Diese Liste bedeutender Mathematiker stellt eine Auswahl von Mathematikern von der Antike bis zur Gegenwart dar. Die Auswahl der Mathematiker richtet sich dabei nach ihren wissenschaftlichen Leistungen oder ihrem Bekanntheitsgrad, aufgrund deren ihnen in mathematikhistorischen Betrachtungen in Schulen oder Hochschulen Interesse entgegengebracht wird.
Bis weit in die Zeit der Renaissance waren Mathematiker als Gelehrte zumeist mehreren Wissenschaften zugewandt, sie waren oftmals zugleich Philosophen, Ingenieure, Astronomen und Astrologen. Dieser Polyhistorismus (Universalgelehrte) wich im Laufe der Jahrhunderte, so dass zur Zeit des Rationalismus Mathematiker häufig nur noch eine zweite Wissenschaft zusätzlich studierten und betrieben. Meist wurde wegen ihrer thematischen Verwandtschaft die Theologie oder Physik als weiteres Betätigungsfeld gewählt. Seit dem 19. Jahrhundert ging diese Entwicklung weiter, so dass Mathematiker der Gegenwart oft nur noch in wenigen Teilgebieten der Mathematik Forschung betreiben.
Antike
Name (Lebensdaten)Forschungsgebiet 80px Thales von Milet* um 624 v. Chr. in Milet, Kleinasien † um 546 v. Chr. Thales war ein griechischer Naturphilosoph, Staatsmann, Mathematiker, Astronom und Ingenieur. Er soll Überlieferungen zufolge geometrische Sätze aufgrund von Definitionen und Voraussetzungen mit Hilfe von Symmetrieüberlegungen erstmals bewiesen haben. Thales strebte nach einer rationalen Erklärung der Welt. Nach ihm ist der Satz des Thales benannt. 80px Pythagoras von Samos * um 570 v. Chr. † nach 510 v. Chr. Pythagoras war Mathematiker, Philosoph und Gründer des Geheimbundes der Pythagoreer. Der von Euklid nach ihm benannte Satz des Pythagoras war jedoch schon viel früher bekannt. Eudoxos von Knidos* 410 oder 408 v. Chr. † 355 oder 347 v. Chr. Eudoxos war ein griechischer Mathematiker, Astronom, Geograph und Arzt. Er fasste die Begriffe der Zahl, der Länge, der räumlichen und der zeitlichen Ausdehnung unter einem Oberbegriff zusammen und legte die Grundlage für die Lehre von den Größen. Seine Größenlehre enthält schon das archimedische Axiom und irrationale Verhältnisse. Er entwickelte die Exhaustionsmethode und bestimmte das Volumen der Pyramide und des Kegels. 80px Euklid von Alexandria* ca. 365 v. Chr. vermutlich in Alexandria oder Athen † ca. 300 v. Chr. Euklid versuchte die Mathematik und besonders die Geometrie axiomatisch aufzubauen. In seinem 13-bändigen Lehrbuch „Die Elemente“ fasste er das damals bekannte mathematische Wissen zusammen. Nach ihm sind die Euklidische Geometrie und der Euklidische Algorithmus benannt. 80px Archimedes von Syrakusum 287 v. Chr. vermutlich in Syrakus auf Sizilien † 212 v. Chr. ebenda Archimedes war ein griechischer Mathematiker, Physiker und Ingenieur und gilt als bedeutendster Mathematiker der Antike. Er bewies, dass sich der Umfang eines Kreises zu seinem Durchmesser genauso verhält wie die Fläche des Kreises zum Quadrat des Radius, das Verhältnis wird heute mit π (Pi) bezeichnet, und er berechnete die Fläche unter einer Parabel.O’Connor, J.J.; Robertson, E.F. (Februar 1996). "A history of calculus". University of St Andrews Nach ihm benannt ist das archimedische Axiom. 80px Apollonios von Perge* 262 v. Chr. in Perge † 190 v. Chr. in Alexandria In seinem bedeutendsten Werk Konika („Über Kegelschnitte“) widmete sich Apollonios von Perge eingehenden Untersuchungen über die Problematik der Kegelschnitte, Grenzwertbestimmungen und Extremwertproblemen. Nach ihm ist unter anderem der Kreis des Apollonios benannt. 80px Diophant von AlexandrienLebensdaten ungewisszwischen 100 vor Chr. und 350 nach Chr. Diophant von Alexandrien war ein griechischer Mathematiker, über den sehr wenig bekannt ist. Man kennt seine Werke, von denen die mehrbändige Arithmetika das bekannteste ist. Er befasste sich mit der Lösung von algebraischen Gleichungen mit mehreren Unbekannten. Heute nennt man algebraische Gleichungen, für die ganzzahlige Lösungen gesucht werden, diophantische Gleichungen. 80px PapposLebensdaten ungewiss4. Jahrhundert n. Chr. Pappos lebte in Alexandria und gilt als einer der letzten bedeutenden Mathematiker der Antike, der sich besonders mit Geometrie befasste (Satz von Pappos) und eine Mathematische Sammlung hinterließ. Auch die Guldinschen Regeln kannte er schon. Er war auch Astronom.
Mittelalter
In dem Zeitabschnitt, der aus eurozentristischer Sicht als Mittelalter bezeichnet wird, brachten vor allem Gelehrte aus dem arabisch-persischen Raum neue Erkenntnisse hervor und entwickelten die Mathematik der Griechen und Inder weiter. Erst im Spätmittelalter setzten sich allmählich Teile der islamisch geprägten Mathematik auch im christlichen Europa durch. Die bedeutendste mathematische Leistung der islamischen Mathematiker liegt in der Begründung der heutigen Algebra.
Name (Lebensdaten)Forschungsgebiet80pxAryabhata* 476 in Ashmaka † um 550 Aryabhata war ein indischer Universalgelehrter, Mathematiker und Astronom. Es wird vermutet, dass das Konzept der Zahl 0 (Null) auf Aryabhata zurückgeht, wenngleich erst bei Brahmagupta die Null offensichtlich als eigenständige Zahl behandelt wird. Aryabhata bestimmte die Kreiszahl Pi für damalige Verhältnisse sehr genau auf 3,1416 und scheint schon geahnt zu haben, dass es sich um eine irrationale Zahl handelt. Brahmagupta* 598 † 668 Brahmagupta wirkte in Indien auch als Astronom. Er stellte Regeln zur Arithmetik mit den negativen Zahlen auf und nutzte auch die Zahl 0 zur Berechnung. Nach ihm wurde der Satz von Brahmagupta benannt. 80px al-Chwarizmi* um 780† zwischen 835 und 850 Al-Chwarizmi war ein persischer Mathematiker, Astronom und Geograph, der sich – anders als etwa Diophant – nicht mit Zahlentheorie, sondern Algebra als elementarer Untersuchungsform beschäftigte. Al-Chwarizmi führte die Ziffer Null (arab.: sifr) aus dem indischen in das arabische Zahlensystem ein und damit in alle modernen Zahlensysteme. In seinen Büchern gab er systematische Lösungsansätze für lineare und quadratische Gleichungen an. Der Begriff „Algebra“ geht auf die Übersetzung seines Buches Hisab al-dschabr wa-l-muqabala zurück. Thabit ibn Qurra* 826 in Harran; † 18. Februar 901 in Bagdad Thabit ibn Qurra (lat. Thebit) befasste sich mit der Verallgemeinerung des Satzes von Pythagoras, dem Parallelenaxiom, Magischen Quadraten und Zahlentheorie, bekannt ist sein Satz über Befreundete Zahlen. 80px Al-Battani* zwischen 850 und 869 in Harran† 929 in Qasr al-Dschiss bei Samarra Al-Battani gilt als großer Mathematiker und Astronom des islamischen Mittelalters. Er vermittelte der arabischen Welt die Grundlagen der indischen Mathematik und das Konzept der Null. Bedeutend ist aber vor allem Al-Battanis Verdienst um die Trigonometrie, in der er als erster statt der Sehnen den Sinus gebrauchte. Er fand und bewies als erster den Sinussatz, sowie, dass der Tangens das Verhältnis von Sinus zu Kosinus darstellt. 80px Abu'l Wafa* 10. Juni 940 in Buzjan† 15. Juli 998 in Bagdad Abu'l Wafa war ein persischer Mathematiker und Astronom. Er leistete Beiträge zur Trigonometrie. So führte er als erster die Funktionen Sekans und Kosekans ein und gebrauchte ebenfalls als erster die Tangensfunktion. Außerdem schlug er vor, die trigonometrischen Funktionen über den Einheitskreis zu definieren. Darüber hinaus vereinfachte er die antiken Methoden der sphärischen Trigonometrie und bewies den Sinussatz für allgemeine sphärische Dreiecke. 80px Alhazen* um 965 in Basra † 1039/40 in Kairo al-Hasan ibn al-Haitham (lat. Alhazen) war arabischer Mathematiker, Optiker und Astronom, er beschäftigte sich hauptsächlich mit Problemen der Geometrie und fand durch eine frühe Anwendung der Vollständigen Induktion eine Formel für die Summe von vierten Potenzen und konnte damit erstmals das Volumen des Paraboloids berechnen. Weiters konnte er das nach ihm benannte Alhazensche Problem lösen, indem er geometrisch mit Kegelschnitten in einem sphärischen Spiegel den Punkt berechnete, von dem ein Gegenstand von gegebener Entfernung zu einem gegebenen Bild projiziert wird. Omar Chayyām* um 1048 in Nischapur, Provinz Chorasan † 1123 ʿOmar Chayyām war ein persischer Mathematiker und Astronom, der die Lösung kubischer Gleichungen und ihrer Wurzeln durch die geometrische Darstellung fand. Er befasste sich vor allem auch mit der Parallele und den irrationalen Zahlen. Er schuf ebenso ein lange Zeit vorherrschendes Werk der Algebra. 80px Leonardo Fibonacci*um 1180 † nach 1241 Leonardo da Pisa, genannt Fibonacci, gilt als bedeutendster europäischer Mathematiker des Mittelalters. Bekannt sind heute vor allem die nach ihm benannten Fibonacci-Zahlen, welche die Fibonacci-Folge bilden. Durch Studium der Geometrie Euklids legte Fibonacci die „summa“ seiner mathematischen Kenntnisse in seinem Hauptwerk, dem Liber abbaci nieder. Li Ye* 1192 in Tahsing, heute Peking † 1279 in der Provinz Hopeh Li Ye war ein chinesischer Mathematiker in der Song-Dynastie. Er hinterließ zwei Bücher zur Kreisberechnung sowie zu Rechenmethoden, um geometrische Probleme und andere Aufgaben auf algebraische Gleichungen zurückzuführen. Seine Lösungsmethode ähnelt sehr dem erst viel später als Horner-Schema bekannt gewordenen Ansatz. Zhu Shijie* um 1260 † um 1320 Zhu Shijie war einer der bedeutendsten chinesischen Mathematiker. Zhu behandelt ungefähr 260 Probleme aus den Bereichen der Arithmetik und der Algebra. Sein zweites Buch Der kostbare Spiegel der vier Elemente aus dem Jahr 1303 brachte die chinesische Algebra auf höchstes Niveau. Es umfasst eine Erklärung seiner Methode der vier Elemente, die benutzt werden kann um algebraische Gleichungen mit vier Unbekannten darzustellen. Zhu erklärte auch wie man Quadratwurzeln findet und ergänzte das Verständnis von Reihen und Folgen. Am Anfang des Buches findet sich ein Bild, das die heute als Pascalsches Dreieck bezeichnete Darstellung der Binomialkoeffizienten zeigt. al-Kaschi* um 1380 in Kaschan† 22. Juni 1429 in Samarkand Al-Kaschi war ein persischer Arzt, Mathematiker und Astronom. In seinem Werk ar-Risala al-Muhitiya bestimmte er den Umfang des Einheitskreises (also das Doppelte der Kreiszahl π) aus dem 3*228-eck auf 9 Sexagesimalstellen: 6;16,59,28,01,34,51,46,14,50, die er in 16 Dezimalstellen umrechnete. Dies ist einer der ältesten Dokumente des Rechnens mit Dezimalbrüchen. Er setzte sich für den Ersatz der Bruchrechnung im Sexagesimalsystem durch Dezimalbrüche ein. Zur leichteren Vorhersage von Planetenorten baute er eine Art Analogcomputer, das Tabaq-al-Manateq, das ähnlich einem Astrolabium aufgebaut war. In Frankreich wird der Kosinussatz zu seinen Ehren als Théorème d'Al-Kashi bezeichnet. 80px Regiomontanus* 6. Juni 1436 in Königsberg in Unterfranken † 6. Juli 1476 in RomJohannes Müller aus Königsberg, später Regiomontanus genannt, war ein Mathematiker, Astronom und Verleger des Spätmittelalters. Regiomontanus gilt als Begründer der modernen Trigonometrie und früher Reformator des Julianischen Kalenders.
Frühe Neuzeit