Der Kreis Plön ist ein Kreis im Land Schleswig-Holstein. Der in der Holsteinischen Schweiz gelegene Kreis grenzt an die Ostsee und ist landschaftlich durch das Ostholsteinische Hügelland mit vielen Seen, unter anderem dem Großen Plöner See, dem zehntgrößten See Deutschlands, geprägt. Politisch gesehen besteht der Kreis aus fünf dichter besiedelten Gemeinden an der Grenze zu Kiel bzw. an der Kieler Förde und einer Vielzahl von Gemeinden mit weniger als 1000 Einwohnern, die sich um die Zentralorte Schönberg (Holstein), Lütjenburg, Preetz, Selent, Plön und Wankendorf herum gruppieren. Bevölkerungsmäßig ist der Kreis Plön der kleinste Kreis in Schleswig-Holstein.

Geografie Der Kreis Plön grenzt im Westen an die kreisfreien Städte Neumünster und Kiel sowie an den Kreis Rendsburg-Eckernförde, im Norden hat er eine Küste entlang der Ostsee, im Osten grenzt er an den Kreis Ostholstein und im Süden an den Kreis Segeberg.

Geschichte Im Jahre 1867 trat eine preußische Verwaltungsreform in der Provinz Schleswig-Holstein in Kraft, und aus den Städten Lütjenburg und Plön, einem Teil des Amtes Plön und einer Vielzahl von adligen Gütern wurde der Kreis Plön gegründet.„Verordnung, betreffend die Organisation der Kreis- und Distriktbehörden sowie die Kreisvertretung in der Provinz Schleswig-Holstein“ vom 22. September 1867, PrGS 1867, S. 1587 u. 1600 Die Gemeinde Gaarden schied am 1. April 1901 aus dem Kreis aus und wurde Teil der kreisfreien Stadt Kiel, ebenso die Gemeinde Ellerbek am 1. April 1910.

NS-Zeit Mit der Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen vom 1. August 1932 wurden 31 Gemeinden des aufgelösten Kreises Bordesholm in den Kreis Plön eingegliedert.Territoriale Veränderungen in Deutschland: Kreis Plön Der Kreis Plön gab am 1. April 1938 die Gemeinde Brachenfeld und Teile der Gemeinde Tungendorf an die kreisfreie Stadt Neumünster und am 1. April 1939 die Gemeinde Elmschenhagen an die kreisfreie Stadt Kiel ab.

Bereits im Jahr 1930 gab es im Kreis Plön 9 NSDAP-Ortsgruppen mit etwa 300 Mitgliedern. Ein Jahr später war die Zahl der NS-Ortsgruppen im Kreis Plön auf 33 gestiegen. Auch der Aufbau der SA wurde vom Eutiner Rechtsanwalt und SA-Gruppenführer Heinrich Böhmcker vorangetrieben.Lawrence D. Stokes: Kleinstadt und Nationalsozialismus: Ausgewählte Dokumente zur Geschichte von Eutin 1918–1945 (= Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins, Band 82). Wachholtz, Neumünster 1988, S. 94, 252; ISBN 3-529-02182-2. Beim Wahlkampf zur Reichstagswahl 1930 am 14. September spielte die SA mit größeren Aufmärschen zu Fuß und mit Propagandafahrten mit Lastwagen, zu denen etwa 200 SA-Männer zusammengezogen waren, sowie mit 13 NSDAP-Versammlungen im Kreis Plön eine wichtige Rolle.Lawrence D. Stokes (1988), S. 112. Hans Friedrich Blunck, einer der 88 deutschen Schriftsteller, die im Oktober 1933 das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterzeichnetenErnst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 59., galt auch als Spiritus rector und Mitglied des 1936 gegründeten Eutiner Dichterkreises, einer NSDAP-nahen Autorengruppe, deren Mitglieder mehrheitlich plattdeutsch geschriebene Werke publizierten. Nach seinem Rücktritt als Präsident der Reichsschrifttumskammer ließ er sich auf einem Hof bei Plön nieder, der zum geistigen und kulturellen Mittelpunkt für Schriftsteller aus Ostholstein und aus ganz Norddeutschland ausgebaut werden sollte.Lawrence D. Stokes: Der Eutiner Dichterkreis und der Nationalsozialismus, 1936–1945. Wachholtz Verlag, Neumünster 2001, S. 71.

Nur zwölf Tage nach den Reichstagswahlen am 5. März 1933 attackierte der damalige NSDAP-Kreisleiter Karl Schalow in einem offenen Brief den seit 1916 amtierenden Landrat des Kreises Plön, Max Kiepert. Dessen Amtsenthebung erfolgte im April 1933 auf Basis des neu erlassenen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“. Nur wenige Tage später wurde der amtierende Landrat des Kreises Schleswig, Gerhard Werther, mit der Verwaltung des Plöner Landratsamtes beauftragt. Ab Mai 1933 fungierte er bis zu seinem Tod 1939 als offizieller Landrat und diente sich bereitwillig als Erfüllungsgehilfe des NS-Terrors an. Ihm folgte mit Klaus Meyer ein langjähriger Parteigenosse (Eintritt in die NSDAP: 15.8.1932) und Angehöriger der Schutzstaffel (Eintritt in die SS: 1.6.1933) nach, der ab September 1939 den Posten des Landrates bekleidete, aber schon im Juni des Folgejahres freiwillig in den aktiven Wehrdienst wechselte. Bis Kriegsende wurde Meyer kommissarisch vertreten.Oliver Auge (Hrsg.):150 Jahre Kreise in Schleswig-Holstein, Festgabe zum Jubiläum am 22. September 2017, Schleswig-Holsteinischer Landkreistag; aufgerufen am 28. März 2024.

Nachkriegszeit Die Zeit nach 1945 war für den Kreis Plön sehr schwierig. Die Volkszählung im Oktober 1946 belegte mit 123.818 Einwohnern nahezu eine Verdopplung gegenüber der Vorkriegszeit (1939: 67.434). Diese starke Zunahme hatte zwei Ursachen: Zum einen wurden bereits während des Krieges viele Bürger aus Kiel aufgenommen, zum anderen wurden viele Vertriebene aus Hinterpommern, Ostpreußen, Danzig-Westpreußen, Schlesien und dem Sudetenland aufgenommen. Noch 1950 waren mehr als 9000 Personen in 77 Lagern untergebracht. Viele Vertriebene wurden auf den großen Gütern einquartiert, wo sie unter schwierigsten Bedingungen wohnten. So waren beispielsweise alleine in den Dachkammern des Herrenhauses von Bothkamp zeitweise rund 350 Flüchtlinge untergebracht.

Am 15. September 1946 wurden die ersten Gemeindevertretungen und am 13. Oktober 1946 wurde der erste Kreistag (CDU: 26 Sitze, SPD: 18 Sitze, KPD: 1 Sitz) gewählt. Die wichtigste Aufgabe in dieser Zeit war die Eingliederung der Vertriebenen. An dem 30.000-Hektar-Abkommen waren die Eigentümer der Güter aus dem Kreis Plön mit knapp 12.000 Hektar beteiligt. In der Folge konnten knapp 1000 neue landwirtschaftliche Betriebe mit einer durchschnittlichen Größe von 15 bis 20 Hektaren gegründet werden.

Durch die schleswig-holsteinische Kreisgebietsreform vom 26. April 1970 verlor der Kreis Plön fast zehn Prozent seiner Fläche. Mit Bissee, Böhnhusen, Brügge, Flintbek, Groß Buchwald, Negenharrie, Reesdorf, Schönhorst und Techelsdorf kamen neun Gemeinden zum neuen Kreis Rendsburg-Eckernförde. Die vier Gemeinden Meimersdorf, Moorsee, Rönne und Wellsee wurden ein Teil der kreisfreien Stadt Kiel.

Einwohnerentwicklung Jeweiliges Kreisgebiet Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den jeweiligen Gebietsstand. Jahr Einwohner Quelle 1867 35.946 GenWiki: Kreis Plön 1900 66.596 1910 49.278 1925 50.944 1933 70.727 Jahr Einwohner Quelle 1939 67.145 1946 123.777 Volkszählung 1946 1950 124.276 1960 108.100 1970 106.800 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 Jahr Einwohner Quelle 1980 116.100 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1990 120.800 2000 132.895 Statistikamt Nord 2010 134.291

mini|360px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Plön (Datenquelle: Zensus 2011)

Heutiger Gebietsstand Die Einwohnerzahlen bis 1970 beziehen sich auf den Gebietsstand am 27. Mai 1970.

Jahr Einwohner 1871 (1. Dez.) 53.285 1885 (1. Dez.) 50.786 1895 (2. Dez.) 51.409 1905 (1. Dez.) 52.514 1925 (16. Juni) 55.668 1939 (17. Mai) 61.660 1950 (13. Sep.) 111.130 Jahr Einwohner 1961 (6. Juni) 98.530 1970 (27. Mai) 106.763 1987 (25. Mai) 115.892 2002 (30. Juni) 133.858 2007 (31. Dez.) 135.422 2012 (31. Dez.) 126.721

Konfessionsstatistik Gemäß der Volkszählung 2011 waren 56,3 % der Einwohner evangelisch, 5,1 % römisch-katholisch und 38,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Ergebnisse Zensus 2011 Bevölkerung kompakt Personen Religion, abgerufen am 23. Juni 2024 Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist in den folgenden elf Jahren um knapp 13 % gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren (Stand Mai 2022) 44,5 % der Einwohner evangelisch, 4,5 % katholisch und 51,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 20. Juli 2024

Politik Kreistag

Nach der Kommunalwahl vom 26. Mai 2013 hatte der Kreistag nur noch die für Kreise unter 200.000 Einwohnern in Schleswig-Holstein vorgesehenen 45 Sitze Kommunalwahlrecht in Schleswig-Holstein, abgerufen am 7. September 2017. und keine Überhangmandate mehr. Die CDU gewann die Direktmandate in 16 der nur noch 24 Wahlkreise, die SPD gewann 6 Wahlkreise, die Grünen einen (Wahlkreis Laboe). Die CDU errang insgesamt 17 Sitze im Kreistag, die SPD 13 und die Grünen 7. Jeweils 2 Sitze entfielen auf die FDP, die Freie Wählergemeinschaft Kreis Plön und die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG), je einen Sitz erhielten die Freie Wählergemeinschaft (FGW) und die Linke. Die CDU blieb klar stärkste Fraktion, der eigentliche Gewinner der Wahl aber waren die Grünen (+ 6,3 %, + 2 Sitze). Die Linke (- 4,2 %, - 2 Sitze) büßte zwei Drittel ihrer 2008 errungenen Stimmen und Mandate ein. Kreis Plön: Wahlergebnisse Kreiswahl 2013, abgerufen am 7. September 2017

Durch die Kommunalwahl vom 25. Mai 2008 ergab sich folgende Sitzverteilung für den Kreistag: Die CDU stellte 22 Abgeordnete, die SPD 16. Die Grünen erhielten fünf Sitze. Vier Sitze gingen an die Freie Wählergemeinschaft (FWG) und weitere zwei Sitze an die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG). Die FDP hatte drei Sitze. Das Linksbündnis errang zwei Sitze und einen Sitz hatte ein fraktionsloses Mitglied der Partei DIE LINKE inne. Damit hatte der Kreistag 55 Abgeordnete, davon 10 Überhangmandate. Die CDU verlor fünf der 27 Direktmandate an die SPD und damit auch die absolute Mehrheit im Kreistag. Kreis Plön: Wahlergebnisse Kreiswahl 2008, abgerufen am 7. September 2017

Im September 2011 schied eine Abgeordnete des Linksbündnisses aus dem Kreistag aus, ein zweiter Abgeordneter schloss sich der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen an. Für die ausgeschiedene Abgeordnete rückte ein Mitglied der Linken nach, wodurch diese Partei wieder den Fraktionsstatus erlangte.

Der Plöner Kreistag hatte während der Wahlperiode 2003–2008 durch Überhangmandate 53 ehrenamtliche Abgeordnete. Während dieser Zeit setzte sich der Kreistag aus 27 direkt gewählten Abgeordneten der CDU, 18 Abgeordneten der SPD, 4 der Grünen, 2 der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) und zwei der Freien Wählergemeinschaft (FWG) zusammen. Die CDU errang in allen 27 Wahlkreisen das Direktmandat und hatte die absolute Mehrheit der Abgeordneten im Kreistag.

Ergebnisse der Kreistagswahlen seit 2003 Kreis Plön: Wahlergebnisse Kreiswahl 2008, abgerufen am 7. September 2017.

Partei / Liste Mandate 2003 Prozent 2008 Mandate 2008 Prozent 2013 Mandate 2013 Prozent 2018 Mandate 2018 CDU 27 37,2 % 22 36,9 % 17 35,5 % 20 SPD 18 28,6 % 16 29,8 % 13 23,1 % 13 GRÜNE 4 8,9 % 5 15,2 % 7 19,8 % 11 AfD – – – – – 5,7 % 3 FDP 0 6,6 % 3 4,2 % 2 5,3 % 3 KreisWählerGemeinschaft Plön (KWG) – – – – – 4,0 % 2 DIE LINKE. – 6,3 % 3 2,1 % 1 3,5 % 2 Unabhängige Wählergemeinschaft Kreis Plön (UWG Kreis Plön) 2 5,0 % 2 4,2 % 2 3,3 % 2 Freie Wählergemeinschaft Kreis Plön (FWG KP) – – – 4,5 % 2 – – Freie Wählergemeinschaft Preetz/Kreis Plön (FWG Preetz/Kreis Plön) 2 7,3 % 4 2,6 % 1 – – PIRATEN – – – 0,6 % – – – Gesamt 53 100 % 55 100 % 45 100 % 56 Wahlbeteiligung k. A. 57,9 % 53,7 % 54,8 %

Landräte 1868–1874: Moritz Friederici 1874–1875: Wilhelm Woldeck von Arneburg 1875–1889: Hugo von Brackel 1889–1897: Christian zu Rantzau 1897–1904: Karl von Behr 1904–1914: Hermann von Rumohr 1914–1933: Max Kiepert 1933–1939: Gerhard Werther 1939: Regierungsassessor Hicke (Stellvertreter) 1939–1945: Klaus Meyer 1940–1943: Waldemar von Mohl (Kriegsvertreter) 1943–1945: Alfons Galette (Kriegsvertreter) 1945–1946: Fritz Köhler 1946: Georg Uebel 1946–1950: Otto Wulff 1950–1956: Hans Dassau 1956–1961: Karl Eberhard Laux 1961–1979: Alfons Galette