mini|Thrakische Gebiete (einschließlich Odrysen – im Südosten) – 5. bis 3. Jahrhundert v. Chr. mini|Thrakische Kunst. Rhyton aus dem Goldschatz von Panagjurischte mini|Thrakischer Reiter Die Thraker waren ein indogermanisches Volk bzw. eine Völkergruppe in der Antike, deren Siedlungsgebiet sich östlich von Makedonien bis an das Westufer des Schwarzen Meeres erstreckte.

Sie wurden schon in der Ilias des Homer erwähnt sowie von Herodot beschrieben. Thrakische Stämme siedelten auf dem Balkan, im eigentlichen Thrakien, im heutigen Bulgarien, Moldau, Rumänien, Serbien, Nordmazedonien, Kosovo, Nordgriechenland, zwischen den nördlichen Karpaten und dem Ägäischen Meer und in Kleinasien, in Mysien, Bithynien und Paphlagonien. Sie seien das größte Volk nach den Indern, schrieb Herodot. Sie besaßen keine eigene Schrift und standen in engem Kontakt zu den Griechen und der griechischen Kultur. Ihre Sprache war das Thrakische. In der Antike wurden sie auch Kikonen genannt, nach dem gleichnamigen thrakischen Stamm.

Antike Quellen Als trinkfeste und raubeinige Haudegen wurden die Thraker von den Griechen beschrieben. Archilochos verwünschte einen Freund: „Schiffbruch soll er erleiden und in Salmydessa sollen ihn die Thraker holen … mit struppigem Schopf“.

„Er trinkt wie ein Thraker“ war ein beliebter abfälliger Spruch. So galt den Griechen auch Dionysos, der Gott des Weines, als thrakisch. Singen und Tanzen sowie Instrumentalmusik und Lyrik galten als Domäne der Thraker. Xenophanes beschrieb die Thraker als blauäugig und (rot-)blond.

Homer In der Ilias (8. oder 7. Jahrhundert v. Chr.) werden die Thraker als Meister der Metallverarbeitung geschildert. Die Thraker seien vernarrt in Waffen und Pferde, berichtet Homer: „Heimat schneller Rösser“, „Mutter der Schafe“, „Lanzenträger“ und „Streitwagenkämpfer“. Sie kämpften auf der Seite Trojas. Wegen ihres reichen Schmuckes sollen sie auf dem Schlachtfeld hell wie die Sonne gestrahlt haben. Agamemnon trank schweren thrakischen Wein und der raue Nordwind Boreas kam von Thrakien her. Im zehnten Gesang der Ilias berichtet Odysseus vom Lager des König Rhesos:

mini|Deckenmalerei in thrakischer Grabkammer Ostruscha (etwa 4. Jahrhundert v. Chr.), Bulgarien Xenophanes von Kolophon Zu körperlichen Merkmalen des Volkes schrieb Xenophanes von Kolophon (ca. 570–470 v. Chr.):

Der tendenzielle Rotstich der Haare wird durch das Bild der Deckenmalerei in der thrakischen Grabkammer Ostruscha verdeutlicht (siehe Abbildung).

Herodot Zu Größe und Charakter des Volkes schrieb Herodot (ca. 490–424 v. Chr.):

Und über die Begräbnissitten der Thraker:

Geographie

Der Siedlungsraum der Thraker war in verschiedene Landschaften gegliedert sowie vom Schwarzen Meer, der Ägäis und dem Marmarameer/Dardanellen umgeben. Im Westen liegt das Rhodopengebirge und im Norden die Strandscha (Yıldız)-Berge. Der Fluss Hebros (Mariza) trennt Westthrakien vom heute türkischen Teil. Östlich siedelten die historischen Thraker auch im Westen Kleinasiens.

Eine Vorstellung über den Siedlungsraum der Thraker gibt auch der Blick auf die heute als thrakisch bezeichneten Gebiete. Die Grenze Thrakiens Kap Emine an der bulgarischen Schwarzmeerküste führt nach Westen weiter entlang der Linie Golubec, Ichtimanska Sredna Gora und Schumnatica bis zum Berg Musala im Rila-Gebirge, von dort nach Osten über die Rhodopen (Videnica) zur bulgarisch-griechischen Grenze bei Kaintschal. In Griechenland verläuft sie entlang des Nestos nach Süden bis zur Ägäis.

Von Thrakern wurden auch die nördlichen Ägäis-Inseln Imbros, Samothrake und Thasos besiedelt.

Geschichte Die Völkergruppe der Thraker entstand vermutlich aus nomadischen Stämmen indogermanischer Herkunft. Manche Autoren nehmen auch einen sehr starken autochthonen Anteil der Bevölkerung an, andere sprechen von Protothrakern. Die frühe Bauernkultur des Kerngebietes von Thrakien reicht bis ins 7. Jahrtausend v. Chr. zurück und wurde daher auch als das eigentliche Alteuropa angesehen. Manche Sprachwissenschaftler sehen hier sogar die Wiege des Indogermanischen, das sich von dort über Kleinasien (Hethiter) und die nördlichen Steppengebiete bis nach Nordindien sowie in nördlicher und westlicher Richtung ausgebreitet haben soll.Kalin Porozanov (Institut für Thrakologie, Sofia): Indoeuropäer in Eurasien. In: Die Thraker. Das goldene Reich des Orpheus. Katalog Bundeskunsthalle Bonn. Zabern, Mainz 2004, ISBN 3-8053-3341-2.

Griechische Frühgeschichte

Einige Forscher gehen davon aus, dass die Thraker auch für die Griechen eine Art Ur- oder Vorbevölkerung darstellen (Protogriechen). Vielleicht sind die Thraker bereits vor den Griechen auch auf das griechische Festland vorgedrungen. Dafür sprechen die starke Dominanz thrakischer Götter und Mythen im griechischen Pantheon, Berichte der Autoren des Altertums sowie Orts-, Flur- und Personennamen in Griechenland. Thrakische Stämme wanderten auch nach Kleinasien ein und besiedelten dort Bithynien, Paphlagonien und Mysien. Überhaupt galt den ältesten Griechen Thrakien als das gesamte Gebiet nördlich der griechischen Stämme bis zu den Skythen. Aus ähnlichen Gründen wurde immer wieder ein Zusammenhang zwischen den Thrakern, den Troern und den Phrygern angenommen. Sprachgeschichtlich konnte das nicht bestätigt werden. So nimmt man heute an, dass die Phryger im 12. Jahrhundert v. Chr. über Thrakien nach Kleinasien eingewandert sind. Zahlreiche Orts- und Stammesnamen sowie die Namen der vorgeschichtlichen Könige Phrygiens sprechen für diese Verbindung, so zum Beispiel Tantalos, Teuphrant, Teleph, Tarhont und Migdon.

Älteste Stämme Den Griechen der Antike galten die Thraker neben den Pelasgern, Lelegern und Karern als die Alten schlechthin. Sie traten in den Geschichten, Legenden, Mythen, den Orts- und Flurnamen sowie den Königs- und Stammesnamen allerorten im gesamten Griechenland zu Tage. So verwundert es nicht, dass manchmal auch nichtthrakische alte Stämme von den Griechen als thrakisch angesehen wurden. Die Zahl der thrakischen Stämme belief sich im Laufe der Zeit auf etwa 90. Manche von ihnen verschwanden, andere verschmolzen miteinander. Größere Bedeutung erlangten die Odrysen, die Bessen, die Thynen, die Geten, die Daker, die Serden, die Moesier und die Asten.

Griechische Kolonisation

Zwischen dem Evros im Osten und dem Strymon im Westen erwähnt Herodot (I bis VII) im östlichen Küstenbereich die Kikonen, im Küstenbereich der Peraia die Sapierer, im Symvolon die Dersaier, im Marmaras-Tal die Pierer, im hohen Gebirgsland des Pangaion die Satren, die Bessen und Odomanten, westlich und nördlich des Pangaion im Flusstal des unteren Strymon und des Angitis die Edoner, weiter nördlich die Paioner und Paiopler sowie im oberen Strymontal die Bryger.

Insbesondere von der Insel Thasos aus wurde das thrakische Gebiet am Fuße der Rhodopen ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. von den Pariern kolonisiert. Sie gründeten auf Anhöhen befestigte Siedlungen und Akropolen, was von möglichen Unruhen und kriegerischen Auseinandersetzungen mit der Urbevölkerung zeugt. Die im Interessenbereich der thasischen Griechen ansässigen thrakischen Stämme waren im Handel, in der Land- und Holzwirtschaft und im Bergbau tätig. Bergwerke und Erzhütten wurden damals möglicherweise bereits seit einigen Jahrhunderten an den verschiedensten Standorten von Thrakern betrieben und die gewonnenen Metalle verarbeitet und gehandelt.

Perserkriege Im Jahre 512 v. Chr. wurde Thrakien von den Persern unter Dareios erobert. 492 zog Mardonios und 480 Xerxes I. durch Thrakien nach Griechenland.

Im 5. Jahrhundert v. Chr., wahrscheinlich infolge der Perserkriege, bildeten sich bereits thrakische Territorialstaaten heraus. Über diesen Prozess schweigen die Quellen. Bekannt wurde das Reich der Odrysen, das sich ab etwa 428 v. Chr. längs des Nordägäischen Meeres vom Fluss Strymon bis zum Pontos Euxeinos (Schwarzes Meer) und zur Mündung des Ister (Donau) erstreckte. Laut Thukydides war Teres I. der erste odrysische König, der überregionale Macht in Thrakien errang. Im Peloponnesischen Krieg kämpften die Odrysen mit Erfolg als Verbündete Athens gegen dessen Feinde. Thrakische Küstenstädte traten dem Attischen Seebund bei. Der Sohn des odrysischen Königs Kotys I., Kersebleptes, hatte Ärger mit rivalisierender Verwandtschaft, ließ Bronzemünzen prägen, nahm jährlich etwa 200 Talente Gold und Silber als Steuern ein (etwa 5.000 kg Edelmetall) und war mit dem makedonischen König Philipp von Makedonien befreundet. Als Kersebleptes offen mit Athen paktierte, nahm Philipp einen seiner Söhne gefangen und schickte sein Heer nach Thrakien.

Makedonische Provinz Philipp II. von Makedonien eroberte 351 v. Chr. den Westteil Thrakiens und machte es zum Bestandteil seines Reiches. 341 v. Chr. folgte auch der Osten als makedonische Provinz. Strategen wurden für die Verwaltung eingesetzt. 335 v. Chr. wurden die Thraker von Alexander dem Großen erneut unterworfen. Lysimachos bildete schließlich eine Satrapie.

Hellenismus und Kelten Um 281 v. Chr. bestand ein hellenistisches Thrakerreich. Um diese Zeit fielen die Kelten auf ihrem Rückzug von Delphi ein und gründeten ein Reich am Tylis, das von 278 bis 212 v. Chr. bestand. Philipp V. musste nach 197 v. Chr. die eroberten Gebiete Thrakiens herausgeben. Antiochos III. versuchte daraufhin, die Küste in seleukidische Gewalt zu bringen.

Die Chersonesos (Lysimacheia, Bisanthe) wurde 189 v. Chr., Ainos, Maroneia 185/184 v. Chr. von Eumenes II. bedrängt, 170 v. Chr. Abdera belagert.

Römische Provinz

46 n. Chr. wurde Thrakien nach langer Gegenwehr eine Provinz des Römischen Reiches und blieb auch Bestandteil des Byzantinischen Reiches.

Wegen ihrer kämpferischen Geschicklichkeit und Furchtlosigkeit waren Thraker als Gladiatoren sehr begehrt und geschätzt (dieser Gladiatorentypus hieß thraex). Auch Spartacus, der berühmte Gladiator und Anführer des nach ihm benannten Sklavenaufstandes, soll Thraker gewesen sein.

Am Ende der römischen Zeit verschwanden die Spuren der Thraker als politische Einheit.

Die Könige Thrakiens Mythische Könige Tomoi Kadmos Peiroos oder Peiros, Lykurgos (König der Edoner, Sohn des Dryas auf der thrakischen Chersonesos) Orpheus (sein Gegenspieler) Sithon Akamas, lateinisch Akamant Polymnestor Rhesos, Rezos, Rez (thrakischer König, auch Gott oder Halbgott, Tempel in den Rhodopen, Sohn des Eioneios und der Muse Kalliope, siehe auch Rhesusaffe) Tegyrios Tereus Eumolpos Ismaros (Immarados), Sohn des Eumolpos und Schwiegersohn des Tegyrios Itys, Sohn des thrakischen Königs Tereus und der athenischen Königstochter Prokne. Er wurde von seiner Mutter aus Rache zerstückelt und seinem Vater zum Mahl vorgesetzt Phineus, blinder König der Thynen von Salmydessos Diomedes (König der Bistonen) Euanthes, König der Kikonen (Odyssee 9) Maron, sein Sohn und Priester des Apollon, nach ihm war die Stadt Maroneia benannt Butes Vater der Hippodameia, König der Lapithen von Larisa Asteroaios thrakisch-illyrischer König von Paionien, Sohn des Flussgottes Axios (Vardar) Achilleus, König von Thessalien, war nach der Ilias vor Troia ständig im Kampf mit den benachbarten Paionen.

Historische Könige Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. Oloros (König der Dolonker), eines auf der Chersones ansässigen Stammes Zweites Viertel des 5. Jahrhunderts v. Chr. Teres I. (König der Odrysen), Begründer des Odrysenreiches, sein Schwiegersohn Ariapeites war König der Skythen. Um 445–435 v. Chr. Sparadokos (Spartakos), Sohn des Teres I. Drittes Viertel des 5. Jahrhunderts v. Chr. Sitalkes, Sohn des Teres I. 440–424 v. Chr. Sitalkes, Sitalk, (König der Odrysen) Sohn Teres I., größte territoriale Ausdehnung, Erweiterung des Reiches bis nach Byzantion und von der Nordägäis bis an die Donau, schloss 431 einen Vertrag mit Athen 424 bis um 410/05 v. Chr. Seuthes I., Sohn des Sparadokos, Enkel Teres I., vermutlich Vater des Maisades, letzter bedeutender Odrysenherrscher, nach Xenophon Usurpator mit Hilfe der Griechen