Neuburg an der Donau (amtlich: Neuburg a.d.Donau) ist eine Große Kreisstadt und der Sitz der Kreisverwaltung des oberbayerischen Landkreises Neuburg-Schrobenhausen. Neuburg war jahrhundertelang Residenzstadt von Pfalz-Neuburg, was sich in der Architektur bis heute widerspiegelt.
Geographie Lage mini|Donau in Neuburg
Neuburg liegt nordöstlich von Augsburg und westlich von Ingolstadt an der Donau, die sich hier teilt und eine bewohnte Donauinsel bildet, die Leopoldineninsel. Nördlich von Neuburg liegt das Naturschutzgebiet Finkenstein.
Gemeindeteile Die Stadt hat 27 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Fleischnershausen und Herrenwörth sind keine amtlich benannten Gemeindeteile.
Die Große Kreisstadt hat 10 Gemarkungen:Aufteilung der Stadt Neuburg an der Donau in Gemarkungen
Neuburg an der Donau mit Neuburg an der Donau Bergen mit Bergen und Forsthof Bittenbrunn mit Bittenbrunn, Ziegelau, Auschlösschen, Eulahof und Laisacker Bruck mit Rohrenfeld, Maxweiler, Rothheim, dem Jagdschloss Grünau und Bruck Feldkirchen mit Gnadenfeld (Kahlhof), Hardt, Altmannstetten, Sehensand und Feldkirchen Heinrichsheim mit Heinrichsheim und Bürgerschwaige Joshofen mit Joshofen Ried mit Hessellohe, Gietlhausen und Ried Zell mit Marienheim, Rödenhof, Fleischnershausen und Zell Heimberg
Klima
Quelle: climate-data.org
Geschichte mini|Neuburg mit Schloss und Donau mini|Panorama des Karlsplatzes mini|Altstadt mini|Oberes Tor (Bürgertor, Rotes Tor) mini|Blick auf Neuburg ca. 1838 mini|links|Kupferstich in der Topographia Germaniae des Matthaeus Merian um 1644
Vorgeschichte Bereits in vorgeschichtlicher Zeit befanden sich hier Höhensiedlungen. Darauf weisen urnenfelderzeitliche BefundeCornelia Schütz-Tillmann: Die urnenfelderzeitliche Besiedlung des Neuburger Stadtberges. In: Karl Heinz Rieder, Andreas Tillmann (Hrsg.): Neuburg an der Donau – Archäologie rund um den Stadtberg. Marie Leidorf, Buch am Erlbach 1993, ISBN 3-924734-11-9, S. 51–59. (1300–800 v. Chr.), späthallstattzeitliche Keramik (620–450 v. Chr.) und Keramik der Frühlatènezeit 450–380 v. Chr. hin. Außerdem fanden sich Reste eines vorgeschichtlichen Grabenwerks.Jörg Biel: Vorgeschichtliche Höhensiedlungen in Südwürttemberg-Hohenzollern. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0778-X, S. 214.
Römerzeit
Während der frühen römischen Kaiserzeit, im 1. Jahrhundert n. Chr. bestand am Westende der Felsformation des Stadtberges höchstwahrscheinlich ein kleines Holz-Erde-Lager,Michael Mackensen: Frühkaiserliche Kleinkastelle an der oberen Donau. In: Helmut Weimert (Hrsg.): Zivile und militärische Strukturen im Nordwesten der römischen Provinz Raetien. 3. Heidenheimer Archäologie-Colloquium am 9. und 10. Oktober 1987. Heimat- und Altertumsverein Heidenheim an der Brenz, Heidenheim 1988, S. 13–32; hier: S. 17. das mit einer Kette weiterer Anlagen die Donaugrenze sicherte. Mit der Vorverlegung des Limes über die Donau wurde dieses Kleinkastell aufgegeben. Das zu der Garnison gehörende Lagerdorf, das sich am Fuß des Berges befand, entwickelte sich weiter. Während der Spätantike, nach den Zerstörungen durch einfallende Germanen, zogen die Bewohner auf den Burgberg. Über dem frührömischen Lager wurde ein kleines Steinkastell aus Gußmauerwerk errichtet, das wohl bis in das frühe 5. Jahrhundert bestand.Volker Bierbrauer: Neuburg. In: Heinrich Beck (Hrsg.): Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Band 21, de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017272-0, S. 106–108; hier: S. 106.
Mittelalter Neuburg war unter Bischof Simpert von Augsburg (778 bis 809) kurze Zeit Bischofssitz, dann Hauptort eines Fürstentums, deren Inhabern die Vogtei über das Reichslehen Neuburg zustand. Sie kam im 10. Jahrhundert an die Grafen von Scheyern. In dieser Zeit entstand wohl auch die Alte Burg nahe der Stadt.
Der alte bayerische Herzoghof Neuburg mit einer weiteren Burg innerhalb der Stadt, dem heutigen Schloss, ging 1247 an die Wittelsbacher Herzöge von Bayern über, die in der Folge dort zeitweise residierten. Seit 1214 ist dann auch die städtische Verfassung der alten Herzogspfalz bezeugt, auf die sich später das Stadtrecht Kaiser Ludwigs des Bayern von 1332 berief. 1393 stellte ein Enkel des Kaisers, Stephan III. von Bayern-Ingolstadt, einen Freiheitsbrief für Neuburg aus. Am Dreikönigstag 1395 wurde Neuburg an der Donau im Streit mit Bayern-München von Stephans Gegnern erobert und geplündert. Am 4. Oktober 1443 eroberte Ludwig der Höckrige nach viermonatiger Belagerung Neuburg, in das sich sein Vater Herzog Ludwig der Gebartete geflüchtet hatte. 1450 fiel Neuburg nach dem Aussterben der Ingolstädter Linie im Jahre 1447 endgültig an Bayern-Landshut.
Frühe Neuzeit: Pfalz-Neuburg mini|Statue Philipp Ludwigs im Schlosshof
1505 entstand in Folge des Landshuter Erbfolgekrieges das Wittelsbacher Fürstentum Pfalz-Neuburg mit Neuburg als Residenzstadt. Unter Pfalzgraf Ottheinrich wurde Neuburg 1542 lutherisch. Aus dieser Zeit stammt auch die erste erhaltene Ortsansicht von Neuburg, sie entstand im Kontext des Reisealbums des Pfalzgrafen Ottheinrich. Unter Pfalzgraf Philipp Ludwig entstand ab 1607 die neue protestantische Hofkirche. Bereits 1616/17 wurde dann aber die Gegenreformation durchgeführt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt zwischen 1632 und 1634 im Verlauf der Kämpfe um Regensburg mehrmals von durchziehenden schwedischen Truppen, die hier die Donau überwanden, erobert und besetzt und dann von bayerischen Truppen zurückerobert.Peter Engerisser, Pavel Hrnčiřík: Nördlingen 1634. Die Schlacht bei Nördlingen – Wendepunkt des Dreißigjährigen Krieges. Verlag Späthling Weißenstadt 2009, ISBN 978-3-926621-78-8, S. 29, 30, 32, 33, 55 1644 übernahm Pfalzgraf Philipp Wilhelm noch zu Lebzeiten seines Vaters Wolfgang Wilhelm, der auch die rheinischen Herzogtümer Jülich und Berg innehatte, die Regierung in Pfalz-Neuburg. 1685 erbte Philipp Wilhelm zudem die Kurpfalz und wurde somit auch noch Kurfürst.
Die Kurfürsten residierten in den folgenden Jahren zeitweise in Neuburg, bevor Karl III. Philipp die Residenz dauerhaft nach Mannheim verlegte. Seine Linie Pfalz-Neuburg war eng mit den letzten Habsburgern in Wien verwandt und hatte mit seinen Schwestern nicht nur eine Kaiserin, sondern auch die Königinnen von Spanien und Portugal gestellt. Nachdem die Linie Pfalz-Neuburg 1742 ausgestorben war, trat die Linie Pfalz-Sulzbach die Erbfolge in der Kurpfalz, in Jülich und Berg sowie in Pfalz-Neuburg an. 1777 erbte mit Karl Philipps Nachfolger Karl IV. Theodor die Linie Pfalz-Sulzbach dann auch noch Bayern, und Pfalz-Neuburg wurde nun von München aus verwaltet. 1799 folgte in der Erbfolge die Linie Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld.
Schon 1774 lebte Karl August von Pfalz-Zweibrücken für einige Zeit im Neuburger Schloss, das ansonsten oft auch als Witwensitz diente. Bis 1802 blieb Pfalz-Neuburg formal als Fürstentum mit Landschaft und Regierung in der Stadt Neuburg bestehen, es wurde jedoch 1799 zur Provinz Neuburg erklärt. Die Präsenz der Regierung hatte sich zuvor über Jahrhunderte in einer wenig ausgeprägten Kommunalverwaltung niedergeschlagen. Das Fürstentum Neuburg wurde kurz nach Gründung des Königreichs Bayern schließlich 1808 unter Karl Augusts Bruder, König Maximilian Joseph, durch eine Konstitution aufgehoben und in den Altmühlkreis eingegliedert, was die Eigenstaatlichkeit endgültig beendete.
19. und 20. Jahrhundert Zwischen Königreich und NS-Zeit In der Folge musste sich Neuburg mit einer geminderten Bedeutung abfinden. Die Stadt im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben und Neuburg (seit 1837) hatte die Funktion eines Zentrums für das ländliche Umland und wurde später zum wichtigen Behördensitz. Bis 1932 bestand das Landgericht Neuburg an der Donau. Das örtliche Flurbereinigungsamt zog 1966 nach Regensburg, das Kreis- bzw. Staatsarchiv für Schwaben 1989 nach Augsburg um. Überregional einen Namen hatte auch das Neuburger Gymnasium mit Studienseminar. Lange Zeit war Neuburg allerdings in erster Linie als Militärgarnison bekannt (so in der Zeit der Monarchie bis 1918 für das 15. bayerische Infanterieregiment), an dessen 2085 im Ersten Weltkrieg Gefallene ein Denkmal in der Fünfzehnerstraße erinnert. Besonders die Garnison galt neben den anderen staatlich unterhaltenen Einrichtungen während vieler Jahrzehnte als unverzichtbares Stimulans für die Wirtschaft der Kleinstadt. Die Industrie blieb daneben relativ schwach entwickelt. Bemerkenswert war eigentlich nur die Ausbeutung und Verarbeitung der am nördlichen Stadtrand lagernden Kieselerdevorkommen durch zwei Betriebe.
In der Zeit des Nationalsozialismus erhielt Neuburg bei der Aufrüstung der Wehrmacht die von der örtlichen Wirtschaft vermisste Garnison zurück. Dazu wurde südöstlich der Stadt ein Militärflugplatz angelegt.
Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg durch einen wohl zufälligen Bombenangriff am 17. April 1943 getroffen. Kampfhandlungen bei der Einnahme der Region durch die 7. US-Armee hatten Ende April noch einige Todesopfer und Zerstörungen zur Folge.
Vom 1. April 1940 bis 31. März 1948 hatte Neuburg nicht den Status als Kreisunmittelbare Stadt inne. Es gehörte in dieser Zeit dem Landkreis Neuburg an der Donau an.
Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Die Zeit nach 1945 brachte einen fühlbaren Aufschwung des verarbeitenden Gewerbes, besonders in den Bereichen Glas- und Baustoffindustrie sowie Kartonagen. Seit den 1950/60er Jahren hatte noch die Textilindustrie mit mehreren Betrieben Bedeutung als Arbeitgeber; sie ist heute nicht mehr anzutreffen. Dagegen besteht die Filiale eines Unternehmens zur Herstellung von Leonischem Draht als Autozulieferer weiter. Bedingt durch den Zuzug von etwa 4000 Heimatvertriebenen setzte nach dem Zweiten Weltkrieg eine umfangreiche Bautätigkeit der öffentlichen Hand und von Privatleuten ein. Die Bebauung der Stadt erweiterte sich in diesen Jahren bedeutend, besonders durch die neuen Siedlungen im Osten und Süden.
Displaced Persons Es gab in den Nachkriegsjahren jedoch nicht nur Heimatvertriebene in Neuburg, sondern auch Juden, die die Konzentrationslager überlebt hatten, und Zwangsarbeiter, die nach dem Ende der Nazi-Herrschaft nicht in ihre Heimatländer zurück konnten oder wollten. Diese Displaced Persons (DPs) wurden von der United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) betreut und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mangels anderer Möglichkeiten meist in sogenannten DP-Lagern untergebracht. Nach den Unterlagen in den Arolsen ArchivesSiehe: Neuburg im DP-Camp-Verzeichnis der Arolsen Archives befanden sich auch in Neuburg derartige Einrichtungen, die aber bis heute überwiegend wenig erforscht sind. DP-Camps in Neuburg an der DonauName / Funktion / Gebäude Adresse des CampsEröffnung/ErsterwähnungSchließung/letzte ErwähnungNationalitäten der DpsKapazitätBahnschutz24. Januar 1946Zwischen 20. August 1946 und 19. Oktober 1946DP-Hospital20. August 19465. März 194970030. September 19481. März 1949lettisch, litauisch, estnisch520Old-Peoples-Home30. November 1951Rehabilitation-Center30. September 1949zwischen 31. März 1951 und 30. September 1951Area-Vocational School30. September 1948zwischen 31. März 1951 und 30. September 1951400