Dalli Dalli (nach der deutschen Redewendung dalli, dalli; aus dem Italienischen dalli (ugs.) 'schnell', oder aus dem Kaschubischen dali ‚weiter, los‘; aus dem Polnischen dalej ‚weiter, los, beeil dich‘) war eine populäre Fernsehshow des ZDF, moderiert von Hans Rosenthal. Vom 13. Mai 1971 bis zum 11. September 1986 entstanden 153 Sendungen. Davor hatte Rosenthal dieses Fragespiel bereits als kleine Rateeinlage innerhalb von großen WDR-Unterhaltungssendungen im Hörfunk mit dem Tanzorchester Werner Müller in den Jahren 1968 bis 1970 unter dem Titel „Die dreifache Chance“ ausprobiert.

Eine erste Neuauflage lief von 1995 bis 1997 ebenfalls im ZDF. Von 2011 bis 2013 sendete der NDR eine weitere Neuauflage der Fernsehshow mit 28 Folgen. 2013 wechselte die Sendung vom NDR Fernsehen ins Erste und lief dort 10 Folgen lang unter dem Titel Das ist Spitze!. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Sendung startete das ZDF 2021 eine weitere Neuauflage, die bis 2023 mit jährlichen Weihnachtsshows fortgesetzt und erstmals parallel im österreichischen Fernsehsender ORF 2 ausgestrahlt wurde.

Ablauf Es traten acht prominente Kandidaten in Zweierteams gegeneinander an. In der ersten Runde spielten zunächst jeweils zwei Kandidatenpaare gegeneinander. Die jeweiligen Verlierer spielten anschließend um den dritten Platz, die Gewinner aus der Vorrunde dann um den Sieg.

Die erste Runde bestand aus zwei Wortspielen, bei denen die Kandidaten binnen 15 Sekunden abwechselnd Antworten auf eine Frage geben mussten, und einem Aktionsspiel. Typische Fragen waren: „Sie schauen aus Ihrem Fenster. Was können Sie da sehen?“ oder „Nennen Sie alle Opern- und Festivalhäuser, die Ihnen einfallen!“ oder „Was bewahren Sie alles in Ihrem Nachttisch auf?“. Im Aktionsspiel mussten die Kandidaten unter anderem Bratwürste in einen Wurstdarm abfüllen und anschließend einzelne Würstchen abdrehen, dann sollten möglichst viele Geranien eingetopft oder es sollte Wäsche aufgehängt werden; ein anderes Mal musste ein roter Teppich zusammengerollt oder Regenschirme mussten aufgespannt werden. Spielzeit war immer eine Minute. Die von Hans Rosenthal entwickelten Aktionsspiele wurden entweder von beiden Kandidaten innerhalb der 60 Sekunden gespielt oder die Kandidaten lösten sich nach 30 Sekunden ab. Die Aufgaben waren in der jeweiligen Vorrunde identisch und Rosenthal multiplizierte jeweils die Punkte der drei Spiele.

In den letzten beiden Spielrunden wurden der 3. Platz sowie das Siegerteam ausgespielt. In der Runde um Platz 3 traten die jeweiligen Verlierermannschaften aus den beiden ersten Runden gegeneinander an. Die Spiele wechselten über die Jahre. In den ersten Jahren von Dalli Dalli gab es das Dalli Dalli abc. Hier wurde aus einer rollbaren Konstruktion zunächst eine Punktekarte gezogen (zwischen 50 und 100 Punkte). Danach stellte Hans Rosenthal nur eine einzige Frage, die für beide Teams die gleiche war. Da die Mannschaft mit der höheren Punktzahl begann, um der mit der niedrigeren mehr Zeit zum Überlegen zu geben, wurde nach Fragestellung der Buchstabe gezogen, mit dem alle Antworten auf die Frage beginnen mussten. Die gegebenen Antworten wurden mit der gezogenen Punktzahl multipliziert. Danach zog das Team mit der niedrigeren Punktzahl ebenfalls einen Anfangsbuchstaben für seine Antworten. Das Team mit der höheren Punktzahl in dieser Runde belegte den 3. Platz, die Verlierer den 4. Als Besonderheit bei diesem Spiel konnte der erste gezogene Buchstabe abgelehnt und ein neuer gezogen werden, wenn mit dem ersten kaum Lösungen zu erwarten waren. Der zweite gezogene Buchstabe galt dann jedoch. Ab Ende 1972 wurden in die Konstruktion drei Karten mit dem Dalli-Dalli-Männchen eingefügt. Wenn ein Team eine dieser Karten zog, konnte es den Antwort-Buchstaben frei auswählen.

Ab Mitte 1975 (Folge 40) gab es in der dritten Runde das Spiel Dalli-Klick, eine Diashow, bei der immer mehr Teile eines Dias aufgedeckt wurden. Anfänglich wurde auch nach einer falschen Antwort durchgeblendet, später musste der Betreffende bis zum nächsten Bild aussetzen und die Gegner bekamen einen Punkt. In den letzten Jahren entschied Dalli-Klick das Spiel um den 1. Platz.

In der letzten Runde wurde ein kurzes Theaterstück aufgeführt, das unter anderem von Curth Flatow oder Horst Pillau neu bearbeitet und mit Fehlern versehen wurde. (u. a. Kiss me Kate, Hamlet, Der Vogelhändler, Im weißen Rößl, Hello Dolly, Romeo und Julia). Die Kandidaten mussten die eingebauten Fehler im Text, in der Dekoration oder bei den Kostümen notieren und im Anschluss innerhalb von 15 Sekunden vorlesen. In dem Theaterstück traten in der Regel die Gesangsgäste der jeweiligen Dalli-Dalli-Sendung auf. Das Ensemble wurde verstärkt durch den Jury-Sprecher Ekkehard Fritsch und gegebenenfalls durch weitere Schauspieler in kleineren Nebenrollen. Aus Zeitgründen entfiel das Theaterstück in den 1980er Jahren.

Nach der Aufgabenstellung gab Rosenthal stets das Startsignal mit dem Ausruf: Dalli, Dalli! mini|alt=Hans Rosenthal und Monika Sundermann in der Sendung Dalli-Dalli (1971) Hans Rosenthal trägt einen dunklen Anzug mit einer gemusterten Krawatte.Er hat dunkles, welliges Haar und steht leicht nach vorne gebeugt. Monika Sundermann auf der rechten Seite sitzt und trägt ein Kleid mit einem komplexen Muster sowie eine Perlenkette. Ihr Haar ist hell und zu einem stilvollen Knoten hochgesteckt. Der Hintergrund besteht aus einer Wand mit sechseckigen Muster. Diese Muster waren typisch für die Sendung Dalli Dalli.|Hans Rosenthal und Monika Sundermann in den Kulissen von Dalli Dalli Neben den prominenten Spielern gab es auch teilnehmende Zuschauer: Beim „Fragen-Lotto“ zog ein Saalkandidat sechs Kugeln mit eingelegten Zetteln, auf denen Fragen standen. Beantwortete er mindestens drei korrekt, dann skizzierte Schnellzeichner Oskar (Hans Bierbrauer) einen Preis.focus.de: TV-Geschichte – Hänschen, das war spitze! Artikel vom 10. Februar 2007

Beim Spiel für zwei bekamen die Kandidaten von einem Experten vier Fragen zu einem Wissensgebiet (etwa Lokomotiven, Fußball, Tanzen, Beatles etc.) gestellt. Bei 300 DM (oder 2.100 Schilling) Startguthaben musste vor jeder Frage ein Einsatz festgelegt werden. Anschließend loste man das nächste Themengebiet aus und bat um schriftliche Bewerbungen. Später wandelte sich dieses Spiel in den Dalli-Fragebogen bzw. die Dalli-Dalli-Tonleiter, die Unterschiede: Es mussten einfachere Fragen möglichst schnell beantwortet werden, der Höchstgewinn lag bei 2500 DM. Hierzu gab es eine spezielle Wabe mit Leuchtfeldern.

Im Mittelpunkt standen hierbei immer der Spaß und das gemeinsame Erreichen möglichst vieler Punkte. Rosenthal war immer bemüht, jeden seiner Kandidaten gut aussehen zu lassen.

„Das war Spitze!“ Ab der 53. Folge, die am 4. September 1976 ausgestrahlt wurde, konnte das Publikum eine besondere Leistung von Kandidaten per Knopfdruck würdigen. Dies aktivierte anfänglich eine, später mehrere Warnleuchten und einen zwitschernden Alarmton, woraufhin Rosenthal sagte: „Sie sind der Meinung, das war …“ Das Publikum rief „Spitze!“ laut mit und es gab einen Sonderpunkt. Nach einigen Folgen sprang Rosenthal zum „Spitze!“ jedes Mal in die Luft. Ab der 100. Folge wurde das Bild des Luftsprungs eingefroren, was zur damaligen Zeit eine technische Herausforderung war.

Musik Außer Spielen enthielt die Show auch Musikdarbietungen. Es waren technisch betont einfache Produktionen, meist nur ein Sänger, begleitet vom Jochen-Brauer-Sextett oder von der Götz-Wendlandt-Combo unter der Leitung von Heinrich Riethmüller. Die Texte der meist als Chanson vorgetragenen Darbietungen wurden am Anfang zumeist von Günter Neumann verfasst, der auch bis zu seinem Tode mit Heinrich Riethmüller an zwei Flügeln saß. Später steuerten auch Curth Flatow, Horst Pillau und andere Autoren Textbeiträge bei, um die Pausen zwischen den Spielen der Sendung mit Songs zu füllen.

Die „Dalli Dalli“-Titelmelodie wurde von Heinrich Riethmüller komponiert.spiegel.de 13. Deyember 2006: „Dalli Dalli“-Komponist Riethmüller gestorben

Guter Zweck Am Ende des Quiz addierte Brigitte Xander alle von den Teams erspielten Punkte und setzte sie mit D-Mark gleich. Da es sich um eine Kooperation mit dem ORF handelte, sagte Mady Riehl den Betrag dann in Schilling an. Das siegreiche Team durfte schließlich bestimmen, an welche in Not geratene Familie diese Preissumme ging. Durch weitere Spenden konnte die erspielte Gewinnsumme später zweimal in der Sendung vergeben werden. Den entsprechenden Fall sagte Hans Rosenthal persönlich an.

Die von Rosenthal ins Leben gerufene Aktion „Dalli Dalli hilft“ unterstützte im Laufe der Jahre unverschuldet in Not geratene Familien mit umgerechnet 1,4 Millionen Euro. Nach Rosenthals Tod wird die Hilfsaktion von der Hans-Rosenthal-Stiftung fortgesetzt.

Teams Zum Dalli-Dalli-Team gehörte eine Jury, die sich anfangs aus Ekkehard Fritsch, Brigitte Xander und Mady Riehl zusammensetzte, wobei in der allerersten Sendung anstelle von Riehl Klaus Seidenstecher vom Bundesverkehrsministerium vertreten war. Fritsch wurde gelegentlich durch Hans Jürgen Diedrich vertreten. Sie saßen an einem speziellen Pult und bewerteten die Leistungen der Kandidaten, zogen dabei insbesondere doppelt genannte Begriffe ab. Ekkehard Fritsch kam dabei eine komödiantische Rolle zu, während Brigitte Xander und Mady Riehl den administrativen Part übernahmen.

Assistentin Monika Sundermann saß an einem speziellen Pult. Sie brachte das Mikrofon und begleitete alle Kandidaten durch die Sendung, insbesondere zu den Aktionsspielen. Außerdem bediente sie die Rateuhr.

Wenn Ekkehard Fritsch wegen Theaterengagements nicht teilnehmen konnte, übernahmen andere Prominente den Jury-Vorsitz, unter anderem Felix Knemöller, der bayerische Schriftsteller Georg Lohmeier, Hans Jürgen Diedrich (erstmals 13. November 1976) und später Christian Neureuther (erstmals 20. März 1980).

Mady Riehl wurde in der 150. Ausgabe durch Sabine Noethen abgelöst, die allerdings nur drei Sendungen bestreiten konnte, da die Reihe kurz darauf beendet wurde. Christian Neureuthers Frau Rosi Mittermaier war ebenfalls eine Zeit lang Jury-Mitglied.

Ebenfalls zum Team gehörte Schnellzeichner „Oskar“ (bürgerlich Hans Bierbrauer), der vor der Kamera binnen weniger Sekunden Zeichnungen von prominenten Gästen anfertigte. In der Neuauflage gibt es mit Daniel Stieglitz in der Weihnachtsausgabe 2022 erstmals wieder einen Schnellzeichner.

Politische Stellungnahmen Die 75. Sendung fand am 9. November 1978 statt. Hans Rosenthal hatte im Vorfeld versucht, diesen Sendetermin, der auf den 40. Jahrestag der Novemberpogrome 1938 fiel, zu verschieben, was vom ZDF jedoch abgelehnt wurde. Rosenthal gab nach und moderierte die Sendung, trug darin allerdings schwarze Kleidung. In den Ratepausen wurden statt Schlagern Opernmusik gespielt.Anne Giebel: Der 9. November 1978 und das „Recht auf Unterhaltung“ – Kontext und Nachgeschichte von Hans Rosenthals 75. Dalli-Dalli-Sendung. In: Münchner Beiträge zur Jüdischen Geschichte und Kultur, 2010, Heft 2, S. 56–69 Der 2025 vom ZDF gedrehte Fernsehfilm Rosenthal thematisiert neben der autobiografischen Geschichte von Hans Rosenthal die Vorkommnisse rund um diese Jubiläumssendung. Während der Sendung am 19. Mai 1983 appellierte Rosenthal an den Bürgermeister von Bad Hersfeld, ein dort geplantes SS-Kameradschaftstreffen zu unterbinden, und rief zu Protesten auf. Das Treffen fand dennoch statt, wurde aber von Gegendemonstrationen begleitet.Barbara Reitter-Welter: Als aus Hänschen Hans wurde In: Die Welt, 17. April 2011SS-Treffen in Bad Hersfeld. Widerstand gegen den ‚braunen Sud‘ – Interview mit dem Ex-DGB Kreisvorsitzenden Julius Klausmann auf projektwerkstatt.de Dort sagt der Interviewte: „Ein Beispiel dafür, welchen Bekanntheitsgrad die Vorfälle hatten, war, daß der Fernsehmoderator Hans Rosenthal in seiner Sendung für uns gesprochen hat.“

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