mini|Luftbild des Ensembles mini|Ansicht von Osten mini|Blick auf das Schloss und die Gebäude der Vorburg mini|Schloss Glücksburg bei Sonnenaufgang Schloss Glücksburg () zählt zu den bedeutendsten Renaissanceschlössern Nordeuropas;Hans und Doris Maresch: Schleswig-Holsteins Schlösser, Herrenhäuser und Palais. Husum Verlag, Husum 2006. das Wasserschloss liegt in Glücksburg an der Flensburger Förde und ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Schleswig-Holstein in Deutschland. Es beherbergt ein Museum und ist für Besucher zugänglich.
Glücksburg diente den herzoglichen Linien des gleichnamigen Hauses als Stammsitz; die Familienmitglieder sind mit nahezu allen europäischen Dynastien verwandt. Zeitweilig war das Schloss die Residenz des dänischen Königshauses.
Geschichte mini|Erinnerungsstein an das Rüdekloster am Schlossteich von Schloss Glücksburg
Vom Rüdekloster zur Glücksburg Die Vorgeschichte des heutigen Schlossgeländes begann 1192 in Schleswig, als das dortige Doppelkloster St. Michael auf dem Berge aufgelöst wurde. Die Nonnen bezogen darauf das noch heute bestehende St.-Johannis-Kloster vor Schleswig, während die Mönche den Ort verließen und nach Guldholm am Langsee gingen. Zwischen 1209 und 1210 gründeten sie ein neues Zisterzienserkloster im heutigen Glücksburg. In der Nachbarschaft zum Kloster dürfte sich zuvor schon eine ältere Turmhügelburg befunden haben, deren Überrest bis heute als Schwaneninsel erhalten ist. Das sogenannte Rüdekloster und die umfangreichen Ländereien wurde in den folgenden Jahrhunderten von den Mönchen bewohnt und bewirtschaftet. Im benachbarten Flensburg existierten damals noch mehrere Burganlagen (vgl. Flensburger Stadtbefestigung) und ab 1411 die große, militärisch bedeutsame Duburg.
Im Zuge der Reformation wurde das Rüdekloster 1538 säkularisiert und gelangte 1544 in den Besitz des dänischen Königs Christian III. Die Klostergebäude dienten als Wohnsitz des Verwesers.Henning von Rumohr: Schlösser und Herrenhäuser im Herzogtum Schleswig. Droemer Knaur, 1983. S. 14 ff. Die Duburg in Flensburg befand sich bereits seit Anfang des 16. Jahrhunderts im Niedergang.Zeittafel über die Geschichte der Stadt Flensburg, abgerufen am: 29. Dezember 2014.
Stammsitz der älteren Linie mini|hochkant|Der Erbauer des Schlosses, Herzog Johann von Schleswig-Holstein-Sonderburg. Gemälde des 16. Jahrhunderts Die eigentliche Geschichte des Schlosses begann 1582. Der dänische König Friedrich II. belehnte seinen Bruder Johann, genannt Hans der Jüngere, unter anderem mit den Ländereien von Sundewitt, dem Kloster Reinfeld und dem alten Rüdekloster. Johann, der bereits über ansehnliche Besitzungen verfügte, erwarb weitere Gebiete hinzu. Die Regierung des Herzogtums lag weitgehend in der Hand seines Bruders. Johann war zwar ein abgeteilter Herr, denn die Stände verweigerten ihm die Huldigung, doch versuchte er, sein Vermögen und sein Ansehen auf anderen Wegen zu mehren. Er betätigte sich erfolgreich als frühmerkantilistischer Unternehmer. Als typischer Herzog seiner Zeit brachte er seinen Reichtum mit verschiedenen Bauten zum Ausdruck und gründete unter anderem die mittlerweile abgetragenen Schlösser in Reinfeld und Ahrensbök. Er modernisierte das Sonderburger Schloss und errichtete ab 1582 Glücksburg anstelle des Rüdeklosters als wohnliches Landschloss für sich und seine Familie.
Nach Johanns Tod 1622 wurde das Herzogtum Schleswig-Holstein-Sonderburg unter dessen Erben aufgeteilt. Johanns Sohn Philipp erhielt das Schloss und die Ländereien Glücksburgs und begründete somit die erste, die ältere Linie des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Das Schloss blieb über 150 Jahre Sitz der Herzöge von Glücksburg, doch das kleine Titularherzogtum selbst blieb unbedeutend; die Herrschaftsrechte beschränkten sich vorwiegend auf die Kirchen- und Schulpolitik. Abgesehen davon, dass die Mitglieder des Hauses immer wieder in andere adlige Familien einheirateten, spielten sie keine Rolle in der Landesgeschichte. Die Glücksburg war in dieser Zeit mehr ein durchgehend bewohnter adliger Familiensitz und weniger eine höfische Residenz. In der Mitte des 17. Jahrhunderts beherbergte das Schloss samt den Nebengebäuden dennoch einen Hofstaat von durchschnittlich 80 Personen.C. R. Rasmussen, E. Imberger, D. Lohmeier, I. Mommsen Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg. Wachholtz Verlag, 2008, S. 287.
Als Nachfolger von Johann († 1622) residierten hier: Philipp (Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg); † 1663 Christian (Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg); † 1698 Philipp Ernst (Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg); † 1729 Friedrich d. Ä. (Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg); † 1766 Friedrich Heinrich Wilhelm (Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg); † 1779
Mit dem Tod des kinderlosen Friedrich Heinrich Wilhelm 1779 starb der ältere Zweig der Familie aus und das Lehen Glücksburg ging an das Dänische Königshaus zurück. Bis 1824 wurde das Schloss von der Frau des letzten Herzogs, Anna Carolina, als Witwensitz genutzt.
Stammsitz der jüngeren Linie mini|hochkant|Unter Christian IX. wurde Glücksburg zur „Wiege Europas“. Gemälde von 1887 Der dänische König Friedrich VI. übergab das Lehen und damit Schloss und Titel 1825 an seinen Schwager Friedrich Wilhelm aus dem Hause Holstein-Beck. Friedrich Wilhelm stand dem dänischen König während des Wiener Kongresses hilfreich zur Seite und wurde mit dem Titel entsprechend belohnt. Der in Dänemark und Preußen aufgewachsene neue Herzog stammte in direkter Folge vom Erbauer des Schlosses, Johann III., ab. Zusammen mit seiner Frau, Luise Karoline, einer Tochter des herzoglichen Statthalters Karl von Hessen-Kassel, begründete er die jüngere Linie des Hauses Glücksburg. Friedrich Wilhelm bewohnte das Schloss zwar nicht mehr selber; seine Gattin residierte hier jedoch bis zur Schleswig-Holsteinischen Erhebung. Zu ihren zehn Kindern gehörte der spätere dänische König Christian IX. – der Stammvater der heutigen Glücksburger Linie auf dem dänischen Thron.
Das dänische Königshaus nutzte das Schloss der Verwandten oft als Sommerresidenz. Seit 1854 residierte König Friedrich VII. gelegentlich auf Glücksburg, bis er hier 1863 kinderlos verstarb. Gemäß dem Londoner Protokoll von 1852 wurde Christian IX. aus der Glücksburger Linie sein Nachfolger. Unter ihm erhielt das Schloss den Ruf, die Wiege Europas zu sein, und der neue König wurde oft als Schwiegervater Europas bezeichnet. Aus der Ehe Christians mit Prinzessin Louise von Hessen wurden drei Töchter in die Königshäuser von England und Russland einverheiratet: Alexandra ehelichte den späteren Edward VII., Dagmar den späteren Zaren Alexander III. und die jüngste Tochter Thyra den Herzog von Cumberland. Der zweite Sohn wurde als Georg I. König von Griechenland und der Enkel Carl König von Norwegen. Das Haus Glücksburg ist aus dieser Zeit bis heute mit fast allen großen europäischen Dynastien verwandt.
Besitz von Wilhelm I. Im Zweiten Schleswigschen Krieg 1864 diente das Schloss als Quartier für Carl von Preußen und wurde später sogar als Lazarett und Kaserne genutzt. Mit dem Krieg endete die lange Personalunion von dänischem Königshaus und schleswig-holsteinischen Herzogtümern, und das Schloss ging in preußischen Besitz über. Am 16. September 1868 besuchte der preußische König Wilhelm I. während eines Besuchs der Stadt Flensburg das Schloss, um über dessen zukünftigen Verbleib und Nutzung zu entscheiden.
Die Flensburger Nachrichten berichteten am 22. September: „Auch […] [der] Ort [Glücksburg] hatte sich für die Ankunft des Königs festlich geschmückt; es waren drei Ehrenpforten, die eine bei Ruhethal, die zweite vor dem Eingang des Fleckens, die dritte bei der Auffahrt zum Schlosse errichtet, außerdem sah man Fahnen und Blumenschmuck in reichem Maße. Am 16. 3 Uhr traf der König ein, bei der zweiten Ehrenpforte hielt Herr Pastor Vogel eine kurze Anrede, welche der Monarch huldvoll erwiderte. Auf dem Schlosse hatten sich einige Bauermädchen versammelt, um dem Landesvater Butter, Brod, Käse und Früchte als Erzeugnisse Angelns darzubringen. […] Der ganze Aufenthalt im Orte und auf dem Schlosse dauerte nur eine kleine Stunde.“
König Wilhelm I. zeigte kein weiteres persönliches Interesse an der Immobilie und auch das Kriegsministerium benötigte es nicht mehr. So übertrug König Wilhelm I. das Schloss durch einen „allerhöchsten Erlass“ 1869 zurück an die herzogliche Familie.Flensburger Tageblatt: Stippvisite eines Preußen-Königs, vom: 30. Januar 2015
Nach der Rückkehr der herzoglichen Familie mini|Ansicht um 1900. Dem Schloss fehlen hier die Zwerchhäuser. Das Kavaliershaus dagegen verfügt noch über geschweifte Giebel Herzog Karl, ein Bruder König Christian IX., nutzte das Schloss seit 1871 wieder als festen Wohnsitz. Zu seinem Einzug wurden er und seine Frau Wilhelmine von der Friedrichsgarde begrüßt. Das Schloss blieb seitdem im Besitz des Hauses Glücksburg und war fast durchgehend von der Familie und Verwandten bewohnt.
Als Nachfolger von Herzog Karl († 1878) lebten hier noch: Friedrich (Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg); † 1885 Friedrich Ferdinand (Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg); † 1934
Zu den bekanntesten regelmäßigen Gästen gehörte Auguste Viktoria, die letzte deutsche Kaiserin, die aus dem eng verwandten Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg stammte. Sie hielt sich häufig in Glücksburg auf, ihre Schwester Caroline Mathilde war mit Friedrich Ferdinand verheiratet und Auguste Viktoria besuchte sie hier oft. Nach der Kaiserin ist eine Folge von Zimmern des ersten Obergeschosses benannt. Auch Wilhelm II. war oft zu Gast, bewohnte das Schloss in der Regel jedoch nicht, sondern nächtigte während seiner Aufenthalte auf seiner Yacht. Im benachbarten Mürwik ließ er von 1907 bis 1910 für die Kaiserliche Marine die Marineschule Mürwik, das sogenannte Rote Schloss, nach dem Vorbild der Ordensburg Marienburg errichten.
Das Schloss Glücksburg blieb bis ins 20. Jahrhundert Hauptwohnsitz der herzoglichen Familie, die erst nach und nach in die Herrenhäuser der umliegenden Güter, wie Louisenlund oder Grünholz, umzog.
Weltkriege Die Gebäude der Glücksburg überstanden die Zeit der Weltkriege ohne größere Schäden. Lediglich die Schlossglocken wurden im Ersten Weltkrieg beschlagnahmt und eingeschmolzen.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der nah gelegene Sonderbereich Mürwik zum Regierungssitz unter Dönitz. Im angrenzenden Glücksburg nahm Reichsminister Albert Speer im Schloss Quartier, wo er am 23. Mai 1945 von den Alliierten verhaftet und zunächst nach Flensburg gebracht wurde.Serie auf stern.de: Besiegt, befreit, besetzt – Deutschland 1945–48 Das Schloss diente bis zum Sommer 1945 als Haftanstalt für 200 ehemalige Angehörige der Wehrmacht. Das Schloss wurde im Mai 1945 durch britische Truppen geplündert. Sie stahlen zahlreiche Wertgegenstände, von denen ein Teil später zurückgegeben wurde. Des Weiteren wurden auch 32 Särge in der Gruft geöffnet. Die Familie von Friedrich Ferdinand zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg wurde unter vorgehaltener Waffe durch britische Soldaten im Schloss während der Plünderungen festgesetzt. Die Rückgabe eines Teils der gestohlenen Güter erfolgte nach einem ausdrücklichen Aufruf der britischen Königin Mary, nachdem sie von Friedrichs Schwiegermutter Großherzogin Alexandra von Mecklenburg-Schwerin um Unterstützung gebeten worden war.https://trove.nla.gov.au/newspaper/article/52602674 Alexandra bezeichnete die Königin in der Quelle zwar als Tante, korrekterweise war diese jedoch die Ehefrau von Alexandras Cousin König Georg V.
Die Wiedereröffnung von Schloss und Museum fand zu Pfingsten 1948 statt.
Stiftung und Museum