Magdeburg (, regiolektal [], niederdeutsch []) ist die Hauptstadt des Landes Sachsen-Anhalt. Die Stadt liegt an der Elbe und ist eines der drei Oberzentren des Landes. Mit Einwohnern (Stand ) ist sie die größte Stadt Sachsen-Anhalts und die viertgrößte Stadt der neuen Bundesländer. Auf der Liste der Großstädte in Deutschland stand Magdeburg im Jahr 2023 auf Platz 31.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Magdeburg im Jahr 805. Am 20. April 1207 brach eine erste Katastrophe über die Stadt herein, wobei ein Feuer große Teile der Stadt inklusive des Ottonischen Doms niederbrannte. Sie war im Spätmittelalter eine der größten deutschen Städte und ein Zentrum der Reformation. Im Mai 1631 wurde sie im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges nahezu vollständig zerstört.Jan N. Lorenzen: 1631 – Die Zerstörung Magdeburgs. In: ders.: Die großen Schlachten. Mythen, Menschen, Schicksale. Campus, Frankfurt am Main 2006. S. 55–100, ISBN 3-593-38122-2.Magdeburg im Dreißigjährigen Krieg bei MDR Geschichte.
1882 erreichte Magdeburg mit über 100.000 Einwohnern die Dimension einer Großstadt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt zum dritten Mal schwer getroffen. Von 1952 bis 1990 war sie DDR-Bezirksstadt. Seit 1990 ist sie Landeshauptstadt und im Jahr 2005 feierte sie ihr 1200-jähriges Stadtjubiläum. Seither wurden zahlreiche städtebauliche Projekte zur Rekonstruktion, Denkmalpflege und Neubebauung umgesetzt. Etwa 15.000 Gebäude stammen aus der Zeit vor 1950..
Zu den historisch bedeutendsten Persönlichkeiten der Stadt gehören der erste Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Otto I., sowie ihr Bürgermeister Otto von Guericke. Sie dienen der Stadt-Kampagne „Ottostadt Magdeburg“ als Namenspatrone.
Die Stadt am Schnittpunkt von Elbe, Elbe-Havel- und Mittellandkanal besitzt einen bedeutenden Binnenhafen und ist Industrie- sowie Handelszentrum. Von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung sind der Maschinen- und Anlagenbau, die Gesundheitswirtschaft, Umwelttechnologien, die Kreislaufwirtschaft, Logistik, die Kultur- und Kreativwirtschaft, die Holzindustrie sowie die Informations- und Kommunikationstechnik.
Magdeburg ist sowohl evangelischer als auch katholischer Bischofssitz. Das Wahrzeichen der Stadt ist der Magdeburger Dom.
In der Landeshauptstadt befinden sich zahlreiche bedeutende Kultureinrichtungen, darunter das Theater Magdeburg und die Museen für Kulturgeschichte, Naturkunde sowie für Technik. Des Weiteren ist Magdeburg Standort der Otto-von-Guericke-Universität, der Hochschule Magdeburg-Stendal und des Konservatoriums Georg Philipp Telemann.
mini|Luftaufnahme über dem Rotehornpark in Richtung Innenstadt mini|Das Wahrzeichen der Stadt, der Magdeburger Dom, mit Blick über die Elbe mini|hochkant|Blick auf Magdeburg aus der Internationalen Raumstation
Geographie mini|Magdeburger Elbufer mini|Der rote Messbolzen am Sockel des Nordturms des Doms befindet sich in und ist Referenzpunkt für die Bestimmung der Höhenlage Magdeburgs
Die kreisfreie Stadt im Zentrum Sachsen-Anhalts liegt an der mittleren Elbe und am Ostrand der Landschaft Magdeburger Börde auf altem Kulturboden und bildet das Zentrum der Region Magdeburg (auch Elbe-Börde-Heide genannt). Als Ortsmittelpunkt für die Bestimmung der Lage Magdeburgs gilt der Fußpunkt des Nordturms des Doms, welcher in liegt. Magdeburgs höchste Erhebung am Hängelsberge, die zur Hügelkette der Börde gehört, beträgt , die niedrigste Stelle liegt .Statistisches Jahrbuch 2020 Amt für Statistik, Landeshauptstadt Magdeburg (PDF; 19,5 MB).
Die Stadt erstreckt sich vornehmlich am westlichen Hochufer des Stroms an einer Geländestufe, die durch den Domfelsen (Sand- und Schluffsteine des Rotliegenden in Verlängerung des Flechtinger Höhenzuges) gebildet wird. Magdeburg ist eine der wenigen Städte der Norddeutschen Tiefebene, die neben Grauwacke, einem sandsteinernen Sedimentgestein des Paläozoikums, und in kleinem Maße auf Zechstein und eiszeitlichen Feuersteinablagerungen, auf Fels gegründet ist. Teilweise liegt das Stadtgebiet auf einer langgestreckten Insel zwischen der „Strom-Elbe“ und der „Alten Elbe“ sowie am flachen östlichen Ufer des Flusses. Die Fläche des Stadtgebietes beträgt etwa 201 km², die Stadtlängengrenze einschließlich Exklaven ist 89,9 km lang. 27,1 km davon grenzen an das Jerichower Land, 18,3 km an den Salzlandkreis und 44,5 km an den Landkreis Börde.
Typisch für ostdeutsche Großstädte besitzt Magdeburg keinen ausgeprägten Vorortgürtel und liegt nicht direkt in einem Ballungsraum. Da die Stadt als großer Entwicklungsmotor für die umliegende Region fungiert, wird sie als Regiopole eingestuft. Die nächstgelegenen Großstädte sind Wolfsburg etwa 64 Kilometer nordwestlich, die Partnerstadt Braunschweig etwa 75 Kilometer westlich, Halle (Saale) etwa 75 Kilometer südlich und Potsdam etwa 105 Kilometer östlich. Berlin liegt 130 Kilometer östlich.
Die Stromelbe durchquert Magdeburg auf einer Länge von 21,1 km und die Alte Elbe auf 5,3 km. Ihr Pegelnullpunkt an der Strombrücke liegt auf . Außerdem besitzt die Stadt mehrere Seen, darunter die Salbker Seen (zusammen 51,7 ha) oder den Barleber See I (103 ha) und II (71,9 ha).
Unter den 50 größten deutschen Städten hat laut einer Studie aus dem ersten Quartal 2007 Magdeburg nach Hannover den zweitgrößten Anteil an öffentlichen Grünflächen im Stadtgebiet.
Geologie mini|Domfelsen (Rotliegendes) Regionalgeologisch liegt Magdeburg auf dem Übertritt des pleistozänen Urstromtals der Elbe durch die Flechtingen-Roßlauer Scholle.
Das Urstromtal der Elbe bildet hier einen Teil des größeren Systems des Breslau-Magdeburg-Bremer Urstromtals. In diesem sammelte sich im Pleistozän das Schmelzwasser der großen Inlandgletscher und floss in Richtung Nordsee ab. Dadurch bildeten sich mächtige Vorkommen von glazifluviatilen Sanden. In geologisch jüngerer Zeit nahm die Elbe die Rolle des Fließgewässers im Urstromtal an. Sie fließt heute jedoch nicht entlang des Tals nach Haldensleben weiter, sondern ist stattdessen in Richtung Norden durchgebrochen. Insgesamt sind die Sedimente des Urstromtals nicht- bis nur schwach verfestigt.
Die Flechtingen-Roßlau-Scholle bildet eine Stufe im Bruchschollengebirge des tieferen Untergrundes von Sachsen-Anhalt. An ihrer Nordrand-Störung fand ein vertikaler Versatz von mehr als 2000 Metern gegen die Altmark-Scholle statt. Wegen der fortschreitenden Erosion ist sie heute kaum noch als Geländestufe erkennbar. In der Flechtingen-Roßlau-Scholle Magdeburgs sind die Festgesteinseinheiten des Paläozoikums anstehend, die während der variskischen Gebirgsbildung vor über 300 Millionen Jahren deformiert und metamorph überprägt wurden. Diese bilden die nördliche Fortsetzung des Harzes, der dazwischen vom Subherzyn überdeckt wird. Es handelt sich überwiegend um ehemalige Meeres-Sedimente, die als Magdeburger Grauwacken, Ton- und Siltschiefer anzusprechen sind. Teilweise ist die im Laufe der Zeit verfestigte Vorland-Schüttung dieses Gebirgens in Form von groben Rotliegendsandsteinen und Rotliegendkonglomeraten aufgeschlossen. Der Domfelsen besteht aus diesem Material. Am Rande der Flechtingen-Roßlau-Scholle wird das variskisch überprägte Grundgebirge vom Material des Zechsteinmeeres diskordant überlagert (Kalkstein/Tonstein/Gipssstein). Dieses spielte als Baugrund der Sternbrücke eine Rolle.
Als Überdeckung der Flechtingen-Roßlau-Scholle kommen außerhalb der Schwemmebene der Elbe tertiäre Sedimente wie der Magdeburger Grünsand und pleistozäne Sedimente wie Löss und Geschiebemergel vor.LAGB Sachsen-Anhalt: Digitale Geologische Oberflächenkarte 1:25.000 (WMS-Darstellungsdienst), WMS-Link: geodatenportal.sachsen-anhalt.de (GIS benötigt), abgerufen am 24. Dezember 2023.
Ein wesentlicher Bestandteil des Untergrundes von Magdeburg sind die Auffüllungen aus der Stadtgeschichte. Magdeburg war nicht immer so vergleichsweise eben. Zur Zeit der Stadtgründung gliederten tiefe, zur Elbe führende Rinnen die Innenstadt in sieben Hügel, die durch Brücken und Dämme überwunden wurden. Durch die zweifache Zerstörung der Innenstadt im Dreißigjährigen und Zweiten Weltkrieg fielen große Mengen mineralische Abfälle (Bauschutt) an. Diese wurden überwiegend in den Rinnen und deren Umgebung entsorgt, sodass in der gesamten Innenstadt eine Lage aus Auffüllungen zu erwarten ist.
Nachbargemeinden Folgende Gemeinden, genannt im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten, grenzen an die Stadt Magdeburg: im Landkreis Jerichower Land: Möser, Biederitz, Gommern im Salzlandkreis: Schönebeck und Bördeland im Landkreis Börde: Sülzetal, Wanzleben-Börde, Hohe Börde, Barleben und Wolmirstedt Im Ballungsraum Magdeburg (Agglomeration) leben rund 295.000 Menschen.
Schutzgebiete Auf dem Gebiet Magdeburgs sind bisher 160 geschützte Biotope erfasst, darunter Moore, Sümpfe, Bruch-, Schlucht- und Auwälder, Kopfbaumgruppen, Hecken und Quellbereiche.
Zum Schutz von Natur und Landschaft beziehungsweise zur Erhaltung und Entwicklung von Lebensstätten gibt es in Magdeburg das „Naturschutzgebiet Kreuzhorst“. In der mittleren Elbeniederung umfasst es einen der wenigen verbliebenen naturnahen Auenwaldkomplexe. Überwiegend befindet sich dort ein Stieleichen-Eschenwald. Im Naturschutzgebiet sind bisher 32 Säugetierarten, davon 16 auf der Roten Liste Sachsen-Anhalts, drei Reptilien- und zwölf Amphibienarten, davon sechs gefährdet, elf Fischarten, rund 3000 Schmetterlingsarten und 168 Rüsselkäferarten, aufgelistet. Erwähnenswert ist das Vorkommen von Hirschkäfern, Heldböcken, Steinbeißern, einer vom Aussterben bedrohten Art, Elbebibern und vom gefährdeten Iltis.
Das Biosphärenreservat Mittelelbe ist Lebensraum vieler gefährdeter Tierarten und aufgrund der Vielzahl von Altwassern von hohem ökologischen Wert. Es erstreckt sich auf Teilen der Überflutungsaue und östlich des Hochwasserdeiches.
Klima Der durchschnittliche Jahresniederschlag Magdeburgs liegt bei etwa 500 Millimetern. Gemessen am gesamtdeutschen Durchschnitt gilt das als niedrig; die Stadt liegt noch im Regenschatten des Harzes. Die Durchschnittstemperatur beträgt in Magdeburg 8,8 Grad Celsius, was im bundesweiten Durchschnitt liegt. Der trockenste Monat ist der Februar, niederschlagsreichster Monat ist Juni. Wärmster Monat ist der Juli, kühlster Monat ist laut Statistik der Januar.
Stadtgliederung Die Stadt Magdeburg ist in 40 Stadtteile gegliedert. In allen Stadtteilen gibt es weitere Unterteilungen, die sich im Laufe der Geschichte eingebürgert haben. Dabei handelt es sich meist um Neubausiedlungen oder Wohngebiete, deren Grenzen durchaus fließend sein können.
Lage der Stadtteile (anklickbare Karte) Alt Olvenstedt Alte Neustadt Altstadt Barleber See Berliner Chaussee Beyendorfer Grund Beyendorf-Sohlen Brückfeld (früher Friedrichstadt) Buckau Cracau Diesdorf Fermersleben Gewerbegebiet Nord Großer Silberberg Herrenkrug Hopfengarten Magdeburg-Industriehafen Kannenstieg Kreuzhorst Leipziger Straße Lemsdorf Neu Olvenstedt Neue Neustadt Neustädter Feld Neustädter See Nordwest („Texas“) Ottersleben Pechau Prester Randau-Calenberge Reform Rothensee Salbke Stadtfeld Ost (früher Wilhelmstadt) Stadtfeld West (früher Wilhelmstadt) Sudenburg Sülzegrund Werder Westerhüsen Zipkeleben
Geschichte
Bedeutung und Herkunft des Namens Ältere Formen des Namens Magdeburg lauten ad Magadoburg oder Magathaburg im 10. Jahrhundert.Magdeburg. In: onomastik.com (Namen und Namensbedeutung), 22. April 2005. Das Grundwort Burg ist allseits vertraut. Im Bestimmungswort vermutet Jürgen Udolph (erstmals 1999) ein – nicht belegtes – germanisches Adjektiv *magaþ („groß, mächtig“), also „mächtige Burg“, welches Harald Bichlmeier (2010) daher zurückweist.Harald Bichlmeier: Noch einmal zum Ortsnamen Magdeburg. In: Namenkundliche Informationen 97, 2010,
Mittelalter mini|hochkant|Nachbildung des Magdeburger Reiters