Punkt im Kreis Pinneberg mit 61,3 m ist der Rand eines Sprengkraters auf Helgoland, der von einem Sportlerstammtisch 1998 „Pinneberg“ getauft wurde.

Eine geologische Besonderheit, die unter Naturschutz steht, ist die Liether Kalkgrube in Klein Nordende. Dort wurden Erdschichten aus dem Perm durch einen Salzstock an die Oberfläche gedrückt, so dass heute sowohl der Kalkhut auf dem Salzstock als auch ein kleinerer Braunkohleflöz an der Oberfläche liegt. Die Liether Kalkgrube ist auch ein bedeutender Fundplatz für Fossilien und steinzeitliche Werkzeuge.

Das Landschaftsschutzgebiet Holmer Sandberge zwischen Holm, Wedel und Appen besteht aus Dünen am Urstromtal der Elbe, die inzwischen bewaldet sind.

Haseldorfer Marsch mini|links|Zeugnis vieler Sturmfluten in der Haseldorfer Marsch mini|Eschenallee im untergegangenen Ort Bishorst Von Wedel bis zur Pinnau, einem Fluss, der in die Elbe mündet, erstreckt sich die an der Elbe gelegene Haseldorfer Marsch, die durch ihren fruchtbaren Boden die Grundlage für Landwirtschaft und Obstbau bildet. Die Seestermüher Marsch ist ebenfalls ein Teil dieser Kultur- und Naturlandschaft, die durch die Eiszeiten und den Elbstrom geprägt wurde. Bis zur Eindeichung, die bereits im 11. Jahrhundert begann, veränderte sich die Landschaft aufgrund von Sturmfluten und Stromverlagerungen der Elbe stark. Aber auch später gingen noch ganze Ortschaften verloren – wie zum Beispiel Bishorst, das Mitte des 18. Jahrhunderts nach einer Sturmflut aufgegeben werden musste. Und im Januar 1976 kam es bei einer Sturmflut zu einem Deichbruch bei Hetlingen, in dessen Folge die gesamte Haseldorfer Marsch überschwemmt wurde.

Heute sind vor allem die Süßwasserwatten außerhalb des eingedeichten Gebiets von besonderer Bedeutung für den Natur- und Vogelschutz. Dort befindet sich auch die Haseldorfer Graureiherkolonie, ein Artenschutzgebiet in Haseldorf. Sie ist die größte und eine der bedeutendsten Brutkolonien des Graureihers in Schleswig-Holstein.

Seestermüher Marsch Die Seestermüher Marsch erstreckt sich zwischen Krückau und Pinnau. Sie ist beinahe vollständig Landschaftsschutz- und Wasserschutzgebiet. In den Eschschallen im Seestermüher Vorland sind eine ganze Reihe seltener und bedrohter Tierarten beheimatet. mini|Schachbrettblume

Moor- und Waldgebiete Besonders im östlichen Kreisgebiet lagen ausgedehnte Moorgebiete, von denen bei Bokel und Langeln noch einige erhalten sind. Im Süden befinden sich die unter Naturschutz gestellten Moore Buttermoor/Butterbargsmoor, Holmmoor und das Tävsmoor/Haselauer Moor. Das Himmelmoor bei Quickborn ist eines der vier Moore im Bundesland, in denen noch Torf abgebaut wird. Zusammenhängende Waldgebiete sind noch der Rantzauer Forst und die Heeder Tannen.

Flora und Fauna In Hetlingen blüht die aufgrund ihrer hohen Anforderungen an die Wasserqualität seltene Schachbrettblume, die deswegen zu einem Wahrzeichen der Gemeinde wurde.

Geschichte Die Kreisverwaltung hat ihren Sitz in Elmshorn und nicht in der Kreisstadt Pinneberg. Nach jahrelanger kontroverser politischer Diskussion über eine Sanierung der bisherigen Kreisverwaltung oder einen Neubau an einer anderen Stelle in Pinneberg entschied sich der Kreistag 2009 mit knapper Mehrheit für einen Umzug nach Elmshorn in das leerstehende Talkline-Bürogebäude. Pinneberg behält jedoch den Titel Kreisstadt.

mini|Die Grafschaft Pinneberg um 1650

Vorgeschichte Das Gebiet war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt, wovon unter anderem Grabhügel bei Appen, Hemdingen und in der Nähe der Heeder Tannen im westlichen Kreisgebiet zeugen. Auch der Ochsenweg, eine prähistorische Fernhandelsstraße nach Dänemark, führte von Wedel über Uetersen nach Elmshorn durch das Kreisgebiet.

Das Gebiet des Kreises Pinneberg ist Teil des Gebietes des historischen Gaues Stormarn der Grafschaft Holstein, die 1111 Graf Adolf I. aus dem Hause Schauenburg verliehen wurde. Aufgrund verschiedener Erbteilungen entstand die Pinneberger Linie des Hauses Schauenburg. Nach dem Aussterben der anderen Linien und der Belehnung von Christian I. von Dänemark mit den anderen Teilen Holsteins entstand hier die Grafschaft Holstein-Schauenburg, die bis 1640 bestand und erst dann an den dänischen König Christian IV. fiel. Nach der zwischenzeitlichen Teilung in die Grafschaft Rantzau und die Herrschaft Pinneberg entstand aus diesen beiden Gebieten sowie den Güterbezirken Haseldorf, Haselau, Flottbek, Seestermühe und dem Klosterbezirk Uetersen 1867 der Kreis Pinneberg.

NS-Zeit Nach dem Ersten Weltkrieg wuchs die Einwohnerzahl im Kreis Pinneberg durch die Eingemeindung von Thesdorf und Zuzug aus Hamburg und Bezirk Altona stark an um etwa 2.000 neue Einwohner. Dies lag u. a. daran, dass die großstädtischen Opfer der Weltwirtschaftskrise (1929–1931) billigen Wohnraum in den Umlandgemeinden suchten. Anfang der 1930er Jahre konnte man dabei signifikante Unterschiede zwischen dem „Bürgertum“ und der „Arbeiterklasse“ feststellen. Jede der beiden Gruppen hatte eigene Wohnviertel, Vereine, Feste, Lokale, kulturelle und politische Orientierungen.Johannes Seifert: Pinneberg zur Zeit des Nationalsozialismus. VHS-Geschichtswerkstatt, Pinneberg (print-edition, vergriffen): 2000; online, Dezember 2014, 379 S.; abgerufen: 9. April 2024.

Die Gesellschaft war zunehmend gespalten. Besonders die Handwerkerbünde, der Schleswig-Holsteiner Bund und die Pinneberger Justiz radikalisierten sich unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise nach rechts. Das linke Milieu war spätestens ab 1930 tief gespalten zwischen der SPD, die 1932 noch stärkste Partei der Linken im Kreis war, mit 898 Frauen und 2.417 Männern, und der KPD. Der Arbeitsamtsbezirk Pinneberg (Stadt Pinneberg und die Landgemeinden Appen, Prisdorf, Kummerfeld, Borstel-Hohenraden, Tangstedt, Egenbüttel, Ellerbek, Rellingen und Halstenbek) zählte zum 31. Dezember 1931 2.415 Arbeitslose, im Januar 1929 waren es 1.123 gewesen.Seifert, 2014, S. 41

Am 5. Januar 1927 gründete die NSDAP ihre erste Ortsgruppe in Pinneberg. Die Schwerpunkte der NSDAP lag im Oktober 1929 besonders in den agrarisch geprägten Landgemeinden des Kreises. Der Aufschwung des organisierten Nationalsozialismus in Pinneberg begann erst nach dem Wahlsieg vom September 1930, nicht zuletzt wegen der Agitation in der Fläche des Kreises, zumal die Zeitungen von den Veranstaltungen der NSDAP auf den Dörfern ausführlich berichteten. 1931 etablierte sich die NSDAP mit Saalschlachten und der Gründung der SA im Februar, die mit einem Zug von 680 Mann unter Mitführung von Fahnen und Musik durch die Straßen Pinnebergs zog. Der Pastor der Christuskirche, Ernst Dammann, eine angesehene Persönlichkeit des Pinneberger Bürgertums, unterstützte die Partei aktiv, z. B. durch Ansprachen in den NSDAP-Ortsgruppen Rellingen und Halstenbek zum „Trauertag der Bewegung“.Seifert, 2014, S. 48–64

Im Jahre 1932 entstand, angefacht durch die Wahlkämpfe zu mehreren Wahlen, ein Klima einer aggressiven Radikalisierung. Politische Gewalt und Terroranschläge bestimmten zunehmend das Klima im Kreis Pinneberg. Im Wahlkampf zum preußischen Landtag sprach Hitler am 23. April 1932 in Lokstedt vor 120.000 Teilnehmern. Zur Wahlveranstaltung hatte die Pinneberger Ortsgruppe einen Pendelverkehr nach Lokstedt eingerichtet. Bei der Wahl erreichte die NSDAP in Schleswig-Holstein ihre besten Ergebnisse. In Pinneberg wurde sie mit Abstand stärkste Partei bei einer Wahlbeteiligung von 88 %. Bei der Reichstagswahl November 1932 blieb die NSDAP stärkste Partei in Pinneberg, ihr Stimmenanteil ging aber von 46 % auf 41,5 % zurück. Bei der Reichstagswahl März 1933 stimmten 50,3 % der Pinneberger für die NSDAP. Kurz danach setzten die neuen Machthaber mit der Aufstellung einer Hilfspolizei aus SA- und SS-Leuten ein deutliches Signal. Ihr Leiter, Oberleutnant Schwieger, kündigte die Verfolgung aller politischen Gegner an. Nur zwei Tage nach der Kommunalwahl 1933 setzten am 14.3. massive Unterdrückungsmaßnahmen der neuen Machthaber ein, inklusive wilder Racheakte von SA und SS an besonders verhassten politischen Gegnern und einem „Prangermarsch“, zwecks öffentlicher Demütigung, durch Pinneberg am 26. Juni 1933.Seifert, 2014, S. 74–114

1933 hatte die SA mit der Standarte 265 eine eigene Organisation für den Kreis Pinneberg und einen Teil des Kreises Stormarn erhalten. Sie wuchs von 3.500 (August 1933) auf 5.000 (Februar 1934) Mitglieder an. Vormilitärische Übungen bildeten einen Schwerpunkt der Tätigkeit der SA. So fand am 13. Oktober 1935 ein großes Manöver der Standarte R 31 rund um Pinneberg statt. Mitte der dreißiger Jahre waren die schlimmsten Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in Pinneberg überwunden. In manchen Betrieben ging es, bedingt durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Bauprogramme und Aufrüstung, wieder aufwärts. Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) wurde zur größten nationalsozialistischen Massenorganisation, die ab November 1933 alle Arbeiter- und Angestelltenverbände als „Relikte des Klassenkampfes“ auflöste und durch die Reichsbetriebsgemeinschaften innerhalb der DAF ersetzt, so auch im Kreis Pinneberg. Die DAF-Kreisleitung Pinneberg wurde 1937 von Pinneberg nach Elmshorn verlegt. Mit der Propagierung des zweiten Vierjahresplanes änderten sich nun deutlich die politischen Schwerpunkte. An die Stelle von Arbeitsbeschaffung und Betriebsgemeinschaft traten jetzt als Ziele eine einsatzfähige Armee und eine kriegsfähige Wirtschaft. Eine besondere Propagandawirkung ging von einer Unterabteilung der DAF, der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ aus. Die Kreisstadt Pinneberg war zugleich ab 1935 Sitz der NSDAP-Kreisleitung. Die Kreisleitung bestand aus einigen hauptamtlichen Mitarbeitern, allen voran Kreisleiter Ferdinand Schramm und Kreisgeschäftsführer Max Fehre.Seifert, 2014, S. 173–211