mini|hochkant=1.6|Ehemaliges Stammesgebiet der Cherokee und erste Reservation (1838), Trails of Tears und Gefechte mit indianischer Beteiligung im Südosten der USA zwischen 1811 und 1847

Die im Englischen Cherokee ([]; , Eigenbezeichnung Tsalagi (), ursprünglich auch Aniyunwiya () und Anikituhwagi ()) genannten Stämme sind heute das größte noch existierende indigene Volk Nordamerikas. Ihr Siedlungsgebiet umfasste ursprünglich das Gebiet vom Ohio River bis hinein in die heutigen US-Bundesstaaten Georgia und Alabama. Mit den Chickasaw, Choctaw, Muskogee und Seminolen wurden sie 1820 zu den fünf zivilisierten Nationen gezählt.

Namensherkunft Im Jahr 1708 trafen die Engländer zuerst auf Sprecher des Elati-Dialekts (R-Dialekt) der Cherokee-Sprache (), die sich als Tsa-ra-gi bezeichneten, daher nannten die englischen Siedler diese Cherokee. Die Spanier trafen von Süden kommend jedoch zuerst auf Sprecher des Otali-Dialekts (L-Dialekt), die sich als Tsa-la-gi bezeichneten. Daher die spanische Bezeichnung, die erstmals 1755 erwähnt wird als Tchalaquei oder Chalaque. Da der Elati-Dialekt nicht mehr gesprochen wird, nennen sich heutige Cherokee: Tsi-tsa-la-gi – „Ich bin ein Cherokee“, wörtlich „Ich bin ein Tsa-la-gi“ oder einfach als Tsalagi ().

Der korrekte Name, mit dem sich die Cherokee bezeichnen, ist jedoch Aniyvwiyaʔi (, , abgeleitet von , oder „erste“ und dem Präfix Ani, Singular: yun-wi-yah) oder Anikituhwagi (, einer einst zu den Middle Towns gehörenden Stadt, die unter den Cherokee als älteste Stadt sowie ihre Mutterstadt gilt).

Geschichte 1300–1800 mini|Drei Cherokee in traditioneller Tracht, 1762 Wegen der Sprachverwandtschaft wird vermutet, dass die Cherokee von den Irokesen abstammen. Sie bildeten wohl bereits um Anfang 1300 ein eigenes Volk. Zur Zeit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492 waren die Cherokee das mächtigste Volk im östlichen Teil Nordamerikas. Sie bewohnten im südlichen Teil der Appalachen ein Gebiet von ungefähr 60.000 Quadratkilometern.

Den ersten Kontakt mit Europäern hatten sie um 1540, als der spanische Eroberer Hernando de Soto von Florida aus nach Norden in ihr Gebiet kam. Da die Spanier nur an Gold und Silber interessiert waren, beantworteten sie die Gastfreundschaft der Cherokee mit Mord, Gewalt und Sklaverei. 1654 kam es zu den ersten Kontakten mit Engländern. Nach einigen Auseinandersetzungen schlossen die Cherokee 1684 ein erstes Handelsabkommen mit den weißen Siedlern. Sie handelten mit Fellen und Sklaven (Gefangene von anderen indigenen Stämmen) und bekamen im Gegenzug Waffen, Werkzeuge und Tiere für die Farmwirtschaft. mini|links|Cherokee Delegation 1730 in London 1721 wurde ein weiterer Handelsvertrag mit der Kolonie South Carolina geschlossen, der die Handelsbeziehungen festigte und die Grenze zwischen der Kolonie und den Cherokee klar definierte. Die Cherokee begannen auch Handelsbeziehungen mit den in Alabama ansässigen Franzosen aufzubauen, von denen sie mehr respektiert wurden. Um eine Allianz mit den Franzosen zu verhindern, kam Sir Alexander Cuming (1691–1775) als Unterhändler von der britischen Krone mit dem Auftrag, die Cherokee stärker an England zu binden. 1730 reisten sieben Vertreter des Stammes in Begleitung von Cuming auf dem englischen Kriegsschiff HMS Fox1702 als Fregatte HMS Nightingale gebaut, 1707 in HMS Fox umbenannt, bestückt mit 24 Kanonen, ab 1727 unter dem Kommando von Captain Thomas Arnold (1679–1737) aus Lowestoft, 1737 abgewrackt.Thomas Salmon: Modern History or the Present State of All Nations, Bd. XXVII. George Grierson, Dublin 1739, S. 93 (Google-Books). nach England, um mit König Georg II. ein Freundschafts- und Handelsabkommen zu schließen. Der „indische Prinz“ Soltan-gjin Achmet von Magate hatte sich der Delegation in Carolina angeschlossen. Ein weiterer Vertrag, der 1743 in Charleston geschlossen wurde, sicherte England den alleinigen Handel mit den Cherokee und stellte gleichzeitig sicher, dass jeder Weiße nichtbritischer Herkunft von dem Territorium der Cherokee vertrieben wurde. Im Gegenzug lieferte England Waffen und Munition.

Im French and Indian War von 1754 bis 1763 kämpften die Cherokee an britischer Seite, die den Krieg schließlich für sich entschied und die Franzosen vertrieb. Nach dem Pontiac-Aufstand von 1763 verursachte die königliche Proklamation, nach der britische Siedler östlich der Appalachen bleiben mussten und das Gebiet westlich davon den Indigenen vorbehalten blieb, Unmut unter den Siedlern. Die Siedler ignorierten die Proklamation und drangen nach Westen in das Gebiet der Cherokee vor.

mini|300px|Politische Karte von 1775

Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783 standen die Cherokee erneut an der Seite der Briten. Nachdem der Unabhängigkeitskrieg für die Briten verloren war, versuchten die Cherokee 1793, Unterstützung von Spanien zu bekommen. Präsident George Washington (1732–1799) versicherte den Cherokee, dass sie Ausbildung und Unterstützung bekommen und als Vorbild für die Integration anderer indigener Völker dienen sollten. Die Cherokee nahmen das Angebot an und übernahmen damit auch die politischen und ökonomischen Strukturen der Weißen. Diese Vereinbarung bewahrte sie aber nicht davor, von den weißen Eindringlingen vertrieben zu werden.

1800–1999 In der Georgia-Vereinbarung von 1802 sagte Präsident Thomas Jefferson (1743–1826) Georgia zu, die Cherokee als Ausgleich für Landabtretungen an Alabama und Mississippi zu deportieren.

1820 wurde in den Stammesgebieten in Georgia und Alabama die Cherokee Nation gegründet und ein Regierungssystem nach dem Vorbild der USA eingesetzt. Die Westlichen Cherokee, auch als Keetoowah Cherokee bekannt, stimmten in einem 1828 geschlossenen Vertrag der Umsiedlung zu und bekamen Land im Nordosten Oklahomas zugewiesen. Die Cherokee Nation und die Östlichen Cherokee lehnten eine Zwangsumsiedlung ab und widersetzten sich. 1829 wurde im Gebiet der Cherokee Gold gefunden. Der spätere siebte Vizepräsident der Vereinigten Staaten, John C. Calhoun aus South Carolina erwarb die Calhoun Mine und gründete zur Ausbeutung der Region eine Bergbaugesellschaft, deren Leitung er seinem späteren Schwiegersohn Thomas Green Clemson übertrug. Am 28. Mai 1830 unterzeichnete Präsident Andrew Jackson (1767–1845) den Indian Removal Act, der die Vertreibung der Cherokee aus ihren Stammesgebieten und die Umsiedlung nach Oklahoma beinhaltete. Einer Klage der Cherokee vor dem U.S. Supreme Court wurde 1832 stattgegeben und das Gesetz für nichtig erklärt. Präsident Jackson ignorierte das Urteil jedoch und ordnete die Vertreibung von 18.000 Cherokee an. 1835 gelang es Jackson, einige Stammesmitglieder zu bewegen, ihrer Vertreibung zuzustimmen, die er ihnen mit einer Zahlung von 5,7 Mio. US-$ und Landversprechungen im Indianerterritorium, dem späteren Oklahoma, schmackhaft gemacht hatte. Jackson erzwang den Vertrag, obwohl dieser sich gegen den Willen von 90 % der Cherokee richtete. Zirka 1.000 Stammesmitglieder konnten entkommen, der Rest wurde von der US-Armee vertrieben. Auf dem Pfad der Tränen von 1838 bis 1839 starben mehr als 4.000 Cherokee.

Jene Cherokee, die der Zwangsumsiedlung entkamen, bezeichnen sich heute als Eastern Band of Cherokee Indians; die beiden Gruppen, die in Oklahoma sesshaft wurden, nennen sich Cherokee Nation und United Keetoowah Band of Cherokee Indians.

1859 wurde die Keetoowah Society gegründet, um Traditionen zu pflegen und gegen die Sklaverei zu kämpfen. Im amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 kämpften die Keetoowah Cherokee auf der Seite der Nordstaaten. Die beiden anderen Stämme der Cherokee schlugen sich auf die Seite der Konföderation. Für sie waren Sklavenhandel und Sklavenhaltung Teil ihrer Stammeskultur.

1887 wurde der General Allotment Act verabschiedet, der festlegte, dass Land, das zuvor den gesamten Stämmen gehört hatte, privaten Personen zugeordnet werden musste. Von 1889 an wurde nicht an Privatpersonen verteiltes Land indigener Gruppen an weiße Siedler vergeben.

1898 verbot der Curtis Act Stammesgerichte abzuhalten. Dem folgten 1907 die Abschaffung und das Verbot einer eigenen Stammesregierung. 1934 wurde durch den Indian Reorganization Act Land an die Stämme zurückgegeben und wieder eine gewisse Selbstverwaltung erlaubt. 1961 erhielten die Cherokee 15 Millionen US-Dollar Entschädigung von der U.S. Claims Commission für geraubtes Land. Ein 96 Meilen langes Segment des Arkansas River wurde den Cherokee vom U.S. Supreme Court 1970 zugesprochen.

1984 hielten die Eastern Band of Cherokee Indians und die Cherokee Nation nach 146 Jahren ihre erste gemeinsame Stammesratssitzung ab. Dem folgte 1988 zusammen mit der Cherokee Nation und den United Keetoowah Band of Cherokee Indians eine erste gemeinsame Gedenkveranstaltung zum Trail of Tears von 1838/1839. Nach Unterzeichnung der Selbstverwaltungsvereinbarung 1990 fand dann 1991 die erste Stammeswahl für die Selbstverwaltung statt.

Reduzierung der Bevölkerung Von den spanischen Eroberern angefangen bis hin zum amerikanischen Bürgerkrieg wurde die Stammesbevölkerung durch kriegerische Auseinandersetzungen und durch Mord und Vertreibung erheblich reduziert. Die Europäer schleppten zahlreiche Krankheiten ein, gegen welche die indigene Bevölkerung nicht resistent war. In zwei großen Pockenepidemien 1738 und 1753 starb mehr als die Hälfte der Cherokee. Wie groß der Stamm der Cherokee bei der Ankunft der Spanier war, ist nicht bekannt. Wenn man britischen Schätzungen von 1674 Glauben schenkt, hatte der Stamm der Cherokee 1674 zirka 50.000 Mitglieder. Nach den Pockenepidemien wurden zirka 20.000–25.000 Menschen geschätzt, rund ein Viertel davon verloren ihr Leben im Bürgerkrieg und wiederum rund ein Viertel starben auf dem Pfad der Tränen nach Oklahoma.

Sprache und Schrift mini|120px|Beispiele für die Cherokee-Schrift

Die Sprache der Cherokee (ᏣᎳᎩ ᎦᏬᏂᎯᏍᏗ, Tsalagi Gawonihisdi) ist grammatisch eine polysynthetische Sprache und gehört zur irokesischen Sprachfamilie.

Die Cherokee-Sprache hatte drei Dialekte: Elati-Dialekt (Lower Cherokee, Eastern Cherokee, R-Dialekt) Kituhwa-Dialekt (Middle Cherokee, L-Dialekt) Otali-Dialekt (Upper Cherokee, Western Cherokee, Overhill Cherokee, L-Dialekt)

Der Elati-Dialekt (Lower Cherokee, Eastern Cherokee, R-Dialekt) ist ausgestorben. Er wurde in Cherokee-Städten im heutigen South Carolina gesprochen, die als erste Kontakte mit den Engländern knüpften. Wegen der Kriege im 18. und 19. Jahrhundert starb der Elati-Dialekt gegen 1900 aus. Wegen seiner Isolation wurde der Kituhwa-Dialekt (Middle Cherokee, L-Dialekt) weniger von benachbarten indigenen Kulturen und Sprachen beeinflusst. Der Otali-Dialekt (Upper Cherokee, Western Cherokee, Overhill Cherokee, L-Dialekt) ist der weichste und musikalischste der Cherokee-Sprache.

Von 1809 bis 1819 entwickelte Sequoyah (1770–1843), Sohn einer Cherokee und eines europäischen Händlers, eine Silbenschrift, das Cherokee-Alphabet. Verbreitung fand diese Schrift auch über die erste Zeitung der Cherokee, den ab 1828 veröffentlichten Cherokee Phoenix. Die Schrift wird noch heute verwendet und gelehrt, auch wenn nur rund zehn Prozent der Cherokee die Cherokee-Sprache muttersprachlich beherrschen. Die Schrift wurde 1999 in Unicode 3.0.0 aufgenommen und ist seitdem auch in der Datenverarbeitung international normiert nutzbar.

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