mini|Friedenspagode Wien Der Buddhismus in Österreich ist eine seit 1983 staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft. Österreich war das erste Land in Europa, das den Buddhismus offiziell als Religion anerkannte. Vertreten wird der Buddhismus in Österreich von der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR). Im Jahr 2001 bekannten sich rund 10.000 in Österreich lebende Personen zum Buddhismus.

Zahl der Buddhisten Die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft hat etwa 3000 Mitglieder. Im Jahr 2001 bekannten sich mehr als 10.000 in Österreich lebende Personen zum Buddhismus; das war das letzte Mal, dass bei einer Volkszählung das Religionsbekenntnis erfragt wurde.Volkszählung 2001 in Österreich, abgerufen am 6. Januar 2010 Gerhard Weißgrab, der Präsident der Buddhistischen Religionsgesellschaft schätzte 2008 die Zahl der auf etwa 20.000 Menschen.Werner Schandor: . In: Wiener Zeitung, 23. Februar 2008.Zur Schätzung vgl. auch Gerhard Weißgrab, Präsident der Religionsgesellschaft, im Interview, , Nina Brnada, in Wiener Zeitung (wiedergegeben auf ninabrnada.com, 22. Februar 2013), zur Frage „Wie viele Buddhisten leben derzeit in Österreich?“ Zur Zahl der Buddhisten österreichischer Abstammung müssten noch zahlreiche in Österreich lebende asiatische Buddhisten gezählt werden, wobei die Thailändische Gemeinde mit 4400 Einwohnern (Stand Ende 2015) zu den größten buddhistischen Gemeinden gehört.

Geschichte und Entwicklung Österreichisch-Ungarischen Monarchie Allen Figuren des frühen Buddhismus in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie voran ist Karl Eugen Neumann (1865–1915)Lit. Hecker: Buddhisten im alten Österreich. 1993, S. 16. zu nennen, der durch den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer und den Komponisten Richard Wagner auf den Buddhismus aufmerksam geworden war, wie viele seiner Intellektuellen Zeitgenossen. Neumann war im Mai 1884 Buddhist geworden und beschloss, sein Leben der Übersetzung der buddhistischen Originaltexte aus dem Pali-Kanon zu widmen. Der Pali-Kanon war damals selbst in die englische Sprache nur teilweise übersetzt. Daher musste Neumann bei der Übersetzung ins Deutsche Pionierarbeit leisten.Zu Karl Eugen Neumann siehe Volker Zotz: Der Buddha tritt auf: Karl Eugen Neumann. In: Auf den glückseligen Inseln. Buddhismus in der deutschen Kultur. Theseus Verlag, Berlin 2000, S. 90–101 Aus der Sicht der nachfolgenden europäischen Generation von Buddhisten kann Neumanns Werk durchaus als eine epochale Meisterleistung bezeichnet werden und wurde nicht nur von zeitgenössischen Intellektuellen wie Thomas Mann geschätzt und gewürdigt. Karl Eugen Neumann starb 1915 an seinem 50. Geburtstag. Die letzten Jahre seines Lebens waren von Schicksalsschlägen und Verarmung gekennzeichnet. Er liegt auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben. Sein völlig verwahrlostes Grab wurde in den 1950er Jahren von Mitgliedern der Buddhistischen Gemeinde Wien entdeckt und später zu einem ehrenhalber gewidmeten Grab der Stadt Wien erklärt.

Unter den wenigen Buddhisten dieser Zeit befand sich auch schon ein ordinierter Mönch. Der aus Graz stammende Arthur Fitz war 1913 in Ceylon als Bhikkhu Sono in die Sangha eingetreten. Er ist im Zuge des Ersten Weltkriegs wieder in den Laienstand getreten und später in Java verstorben.

Die Jahre 1918–1945 Öffentliche Vorlesungen von Lehrreden und Vorträge über Grundthemen des Buddhismus sind erste Ansätze zur Bekanntmachung des Buddhismus in Österreich in der Ersten Republik. 1923 wurde durch Ing. Axel Grasel eine Buddhistische Gesellschaft in Wien gegründet. Auf dem 2. Internationalen Buddhistischen Kongress in Paris im Juni 1937 bezeichnete allerdings der Bregenzer Buddhist Hermann Lange die Möglichkeiten für eine buddhistische Arbeit in Österreich als wenig hoffnungsvoll.

Nach dem Anschluss 1938 an NS-Deutschland wurde der Buddhismus bedingt durch das intolerante Klima des Dritten Reiches und durch die dadurch erzwungene Emigration einiger Buddhisten (die teilweise aus jüdischen Familien stammten bzw. Pazifisten waren) bis 1945 fast völlig zurückgedrängt. Nur der Theravada Kreis um Anton Kropac führte gelegentliche Treffen im privaten Kreis durch und wurde so nach Ende des Zweiten Weltkriegs eine Anlaufstelle für die wenigen Buddhismusinteressierten, zu denen sich auch der deutsche Buddhist Helmut Klar gesellte.

Die Jahre 1945–1960er Jahre 1949 wurde die Buddhistische Gesellschaft Wien gegründet, deren Leitung 1955 Fritz Hungerleider übernahm, der die Organisation in den nächsten zwei Jahrzehnten leitete. Hungerleider war 1938 infolge des Anschlusses als „Halbjude“ aus Österreich geflohen und lernte im Exil in Shanghai den Buddhismus kennen. Durch seine Vorträge kamen in den 1950er Jahren viele Menschen in Kontakt mit dem Buddhismus. Ab 1961 leitete Hungerleider nach einem Japan-Aufenthalt Zen-Seminare. In den 1970er und 1980er Jahren wurden von ihm Radiosendungen über die Entstehung, Verbreitung und Wesenszüge des Buddhismus im Österreichischen Rundfunk ausgestrahlt.

Der Bergsteiger Heinrich Harrer war ein weiterer Vermittler des Buddhismus.vgl. Helmut Clemens: Von Großdeutschland nach Tibet. Der lange Marsch des Heinrich Harrer., info-buddhismus.de. 1952 erschien sein Buch Sieben Jahre in Tibet. Später entstand eine intensive Debatte um Harrers Beziehung zum Nationalsozialismus. Österreich war durch Harrers Vermittlung im Aufnahmeprogramm tibetischer Flüchtlingskinder aktiv, sodass – neben der Schweiz – eine der größeren europäischen Diasporagemeinden entstand. Dadurch wurde der Buddhismus in Österreich im Kontext der Völkerverständigung, und nicht im Kontext der Flower-Power-Bewegung der 1960er in das Bewusstsein aufgenommen.Herbert: Eine kleine Geschichte des Buddhismus …, Abschnitt 7. 1960er und 1970er Jahre: Buddhismus in Gegenkultur und Praxis. Absatz Die Mitte der 70er Jahre erweist sich in Österreich somit als wichtige Achse für neue Entwicklungen ….

Die 1911 in Österreich geborene Freda Bedi, die als Nonne Karma Kechog Palmo hieß, war in den 1950er Jahren eine der ersten westlichen Frauen im tibetischen Buddhismus und wurde 1966 vom Karmapa zur Samaneri ordiniert. Sie hat das Karma Drubgyud Darje Ling Nonnenkloster für tibetische Frauen in Nordindien mit aufgebaut und starb 1977 in Sikkim.

Die Gründung einer buddhistischen Buchhandlung durch Erich Skrleta in Wien entsprach dem steigenden Bedürfnis, Werke über den Buddhismus zu lesen. Dabei wurde eine Adressenkartei von Buddhismus-Interessierten in Österreich und Süddeutschland aufgebaut.

1970er Jahre – 1983 Nach Gründung des Buddhistischen Zentrums Wien 1976 sowie ein Jahr später der „Buddhistische Gemeinschaft Salzburg“ wurde als Dachorganisation die „Österreichische Buddhistische Union“ ins Leben gerufen.

1975 wurde das Buddhistische Zentrum Scheibbs gegründet, dessen Leitung bis 1986 Franz Ritter übernahm. Dieses sollte authentischen buddhistischen Lehrern einen Rahmen für Seminare bieten sowie neue Strömungen zur Entwicklung eines europäischen Buddhismus fördern. Das Zentrum in Scheibbs war 1976 Schauplatz des ersten Jahreskongresses der Europäischen Buddhistischen Union nach ihrer Gründung in Paris 1975. Im Jahr darauf wurde im Buddhistischen Zentrum Scheibbs von Walter Karwath, Ernst Schönwiese, Franz Ritter, Ingrid Fischer-Schreiber, Erich Skrleta und anderen die Zeitschrift Bodhibaum gegründet, die in den fast 20 Jahren ihres Bestehens der Vernetzung und Diskussion unter Österreichs Buddhisten diente. Ab 1977 war der Wiener Arzt Walter Karwath Präsident der Buddhistischen Gemeinschaft Wien und des Buddhistischen Zentrums Scheibbs. Besuche namhafter asiatischer Lehrer wie Karmapa und Geshe Rabten prägten das Bild des Buddhismus in Österreich. Im August 1982 fand eine Europäische Shintagung statt, an der Kōshō Ōtani, der Patriarch des Nishi Hongan-ji, teilnahm.

Der österreichische Zen-Mönch Genro Koudela, ein Schüler von Joshu Sasaki Roshi, kehrte 1979 in seine Heimatstadt Wien zurück, wo er einen Bodhidharma Zen-Orden gründete.

Seit 1980 besteht in Österreich eine Niederlassung des von Lama Anagarika Govinda gegründeten Ordens Arya Maitreya Mandala. Der Orden gehörte bis Januar 1989 der Österreichischen Buddhistischen Union und der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft an und arbeitet seither eigenständig.Arya Maitreya Mandala in Österreich (arya-maitreya-mandala.at)

In den 1970er Jahren kamen Bestrebungen auf, in Österreich für den Buddhismus die staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft zu erlangen. Die österreichische Kultusbehörde forderte 1978 ein – heute verschollenes – „Religionsbekenntnis“ und eine „Andachtsordnung“, 1982 ein Statut für den Dachverband und von zumindest 1000 Personen eine Absichtserklärung, im Fall einer staatlichen Anerkennung der buddhistischen Gemeinschaft beizutreten.Einmal Pizza Buddhista, bitte! Arbeit am Erwachen: Vor 30 Jahren, unter Bruno Kreisky, wurde die Lehre vom Mitgefühl mit allen Wesen in Österreich zur Bekenntnisreligion. Wolfgang Koch in der Standard.at, 5. April 2013, Abschnitte Organisation im Jahrzehnt des Sektenverdachts und Eidesstattliche Erklärung von 1000 Personen Nach den langen Verzögerungen kam es zu einer Säumnisbeschwerde beim Verwaltungsgerichtshof.

1983–2009 mini|Der Letzehof, das buddhistische Kloster in Feldkirch Im Februar 1983 wurde der Buddhismus staatlich anerkannt,, buddhismus-austria.at, abgerufen am 6. Januar 2010 was Religionsunterricht an öffentlichen Schulen und buddhistische Sendungen im ORF ermöglichte. Im gleichen Jahr weihten japanische Mönche die Friedenspagode Wien ein. Ebenfalls 1983 öffnete das Heinrich-Harrer-Museum in Hüttenberg, das auch Einblicke in den Buddhismus Tibets bietet. In Feldkirch entstand im selben Jahr mit dem Letzehof ein Gelug-Kloster, das wegen Konflikten um Shugden-Verehrung nicht der ÖBR beitrat.

Nach dem Tod Walter Karwaths wurde 1986 Genro Koudela zum Präsidenten der ÖBR. 1989 entstand das Haus der Stille in Dienten am Hochkönig als Projekt des Zen-Mönchs Vanja Palmers und des Benediktiners David Steindl-Rast. Es dient auch dem interreligiösen Dialog als Begegnungsstätte.

mini|hochkant|Friedens-Stupa Graz, Volksgarten Zu Beginn der 1990er Jahre eröffnete in Kärnten ein Tempel des burmesischen Theravada und in Mödling ein Zentrum des japanischen Buddhismus. 1992 entstand ein österreichischer Zweig von Soka Gakkai, der 2001 der ÖBR beitrat. 1993 anerkannte die ÖBR das von Franz Ritter gegründete Naikan-Zentrum Neue Welt Institut in Lanzenkirchen als buddhistisches Institut. Der Jahreskongress der Europäischen Buddhistischen Union (EBU) mit Delegierten aus 10 europäischen Ländern fand auf Einladung der Buddhistischen Gemeinschaft Salzburg 1993 in Hallein statt.

Am 7. August 1994 weihte Kōshō Ōtani in Wien das Institut Komyoji ein, das sich auf einer philosophischen und kulturellen Ebene der Begegnung Europas mit dem Buddhismus und dem Konfuzianismus widmet. Das Institut, dessen Gründung von einer Reihe internationaler buddhistischer Persönlichkeiten wie Takamaro Shigaraki, Hisao Inagaki und Ruth Tabrah inhaltlich gefördert wurde, versteht sich als überkonfessionell, weshalb es nicht der ÖBR angehört. Das heute von Birgit Zotz geleitete Institut führt allerdings für die ÖBR Kurse im Rahmen der Ausbildung buddhistischer Religionslehrer durch.Paul Matusek: Buddhismus in der Schule. In: Buddhismus in Österreich. Magazin der österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft. Oktober bis Dezember 2011, S. 12–13