Ein nationales Symbol ist ein bestimmendes Element nationaler Identifikation, Sprache und Kultur. Oft sind nationale Symbole mit der als groß empfundenen Geschichte einer Nation bzw. eines Volkes verbunden. In einem gesetzgebenden Akt werden manche dieser Staatssymbole zu Hoheitszeichen erhoben. Handelt es sich um eine allegorische Figur, spricht man von einer Nationalallegorie.
Entstehung und Verwendung Nationale Symbole dienen der Veranschaulichung der Ideen, die einen Staat und insbesondere Gemeinwesen tragen. Sie ermöglichen ein „persönliches Bekenntnis des Bürgers zu seinem Volk“Hans Hattenhauer: Nationalsymbole, in: Werner Weidenfeld, Karl-Rudolf Korte (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Einheit. 1949–1989–1999. Bonn 1999, ISBN 3-89331-370-2, hier S. 579. und machen den Staat „sinnlich wahrnehmbar“.Peter Reichel: Schwarz-Rot-Gold. Kleine Geschichte deutscher Nationalsymbole. Bonn, München 2005, ISBN 3-89331-613-2, hier S. 7. Nationale Symbole entstehen seltener zielgerichtet von oben, häufiger jedoch spontan. Im Gegenteil misslingt der zielgerichtete bewusste Versuch, nationale Symbole zu schaffen, häufig. Viele nationale Symbole waren zunächst ein Protestsymbol gegen die herrschende Ordnung, die nach dem Erfolg des Protestes zum „Siegeszeichen der erneuerten politischen Kultur“ wurden. Beispiele hierfür sind die blau-weiß-rote Tricolore als Zeichen gegen die absolute Macht des französischen Königs, die nach der erfolgreichen Französischen Revolution zur neuen Staatsflagge Frankreichs wurde, oder das Deutschlandlied als Ausdruck der Hoffnung auf einen einheitlichen Nationalstaat, Deutschland, welches später als deutsche Nationalhymne ausgewählt wurde. Gerade angesichts dieser oft spontanen Entstehungsgeschichte gilt für die Frage der konkreten Definition: „Einen fest umrissenen Begriff des Nationalsymbols gibt es nicht.“
Die genauere Bedeutung eines jeweiligen nationalen Symbols ist ebenfalls dem Wandel unterlegen:Charlotte Tacke: Denkmal im sozialen Raum: nationale Symbole in Deutschland und Frankreich im 19. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1995, ISBN 3-525-35771-0, hier S. 18.
Daher haben weder nationale Symbole selbst noch die jeweilige Bedeutung eines nationalen Symbols Ewigkeitswert. So hat beispielsweise das vormalige Deutsche Reich nicht nur Flaggen und Hymnen mehrfach gewechselt, sondern auch nationale Feier- und Gedenktage „in der Konfrontation der politischen Lager gegeneinander ausgespielt und im Wechsel der politischen Systeme verbraucht.“Reichel 2005, S. 8.
Der Bedeutungssinn eines nationalen Symbols kann deshalb nur durch die jeweiligen Handlungen einer Gemeinschaft, die diese in Bezug auf das Symbol unternimmt, verstanden werden.Charlotte Tacke 1995, S. 18. Das nationale Symbol repräsentiert damit eine Nation sowohl als vorgestellte Gemeinschaft wie auch „als sozial differenzierte Gesellschaft“.Charlotte Tacke 1995, S. 23.
Zu den nationalen Symbolen im engeren Sinn werden die Flagge beziehungsweise die Farben, das Wappen und die Nationalhymne gerechnet. Hinzu kommen auch noch nationale Feiertage, Denkmäler und staatliche Ehrungen sowie Staatsbauten.Reichel 2005, S. 99 ff. Zu nationalen Symbolen können aber auch Nationalhelden und Gründerväter, Nationalepen, Nationaldichter, Nationalallegorien, Tiere, Pflanzen oder Speisen (Nationalgerichte) werden.
Nationale Symbole für Deutschland mini|Flagge mit den Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold mini|hochkant|Heutiges Bundeswappen(entworfen bereits 1926 von Karl-Tobias Schwab, ab 1928 als Reichswappen im Gebrauch)mini|Menschenmengen auf der Berliner Mauer Ende 1989. Spätestens seit der Wiedervereinigung 1990 ist das Brandenburger Tor das bedeutendste Symbol Deutschlands. mini|Deutsches Nationaltheater Weimar
StaatssymboleStaatssymbole in Deutschland. Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Abgerufen am 15. November 2019. der Bundesadler als nationales Wappentier die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold die Fahne der Einheit die deutsche Nationalhymne (dritte Strophe des Liedes der Deutschen) mit dem mottogleichen Beginn „Einigkeit und Recht und Freiheit“ Bauwerke das Brandenburger Tor mit der Quadriga als Denkmal der überwundenen Teilung DeutschlandsElmar Elling: Nationale Symbole (29. Dezember 2005) auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 20. März 2018. das Nationaltheater Weimar mit dem Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar als Wiege deutscher Demokratie und Kultur die Frankfurter Paulskirche und das Hambacher Schloss als Wiege deutscher Demokratie der Kölner Dom als größte Kathedrale die Wartburg als Nationaldenkmal deutscher Geschichte Schloss Neuschwanstein, Schweriner Schloss, Rothenburg, die Walhalla, Heidelberg, Sächsische Schweiz und das Rheintal als Symbole der deutschen Romantik (siehe auch Romantische Straße) Altstädte mit Fachwerkhäusern als landestypisch empfundene Bauform (siehe auch Deutsche Fachwerkstraße) das Reichstagsgebäude als Sitz des Deutschen Bundestages sowie der Reichstage des Kaiserreichs und der Weimarer Republik die Siegessäule als Denkmal der Einigungskriege Germaniadenkmäler, Bismarckdenkmäler und Kaiserdenkmäler (siehe auch Nationaldenkmäler in Deutschland)
Figuren und Personen die Germania als Nationalallegorie Arminius (bzw. Hermann der Cherusker), früher Nationalheld als „erster Deutscher“ und Sieger der Varusschlacht, sowie weitere mythisch aufgeladene Figuren wie Kaiser Barbarossa Johann Wolfgang Goethe als deutscher Nationaldichter u. a. des Faust Brüder Grimm mit ihrer Märchensammlung und dem Deutschen Wörterbuch Immanuel Kant als weltweit wirksamer Philosoph Martin Luther als Urheber der kirchlichen Reformation Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven als Nationalkomponisten die romantischen Künstler Caspar David Friedrich und Richard Wagner der deutsche Michel (als Karikatur) Till Eulenspiegel als aufbegehrender Schalk und einer der weltweit ersten literarischen BestsellerGünter Helmes: Herrschaft und Rebellion gegen Gott und die Welt. Der Spielfilm-Essay „Till Eulenspiegel“ (1975). In: Michael Grisko (Hrsg.): Die Zeit, die Welt und das Ich. Zum filmischen Werk von Rainer Simon. Potsdam 2016, ISBN 978-3-86505-408-1, S. 66–90. Loriot als NationalkomikerDer Spiegel über Otto Waalkes u. a., Zitat: „Durch Loriots Tod ist nun die Stelle des Nationalkomikers frei geworden, auf dessen Humor sich alle einigen können.“ (15. Juli 2013, abgerufen am 6. Mai 2015).
Sonstiges die Eiche und Eichenlaub als Symbol z. B. auf deutschen Münzen und Signets das Schwarze Kreuz als militärisches Hoheitszeichen die Kornblume wurde im 19. Jahrhundert für ihre preußischblaue Farbgebung zur Nationalblume erhoben (siehe Kornblume #Deutschland) das Nibelungenlied als Nationalepos mit Siegfried dem Drachentöter als Helden Made in Germany, weltweit als Produktgütesiegel wahrgenommen vor allem im Ausland als typisch deutsch wahrgenommene Speisen und Getränke wie deutsches Bier, Glühwein, Kräuterliköre, Bratwurst, Schwarzwälder Kirschtorte, Sauerkraut, Eisbein, Sauerbraten, Currywurst, Frankfurter Würstchen und SpätzleJames Minahan: The Complete Guide to National Symbols and Emblems. Band 1. Greenwood Press, Santa Barbara 2010, ISBN 978-0-313-34496-1, S. 407 (englisch). (vgl. Deutsche Küche) Deutsche Weihnacht mit traditionellem Brauchtum, Weihnachtsmärkten und vielen Spezialitäten wie Lebkuchen, Spekulatius, Stollen (Gebäck), Zimtstern, sowie Zierelemente wie der Schwibbogen, Weihnachtspyramide, Adventskalender, Nussknacker und Weihnachtsbaum Karneval, Fastnacht und Fasching Schützenfest und deutsche Volksfeste, besonders das Oktoberfest Gartenzwerg und Kuckucksuhr als traditionsreiche Zierelemente die Waldzither und die Deutsche Laute avancierten im frühen 20. Jahrhundert zu nationalen Musikinstrumenten Walzer und (vor allem bayrische) Polka als Nationaltänze
Nationale Symbole für Österreich mini|Die österreichische Flagge in den Farben Rot-Weiß-Rot mini|Das Alpen-Edelweiß gilt als nationales Symbol und findet sich beispielsweise auf der österreichischen 2-Cent-Münze.Peter Diem: , ISBN 3-218-00594-9, 20. Januar 2015.
Hoheitssymbole und Historisches die Farben Rot und Weiß der österreichischen Flagge (Rot-Weiß-Rot) (kann z. B. auftreten als festlicher Blumenschmuck, in der Kleidung oder im Neorokoko-Mobiliar von Schönbrunn und der Hofburg) die Austria als Nationalallegorie (entspricht der lateinischen Bezeichnung für Österreich) die Österreichische Bundeshymne, „Land der Berge, Land am Strome […]“ das Wappen der Republik Österreich und der BindenschildSymbole der Republik Österreich, auf http://peter-diem.at, 20. Januar 2015. die Ostarrîchi-Urkunde der Österreichische Staatsvertrag und die damit verbundene österreichische Neutralität die Österreichische Kaiserkrone als Symbol der Monarchie bis 1918 A.E.I.O.U., ein habsburgischer Wahlspruch k. u. k bzw. k. k., eine teilweise bis heute gebräuchliche Bezeichnung für ehemalige staatliche Auszeichnungen und Institutionen (Bsp.: k.u.k. Hoflieferant) Die Wallfahrtskirche und Basilika in Mariazell in der Steiermark als Nationalheiligtum
Kultur, Musik und bedeutende Bauwerke der Stephansdom, größte Kathedrale Österreichs im 1. Wiener Gemeindebezirk das Parlamentsgebäude in Wien als nationales Symbol der österreichischen Demokratie das Schloss Schönbrunn, Sommerresidenz der österreichischen Monarchen bis 1918 im 13. Wiener Gemeindebezirk und damit verbunden der Tiergarten Schönbrunn als ältester noch bestehender Zoo der Welt das Schloss Belvedere, Schloss Prinz Eugens von Savoyen im 3. Wiener Gemeindebezirk Wolfgang Amadeus Mozart und damit verbunden die Mozartkugeln „An der schönen blauen Donau“, der Donauwalzer als Inbegriff des Walzers von Johann Strauss (Sohn) die Wiener Staatsoper mit dem alljährlichen Wiener Opernball zur Faschingszeit der Wiener Musikverein im 1. Wiener Gemeindebezirk die Wiener Philharmoniker, welche im Wiener Musikverein sowie in der Wiener Staatsoper auftreten das alljährliche Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, welches jedes Jahr weltweit von mehr als 50 Millionen Fernsehzusehern verfolgt wird.
Sonstiges der Heurige als traditionell saisonal beschränkter Weinausschank, zurückgehend auf die Lizenz Josephs II. aus dem Jahr 1784 Edelweiß und Enzian als Nationalblumen die österreichischen Alpen mit dem Großglockner als höchstem Berg Österreichs der Skisport als sinnstiftendes NationalsymbolSki-WM: „Dann geht eine Welt unter“, auf zeit.de das Wiener Schnitzel
Nationale Symbole der Schweiz
die Fahne und Wappen der Schweiz die Legendenfigur Wilhelm Tell als Nationalheld die Rütliwiese der Bundesbrief von 1291 als Gründungsurkunde der Schweiz die Helvetia als Nationalallegorie das Matterhorn als „Nationalberg“ der Genfersee mit dem Jet d’eau und dem Schloss Chillon die Landsgemeinde als Symbol direkter Demokratie in der Schweiz das Bundeshaus als Parlamentssitz die Luzerner Kapellbrücke St. Moritz als weltbekannter Wintersportort das Alphorn das Schweizer Offiziersmesser die KuhValance 2013, S. 6 ff. Schweizer Käse, Schweizer Schokolade, Rösti und Käsefondue als Traditionserzeugnisse
Nationale Symbole weiterer Länder Europa Belgien: das Atomium, das Manneken Pis, Jeanneke Pis, Belgisches Bier, Pommes frites, Pralinen Dänemark: der Dannebrog, die Düppeler Mühle, die Kleine Meerjungfrau, Mor Danmark als Nationalallegorie, der Tivoli in Kopenhagen, die Nationalschriftsteller Hans C. Andersen und Holger Danske, die Schlösser Kronborg, Amalienborg und Frederiksborg Frankreich: der Eiffelturm, die Trikolore, Marianne als Nationalallegorie, der gallische Hahn, die Lilie Griechenland: die Akropolis, der Olymp, der Lorbeerkranz, der Olivenbaum Irland: die Harfe, das Kleeblatt, der heilige Patrick