mini|Wappen von La Paz La Paz ( oder ) ist die Hauptstadt des Departamento La Paz und der Regierungssitz Boliviens (Hauptstadt: Sucre). Mit einer Höhenlage auf 3200 bis (unter Einschluss des inzwischen eigenständigen El Alto) ist sie der weltweit höchstgelegene Regierungssitz.
Der volle Name der Stadt lautete zunächst wegen eines verhinderten Aufstands der indigenen Ureinwohner; den heutigen Namen erhielt sie 1825 zum Gedenken an die siegreiche Schlacht bei Ayacucho im Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier.
In einer Rangliste der Städte nach ihrer Lebensqualität belegte La Paz im Jahre 2018 den 156. Platz unter 231 untersuchten Städten weltweit.
Geografie Lage im Nahraum Die Stadt liegt im Municipio La Paz in dem rund 400 Meter tiefen Canyon des Río Chokeyapu, der in die umgebende Hochebene des Altiplano eingeschnitten ist und sich zu einem Talkessel mit einem geschützten und angenehmen Klima weitet.
Auf der Hochebene westlich von La Paz ist die Stadt El Alto entstanden, die mit 848.840 Einwohnern (Volkszählung 2012) inzwischen größer ist als La Paz; dort befindet sich der internationale Flughafen La Paz-El Alto. Der Höhenunterschied zwischen den weiter talabwärts gelegenen südlichen Stadtteilen mit vielen Villen und dem Stadtrand am oberen Ende des Talkessels beträgt knapp 1000 m, was bei der Abfahrt von El Alto hinunter nach La Paz zu einem der spektakulärsten Ausblicke Boliviens führt. Zwischen der Höhenlage der Wohnviertel und dem sozialen Status ihrer Bewohner existiert eine eindeutige Beziehung: je höher die Lage, desto ärmer die Bewohner. Bei einer durchschnittlichen Abnahme der Temperatur um 0,6 °C je 100 m liegt die Differenz zwischen den tiefsten und den höchsten Wohnlagen bei immerhin 6 °C im Jahresmittel; auch die Höhenkrankheit stellt für Auswärtige in den oberen Vierteln ein größeres Problem dar.
Über der Stadt thront der mächtige Illimani () mit seinen vier Gipfeln, der etwa 40 km südöstlich der Stadt liegt.
Klima Das Klima von La Paz ist aufgrund der Höhenlage alpin ozeanisch (Cwc).
Stadtbild mini|Zentrum von La Paz mini|Plaza Murillo mit Parlamentsgebäude (links) und Präsidentenpalast (rechts) mini|Die Basilika San Francisco in der Nacht der Museen Die Innenstadt unterscheidet sich nur unwesentlich von anderen Großstädten. Leuchtreklamen und Plakate, vielfältige Einkaufsmöglichkeiten mit internationalem Angebot und moderne Bürogebäude beherrschen das Bild. Wie viele bolivianische Städte hat La Paz mehrere Markthallen und große offene Märkte.
Die Stadt selbst gliedert sich in zwei Teile: einen nördlichen Teil, der das Stadtzentrum und einen großen Teil der kulturellen Einrichtungen umfasst; und einen südlichen Teil (zona sur), in dem Einfamilienhäuser das Bild prägen. Verbunden werden beide Teile mit einer Stadtautobahn für private PKW und einer Hauptverkehrsstraße für öffentliche Verkehrsmittel. Der südliche Teil liegt wesentlich tiefer als das Zentrum, ist wärmer und deshalb bei der wohlhabenden Bevölkerungsschicht sehr beliebt. Da eine weitere Ausdehnung des nördlichen Teils an Platzmangel scheitert, wächst der Süden umso mehr.
Das höchste Gebäude in La Paz und in ganz Bolivien war mit 107,30 m das Gebäude der bolivianischen Zentralbank Banco Central de Bolivia, mittlerweile ist der erweiterte Regierungssitz, im August 2019 eingeweiht, mit 120 m das höchste Gebäude.
Größte Brücke in La Paz ist die Puente de las Americas. Ende 2010 wurden die Drillingsbrücken Puentes Trillizos eröffnet.
Stadtteile Bezirke La Paz zentriert|200px N° Verwaltungsbezirk Ortsteile La Paz 1 Mallasa Amor de Dios • Mallasa • Muela del Diablo • Mallasilla • Jupapina 2 Zona Sur Obrajes • Bella Vista • Bolonia • Irpavi • Calacoto • Cota Cota • Achumani • Ovejuyo • Koani • La Florida • Seguencoma • San Miguel 3 San Antonio San Antonio • Villa Copacabana • Pampahasi • Valle Hermoso • Kupini • Villa Armonia • Callapa • San Isidro 4 Periferica Achachicala • Chuquiaguillo • Villa Fátima • Vino Tinto • 5 Dedos • Santiago de Lacaya • Rosasani 5 Max Paredes Munaypata • La Portada • El Tejar • Gran Poder • Obispo Indaburu • Chamoco Chico • Munaypata • Pura Pura • Ciudadela Ferroviaria 6 Zona Centro Casco Urbano Central • San Jorge • Miraflores • San Sebastián • Santa Bárbara • Parque Urbano Central 7 Cotahuma Sopocachi • Alto Sopocachi • Pasankeri • Tembladerani • Alpacoma • Belén • Tacagua • San Pedro • Bajo Llojeta
Casco Viejo: Casco Viejo ist die Altstadt und das ehemalige Zentrum von La Paz. Dort befinden sich Museen, Hotels, Geschäfte und wichtige Gebäude wie das Rathaus mit Stadtverwaltung und die Zentralbank von Bolivien (Banco Central de Bolivia). An der Plaza Murillo liegen die Kathedrale, der Regierungspalast und der Nationalkongress. Zona Central: hier liegt das Viertel von Zona San Jorge. In diesem Stadtteil befinden sich Geschäfte, Hotels und viele Botschaften. Es gibt auch mehrere Wohnhäuser sowie Restaurants und Diskotheken. Sopocachi: Sopocachi ist eines der ältesten Wohnviertel der Stadt. San Pedro: San Pedro ist einer der ältesten Stadtteile. Sein Zentrum bildet die sogenannte „Plaza de San Pedro“ (offizieller Name: Plaza Sucre) am rechten Ufer des Flusses Choqueyapu. Er ist die Heimat von zahlreichen Geschäften, von Druckereien und Autohäusern und der Gefängnisstadt San Pedro. Außerdem liegt in San Pedro der Mercado Rodriguez, einer der größten und ältesten Märkte der Stadt. Miraflores: Miraflores ist von der Innenstadt deutlich getrennt. In diesem Stadtteil wohnen mittlerweile etwa 45.000 Einwohner. Dieser Stadtteil wurde 1927 von dem Urbanisten Emilio Villanueva geplant. Miraflores ist als Erholungsort bekannt, beherbergt ein großes Einkaufszentrum, bedeutende Universitäten und Krankenhäuser mit der wichtigen Fakultät für Medizin der UMSA. In Miraflores befindet sich das größte Stadion von La Paz, das Estadio Hernando Siles. Zona Norte: Zona Norte ist besonders durch seine Industrie geprägt (vor allem Lebensmittelindustrie). In Zona Norte beginnt auch die Autobahn, die La Paz mit der Stadt El Alto verbindet. Zona Sur: Die Zona Sur ist die tiefste Gegend von La Paz und liegt auf einer Höhe von etwa bis . Dieser Stadtteil ist das größte Wohnviertel von La Paz. Die Zona Sur verzeichnete in letzter Zeit ein starkes Wachstum und gilt als Wohnviertel der wohlhabenderen Schichten.
Sehenswürdigkeiten Von touristischem Interesse ist die Kirche San Francisco, deren Bau 1549 begonnen wurde, sowie die Gegend um die Plaza Murillo. Auf einem als „Hexenmarkt“ bezeichneten Markt werden den traditionellen Ritual-Gegenständen nachgeahmte Souvenirs an Touristen verkauft. An den „Hexenmarkt“ schließt sich der „schwarze Markt“ () an. Die Laden- und Standbesitzer hier zahlen keine bzw. kaum Steuern, der Markt ist jedoch zu wichtig (Arbeitsplätze, Geld etc.), als dass die Stadtverwaltung dagegen vorginge. Im Innenstadtbereich befinden sich zahlreiche Museen. Einen höheren Bekanntheitsgrad hat das Coca-Museum. In ihm wird die Geschichte der Coca von ihren Anfängen als Bestandteil kultischer Riten bis hin zur Verwendung in der modernen Medizin dargestellt.
Am südlichen Stadtrand liegt das Valle de la Luna, eine Erosionslandschaft.
Geschichte La Paz wurde 1548 von Alonso de Mendoza als Station auf dem Handelsweg von Potosí nach Callao in Peru gegründet. Der formelle Gründungsakt für die neue Stadt wurde am 20. Oktober 1548 in der Ortschaft Laja vollzogen (ca. 25 km westlich vom heutigen La Paz). Drei Tage später wurde ein Platz im Tal des Río Chokeyapu als Standort für die neue Stadt festgelegt und ein Teil der Einwohner von Laja umgesiedelt. Das Tal bot Schutz vor dem rauen Wetter auf der Hochebene des Altiplano, zudem gab es hier Goldvorkommen. Die neue Stadt lag verkehrsgünstig am Kreuzungspunkt des Silberweges von Potosí nach Peru und des Cocaweges aus den Yungas.
Simon Bolivar rief im Jahr 1825 die Unabhängigkeit Boliviens aus und trotz der wichtigen Position in Bolivien wurde La Paz nicht zur Hauptstadt erklärt. Die Bestimmung Sucres zu eben dieser im Jahr der Unabhängigkeit schmälerte die Bedeutung von La Paz nicht. La Paz wurde Regierungssitz und blieb das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Am 25. Oktober 1830 verfügte eine Regierungsverordnung die Gründung der Universität Mayor de San Andrés (kurz: UMSA).
1899 wurde die Stadt nach einer kurzen Revolte zum Regierungssitz bestimmt, da sie als einzige größere bolivianische Stadt nicht vom wirtschaftlichen Niedergang Potosís betroffen war.
Am 22. Juli 2007 fand eine Bevölkerungsbefragung statt, bei der etwa zwei Millionen Menschen für den Verbleib des Regierungssitzes in La Paz stimmten.
Bevölkerung Die Einwohnerzahl der Stadt La Paz ist in den vergangenen sechs Jahrzehnten auf mehr als das Doppelte angestiegen, im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends jedoch rückläufig: Jahr Einwohner Quelle 1950 VolkszählungDemographic Yearbook 1955. In: unstats.un.org Seite 189 1976 VolkszählungThomas Brinkhoff: Bolivia. In: citypopulation.de 1992 VolkszählungINE – Instituto Nacional de Estadística Bolivia 1992 2001 VolkszählungInstituto Nacional de Estadística Bolivia (INE) 2001 2012 Volkszählung 2024 Volkszählung
La Paz ist die drittgrößte Stadt Boliviens, nach der Millionenstadt Santa Cruz (1.453.549 Einwohner) im Tiefland und der Nachbarstadt El Alto (848.840 Einwohner).
Die Agglomeration La Paz hat geschätzte zwei Millionen Einwohner, die Paceños bzw. Paceñas genannt werden, und schließt unter anderem die Städte El Alto, Viacha und Achocalla ein.
Wirtschaft Die Stadt beheimatet die nationale Wertpapierbörse, die Bolsa Boliviana de Valores und weitere Unternehmen und Gewerbeformen.
Kultur La Paz verfügt im Vergleich zu anderen bolivianischen Städten über ein reiches kulturelles Angebot. Fast täglich gibt es Konzerte, Lesungen, Theater- und sonstige Aufführungen.
Folklore Einen besonders wichtigen Platz nimmt die Folklore ein: Bolivianische Tänze gibt es nicht nur bei den zahlreichen Folklore-Umzügen, sondern auch regelmäßig im Teatro Municipal oder in der Casa de la Cultura zu sehen.
200px|mini|Miniatur von Ekeko Zu Beginn jeden Jahres findet die Feria de las Alasitas statt, zu Ehren von Ekeko, einer Gottheit der Fruchtbarkeit und des Überflusses für die Stadt La Paz. Ein zentraler Bestandteil sind verschiedenste Miniaturen, die dort gekauft, in indigenen Ritualen oder von der Kirche gesegnet und anschließend verschenkt werden. Durch die Segnung können die Miniaturen Wünsche in Erfüllung gehen lassen und symbolisch Schulden bezahlen. Dies verbindet die Menschen durch alle sozialen Schichten und mindert Spannungen. 2017 wurde rituelle Reisen in La Paz während Alasita von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Am Sonntag Trinitatis (Dreifaltigkeitstag), Ende Mai oder Anfang Juni, wird das Festival der Santísima Trinidad del Señor Jesús del Gran Poder mit großer Prozession, Musik und Tänzen gefeiert. Die Teilnehmer in farbenfrohen Kostümen zeigen ihre spezielle Ausübung des Anden-Katholizismus. 2019 wurde Das Festival der Santísima Trinidad del Señor Jesús del Gran Poder von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Theater La Paz besitzt eine der reichsten Theaterszenen Boliviens. Das bolivianische Theater übernimmt eine aufklärerische und gesellschaftspolitische Funktion, die durch ein breites Spektrum von zeitgenössischen Dramatikern repräsentiert wird.
Museen Das Museo Casa de Murillo ist eines der größten und bekanntesten Museen Boliviens mit über sechstausend Ausstellungsstücken. Das Museo Nacional de Arte, eines der größten Museen seiner Art in Südamerika, beherbergt eine Sammlung von Kunstschätzen aus Bolivien, darunter Skulpturen, Kleidung und Kostüme, kostbare Porzellan- und Glasgefäße, Möbelstücke und Musikinstrumente. Viele Werke der bekanntesten Maler Boliviens, u. a. Melchor Pérez de Holguín, finden sich in dem Barockgebäude.