Die Fasanenartigen (Phasianidae) stellen die mit Abstand größte Familie der Hühnervögel. 193 Arten werden hierher gerechnet, dazu gehören neben den eigentlichen Fasanen so bekannte Vögel wie das Bankivahuhn (mit seiner domestizierten Form, dem Haushuhn), das Rebhuhn, die Wachtel, das Truthuhn, das Auerhuhn und die Pfauen.
Merkmale In ihrer Morphologie und ihrem Verhalten sind die Mitglieder der Fasanenartigen sehr verschieden, doch übereinstimmende Skelettmerkmale weisen sie als zusammengehörige Gruppe aus. Es sind sämtlich bodenbewohnende Vögel mit plumpem Körper, kurzem Schnabel und kurzem Hals. Meistens sind auch Flügel und Schwanz sehr kurz, hier gibt es jedoch bemerkenswerte Ausnahmen wie einige Fasane und vor allem die Pfauen. Alle Fasanenartigen sind flugfähig. Meistens werden fliegend aber nur kurze Strecken zurückgelegt.
Die Größe liegt in einer Spanne zwischen 12 cm (Zwergwachtel) und 230 cm (Indischer Pfau), das Gewicht zwischen 20 g (Zwergwachtel) und 10 kg (Truthuhn).
Ein gemeinsames Merkmal aller Fasanenartigen sind die Sporen der Männchen, der am Tarsometatarsus ansetzt. Dieses Merkmal teilen Fasanenartige mit den Perlhühnern. Für gewöhnlich gibt es einen Sporn je Bein, bei einigen Arten jedoch auch mehr. Die Pfaufasanen können bis zu sieben Sporen haben, daher auch ihr wissenschaftlicher Name Polyplectron. Bei den Spornhühnern (Galloperdix) haben auch die Weibchen einen Sporn. Der Sporn kann als Waffe im Kampf mit rivalisierenden Männchen eingesetzt werden, spielt aber wohl auch bei der Balz als Merkmal, das die Entscheidung eines Weibchens begünstigt, eine Rolle. mini|Männliche Fasanenartige können überaus farbenprächtig sein; hier: Goldfasan (Chrysolophus pictus) Viele Fasanenartige tragen auffällige Ornamente wie Hauben, Kehlsäcke und nackte Gesichtshaut. Ein Geschlechtsdimorphismus existiert nicht bei allen Arten, wenn er aber auftritt, ist er oft spektakulär. Die Weibchen tragen dann vorwiegend graue und braune Farben, die Männchen leuchtende Farben. Für gewöhnlich sind Männchen zumindest etwas, manchmal bedeutend größer als Weibchen. Bei den Wachteln (Coturnix) kehrt sich das Verhältnis um, hier sind die Weibchen etwas größer.
Verbreitung und Lebensraum Fasanenartige sind nahezu weltweit verbreitet. Das Verbreitungsgebiet umfasst Eurasien, Afrika, Nord- und Mittelamerika, Australien und die Arktis. Sie fehlen in Südamerika, in der Antarktis und auf einigen ozeanischen Inseln. Die Verbreitung ist allerdings nicht gleichmäßig. Der Schwerpunkt der Familie liegt in Südostasien mit einem außerordentlichen Artenreichtum. Auch in Süd- und Westasien sowie in Afrika gibt es viele Arten, wohingegen Europa, Amerika und Australien nur von sehr wenigen Arten besiedelt sind.
Die Raufußhühner bewohnen die Arktis und die nördlichen gemäßigten Zonen der Welt. Die beiden Arten der Truthühner leben in Nord- und Mittelamerika. Die früher als Feldhühner bekannten Arten sind in Eurasien und Afrika verbreitet; mit den Wachteln gibt es in dieser Gruppe auch einige australische Arten, und die Perlwachtel (Margaroperdix madagarensis) bewohnt als einziger Fasanenartiger Vogel Madagaskar. mini|Schneehühner (Lagopus) trotzen selbst dem arktischen Winter Die Fasane sind ursprünglich ausschließlich in Asien verbreitet, vor allem in Südost- und Ostasien. Der „eigentliche“ Fasan (Phasianus colchicus) wurde in Europa, Nordamerika und Neuseeland eingeschleppt. Auch die Tragopane, Pfaufasanen und Pfauen sind auf das tropische Asien beschränkt, mit der Ausnahme des Kongopfaus (Afropavo congensis) aus Zentralafrika.
Die meisten Fasanenartigen sind Standvögel.
Alle Lebensräume der Erde dienen Fasanenartigen als Habitate. Die meisten Arten bewohnen tropische Regenwälder, aber auch Savannen, Wüsten, die Polargebiete und vom Menschen geschaffene Felder sind von Fasanenartigen besiedelt. In Gebirgen steigt das Tibetkönigshuhn (Tetraogallus tibetanus) bis 5800 m auf.
Lebensweise Alle Fasanenartigen sind tagaktive Vögel. In der Regel sind waldbewohnende Arten Einzelgänger, während die Arten offenen Geländes in Gruppen leben. Diese können bei den Frankolinen (Francolinus) bis zu 20 Individuen umfassen. Zur Brutzeit lösen sich diese Gruppen auf.
Nahrung mini|Die Zwergwachtel (Excalfactoria chinensis) ist der kleinste Vertreter der Fasanenartigen Über die Ernährung lässt sich kaum etwas Generelles sagen. Alle möglichen pflanzlichen Stoffe wie Samen, Blätter, Blüten, Zweige, Knospen und Wurzeln werden gefressen, sowie zahlreiche wirbellose Tiere, ausnahmsweise auch kleine Wirbeltiere bis zur Größe einer Eidechse.
In der Regel sind die Jungvögel Insektenfresser, während die Altvögel überwiegend Pflanzenfresser sind. So ernähren sich Rebhuhnküken in ihrer ersten Lebenswoche zu 95 % von Insekten, während bei den Altvögeln der Anteil tierischer Nahrung nur noch bei 16 % liegt. Es gibt unter den Fasanenartigen nur wenige Arten, die als Altvögel ausschließliche Pflanzenfresser sind – zu diesen gehören zum Beispiel das Haldenhuhn (Lerwa lerwa) und einige Vertreter der Raufußhühner. Einige Arten des Regenwalds fressen auch als Altvögel überwiegend Insekten, keine Art aber ausschließlich.
Die Nahrungssuche erfolgt meist am Boden, Ausnahmen sind die Tragopane und der Blutfasan, die vor allem in den Bäumen auf Nahrungssuche gehen.
Fortpflanzung mini|Mit aufgestelltem Schwanz wirbt der Hahn des Blauen Pfaus (Pavo cristatus) um Weibchen Die Jungvögel der Fasanenartigen sind wie die aller Hühnervögel Nestflüchter, die keiner intensiven Brutpflege bedürfen. Aus diesem Grund reicht ein Elternteil zur Bewachung der Jungen. Diese Aufgabe übernimmt das Weibchen, während das Männchen mit der Jungenaufzucht und meistens auch mit der Brut nichts zu tun hat.
Das Paarungsverhalten variiert stark. Bei den Rebhühnern und Verwandten findet man eine monogame Saisonehe, bei der in der Regel der Hahn mit nur einer Henne für die Dauer einer Brutsaison zusammenbleibt. Viele Fasanen leben dagegen polygam. Dabei suchen die Männchen einiger Arten wie beispielsweise die der Tragopane in einer Brutzeit nacheinander mehrere Weibchen auf und begatten sie. Bei anderen Arten wie dem Fasan scharen die Hähne einen Harem von mehreren Hennen um sich. Balz, Paarung und später das Brutgeschäft der Henne erfolgen allerdings abgesondert vom Harem.
Bei Birkhühnern, Präriehühnern und Pfauen sammeln sich mehrere Männchen in einer Arena (Lek), um sich den Weibchen zu präsentieren. Das Weibchen wählt dann einen Partner aus. Ähnlich ist die Balz bei Auerhühnern und Argusfasanen ausgeprägt, die allerdings keine Leks kennen, sondern einzeln um Weibchen werben. Alle diese Arten sind polygyn, das heißt, nach erfolgter Paarung setzen die Männchen ihre Bemühungen um weitere Partnerinnen fort.
Das Nest wird fast immer am Boden errichtet, nur das der Tragopane in Bäumen. Im offenen Gelände steht es im Schutz von Sträuchern oder Felsen. Die Größe der Gelege ist sehr unterschiedlich, sie reicht von einem Ei wie beim Malaienpfaufasan bis hin zu 20 Eiern beim Rebhuhn. Bebrütet werden sie zwischen 14 Tagen wie bei der Harlekinwachtel und rund einem Monat wie beim Blauen Pfau.
Systematik Äußere Systematik mini|Auerhuhn (Tetrao urogallus) Die Fasanenartigen sind eine Familie innerhalb der Ordnung der Hühnervögel (Galliformes). Ihre genaue Zusammenstellung wechselte immer wieder. Mal wurden die Raufußhühner und Truthühner als eigene Familien außerhalb der Fasanenartigen geführt, mal wurden Zahnwachteln und Perlhühner zu den Fasanenartigen gerechnet.Bernhard Grzimek (Hrsg.): Grzimeks Tierleben. Band 7/8: Vögel 1/2. dtv-Verlag, 1979.
Heute ist es üblich, die Raufußhühner, Feldhühner, Truthühner, Fasanen und Pfauen als Fasanenartige zusammenzufassen. In dieser Zusammenstellung sind die Fasanenartigen eine höchstwahrscheinlich monophyletische Gruppe.Derek E. Dimcheffa, Sergei V. Drovetskib & David P. Mindell: Phylogeny of Tetraoninae and other galliform birds using mitochondrial 12S and ND2 genes. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 24, Nr. 2, 2002, S. 203–215. Mit den Zahnwachteln (Odontophoridae) und den Perlhühnern (Numididae) können sie zu einer Unterordnung Galli vereint werden, denen die Hokkohühner (Cracidae) und Großfußhühner (Megapodiidae) gegenüberstehen.
Allerdings bleibt die relative Position der Perlhühner und Zahnwachteln zu den Fasanenartigen ungeklärt. Anhand der Molekularen Uhr wird eine Trennung der Fasanenartigen und der Perlhühner vor 37 Millionen Jahren (Eozän) vermutet.
Innere Systematik Die im Folgenden vorgestellte Systematik unterteilt die Fasanenartigen in drei Unterfamilien und zwölf Tribus. Sie wurde im Mai 2021 eingeführt und im Sommer 2021 durch die International Ornithologists’ Union so übernommen.IOC World Bird List v11.2, Frank Gill, David Donsker & Pamela Rasmussen (Hrsg.): Pheasants, partridges, francolins
Unterfamilie Phasianinae Tribus Raufußhühner (Tetraonini)mini|Alpenschneehuhn (Lagopus muta) Auerhühner (Tetrao), zwei Arten in Europa und Nordasien, u. a. das Auerhuhn (T. urogallus) Birkhühner (Lyrurus), zwei Arten in Europa und Nordasien, u. a. das Birkhuhn (L. tetrix) Tannenhuhn (Canachites canadensis), Nordamerika Sichelhuhn (Falcipennis falcipennis), Ostsibirien Schneehühner (Lagopus), drei Arten in der Arktis und in Gebirgen der Nordhalbkugel, u. a. das Moorschneehuhn (L. lagopus) und das Alpenschneehuhn (L. muta) Präriehühner (Tympanuchus), drei Arten in Nordamerika, u. a. das Präriehuhn (T. cupido) Felsengebirgshühner (Dendragapus), zwei Arten in Nordamerika, das Douglasiengebirgshuhn (D. obscurus) und das Küstengebirgshuhn (D. fuliginosus) Beifußhühner (Centrocercus), zwei Arten in Nordamerika, u. a. das Beifußhuhn (C. urophasianus) Haselhühner (Tetrastes), zwei Arten in Europa und Nordasien, u. a. das Haselhuhn (T. bonasia) Kragenhuhn (Bonasa umbellus), Nordamerika Tribus Meleagridini Truthühner (Meleagris), zwei Arten in Nord- und Mittelamerika, das Truthuhn (M. gallopavo) und das Pfauentruthuhn (M. ocellata) Tribus Pucrasiini Koklasfasan (Pucrasia macrolopha), Ostasien Tribus Phasianinimini|Bulwerfasan (Lophura bulweri) Wallichfasan (Catreus wallichii), Himalaya Ohrfasanen (Crossoptilon), drei Arten in Ostasien Hühnerfasanen (Lophura), zehn Arten in Süd- und Südostasien, u. a. der Feuerrückenfasan (L. ignita) Edelfasanen (Phasianus), zwei Arten in Asien, eingebürgert auch Europa, Nordamerika und Neuseeland; der eigentliche Fasan (P. colchicus) und der Buntfasan (P. versicolor) Kragenfasanen (Chrysolophus), zwei Arten in Ostasien, nämlich Goldfasan (C. pictus) und Amherstfasan (C. amherstiae) Bindenschwanzfasanen (Syrmaticus), fünf Arten in Ostasien, u. a. der Mikadofasan (S. mikado) Rebhühner (Perdix), drei Arten in Europa und Zentralasien, u. a. das eigentliche Rebhuhn (P. perdix) Tribus Rhizotherini Rhizothera, zwei Arten: Langschnabelwachtel (Rhizothera longirostris) und Dulitwachtel (Rhizotera dulitensis), beide Südostasien Tribus Lophophorinimini|Himalaya-Glanzfasan (Lophophorus impejanus) Glanzfasanen (Lophophorus), drei Arten in Zentralasien Keilschwanzhühner (Tetraophasis), zwei Arten im Südwesten der Volksrepublik China Tragopane (Tragopan), fünf Arten in Zentral- und Ostasien Tribus Ithaginiini Blutfasan (Ithaginis cruentus), Zentralasien Tribus Lerwini Haldenhuhn (Lerwa lerwa), Himalaya Unterfamilie Pavoninae Tribus Coturnicinimini|Pternistis ist die artenreichste Gattung der Fasanenartigen; hier: Gelbkehlfrankolin (Pternistis leucoscepus) Synoicus, vier Arten in Afrika, Asien und Australien, Adansonwachtel, Schneegebirgswachtel, Ypsilonwachtel und Zwergwachtel. Wachteln (Coturnix), sieben Arten in Eurasien, Afrika und Australien Perlwachtel (Margaroperdix madagarensis), Madagaskar Wüstenhühner (Ammoperdix), zwei Arten in Westasien und Nordostafrika Himalayawachtel (Ophrysia superciliosa), Himalaya Pternistis (23 Arten), „Frankoline“ Frankolinwachteln (Perdicula), vier Arten in Indien, Bangladesch, Sri Lanka