mini|hochkant|Herbert Grönemeyer (2014) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|200px|Unterschrift Herbert Grönemeyer (Autogramm) deutscher Musiker

Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer (* 12. April 1956 in Göttingen) ist ein deutscher Musiker, Musikproduzent, Sänger, Komponist, Texter und Schauspieler.

Als Schauspieler wurde er 1981 einem breiten Publikum durch die Rolle des Leutnant Werner im Kinofilm Das Boot bekannt. Der musikalische Durchbruch gelang ihm 1984 mit seinem fünften Studioalbum 4630 Bochum. Seitdem platzierten sich bis 2018 alle seine deutschsprachigen Studioalben auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Sein Album Mensch (2002) verkaufte sich 3,6 Millionen Mal, davon 3,15 Millionen Mal in Deutschland, und ist damit das zweitmeistverkaufte Musikalbum in Deutschland. Mit über 20,9 Millionen im Inland verkauften Tonträgern ist Grönemeyer der kommerziell erfolgreichste zeitgenössische Musiker in Deutschland.

Leben Herkunft und Ausbildung Als Herbert Grönemeyer als jüngstes Kind der Familie geboren wurde, wohnten seine Eltern in Clausthal-Zellerfeld. Da seine Mutter für die Geburt Spezialisten konsultieren musste, kam er in Göttingen zur Welt. Seine aus einer deutschbaltischen Arztfamilie stammende Mutter Hella-Carin, geb. von Hunnius (1926–2019), eine Nachfahrin des Mediziners Carl Abraham Hunnius, war Krankenschwester; sein Vater, der Bergbauingenieur Wilhelm Grönemeyer (1916–2003), stammte aus Ibbenbüren in Westfalen.Ernst Hunsicker: Erinnerungen an Kinder- und Jugendjahre in Wort und Bild: Eine Zeit im Kontext mit historischen Ereignissen, Hamburg 2014, S. 48. Grönemeyer hat zwei ältere Brüder: Dietrich (* 1952), der als Arzt, Wissenschaftler und Autor bekannt ist, und Wilhelm Grönemeyer (1954–1998).Eintrag Grönemeyer, Dietrich in Munzinger – Internationales Biographisches Archiv.Dietrich Grönemeyer: Arzt mit Herz und Seele. Ein persönliches Lesebuch. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 2012, ISBN 978-3-596-19408-7, S. 19 f. (Leseprobe).

Als er etwa ein Jahr alt war, zog die Familie nach Bochum, wo er aufwuchs. Dank seiner Familie mütterlicherseits kam er in Kontakt mit Musik und erhielt, wie zuvor seine Brüder, mit acht Jahren Klavierunterricht. Rückblickend beschreibt Grönemeyer seine Erziehung folgendermaßen: „Ich denke, ich bin zwischen Liebe, musischer Zuneigung und ziemlicher Strenge groß geworden.“ Im Alter von 14 Jahren wurde er konfirmiert.SZ Magazin, Nr. 18, 30. April 2015, S. 13.

In Bochum besuchte er das humanistische Gymnasium am Ostring und sang dort im Schulchor. An der Schule lernte er auch Claude-Oliver Rudolph kennen. Mit ihm gemeinsam verdiente Grönemeyer am Schauspielhaus Bochum als Pianist sein erstes Geld, wo er auch als musikalischer Leiter fungierte, während sein Freund als Schauspieler arbeitete. Nach dem Abitur 1975 begann Grönemeyer mit dem Studium der Musik- und der Rechtswissenschaften an der Ruhr-Universität in Bochum. Er blieb 23 Semester lang eingeschrieben, wovon er aber nur sechs aktiv studierte.

Privates 1978 lernte Grönemeyer während der Dreharbeiten zu Jürgen Flimms Fernsehdrama Uns reicht das nicht die Schauspielerin Anna Henkel (1953–1998) kennen und lebte seitdem mit ihr zusammen. Am 20. Januar 1993 heirateten sie. Aus dieser Verbindung stammen zwei Kinder (* 1987 und 1989). Die Familie lebte viele Jahre in Berlin und zog 1998 nach London, wo seine Frau Anna am 5. November des Jahres verstarb. Mit dem Tod seines Bruders Wilhelm kurz zuvor, am 1. November, trafen Grönemeyer in kurzer Zeit zwei schwere Schicksalsschläge. Er brauchte über ein Jahr, um wieder künstlerisch tätig zu werden. Seiner Frau widmete er später das Lied Der Weg auf dem Album Mensch (2002). Seit Mai 2016 ist er in zweiter Ehe mit Josefine Cox verheiratet; 2019 wurde er erneut Vater.bunte.de

Seit 1993 besitzt Grönemeyer ein Haus in Berlin-Zehlendorf, das er zwischen 1998 und 2007 nicht bewohnte. 2007 kehrte er aus London nach Berlin zurück.

Karriere 1974–1983: Künstlerische Anfänge Unter der Intendanz von Peter ZadekTexttafel zu Grönemeyer bei einer Ausstellung über die Zeit von Peter Zadek, Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte, März 2013 kam Grönemeyer als Sänger der Bo-Band am Bochumer Schauspielhaus erstmals als Darsteller in Kontakt mit dem Theaterleben. Später wirkte er dort als Korrepetitor und fertigte 1974 erste Kompositionen. Seine Entdeckung als Schauspieler verdankt er Joachim Preen, der ihn für das Stück John, George, Paul, Ringo and Bert von William Martin Russell erstmals auf die Bühne brachte.

Im Jahr 1976 wurde Grönemeyer musikalischer Leiter am Schauspielhaus Bochum und spielte dort weitere Theaterrollen wie Till Eulenspiegel, den Prinzen Orlofsky in Johann Strauss’ Die Fledermaus und den Melchior in Frank Wedekinds Frühlings Erwachen. Dort arbeitete er auch mit der Choreografin Pina Bausch. In: Die Zeit, Nr. 37/2002 Zadek arbeitete auch außerhalb Bochums mit Grönemeyer, z. B. in Hamburg in Wintermärchen.

Obwohl Grönemeyer nie eine Schauspielschule besuchte, spielte er in einigen Fernsehfilmen mit. Die Schauspielkarriere wurde 1977 mit einer Rolle im Stück Die Geisel vorangetrieben, von der es eine Fernsehinszenierung gab. In Jürgen Flimms Fernsehdrama Uns reicht das nicht spielte Grönemeyer 1978 die Hauptrolle des Schlosserlehrlings Gerd an der Seite von Uwe Ochsenknecht und Anna Henkel, die später seine Frau wurde. Im darauffolgenden Jahr wurde seine erste Platte mit Dieter Flimms Jazzrock-Gruppe „Ocean Orchestra“ (teilweise die Musik zu diesem Film) mit Grönemeyer als Leadsänger veröffentlicht.

1979 wirkte er als Schauspieler in dem Fernsehfilm Zuhaus unter Fremden für die ARD mit. Im selben Jahr arbeitete er unter Schauspieldirektor Claus Peymann einige Monate als musikalischer Leiter am Württembergischen Staatstheater in Stuttgart. Am Schauspielhaus Köln gab er den Lorenzo in Der Kaufmann von Venedig. Sein Solo-Debütalbum Grönemeyer erhielt die „Goldene Zitrone“ für das hässlichste Cover des Jahres. Aus diesem Album koppelte er mit dem Lied Pompeji, das den Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. thematisiert, auch seine erste Single aus. Sein zweites Studioalbum Zwo von 1981 war ebenfalls kein kommerzieller Erfolg.

In Wolfgang Petersens Film Das Boot (nach dem Roman von Lothar-Günther Buchheim) trat Grönemeyer 1981 an der Seite von Schauspielern wie Jürgen Prochnow, Klaus Wennemann, Martin Semmelrogge, Jan Fedder, Heinz Hoenig, Claude-Oliver Rudolph, Sky du Mont, Ralf Richter und Uwe Ochsenknecht als Leutnant Werner auf, wodurch er einem breiten Publikum bekannt wurde.

Für die deutsch-deutsche Co-Produktion des Peter-Schamoni-Films Frühlingssinfonie, in der er Robert Schumann verkörperte – neben Nastassja Kinski als Clara Wieck und Rolf Hoppe als Friedrich Wieck –, lebte Grönemeyer 1983 ein halbes Jahr in Leipzig.Mitteldeutsche Zeitung. 13. November 2012. Dieser Film war die erste westdeutsche Produktion, die in der DDR an Originalschauplätzen gedreht werden konnte.

Grönemeyer konzentrierte sich zunehmend auf seine Musik. Für die nächsten Alben schrieb er die Lieder Anna und Musik nur, wenn sie laut ist. Sein Klassiker Currywurst entstand ebenfalls in dieser Zeit (siehe auch Bratwursthaus), stammt allerdings aus der Feder von Diether Krebs, Jürgen Triebel und Horst-Herbert Krause. Auf einer Tournee wurden zahlreiche Konzerte mangels Interesse abgesagt. Die in Zusammenarbeit mit Otto Draeger und Edo Zanki entstandenen Alben waren kommerziell so wenig erfolgreich, dass die Intercord Ton GmbH nach dem im Jahr 1983 veröffentlichten Album Gemischte Gefühle den Vertrag kündigte.

1984–1991: Musikalischer Durchbruch mit 4630 Bochum und weitere Erfolge mini|Konzert Herbert Grönemeyers im Juni 2009 in Bochum

Nach dem Wechsel zur EMI stellte sich mit dem am 11. Mai 1984 als Vinyl-LP erschienenen fünften Studioalbum 4630 Bochum, vor allem nach einem Konzertmitschnitt für die WDR-Reihe Rockpalast am 16. November 1984, der große Erfolg im Musikgeschäft ein. Das Album (Bild), dessen Titel sich auf die damalige Postleitzahl der Stadt bezieht, hielt sich 79 Wochen in den Top 100 der Hitparade und war das erfolgreichste Album des Jahres in Deutschland 1984. Vor allem die Singleauskopplung Männer machte den Künstler in ganz Deutschland bekannt. Daneben wurde der Titelsong Bochum, der selbst zunächst nicht als Singleauskopplung erschien, zur inoffiziellen Hymne der Stadt, die mittlerweile – neben der Vereinshymne – kurz vor jedem Spiel des VfL Bochum im heimischen Stadion zu hören ist. Die Ballade Flugzeuge im Bauch entwickelte sich zu einem Klassiker deutschsprachiger Rock- und Popmusik. Auch der Titel Mambo, der die Geschichte über einen Autofahrer, der verzweifelt einen Parkplatz sucht auf dem Weg zu seiner Frau, erzählt, wurde zu einem Radiohit.

1985 spielte Grönemeyer an der Seite von Julie Christie, Burt Lancaster und Bruno Ganz im Deutz-Film Väter und Söhne des Regisseurs Bernhard Sinkel. Mit dem nachfolgenden Album Sprünge bezog er 1986 politisch Stellung. Die Titel Tanzen und Lächeln sind Kommentare zur Lage der Nation. Sie greifen die CDU-FDP-Regierungskoalition und den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl an.

Zusammen mit dem Bandleader von BAP, Wolfgang Niedecken (Text), schrieb Grönemeyer (Musik) das Lied Nackt im Wind, das zusammen mit vielen Rockstars der Zeit aufgenommen wurde. Die Band für Afrika folgte damit dem Vorbild von Band Aid (Do They Know It's Christmas) und USA for Africa (We Are The World), mit dem Verkauf der Single Geld für die Notleidenden der Hungersnot in Ostafrika zu sammeln. Bei Nackt im Wind spielten auch folgende deutsche Musikkünstlerinnen und -künstler mit: Alphaville, BAP, Extrabreit, Geier Sturzflug, George Kranz, Gitte Hænning, Hans Hartz, Heinz Rudolf Kunze, Ina Deter, Juliane Werding, Klaus Lage, Marius Müller-Westernhagen, Münchener Freiheit mit Sänger Stefan Zauner, Nena, Peter Maffay, Rheingold, Rodgau Monotones, Spider Murphy Gang, Spliff, Stefan Waggershausen, Trio, Udo Lindenberg, Ulla Meinecke, Nena-Tasteninstrumentler Uwe Fahrenkrog-Petersen an den Keyboards, Wolf Maahn und Richard Wester. Das Lied erreichte Platz 3 der Single-Charts und erspielte so Spenden von etwa 300.000 D-Mark.

Beim Anti-WAAhnsinns-Festival im oberpfälzischen Burglengenfeld spielte Grönemeyer erstmals vor über 100.000 Zuschauern.

1987 beteiligte er sich mit einem Soloauftritt beim Aufru(h)r des Ruhrgebietes im Stahlwerk Rheinhausen mit vielen bekannten Künstlern zur Demo zum Erhalt des Stahlwerkes und für die finanzielle Unterstützung der Arbeiter, was ihm bei der Bevölkerung sehr viel Anerkennung und Beliebtheit einbrachte.

Im Fernsehfilm Sommer in Lesmona, nach der gleichnamigen Novelle von Marga Berck, die unter der Regie von Peter Beauvais unter anderem mit Katja Riemann, Benedict Freitag und Richard Münch verfilmt wurde, trat er schauspielernd in Erscheinung und steuerte den 1988 mit dem Adolf-Grimme-Preis mit Gold ausgezeichneten Soundtrack bei. Zum kommerziellen Erfolg des siebten Studioalbums Ö trugen vor allem die Titel Was soll das, Vollmond, Halt mich und Komet bei. Zur gleichen Zeit wurden Grönemeyers größte Hits auf What’s All This in englischer Sprache veröffentlicht. Das Titellied des Albums kam in Kanada in die Single-Charts. Es folgte eine Tournee durch Kanada.

Das Album 4630 Bochum wurde 1989 auch vom DDR-Plattenlabel AMIGA veröffentlicht. Vorausgegangen waren Verhandlungen über den Titel Jetzt oder Nie und einen weiteren Titel, welche die damalige Staatsführung nicht veröffentlichen wollte.Herbert Grönemeyer am 11. November 2012.

Nach dem Fall der Berliner Mauer veröffentlichte er die Platte Luxus. Das Konzert am 18. Mai 1991 auf einer Wiese in Ahrensfelde bei Berlin im Rahmen der Tournee besuchten rund 100.000 Menschen. Diesen Zuschauerrekord für einen deutschen Musiker hielt Grönemeyer bis 2022, als Helene Fischer in München vor 130.000 Zuschauern auftrat.