mini|Magic-Spieler bei einem Turnier
Das Sammelkartenspiel Magic: The Gathering wird von vielen tausend Spielern nicht nur zum Spaß gespielt (casual play), sondern „ernsthaft“ auf Turnieren. Offizielle Turniere werden von der so genannten DCI (stand ehemals für Duelists' Convocation International) sanktioniert oder veranstaltet. Diese Organisation trägt auch die Weltmeisterschaften aus und verwaltet die Weltrangliste.
Turniere werden hauptsächlich in offizielle bzw. inoffizielle und sanktionierte bzw. nicht sanktionierte Turniere eingeteilt. Offiziell ist ein Turnier dann, wenn es von der DCI selbst veranstaltet wird. Sanktioniert ist ein Spiel, wenn ihre Ergebnisse in die Weltrangliste einfließen. Dabei ist jede Kombination möglich, denn nicht alle offiziellen Turniere sind auch sanktioniert.
Turnierformate Es gibt verschiedene Turnierformate, in denen jeweils unterschiedliche Karten erlaubt sind. Diese Formate werden jedoch oft auch von Hobbyspielern benutzt. Dabei ist zu beachten, dass ältere Karten, die in neuen Editionen wieder gedruckt werden, so betrachtet werden, als wären sie aus der neueren Edition.
Constructed Bei Constructed-Formaten stellt jeder Spieler vor dem Turnier aus seinen eigenen Karten ein Deck mit je 60 Karten oder mehr und einem so genannten Sideboard aus bis zu 15 Karten zusammen, dabei darf die Anzahl der Kopien jeder einzelnen Karte (mit Ausnahme der 5 Standardländer, welche beliebig oft verwendet werden dürfen) nicht mehr als 4 betragen (die sogenannte Vier-Karten-Regel). Mit diesem Deck spielt er dann im Turnier. Man unterscheidet verschiedene Constructed-Formate nach den Editionen, deren Karten verwendet werden dürfen, um das Deck und das Sideboard zu bauen.
Das Sideboard dient dazu, sich auf einen Gegner besser einzustellen. Nach dem ersten Spiel einer Runde mit einem Gegner kann man Karten aus seinem Hauptdeck gegen Karten aus dem Sideboard tauschen. Ebenso hat man nach dem zweiten Spiel die Möglichkeit, für ein eventuell ausstehendes drittes entscheidendes Spiel noch einmal zu tauschen.
Im Laufe der Zeit entwickeln sich in den einzelnen Formaten Standarddecks, die von vielen Spielern in nur leicht modifizierter Form gespielt werden, da sie sich als besonders stark erwiesen haben. Dieses Phänomen wird auch als netdecking bezeichnet, da sich die Spieler die Zusammenstellung ihrer Decks aus dem Internet besorgen. Auf wichtigen Constructed-Turnieren finden sich fast ausschließlich solche netdecks. Die Qualität eines Decks hängt dabei auch wesentlich davon ab, welche anderen Standarddecks sich zurzeit in einem Format etabliert haben, da manche Decks gegen bestimmte Decktypen stärker oder schwächer sind. Daher etabliert sich für die einzelnen Formate ein sogenanntes Metagame, in dem es darauf ankommt, ein möglichst starkes Deck in Abhängigkeit von den zu erwartenden Decks zu finden und zu spielen. Die Standarddecks ändern sich natürlich, wenn neue Editionen zu einem Format hinzukommen oder alte Editionen nicht mehr gespielt werden dürfen. Tendenziell ändern sich daher Formate, in denen weniger Editionen erlaubt sind, schneller und das Hinzukommen bzw. der Wegfall einzelner Editionen hat einen größeren Einfluss.
Vintage Bei Vintage (ehemals Typ 1) dürfen Karten aus allen Editionen gespielt werden. Einige Ausnahmen gibt es jedoch auch: Die Editionen Unglued und Unhinged wurden von vornherein nicht zum ernsthaften Spielen entworfen. Diese dürfen bei keinem Format gespielt werden, nicht einmal bei Vintage. Des Weiteren ist auch Vanguard nicht turnierlegal. Auch verboten sind alle Karten, mit denen um Einsatz (Ante) gespielt wird. Diese gab es aber zuletzt in schon recht alten Editionen und sie werden schon lange nicht mehr gedruckt. Weiterhin sind alle Karten verboten, deren Einsatz Geschicklichkeit erfordert (Chaos Orb und Falling Star) sowie alle Karten, die verlangen, dass ein Subspiel gespielt wird (hiervon ist nur eine Karte betroffen, nämlich Shahrazad). Ein paar Karten dürfen nur einmal im Deck vorhanden sein (sie sind restricted), da sie unverhältnismäßig stark sind (zum Beispiel Black Lotus, Time Walk, Ancestral Recall).
Legacy Da viele Spieler monieren, Vintage sei zu sehr davon abhängig, wie gut man am Anfang zieht – schließlich sind hier ab und zu Siege in der ersten Runde zu sehen – gibt es das Legacy-Format (ehemals Typ 1.5). Auch hier dürfen die Karten aus allen Editionen gespielt werden, allerdings sind hier viel mehr Karten verboten (gebannt) als in Vintage. Infolgedessen ist Legacy generell langsamer und die Decks billiger, da die teuren, extrem starken Karten hier nicht gespielt werden dürfen.
Modern
Im August 2011 wurde das neue Format Modern ein offiziell unterstütztes Format. Modern legal sind alle Karten ab den Erweiterungen 8. Edition und Mirrodin (bis auf verbotene Karten, also solche, die sich auf der Bannliste befinden).
Pioneer
Im Oktober 2019 wurde das Format Pioneer vorgestellt, und im Januar 2020 auf dem Grand Prix in Brüssel offiziell kodifiziert. Als Begründung für das neue Format wird angegeben, dass durch das Alter von Modern die hürde für neue Spieler zu groß sei, und sich zwischen Standard und Modern eine Lücke aufgetan hätte. Pioneer soll diese Lücke schließen, und Spielern ein Format mit einem deutlich kleineren Kartenpool bieten, indem sie schneller ein kompetetives Deck zusammen stellen können, wenn die Karten aus Standard herausrotiert sind. Pioneer legal sind alle Karten ab der Erweiterung "Rückkehr nach Ravnica" (bis auf verbotene Karten, also solche, die sich auf der Bannliste befinden). In Abgrenzung zu Modern umfasst dies aber ausschließlich Standard-Sets. Universes Beyond Sets (wie Herr der Ringe, Assassin’s Creed oder Finaly Fantasy) sind in Pioneer ausgeschlossen.
Extended Im Extended-Format (ehemals Typ 1.X) waren alle Karten der letzten vier Jahre sowie die dazugehörigen Haupteditionen erlaubt. Jede neue Edition wurde hier am Erscheinungstag legal, während mit dem Erscheinen der jährlichen großen Editionen im Herbst der jeweils älteste Editions-Block herausfiel (und ggf. auch die dazugehörige Hauptedition). Seit 2011 wird Extended als Format zugunsten des neuen Formats Modern nicht mehr durch die DCI sanktioniert.
Standard Im Standard-Format (ehemals Typ 2) sind Karten erlaubt, die in der gerade aktuellen Basisedition enthalten sind, sowie Karten der letzten beiden Blöcke. Das Standard-Format wird weltweit am meisten gespielt, da die Karten im Gegensatz zu Formaten, die ältere Karten erlauben, leichter erhältlich sind.
Block Constructed In einem Block-Constructed-Format (es gibt ein eigenes Block-Constructed-Format für jeden bisher erschienenen Block) sind lediglich Karten eines einzigen Blocks erlaubt. Bei Mirrodin Block Constructed wären dies beispielsweise die Karten des Mirrodin-Blocks mit den Editionen Mirrodin, Nachtstahl und Fünfte Morgenröte. Sanktionierte Turniere im Block-Format werden meist mit dem letzten erschienenen Block gespielt. Anders als bei den anderen Constructed-Formaten können hier keine Karten heraus rotieren, Karten eines Blocks sind im jeweiligen Block Format immer spielbar, es sei denn, sie wurden gebannt.
Highlander Die sogenannten Highlander oder auch Commander-Formate werden nicht offiziell von der DCI sanktioniert, weshalb sie als Hobby-Formate gelten. Allerdings werden inzwischen auch Highlander-Turniere durchgeführt. Allen Highlander-Formaten ist eigen, dass in ihnen jede Karte mit Ausnahme der Standardländer nur einmal gespielt werden darf. Die Decks der gängigsten Highlander-Formate müssen mindestens 100 Karten enthalten. Der Name dieses Formats bezieht sich auf den Film Highlander – Es kann nur einen geben.
Als Variante dieses Formats hat sich Elder Dragon Highlander (EDH) insbesondere unter Schiedsrichtern verbreitet. Dabei handelt es sich um eine Mehrspieler-Variante, bei der die Spieler mit 40 Lebenspunkten starten. Die Besonderheit dieses Formats ist, dass eine legendäre Kreatur, der sogenannte General, am Anfang des Spiels beiseitegelegt wird und jederzeit für seine normalen Manakosten gespielt werden kann. Die Kosten werden im Spielverlauf jedoch erhöht. Außerdem darf das Deck nur Karten in den Farben des Generals enthalten.
Pauper Das Format Pauper (englisch & latein = „arme Person“) wurde zuerst als Online-Format erschaffen. Hierbei dürfen ausschließlich gewöhnliche, sogenannte „Common“ Karten gespielt werden. Dabei sind alle Karten erlaubt, die in irgendeinem beliebigen Magic-Set (auch Online-Set) als gewöhnliche Karte gedruckt wurden. Aufgrund der daraus resultierenden günstigen Deckpreise ist dieses Format besonders bei Hobby-Spielern beliebt. Die offizielle Pauper-Liste der gebannten Karten beinhaltet die Karten Cranial Plating, Empty the Warrens, Frantic Search, Grapeshot und Invigorate. Ab dem 27. September 2013 wurden noch Cloudpost und Temporal Fissure zur Liste hinzugefügt.
Peasant Peasant (englisch = „bäuerlich“) ein Format in Anlehnung an Pauper, erlaubt es neben den gewöhnlichen Karten, fünf ungewöhnliche Karten, sogenannte „Uncommons“ zu spielen. Dadurch kann man, im Vergleich zu Pauper, eine wesentlich höhere Kombinationsmöglichkeit der Deckstrategien entwickeln, bei einem ähnlich günstigen Deckpreis. Peasant-Turniere sind relativ selten, da dieses Format nicht DCI-sanktioniert ist. Eine offizielle Liste der verbotenen Karten gibt es nicht, jedoch wird bei Turnieren häufig die vorgeschlagene Liste verwendet, wie sie auf der Seite der größten Peasant-Community vorgeschlagen wird.
Limited mini|hochkant|Der ehemalige Tournament Manager der DCI, Jeff Donais Limited-Formate werden im Gegensatz zu den anderen Formaten nicht mit vorher zusammengestellten Decks gespielt. Stattdessen erhält jeder Spieler auf verschiedene Weisen Karten aus Boostern oder Turnierpackungen. Die Zusammenstellung von Boostern und Turnierpackungen wird dabei als Produkt bezeichnet. Da der Spieler so stark beschränkt ist, muss er nur ein 40-Karten-Deck erstellen, allerdings können Standard-Länder in beliebiger Anzahl hinzugenommen werden. Die Vier-Karten-Regel wird bei Limited-Formaten nicht angewandt.
Der besondere Anspruch des Limited-Formats liegt darin, dass normale Strategien nicht auf dieses Format übertragen werden können. So muss man sich ein Deck aus einer recht begrenzten Kartenauswahl zusammenstellen und wird gezwungen, auch mit nicht-optimalen Karten zu spielen. Außerdem entfällt natürlich das Phänomen des Netdeckings, das es bei Constructed-Formaten gibt. Trotzdem gibt es auch bei Limited-Decks oft gewisse Archetypen, die sich als besonders stark erwiesen haben. Diese Archetypen ändern sich aber je nach Abhängigkeit des genauen Formats und des verwendeten Produkts.
Sealed Deck Bei Sealed-Deck-Turnieren erhält man bei Turnierbeginn sechs Booster (vor dem Erscheinen von Alara Reborn eine Turnierpackung und zwei bis drei Booster), was insgesamt 84 Karten (ohne Token und Standardländer) entspricht. Aus diesen Karten und den bei dem Turnier gestellten Ländern erstellt jeder Spieler sein Deck. Dieses Format gilt als das glücksabhängigste, da hier die Kartenauswahl rein zufällig ist und Spieler keinen Einfluss darauf haben. Aus diesem Grund wird dieses Format heutzutage beispielsweise nicht mehr auf der Pro Tour, dem höchsten Turnierniveau verwendet. Auf kleineren Turnieren erfreut es sich dennoch großer Beliebtheit, da dieses Format im Gegensatz zu Draftformaten mit relativ wenig Aufwand zu realisieren ist.
Booster Draft mini|Spieler, Schiedsrichter und Zuschauer während eines Booster Drafts