mini|hochkant=1.66|Die Mohawk innerhalb der fünf Nationen der Irokesen, Stammesgebiet um 1650 Die Mohawk oder Kanien'kehá:ka bzw. Kanien’kehake („Leute vom Land des Feuersteins“) sind der östlichste Stamm der Haudenosaunee („Leute des Langhauses“), besser bekannt als Irokesenliga oder -Konföderation, einem Bündnis aus ursprünglich fünf (später sechs) Stämmen oder Nationen der Irokesischen Sprachfamilie. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden diese Stämme als Irokesen bezeichnet. Sie sind eine der indigenen Gruppen der Indianer Nordamerikas.

Heute leben die rund 45.000 Mohawk mehrheitlich in Gemeinden am Sankt-Lorenz-Strom und im südlichen Ontario in Kanada, sowie in zwei Gemeinden im US-Bundesstaat New York.Mohawk population

Territorium Das Wohngebiet der Mohawk im heutigen Upstate New York (mit den Counties: Schenectady, Montgomery, Herkimer, Oneida, Otsego und Schoharie) wurde von ihnen Kanienkeh („Land des Feuersteins“) genannt; folglich nannten sie sich Kanien'kehá:ka (auch: Kenienke'haka / Kanyen'kehaka – „Leute vom Land des Feuersteins“). Das Gebiet erstreckte sich vom Mohawk River Valley (Mohawk: Teionontatátie / Teiehonwahkwà:tha, auch: Tsi ionnontatá:ses) im Süden (in dessen Flusstal ihre Hauptdörfer lagen) bis zum Sankt-Lorenz-Strom (Ken'tarókwen, Kaniatarowanenneh – „großer Wasserweg“) im Norden (der Grenze zu den Sankt-Lorenz-Irokesen und später Wendat-Völkern), vom Richelieu River (Kaniá:tare tsi kahnhokà:ronte), Lake Champlain (Ioniatarakwà:ronte) und Lake George (Kaniá:taro’kte) im Osten (Grenzgebiet zu den Missisquoi und Sokoki der Westlichen Abenaki (Mohawk: Ratinèn:taks / Anèn:taks – „Sie essen Kiefern“) und Mitglieder der feindlichen mächtigen Wabanaki-Konföderation sowie der Mahican) bis zum Territorium der Oneida entlang des Oneida River (Ononhwaróhare) und des Oneida Lake (Ononhwaróhare, des „Daumens“ der Finger Lakes) im Westen. Die Jagdgebiete erstreckten sich zudem entlang des Schoharie Creek (Ioskóhare) westlich der heutigen Stadt Amsterdam flussaufwärts bis zum East Canada Creek östlich von Little Falls sowie im Norden bis in die Adirondack Mountains (abgel. vom Mohawk-Wort: Adiro:daks / Ratirón:taks – „Jene, die Bäume/Rinde essen“, eine abwertende Bezeichnung für benachbarte Neuengland-Algonkineine weitere Bezeichnung für die Algonkin-Völker bezog sich auf die Unterschiede in der Phonetik der beiden Sprachfamilien: die Irokesen kannten keine labialen Konsonanten (b, p, m), an deren Artikulation primär die Lippen beteiligt sind und bezeichneten die Algonkin daher auch als Rontsha'ká:nons / Atsha'ká:nons – „Sie nagen an ihren Lippen“ oder als Rontewa'ká:nons / Atewa'ká:nons – „Sie nagen an ihren Wörtern“) (hart umkämpfte Grenzgebiete gegenüber der feindlichen Mahican-Konföderation), im Süden bis zum Ostarm des Susquehanna Rivers (Kawehnohkowanénhne) bei Oneonta (Onenièn:ton) im Otsego County (Mohawk: „Platz/Ort der Felsen“) (der Grenze zu den feindlichen Susquehannock).Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15: Northeast, S. 466–467. Smithsonian Institution Press, Washington D.C. 1978, ISBN 0-160-04575-4

Durch das Territorium der Mohawk führte der Haupthandelsweg zwischen der Atlantikküste (Hudson River (Ka’nón:no) und Mohawk River Valleys; größtenteils Wohngebiete der Östlichen Algonkin sowie der westlich lebenden Irokesisch-sprachigen Völker) bis zu den Great Lakes (via Wood Creek, Oneida Lake, Oswego River; Wohngebiete der „Westlichen Irokesen“, d. h. Seneca und Cayuga, weiterer Irokesisch-sprachigen Völker (Huron, Petun, Neutrale, Erie u. a.) sowie der Zentral-Algonkin).

Die Route verlief von Albany, der heutigen Hauptstadt des US-Bundesstaates New York (Mohawk: Skahnéhtati, Sche-negh-ta-da – „Jenseits der Kiefern“, „auf der anderen Seite des Kiefernlandes“, „durch die Kiefernwälder“)die feindliche Östliches-Algonkin-sprachige Mahican-Konföderation nannte das Gebiet rund um Albany hingegen Pempotowwuthut-Muhhcanneuw („die Stelle des Ratsfeuers der Mahican-Nation“), da sich hier ihre Hauptstadt Shodac (auch Schodack) befand westwärts nach Schenectady (Verballhornung des Mohawk-Namens für Albany, eigentlich: Onon’onhrakónhne), dann den Mohawk River flussaufwärts bis nach Fort Stanwix, dem heutigen Rome (Teiehonwahkwà:tha).New York State Military Museum – Fort Stanwix Hier befand sich mit Oneida Carry oder The Great Carrying Place (bzw.: Trow Plat im Niederländischen, Irokesisch: De-o-Wain-Sta)Fort Stanwix – The Oneida Carry and Its Early Fortifications: 1755-1757 eine bedeutende Portage auf der Güter und die Bateau genannten Pelzhandelsboote ca. eine bis sechs Meilen über Land bis zum Wood Creek (Irokesisch: Kah-ne-go-dick) transportiert werden mussten, der in den Oneida Lake mündet.

Nach der Überquerung des Oneida Lakes (gesichert durch Fort Brewerton) führte die Route den Oneida River flussabwärts; zusammen mit dem Seneca River (der Unterlauf heißt manchmal Onondaga River) bildet er nun den Oswego River, einem Zufluss des Lake Ontario (Oniatarí:io – „schöner See“ oder „großer See“), der bei Oswego (Mohawk: „Mündung“, wörtlich: „kleines Wasser (Oswego River), das in das große fließt (Lake Ontario)“) in den See mündet. Etwas flussabwärts lag Fort Oswego, ein befestigter Handelsposten, der von den Engländern im 18. Jahrhundert errichtet wurde, um den Handel mit den Indianern von den französischen Handelsposten am Sankt-Lorenz-Strom abzuziehen. Flussaufwärts befand sich der Onondaga Lake (Kanontà:’a) und in dessen Nähe das Hauptdorf der Onondaga.

Im 17. Jahrhundert gab es Berichten zufolge drei bis acht Mohawkdörfer. Möglicherweise ist diese Differenz auf Bevölkerungsverluste durch Kriege, Epidemien und Auswanderung zurückzuführen. Sicher bestätigt wurden drei von Palisaden befestigte Hauptdörfer am Südufer des Mohawk Rivers, die daher oft als „Mohawk Castles“ bzw. Burgen bezeichnet wurden, sowie mehrere kleinere Siedlungen. Die Bezeichnung des östlichsten Dorfes, auch First Castle genannt, wechselte mehrmals in den 1630er und 1640er Jahren. Die Mohawk änderten gewöhnlich den Namen eines Dorfes, wenn es an anderer Stelle neu errichtet wurde. So wurde dieses Dorf 1634 mit Onekagoncka bezeichnet, um 1644 hieß es Asserue oder Ossernenon, 1646 trug es den Namen Oneugioure und 1659 Kaghnuwage. 1666 wurde es von den Franzosen niedergebrannt und später nördlich des Flusses als Caughnawaga (Kahnawà:ke) („Ort an den Stromschnellen / Fällen des Mohawk River“), neu errichtet. Auf Grund seiner Größe und Bedeutung war es auch als Indian Castle bekannt und die Mohawk nannten es ebenfalls Gandaouage (Kachnawage) („befestigter Platz“). Das 1676 neu errichtete Dorf am Südufer des Sankt-Lorenz-Strom – gegenüber von Montreal – und nahe der Lachine-Stromschnellen in Québec, Kanada (Kana:ta – „Siedlung“ oder „Stadt“) wurde seitens der Mohawk daher ebenfalls Caughnawaga (Kahnawà:ke) genannt.

Das zweite Hauptdorf der Mohawk nannten sie Canajoharie (Kana’tsóhare) („der Topf, der sich selbst wäscht“) bzw. Kanagaro. Es lag etwa acht Kilometer vom First Castle entfernt und wurde nach der Zerstörung durch die Franzosen 1666 nördlich des Flusses wieder aufgebaut. Das dritte und größte der Hauptdörfer hieß Tiononderoga (Teioniataró:ken) (auch: Tio(n)nontogue(n), Tionondog(u)en – „Zusammenfluss von zwei Flüssen“) und wurde von den Bewohnern nach der Vernichtung 1666 etwa einen Kilometer entfernt neu errichtet. Die befestigten Mohawk-Dörfer wurden auch auf Grund ihrer Lage entlang des Mohawk Rivers unterschieden: als Lower Mohawk Castle wurde Tiononderoga bei Fort Hunter bezeichnet, da dieses flussabwärts (weiter östlich) lag, das rund dreißig Kilometer flussaufwärts (weiter westlich) gelegene Canajoharie daher als Upper Mohawk Castle.

Name Die Bezeichnung Mohawk wurde seit dem 17. Jahrhundert von den englischen Siedlern im südlichen Neuengland verwendet. Der Begriff erscheint in verschiedenen Schreibweisen, wie zum Beispiel Mahwuke, Mohack, Mowack, Mohogg, Maqua und Mohowawog. Mohowawog ist ein etymologisch korrekter Begriff aus dem Jahr 1638, der aus einer Sprache der Narraganset stammt und „Menschenfresser“ oder „Kannibale“ bedeutet. Die Eigenbezeichnung der Mohawk lautete Kanien'kehá:ka und bedeutet sinngemäß Leute vom Land des Feuersteins.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15: Northeast, S. 478

Kultur im 17. Jahrhundert mini|Inneres eines Langhauses Die Mohawk waren typische Waldlandindianer, bevor sie Kontakt zu Europäern hatten. Sie waren halbsesshafte Ackerbauern und schützten ihre Dörfer in Kriegszeiten durch Palisaden. Sie hatten keinen Zugang zur Küste und waren deshalb stärker als die Algonkinstämme im Osten auf die Landwirtschaft angewiesen. Der Lebensraum der Mohawk war typischerweise in zwei Bereiche unterteilt, zum einen in gerodete Lichtungen mit Langhäusern und Gärten, zum anderen in die umliegenden Wälder mit Jagdwild und möglichen Feinden. Die Wälder waren die Domäne der Männer, die den Geistern Opfergaben überreichten und um reiche Jagdbeute baten. Die Lichtungen fielen in die Verantwortung der Frauen. Die Mohawk rodeten die Wälder, indem sie die Bäume dicht über den Wurzeln anbrannten und demzufolge das Laub abfiel. So konnte die Sonne den Waldboden erreichen und die Asche reicherte den Boden an. Im folgenden Jahr wurden die Bäume gefällt und in der aufgelockerten Erde Mais, Bohnen und Kürbisse angebaut. Wenn nach einigen Jahren die Fruchtbarkeit nachließ, wurden neue Flächen gerodet. Etwa alle 15 bis 20 Jahre war die Fruchtbarkeit des Bodens erschöpft und erreichbare Holzbestände für die Feuerstellen und den Bau neuer Langhäuser und Palisaden wurden knapp. Das war das Signal zur Aufgabe des Standorts und zur Errichtung eines neuen Dorfs in der Nähe. Eine wesentliche Lebensgrundlage der Mohawk war somit der Ackerbau, der sie jedoch abhängig von guten Ernten, ertragreichen Kulturpflanzen und einer verlässlichen Vorratshaltung machte.

Jedes größere Dorf bestand aus etwa 20 bis 30 Langhäusern, durch die mitten hindurch ein langer Gang führte. Rechts und links lagen abgeteilte Wohnbereiche von bis zu zwanzig Familien, von denen sich jeweils zwei eine Feuerstelle teilten. Die Bewohner jedes Langhauses unterstanden der so genannten Clanmutter, normalerweise die älteste dort lebende Frau. Die Mohawk waren wie alle Irokesenstämme nach ihren Mütterlinien ausgerichtet, Männer mussten bei der Heirat in das Haus ihrer Ehefrau einziehen (Matrilokalität), und ein Kind gehörte immer zum Clan der Mutter.

Die Familie war die kleinste wirtschaftlich autonome Einheit; mehrere Familien bewohnten ein Langhaus und mehrere Langhäuser bildeten einen mit Tiernamen bezeichneten Clan. Jeder Clan war einer Phratrie (Clan-Verband) zugeordnet und die Mohawk bestanden, wie auch die anderen Irokesenstämme, aus zwei Phratien. Damit wird eine Verwandtschaftsgruppe benannt, die ihre Zusammengehörigkeit auf einen gemeinsamen mythischen Ahnen zurückführte. Die weiblichen und männlichen Clanoberhäupter bildeten den Stammesrat. Dem Stammesrat übergeordnet war der irokesische Bundesrat (engl. Iroquois Grand Council), der aus 50 Sachems bestand, von denen die Mohawk neun Repräsentanten stellten. Der Bundesrat versammelte sich immer in Onondaga.Alvin M. Josephy jr.: Amerika 1492. Die Indianervölker vor der Entdeckung. S. 162. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-10-036712-X

Geschichte Erster Kontakt mit Europäern