mini|Stammesgebiet der Comanchen, die sog. Comancheria mini|Frau der Comanchen mit Baby, Edward Curtis, 1927 mini|Häuptling Quanah Parker mini|Porträt des Penateka-Comanchen Asa Havi bzw. Milky Way, 1872 Die Comanchen (bevorzugte Schreibweise in ethnologischer Fachliteratur) oder Komantschen (eingedeutschte und vom Duden verwendete Schreibweise, vorwiegend in älterer belletristischer Literatur und gemeinsprachlich verwendet), auch Comanche (englische Vorgabe) sind ein indigenes Volk der Indianer Nordamerikas. Ihre Vorfahren lebten zusammen mit den sprachlich und kulturell verwandten Östlichen Shoshone einst am Oberlauf des Platte River im Osten Wyomings, bevor sie Anfang/Mitte des 17. Jahrhunderts über das Große Becken nach Süden und Südosten auf die Central Great Plains vordrangen. Ab 1750 waren die Comanchen die dominante militärische sowie politische Macht der Südlichen Plains und hatten ein Handelsnetzwerk in den Grenzregionen im Südwesten der Vereinigten Staaten etabliert. Als nomadische Plainsindianer gehörten sie zum Kulturareal der Prärien und Plains, hatten jedoch manche Traditionen der Stämme des Großen Beckens beibehalten. (abgerufen am 21. Juli 2014)
Sprache Ihre Sprache – die Komantschensprache, auch Comanche genannt (Nʉmʉ Tekwapʉ̠, Aussprache: Nɨmɨ tekʷap ‚Sprache des Volkes‘) – ist eine indigene Sprache Nordamerikas und zählt zusammen mit dem Dialektkontinuum des Shoshoni (Shoshone) und dem Timbisha zu den Zentralen Numic-Sprachen, dem nördlichsten Zweig der uto-aztekischen Sprachfamilie. Ihre Sprache und der Dialekt der Östlichen Shoshoni stehen sich so nahe, dass manche Linguisten das Comanche als weiteren Dialekt des Shoshoni betrachten; jedoch sind beide auf Grund einer Lautverschiebung im Comanche nicht gegenseitig verständlich. Es wird vermutet, dass es mehrere regionale leicht voneinander abweichende Dialekte (oder Subdialekte) gab, die von den jeweiligen Stämmen gesprochen wurden; heute jedoch wird meistens die Variante der Kwaarʉ Nʉʉ (Kwahadi, Quohada) gesprochen.
Einst bildete das Comanche neben dem Spanischen (Yuhu Taibo Tekwapʉ) die Verkehrs- und Handelssprache der Stämme auf den Südlichen Plains und im Südwesten. Heute sprechen die meisten der über 15.000 Comanchen amerikanisches Englisch (Taibo Tekwapʉ) und nur noch etwa 30 ihre eigene Sprache (Stand 2013).https://omniglot.com/writing/comanche.htm
Namen Der Name Comanchen ist eine spanische Abwandlung von Kɨmantsi oder Kohmáhts – „Fremde, Feinde, wörtlich: Jene, die immer mich bekämpfen möchten“, der Bezeichnung der Ute für ursprünglich alle feindlichen Stämme (Arapaho, Cheyenne, Kiowa u. a.). Da die ersten Comanchen in Begleitung der damals mit ihnen verbündeten Ute in New Mexico auftauchten, übernahmen die Spanier diese Bezeichnung zuerst als Komántcia und wandelten es später in Comanchen ab. Als jedoch ab 1726 die Ute-Comanche-Allianz zerbrach und die beiden Völker zu erbitterten Feinden wurden, begannen die Ute allein die Comanchen mit diesem Namen zu bezeichnen. In der Gebärdensprache auf den Plains – der sog. Plains Indian Sign Language – waren die Comanchen als Schlangen bekannt, die Comanchen hingegen bezeichneten die Ute und Shoshone als Schlangen.
Die Comanchen waren auf Grund ihres kriegerischen Charakters unter benachbarten Stämmen oftmals einfach als „Feinde“ oder „Schlangen“ (Hinweis auf ihre Shoshone-Abstammung mit der Bedeutung Feind) bekannt. Die Navajo (Diné) nannten sie Naałání („Viele Feinde“, Sammelbegriff für alle Plains-Stämme, jedoch später speziell für die Comanchen), die Arapaho Coo3o' (engl. Aussprache: Cootho' – „Feinde“),Arapaho Dictionary die Kiowa bezeichneten sie als Gyaiko („Feinde“), die Kiowa-Apachen (Plains Apache) und Lipan-Apachen als Idahi („Feinde“), die Mescalero-Apachen und Jicarilla-Apachen als Indá („Feinde“), die Comecrudo als Selakampom (Bezeichnung für alle kriegerischen Stämme, speziell jedoch für Comanchen), die jeweils Caddo-sprachigen Wichita als Nataa, die Waco (Hueco) als Naratah und die Kichai (Kitsai) als Nanita, was alles in etwa „Schlangen, d. h. Feinde“ bedeutet. Die Cheyenne nannten sie Šé'šenovotsétaneo'o („Schlangen-Volk“), die später verbündeten Kiowa Bodalk Inago („Schlangen-Volk“) oder Sanko („Schlangen“), daher im Französischen als Gens du Serpent („Schlangen-Volk“) und (zusammen mit den Shoshone) im Englischen anfangs ebenfalls als Snakes („Schlangen“) bezeichnet.
Wie viele indigene Völker bezeichneten sie sich selbst je nach Dialekt einfach als Nʉmʉnʉʉ, Numunuu, Numinu, Nemene, Nermernuh, Nïmini, Nimma oder Nömöne, was meist als „das Volk“ wiedergegeben wird, wörtlich jedoch „Jene, die umherziehen, sich immer bewegen [um ihren Lebensunterhalt als Sammler und Jäger zu bestreiten]“ (Singular: Nʉmʉ bzw. Nïmi)[Datei:https://bmslr.org/books/Uto-Aztecan%20A%20Comparative%20Vocabulary.pdf Uto-Aztecan: A Comparative Vocabulary] bedeutetDer Hauptgrund für die Wanderung aller Numic-sprachiger Völker war das Jagen und Sammeln, die traditionelle Existenzgrundlage, so kam es auch zur Bedeutung "traditionelle Lebensweise". Die oftmals verdoppelte bzw. wiederholte Form - hier von Nʉmʉ / Nïmi zu Nʉmʉnʉʉ / Nïmini bedeutete wörtlich „[das Wild] verfolgen, hetzen“ bzw. gibt die immer wiederkehrende Tätigkeit des Gehens wieder..
Geschichte während spanischer und mexikanischer Herrschaft Verdrängung der Apachen von den Plains Nach der Übernahme des Pferdes ab etwa 1650 verdrängten die Comanchen zusammen mit den ihnen verwandten Ute sowie mit den Wichita, Caddo, Tonkawa und Hasinai (Stämmen, die unter den Raubzügen der Apachen stark gelitten hatten) die bis dahin dominierenden Apachen aus den Plains. Gegen 1740 hatten die Comanchen die Apachen fast vollständig von den Südlichen Plains verdrängt, und das Gebiet zwischen dem Oberlauf des Arkansas in Oklahoma, dem östlichen Teil des Llano Estacado und bis zum Edwards Plateau in Süd-Texas wurde als Comancheria bekannt. Vom Erstarken der Comanchen waren besonders die Jicarilla, Mescalero und Lipan betroffen, da jede Bisonjagd auch einen möglichen Konflikt mit den Comanchen bedeutete.
Zudem erhöhte sich die Population der Comanchen in diesen Jahren stark. Dies hatte verschiedene Gründe, wie den unbeschränkten Zugang zu den reichsten Bisonjagdgründen, die Adoption einer beträchtlichen Anzahl gefangener Frauen und Kinder rivalisierender Stämme, den Zustrom von Shoshone und einiger Arapaho sowie den ertragreichen Handel mit den östlichen Pueblo, von denen sie Wassermelonen, Kürbisse, Mais, Bohnen, Wolle sowie später Weizen und metallene Utensilien erhielten. Im späten 18. Jahrhundert bis ca. 1830 zählten die Comanchen ca. 30.000 bis 40.000 Menschen und waren somit das größte Volk auf den Südlichen Plains und im angrenzenden Südwesten.
Pferde als Schlüsselelement der Hegemonie Der Besitz von Pferden war das zentrale Element in der Entstehung der Comanchen als eigenständiges Volk und Kultur (es gibt die Vermutung, dass es nicht die Suche nach reicheren Bisonjagdgründen, sondern die Pferde der Siedler von Neu-Spanien waren, die die Comanchen veranlassten, sich von den Shoshone zu lösen).
Mitte des 19. Jahrhunderts versorgten sie französische und amerikanische Händler sowie Siedler und Migranten (auf dem Weg zum kalifornischen Goldrausch) sowie andere indianische Stämme mit Pferden. Viele dieser verkauften Pferde waren gestohlen, da die Comanchen berühmte Pferde- und später Viehdiebe waren. Ihre Opfer waren Spanier, Mexikaner, Amerikaner sowie andere Plains-Stämme. mini|Comancheria um 1850 Zudem hatten die Comanchen Zugang zu großen Mustang-Herden, die ungefähr zwei Millionen Tiere in der Comancheria und den angrenzenden Gebieten zählten. Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert benötigte ihr nomadischer und kriegerischer Lebensstil mindestens ein Pferd pro Person. Bei einer Bevölkerung von mindestens 30.000 besaßen die Comanchen Herden, die diesen Bedarf mehrfach übertrafen. Daher hatten die Comanchen für den Handel immer einen Pferdeüberschuss von ca. 90.000 bis 120.000 Tieren.
Laut übereinstimmenden Augenzeugenberichten von Spaniern, Mexikanern, Amerikanern sowie gefangenen Weißen wirkten die Comanchen, im Gegensatz zu den leichtfüßigen und als besonders ausdauernde Läufer berühmten Apachen, zu Fuß plump und schwerfällig. Saßen sie jedoch erst einmal im Sattel, änderte sich dieser Eindruck sofort – dann boten sie einen eleganten und souveränen Anblick. Die Comanchen wurden bald als die Lords of the Plains bezeichnet und galten allgemein als hervorragende Reiter.
Bündnis der Spanier mit den Comanchen gegen die Apachen Das erste spanische Dokument, das von Comanchen berichtet, stammt aus dem Jahr 1706 von dem Unteroffizier Juan de Ulibarrí. Dieser erfuhr von Taos und Apachen von einem kurz bevorstehenden Angriff der Comanchen, den er aber selbst nicht mehr erlebte. Im Jahrzehnt danach ist von ersten Kontakten zwischen Comanchen und Spaniern im Gebiet des heutigen New Mexico auszugehen.Thomas W. Kavanagh: The Comanches, A History 1706–1875. 1996, S. 63.
Gegen 1786 wurden die westlichen Comanchen-Stämme vernichtend geschlagen und zeigten sich danach bereit, in ein Bündnis mit den Spaniern gegen die Apachen einzutreten. Dieses Bündnis erforderte, dass die Comanchen erst Frieden mit den Diné, Pueblo, Jicarilla-Apachen sowie mit ihren ehemaligen Verbündeten, den Ute, schlossen. Im Gegenzug wurden ihnen die spanischen Märkte in New Mexico und im nördlichen Mexiko geöffnet, wo sie ihre Handelsgüter wie Bisonfleisch und Felle gegen Waffen, Munition, Mais, Bohnen, Getreide, Kleidung und andere Güter eintauschen konnten. Zudem konnten sie nun auch leichter mit den Pueblo Handel treiben, besonders mit Taos, das bis dahin enge Kontakte mit den Jicarilla gepflegt hatte und sich nach dem Friedensschluss zu einem der wichtigsten Handelsstützpunkte entwickelte.
Einzelne Comanchen-Häuptlinge bekamen Passierscheine, die sie als Freunde der Spanier auswiesen und sie berechtigten, sich frei in den spanischen Ländereien zu bewegen. Zum Vertragsinhalt, der gemeinsame militärische Aktionen gegen die Apachen vorsah, gehörte auch, dass die Comanchen für jeden getöteten Apachen eine Prämie erhielten, für einen getöteten Krieger (ab 14 Jahre) ca. 100 Pesos, für eine Frau 50 Pesos und für ein Kind 25 Pesos (damals entsprach ein Peso in etwa einem Dollar, nach dem Amerikanisch-Mexikanischen Krieg wurden die Prämien für Apachen-Skalps zum Ausgleich der Inflation deutlich erhöht).
Als sich die militärisch und personell schwächeren östlichen Comanchen-Stämme zuerst weigerten, mit den Spaniern in Texas Frieden zu schließen, wurden sie von mehreren westlichen Comanchen teilweise mit Gewalt dazu gedrängt. Die östlichen Comanchen gingen größtenteils dazu über, Apachensklavenjagden zu veranstalten, da im französisch besetzten Louisiana eine Nachfrage nach Apachen als Sklaven bestand. Zudem verlangten die Spanier von den Comanchen, dass diese von sich aus Unternehmungen gegen die Apachen durchführten.
Da den Apachen im Gegenzug der Zugang zu Waffen und Handelsgütern durch die Spanier streng verwehrt blieb, mussten sie sich immer weiter vor den zahlreicheren und besser bewaffneten Comanchen und deren Verbündeten (den Norteños – Wichita, Caddo, Hasinai sowie Tonkawa) von den Südlichen Plains in die Berge zurückziehen und ihre Raubzüge gegen die Spanier und Mexikaner sowie sesshafte, Ackerbau treibende Indianer verstärken, um an dringend benötigte Lebensmittel, Handelsgüter, Pferde sowie Sklaven zu gelangen. Die hierbei erbeuteten Güter reichten die Mescalero- und die südlichen und nördlichen Lipan-Gruppen an die östlichen Gruppen der Lipan weiter, die diese im Austausch gegen Waffen und Munition bei den Biloxi eintauschten, so dass bald auch die Apachen entsprechend bewaffnet waren und ihren indianischen sowie weißen Feinden besser Gegenwehr leisten konnten.