mini|Erzbischof Óscar Arnulfo Romero besucht Rom (Juni 1978) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Óscar Arnulfo Romero mini|Erzbischofswappen und Wahlspruch „Fühlen mit der Kirche“ von Óscar Arnulfo Romero
Óscar Arnulfo Romero y Galdámez (* 15. August 1917 in Ciudad Barrios, El Salvador; † 24. März 1980 in San Salvador) war Erzbischof von San Salvador. Er trat für soziale Gerechtigkeit und politische Reformen in seinem Land ein und stellte sich damit in Opposition zur damaligen Militärdiktatur in El Salvador. Er gilt als einer der prominentesten Verfechter der Befreiungstheologie.
Romero wurde während einer von ihm in einer Krankenhauskapelle in San Salvador zelebrierten Messebadische-zeitung.de, Kommentare, 22. Mai 2015, Gerhard Kiefer: Ermordet im Kampf gegen Armut und Ausbeutung (25. Mai 2015) von einem durch die Fuerza Armada de El Salvador mit dem Mord beauftragten Soldaten erschossen. Sein Tod markierte den Beginn des Bürgerkriegs in El Salvador.
Óscar Romero ist ein Heiliger der römisch-katholischen Kirche.
Leben und Wirken Kindheit und Studium Óscar Arnulfo Romero wurde 1917 in einer kleinen Gebirgsstadt an der Ostgrenze zu Honduras geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Seine Eltern waren Santos Romero und Guadalupe de Jesús Galdámez. Er hatte sechs Geschwister: den älteren Bruder Gustavo und die jüngeren Zaída, Rómulo († 1939), Mamerto, Arnoldo und Gaspar. Arminta starb bei der Geburt. Zudem hatte er mindestens eine uneheliche Schwester.
Mit 13 Jahren trat Romero als Internatsschüler in das Kleine Seminar von San Miguel ein. Sein Theologiestudium nahm er 1937 am jesuitischen Priesterseminar in San Salvador auf. In diesem Jahr starb sein Vater. Er beendete das Studium auf Weisung seines Bischofs an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, wo er 1941 das Lizenziat der Theologie cum laude erwarb und am 4. April 1942 das Sakrament der Priesterweihe empfing.
1943 brach Romero sein Doktoratsstudium in asketischer Theologie über Christliche Vollkommenheit in den verschiedenen Ständen nach Luis de la Puente in Rom ab. Er kehrte im August 1943 nach El Salvador zurück, wieder auf Ersuchen seines Bischofs. Weil er mit einem italienischen Schiff reiste, wurde er mit seinem Begleiter Valladares in Kuba verhaftet und interniert. Auf Einwirken einiger Redemptoristenpatres wurde ihre Weiterreise über Mexiko nach El Salvador genehmigt, wo sie einen öffentlichen Empfang erhielten.
Rückkehr und Bischofsweihe In den folgenden Jahren arbeitete er als Pfarrer und Redakteur kirchlicher Zeitschriften in San Miguel. Er wurde weit über die Stadt hinaus ein gefragter Prediger. Ende der 1960er Jahre hatten praktisch alle Laienbewegungen seine Pfarrei an der Kathedrale von San Miguel als ihren Mittelpunkt. Umstritten war seine Arbeit in erster Linie unter Freimaurern und Protestanten.
Am 4. April 1967 erhielt er den Titel des Monsignore und wurde bald zum Generalsekretär der Nationalen Bischofskonferenz berufen. Er verließ deshalb San Miguel und ging nach San Salvador, nachdem er am 1. September 1967 seine letzte Messe gefeiert hatte. Am 25. April 1970 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Titularbischof von Tambeae und Weihbischof im Erzbistum San Salvador. Die Bischofsweihe empfing er am 21. Juni 1970 durch den seinerzeitigen Apostolischen Nuntius in El Salvador und Guatemala, Erzbischof Girolamo Prigione; Mitkonsekratoren waren der Erzbischof von San Salvador Luis Chávez y González sowie Bischof Arturo Rivera y Damas. In San Salvador leitete Bischof Romero eine konservative Zeitung.
Ernennung zum Erzbischof Am 15. Oktober 1974 folgte die Ernennung zum Bischof der Diözese Santiago de Maria und am 3. Februar 1977 die zum Erzbischof von San Salvador in der Nachfolge von Luis Chávez y González. Romero galt bei seiner Ernennung als einer der Wunschkandidaten der Konservativen und Oligarchen. Im Klerus hingegen, der seinen Nachfolger Arturo Rivera y Damas vorgezogen hätte, war seine Ernennung umstritten.
Romeros Ernennung ging ein heftiger innenpolitischer Konflikt über eine Agrarreform voraus. Eine vom Parlament einberufene Kommission hatte Reformvorschläge zur sozialeren Güterumverteilung in der oligarchisch organisierten Landwirtschaft erarbeitet. Die Kommission wurde per Dekret durch Mario Molina aufgelöst. Als Folge der Ernennung Romeros gab es mehrere Übergriffe auf Priester. Einige wurden, teils unter Einwirkung von Folter, des Landes verwiesen. Weiter erfolgten Angriffe auf geistliche Druckereien und Häuser. Am 20. Februar 1977 fand eine umstrittene Wahl statt; ausgelöst durch Repressionen an den Wahlurnen, drohte ein Generalstreik.
Die Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils, d. h. die auch durch die 2. Generalversammlung des lateinamerikanischen Episkopats in Medellín bestätigten Richtlinien, erzeugten auch ein kirchenpolitisches Spannungsfeld. Denen zufolge versteht sich die „Kirche als ein Volk Gottes und identifiziert sich mit den Leiden und Hoffnungen des Volkes, insbesondere der Unterdrückten. […] Aus diesem Grund ist es der Kirche auch bestimmt, sich als subversive Institution gegen eine Sozialordnung zu wenden, die auf Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Unterdrückung gründet.“Dokumente der II. und III. Generalversammlung des Lateinamerikanischen Episkopats in Medellín und Puebla: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 1968/1979. Die Bischöfe in El Salvador waren in der Frage, inwiefern sie diese befreiungstheologischen Paradigmen in ihre Hirtenpraxis übernehmen sollten, gespalten in einerseits das Lager um Romero und Rivera und andererseits das Lager um Walter Antonio Álvarez und Bischof Pedro Arnoldo Aparicio.
Staatliche Repressionen Am Montag, 28. Februar 1977, schossen Sicherheitskräfte und das Militär auf der Plaza de la Libertad auf einen Zug von Demonstranten gegen die vor Wochenfrist gefälschten Wahlen, zu dem sich bis zu 50.000 Menschen zusammenfanden. Nach offiziellen Berichten starben dabei sechs beziehungsweise acht Menschen; gemäß anderen Schätzungen gab es bis zu dreihundert Todesopfer.
Die Repressalien gegen den Klerus nahmen nicht ab. Als ein Schlüsselerlebnis beschreibt Romero die Erschießung seines Freundes, des Jesuitenpaters Rutilio Grande. In der Folge verweigerte er seine Teilnahme an offiziellen Veranstaltungen. Insbesondere sein Fernbleiben von der Amtseinführung des salvadorianischen Präsidenten und Präsidenten der Militärpartei Carlos Humberto Romero wurde ihm von den Oligarchen übel genommen.Estudios Centroamericanos (ECA): Comunicados del Arzobispo de San Salvador a raíz de la muerte de Padre Rutilio Grande (1977). 341, 254–257. Anstelle der Teilnahme an der Amtseinführungsfeier verlas er zur selben Zeit seinen zweiten Hirtenbrief, wo er unter anderem ein „erwachendes Selbstverständnis des Volkes als Glaubens- und Lebensgemeinschaft, die dazu aufgerufen ist, ihre eigene Geschichte in einem Prozess der Erlösung zu akzeptieren, der mit ihrer eigenen Befreiung beginnen soll“ feststellte. Rivera y Damas, damals Bischof von Santiago de María, half, die Schrift zu verbreiten. Dieser Schritt trug wesentlich zu Romeros Akzeptanz unter den Klerikern bei.
Am Tag der Arbeit, der 1977 auf einen Sonntag fiel, wurde eine weitere Demonstration blutig aufgelöst. Am 25. November verabschiedete die Regierung ein „Gesetz zum Schutz und zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung“ und legalisierte so weite Teile ihrer Repressalien. Im Land und auch international wurde das Gesetz scharf verurteilt.Estudios Centroamericanos (ECA): Reporte de la Comisión internacional de Juristas sobre la „Ley de defensa y garantía del orden público“ (1978). 359, 779–786. Gegen Jahresende wurde Romero aufgrund seiner Arbeiten für die Menschenrechte und gegen Straflosigkeit für Übeltäter für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Unter den knapp tausend Unterzeichnern waren 118 britische Parlamentarier. Seine Unterstützer erkannten, dass solche Bekundungen seine Position stärken und gegebenenfalls sein Leben schützen würden. Anfang 1978 erhielt er die Ehrendoktorwürde der US-Universität Georgetown.Der Vatikan versuchte zuvor die Ehrung zu unterbinden, wahrscheinlich, um diplomatische Spannungen zu vermeiden, oder auf Drängen des Gesandten der salvadorianischen Regierung. In der Folge wurde ihm eine Ehrung der Loyola University Chicago angeboten, die er ausschlug. Er verdächtigte US-Diplomaten, die Ehrung eingeleitet zu haben, um ein Treffen zu Verhandlungen mit General Carlos Humberto Romero zu veranlassen, der zeitgleich in der Stadt sein sollte.
Unterdessen nahmen die staatlichen Repressionen stetig zu und konzentrierten sich zusehends auf den ländlichen Raum und die Interessenvertretungen von Campesinos. Laut Angaben des Erzbistums gab es bis Ende des Jahres 1978 etwa 1063 politische Häftlinge, 147 Morde der Sicherheitskräfte und 23 „Desaparecidos“.Secretaría de Comunicación Social del Arzobispado de San Salvador: Informe sobre la represión en El salvador (12. Dezember 1979). Boletín informativo 10. Die OAS bestätigte diese Zahlen.Estudios Centroamericanos (ECA): La OEA y los derechos humanos en El Salvador (1979). 363–364, 53–54. In einer Homilie vom 30. April 1978 prangerte Romero die Versäumnisse und Käuflichkeit des Obersten Gerichtshofs bei der Verfolgung der Straftaten an.Estudios Centroamericanos (ECA): Las Homilías del Monseñor Romero y el Poder judicial en El Salvador (1978). 355, 330–332. Dieser reagierte, indem er den Bischof aufforderte „Ross und Reiter“ zu benennen. Anstelle Namen zu nennen – wofür er rechtlich hätte belangt werden können –, argumentierte er mit der Passivität der Justiz angesichts der staatlichen Gewalt der letzten Jahre und stellte diese in einen moralischen Kontext einer Menschenrechtsposition.Text erschienen in Estudios Centroamericanos (ECA): Monseñor Óscar A. Romero: Su Pensamiento. Bd. IV., S. 243–248; und in: La Voz de los sin Voz. S. 405–410; es existiert eine Aufnahme der Predigt. Der Gerichtshof antwortete nicht.
mini|Óscar Romero (Zeichnung)
Zunehmende Politisierung