Volkenroda ist ein Ortsteil der Gemeinde Körner im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen, der vor allem durch das Kloster Volkenroda und die dort ansässige Jesus-Bruderschaft geprägt ist. Beim Ort Volkenroda bestand um 1000 bereits eine bedeutende hochmittelalterliche Reichsburg, die Anlage wurde 1131 dem Zisterzienserorden zum Bau einer Klosteranlage übergeben. Volkenroda ist auch durch die Königseiche bekannt, der Baumveteran ist am nördlichen Ortsrand zu finden. Die Einwohnerzahl beläuft sich auf ca. 170 Personen.
Lage Der Ort Volkenroda liegt etwa acht Kilometer (Luftlinie) nordöstlich der Kreisstadt Mühlhausen/Thüringen. Volkenroda ist eingebettet in eine jahrhundertealte Kulturlandschaft. Der südliche Ortsrand leitet in die weiten Ackerfluren auf den fruchtbaren Lössböden des Thüringer Keuperbeckens über. Im Norden befindet sich über den Kalken des Muschelkalks der Volkenroder Wald und der ebenfalls bewaldete Tiergarten. Am Westrand des Tiergarten sind mehrere von den Zisterziensermönchen angelegte Fischteiche bis heute erhalten geblieben. Der größte ist der Kälberteich. Im Westen schließt sich auf einem Naturschutzgebiet (ehemaliger Truppenübungsplatz der Bundeswehr) mit Schafen beweidetes offenes Grasland an. Im nordöstlich gelegenen Schaftal blühen in jedem Frühjahr tausende Märzenbecher.
Nachbarorte
Geschichte Burganlagen Eine wichtige, aus dem zentralen Thüringer Becken nach Nordwesten orientierte Altstraße wurde bereits in frühgeschichtlicher Zeit genutzt und durch eine etwa acht Hektar große Wallburg bei Volkenroda und die benachbarte Schlotheimer Wallburg überwacht. Die beachtliche Größe deutet darauf hin, dass hier ein wichtiges militärisches Zentrum der von König Heinrich I. zur Abwehr der Ungarn errichteten Befestigungen gelegen haben kann. Im 11. Jahrhundert wurden in Nordthüringen und am Rand des Harzgebirges durch die königliche Zentralgewalt etwa 20 Großburgen und befestigte Königshöfe errichtet, wobei auch ältere Anlagen neu errichtet wurden. Die Reichsburg Volkenroda besaß eine Grundfläche von zwei Hektar, hatte eine Ausdehnung von 320 × 280 m und entstand im Areal der älteren Wallburg. Der von sächsischen und thüringischen Adeligen angeführte Aufstand gegen König Heinrich IV. wurde als Sachsenkrieg bekannt. 1073 erfolgte die Belagerung der Burg „Volkenroth“ durch Aufständische, die Aufgabe und Zerstörung der Anlage erfolgte 1075. Nach dem Ende des Aufstandes erhielt der ludowingische Graf Ludwig der Springer die Vogteirechte über den Burgbezirk. Der militärische Wert der Burg war durch die Fortentwicklung der im benachbarten Schlotheim gelegenen Burg der Herren von Schlotheim ersetzt worden. Die noch erhaltenen Gräben und Erdwälle dienten nachfolgenden Siedlern als Schutz für ihr Dorf Volkenroda, das als bäuerlicher Rodungsort am Waldrand fortbestand und zur Herrschaft der Schlotheimer zählte, die als Ministerialen und Hofbeamte der Thüringer Landgrafen dienten. 1130 erwarb eine Helinburg aus dem Grafengeschlecht Beichlingen den Ort und stiftete das erste Zisterzienserkloster Thüringens.Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. 430 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 308.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 259–260.
Zisterzienserkloster Auf dem nördlichen Gelände der einstigen Burg Volkenroda erfolgte 1131 die Gründung des Zisterzienserklosters Volkenroda als Tochtergründung des Klosters Kamp. Bei der Gründung wurde das Kloster mit den Orten Pöthen, Zehnten in Merxleben und Pfarrrechten in Thamsbrück und Bleicherode ausgestattet. Weiterer Streubesitz wie eine Mühle bei Görmar und eine Mühle in Graba wurden vom König Lothar III. geschenkt. Der westlich des Klosters gelegene Wald ging 1139 aus dem Besitz des Herzogs Heinrich an das Kloster. Es entstanden im Umkreis von 20 Kilometer Klostergüter als Grangien (landwirtschaftliche Betriebe), gleichzeitig wurden bereits bestehende Orte durch Umsiedlung entvölkert. Durch zahlreiche weitere Schenkungen und Rechte sowie durch Zukauf wurde Volkenroda bald zu einem der reichsten und angesehensten Klöster in Nordthüringen. Es erhielt durch die Päpste besondere Förderung, so gestattete Papst Honorius III. dem Kloster die freie Abtwahl und befreite das Kloster von der weltlichen Gerichtsbarkeit. Mehrere deutsche Könige und Kaiser verliehen Volkenroda das Marktrecht, die Thüringer Landgrafen hatten als Schutzvögte das Fortbestehen zu sichern. Das Kloster stellte im 13. Jahrhundert für die Grafen von Tonna und Gleichen eine Brücke zu ihren Besitzungen im Eichsfeld dar. Der Einfluss in der Region stieg im 14. Jahrhundert durch die Erwerbung der Burg Körner und eines Freigutes in der Stadt Mühlhausen. Tochterklöster wurden von Volkenroda mit Mönchen besetzt: sie entstanden 1133 in Waldsassen, 1162 Reifenstein, 1163 Loccum und 1165 in Dobrilugk. Das Kloster geriet im 14. Jahrhundert in Verfall durch die Teilnahme an den Fehden und Kämpfen mit den Nachbarherrschaften. Mit der benachbarten Reichsstadt Mühlhausen lag man über 60 Jahre in Fehde, ein berüchtigter Räuber Iser Heinrich (der Eiserne Heinrich) wurde 1376 von den Mönchen als Söldner gedungen, um die Nachbarn zu schädigen. Der Christian von Hellingen lag ebenfalls in Fehde mit den Mönchen und überfiel 1415 einen Klosterhof, um die 12 Pferde und weitere Geiseln abzuführen.
Mit der Teilung des Herzogtums Sachsen im Jahr 1485 kam es zum albertinischen Gebietsteil. Im Bauernkrieg erschien der Mühlhäuser Prediger und Bauernkriegsführer Heinrich Pfeiffer 1525 bei den Bauern des Klosters um sie für den Aufstand zu werben. Viele der von Pfeiffers und Thomas Müntzers Predigten fanatisierten Bauern zündeten sogar ihre eigenen Höfe an, um mit der Vergangenheit als Klosterleibeigene zu brechen. Nach einer Amtsbeschreibung waren die Orte Menteroda, Kleinkeule, Volkenroda und Bertaroda von ihren Bewohnern verlassen worden, um sich dem Bauernheer anzuschließen. Die fast ungeschützten Volkenrodaer Klostergebäude wurden am 29. April 1525 im Handstreich durch die aufständischen Bauern eingenommen und geplündert, vier der führenden Mönche wurden einem Standgericht der Bauern zugeführt und erhängt. Die meisten Urkunden und Gebäude wurden beim Abzug durch Brandstiftung zerstört oder beschädigt. Der sächsische Herzog Georg, ein dem katholischen Glauben treu gebliebener Wettiner ordnete als Landesherr den unverzüglichen Wiederaufbau des Klosters an. In der weiteren Abfolge der Ereignisse folgten seine Nachfolger dem Beispiel anderer protestantischer Landesherren und verfügten 1540 die endgültige Aufhebung des Volkenrodaer Klosters. Einer der letzten Äbte, Nicolaus Sever, entsagte dem Orden und veruntreute nach drei Jahren als weltlicher Klostervogt das einstige Klostergut Bollstedt und andere Einkünfte der Mönche. Der letzte Abt des Klosters, Ludolf mit Namen, übergab 1543 den Besitz an Herzog Moritz von Sachsen. 1544 fiel das Kloster dem späteren sächsischen Kurfürsten August zu. Ab 1645 gehörte Volkenroda als Hauptort der Exklave des Amts Volkenroda zum Herzogtum Sachsen-Gotha. 1830 wurden die allgemeinen Verwaltungs- und Amtsgeschäfte des Amts Volkenroda an Tonna abgegeben, es verblieb nur das Justizamt im Ort. Die Verwaltungsaufgaben wurden 1869 vom Landratsamt Gotha übernommen und die Gerichtsbarkeit nach Tonna verlagert.Hans Patze, Peter Aufgebauer (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 9: Thüringen (= Kröners Taschenausgabe. Band 313). 2., verbesserte und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 1989, ISBN 3-520-31302-2, S. 453–454.
Die ehemalige ringförmige Klostermauer aus Bruchsteinen und ein Steintor sowie Reste der 1150 geweihten Kirche (kreuzförmige romanische Basilika) sind bis heute erhalten geblieben.Stephanie Eißing u. a.: Thüringen (= Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler.). Neubearbeitung. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage. Deutscher Kunstverlag, München 2003, ISBN 3-422-03095-6, S. 1270–1272.
Amt und Gut Volkenroda mini|Das Amt Volkenroda Auf Anordnung des sächsischen Kurfürsten August wurde um 1545 aus dem säkularisierten Klosterbesitz und den angrenzenden Ländereien das sächsische Amt Volkenroda gebildet, es bestand aus den Orten Hohenbergen, Kleinkeula, Körner, Menteroda, Obermehler, Österkörner und Pöthen und bestand bis 1869, als es dem Amt Tonna zugeteilt wurde. Der Sitz des Amtsvogtes von Volkenroda befand sich auf dem Klostergelände, als erster Verwaltungsbeamter ist Georg von Hering bekannt. Das Klostergut wurde als herzogliches Kammergut fortgeführt.
Als Ergebnis der Gründung des Freistaates Thüringen wurde 1921 eine Verwaltungsreform durchgeführt. Volkenroda gelangte 1922 als Ortsteil der Gemeinde Körner zum neu gegründeten Landkreis Sondershausen, der bis 1952 bestand. Die 2. Parteikonferenz der SED (9.–12. Juli 1952) löste eine Neustrukturierung der Gebiets- und Verwaltungsstruktur aus, die Länder wurden abgeschafft und durch Bezirke ersetzt, die Grenzen der Kreise wurden neu festgelegt. Der Landkreis Mühlhausen wurde nach der Verordnung der Bezirks- und Kreisgrenzen vom 25. Juli 1952 neu strukturiert, der Ort Körner und weitere Nachbarorte gelangten mit sofortiger Wirkung zum Landkreis Mühlhausen.
Bis in die jüngste Vergangenheit war Volkenroda ein sehr kleiner Ort mit wenigen Gebäuden geblieben. Die einstige Klosterkirche war bis 1968 evangelische Kirche des Dorfes, bevor sie wegen Baufälligkeit geschlossen wurde. Das Dorf wurde bereits zur „Absiedelung“ vorgesehen, es wurden von staatlicher Seite keine Investitionen mehr bewilligt und vorgenommen.
Wiederherstellung des Klosters nach der Wende Kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands zogen zwei westdeutsche Bruderschaften (Jesus-Bruderschaft Gnadenthal und Christusbruderschaft Selbitz) nach Volkenroda. Man begann mit der Wiederherstellung der Klosteranlage. 1994 hat die Jesus-Bruderschaft das Kloster erworben und maßgeblich zum Wiederaufbau der Anlage beigetragen. Seitdem gestaltet sie dort auch wieder ein gemeinschaftliches Leben im klösterlichen Sinne und empfängt Gäste zu Tagungen oder zur Einkehr. 2005 übernahm die Stiftung Kloster Volkenroda das Anwesen. Stiftungszweck ist die Förderung des christlichen Glaubens und eines geistigen, sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens im Kloster Volkenroda.
Jesus-Bruderschaft Die Jesus-Bruderschaft ist eine evangelisch geprägte aber ökumenisch ausgerichtete Kommunität. Die Lebensgemeinschaft besteht aus ehelos lebenden Brüdern und Schwestern sowie Familien. Die Mitglieder kommen aus unterschiedlichen Kirchen und Konfessionen, denen sie bleibend angehören. Ihr Zentrum ist seit 1969 das Kloster Gnadenthal (Hessen). Seit 1994 ist das Kloster Volkenroda eine Außenstation der Kommunität.
Bergbau im Gebiet Volkenroda miniatur|Gewerkschaft Volkenroda, etwa in den 1920er Jahren mini|Bergmann im VEB Kaliwerk Volkenroda (1952) Die Anfänge des Bergbaus im Gebiet Volkenroda reichen bis in das 17. Jahrhundert. Am 2. August 1650 hatte ein im Auftrag des Sachsen-Gothaer Herzogs Ernst der Fromme tätiger Bergmann die Umgebung des Ortes mit der Wünschelrute abgesucht. Einem Bericht aus dem Jahr 1651 ist zu entnehmen, das man im Schaftal mit der Anlage eines Schachtes begonnen habe, um Salz zu fördern. Der Versuch scheiterte zunächst, als man die beim Abteufen des Schachtes angetroffenen stark andrängenden Grubenwässer nicht ableiten konnte, da es an erforderlicher Hebetechnik mangelte. Der vor Ort tätige Bergmeister Jacob Börner ordnete das sofortige Ende aller Arbeiten an.Die Vorgeschichte des Bergbaus im alten Amt Volkenroda. In: VEB Kalibergwerk Volkenroda (Hrsg.): 50 Jahre Kalibergwerk Volkenroda. 1956, S. 5–8.