mini|Blick auf den Ortskern mit der kath. Pfarrkirche
Poppenhausen (Wasserkuppe) ist eine Gemeinde im osthessischen Landkreis Fulda.
Geographie Geographische Lage Die Gemeinde liegt mit ihren Ortsteilen in der Hochrhön, am Hang der Wasserkuppe, des Pferdskopfes und des Eubeberges. Durch den Ortsteil Poppenhausen fließt die Lütter, ein Nebenfluss der Fulda.
Nachbargemeinden Poppenhausen grenzt im Norden an die Gemeinde Hofbieber, im Nordosten an Hilders, im Osten an die Gemeinde Ehrenberg, im Südosten und Süden an die Stadt Gersfeld sowie im Westen an die Gemeinden Ebersburg, Künzell und Dipperz (alle im Landkreis Fulda).
Gliederung Die Gemeinde besteht aus den fünf Ortsteilen: Poppenhausen Abtsroda (mit Sieblos und Tränkhof) Gackenhof (mit Neuwart, Kuppe, Rabennest, Neufeld, Steinbruch, Bienhof, Bollrain, Storchshof, Hettenpaulshof, Danielshof, Wiegerich, Huhnrain, Huhnmühle, Hugofluss und Unteraltenweiher) Rodholz (mit Schwarzerden, Güntersberg, Guckai, Kohlstöcken, Heckenhof, Farnlieden, Lahmenhof und Oberaltenweiher) Steinwand (mit Hohensteg, Rauschelbach, Ziegelhof, Eichenhof, Steinhecken, Erlenhof, Maulhof, Klübershof, Obereichenwinden, Teufelstein, Eselsbrunn, Mittelberg, Grabenhof, Eichenwinden, Heckenmühle, Dürrmühle, Heiligenhof, Grasberg, Hugograben, Bildstein, Feuerloch, Öttersbach, Heimenhof, Krämersloch, Hausfüst, Kalkhof, Vorderreppig, Remerz und Leimbachshof)
Geschichte mini|links|hochkant|Die Josefskapelle in Tränkhof mini|Ortsteil Abtsroda mit der Wasserkuppe
Erstmals erschien die Örtlichkeit als „Bifang“ (Rodungsgut) samt 13 „Unfreien“ am 1. Februar 826 in einer Schenkungsurkunde des fränkischen Gaugrafen Poppo I. an das Kloster Fulda. Diese Urkunde gilt jedoch nach den strengen Regeln des Hessischen Staatsarchivs nicht als Ersterwähnung, da der Ort nicht als „villa“ bezeichnet ist. Dies ist erst in einem zwischen 1155 und 1165 entstandenen Urbar (Güterverzeichnis) des Klosters Fulda, dem sogenannten Codex Eberhardi der Fall. In der Folge waren dort zahlreiche Rittergeschlechter ansässig oder begütert, so die Herren von Steinau genannt Steinrück, die von Ebersberg genannt von Weyhers, die von Thüngen, die von Berlepsch, die Specht von Bubenheim, die von Merlau und weitere. Die letzten Adeligen waren die von Mansbach, deren letzten Besitz der Fuldaer Fürstabt Adalbert I. von Schleiffras 1709 zurückkaufte. Alle hatten ihre eigenen Gasthöfe und Mühlen, zu deren Nutzung ihre Lehnleute verpflichtet waren. In Poppenhausen befand sich eine große Wasserburg, mit über 10.000 Quadratmetern die größte der Umgegend, die erstmals 1327 erwähnt wurde und 1459, zumindest oberirdisch, zerstört wurde. Unter verschiedenen Gasthöfen und dem Von-Steinrück-Platz sind Keller dieser ehemaligen Burg Poppenhausen erhalten.
1635 tobte die Pest in der Gegend. Aus Dankbarkeit, dass die Pestgefahr vorüber war, errichtete der Geselle Johannes Farnung 1639 einen Bildstock auf dem Poppenhausener Hausberg, „Stein“ genannt. Am 21. Juni 1647 gelobte die Gemeinde, jedes Jahr eine Wallfahrt zu diesem Bildstock durchzuführen. Dieser örtliche Pest- und Hagelfeiertag wird seither alljährlich mit einer Bittwallfahrt zur Kapelle auf den Stein gefeiert, wobei der Text des Gelöbnisses von 1647 verlesen wird.
Am 30. September 1903 verwüstete ein Brand im Ortskern 18 Wohnhäuser mit Nebengebäuden einschließlich Pfarrhaus und alter Schule. Schon um die Wende des 19./20. Jahrhunderts öffnete sich der Ort für Sommerfrischler, so wurden die Weichen für den heutigen Tourismus gestellt. Am 15. Dezember 1961 wurde der Kerngemeinde Poppenhausen vom hessischen Wirtschaftsministerium das Prädikat Luftkurort verliehen.
Bevölkerung In einem 1683 aufgestellten Pfarr-Register von Poppenhausen sind im gesamten, in neun Viertel aufgeteilten Pfarrbezirk, namentlich alle die in 194 Anwesen lebenden 1189 Personen aufgeführt. Im ersten Viertel Poppenhausen lebten 336 Personen. Davon bekannten sich, außer zum katholischen Glauben, 28 zur jüdischen und zwei zur lutherischen (evangelischen) Religion. Der erste Jude namens Mosch erscheint im Jahre 1621. Im Jahre 1789 betrug die Anzahl der Juden 17 Mitglieder in vier Familien. Wegen der geringen Anzahl und relativen Armut existierte hier keine eigene jüdische Gemeinde, lediglich ein Bethaus in einem Privathaus und zumindest ein rituelles Bad (Mikwe) existierten. Zum Gottesdienst besuchte man die Synagoge in Schmalnau. Die letzte jüdische Familie Katzenstein verließ kurz nach 1885 Poppenhausen und verzog nach Schmalnau. Im Jahre 1853 wurde von Pfarrer Elias Glock ein Protokoll erstellt, in dem die Anzahl der Katholiken im Pfarrbezirk mit 2793 Seelen angegeben wird.
Gebietsreform Am 1. August 1972 entstand im Zuge der hessischen Gebietsreform aus den einst selbständigen Gemeinden Abtsroda (mit seinen Ortsteilen Tränkhof und Sieblos), Gackenhof, Poppenhausen an der Wasserkuppe, Rodholz und Steinwand die Großgemeinde Poppenhausen. Diese erhielt auch Teile der Nachbargemeinden Dipperz, Ebersburg und Hofbieber mit damals etwa 100 Einwohnern.
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Poppenhausen erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 44,2745,0759,9965,91070,51162,09 39,6639,36———————— CWE Christliche Wähler-Einheit16,8215,7240,1634,1514,4214,62 ————————9,6111,42 OBL Offene Bürgerliste————————5,5112,02 Gesamt 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15 Wahlbeteiligung in % 74,5 71,6 67,6 64,9 63,1 81,3
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Poppenhausen neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und fünf weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeisterin ist seit dem 1. November 2025 die parteiunabhängige Alexandra Ballweg, die in der Kommunalpolitik bis dahin Vorsitzende der Gemeindevertretung war. Sie wurde als Nachfolgerin von Manfred Helfrich (CDU), der nach vier Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 29. Juni 2025 im ersten Wahlgang bei 79,6 Prozent Wahlbeteiligung mit 60,6 Prozent der Stimmen gewählt.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 29. Juni 2025 in Poppenhausen
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden - Votemanager: Wahltermine Gemeinde Poppenhausen (Wasserkuppe), seit 1994; Hinweis: Bürgermeisterwahlen vor 2001 sind nicht aufbereitet Geschichte und Gegenwart: Poppenhausen (die Namen und Amtszeiten der drei Bürgermeister seit der Gebietsreform in 1972 werden genannt) 2025–2031 Alexandra BallwegAlexandra Ballweg: Über mich - Osthessen-Zeitung, 2. November 2025: Amtsantritt am Geburtstag: Ballweg will in Poppenhausen loslegen: „… beginnt am Samstag Alexandra Ballweg ihre Arbeit als neue Bürgermeisterin von Poppenhausen – zufällig ist der 1. November auch ihr Geburtstag“ 2001–2025 Manfred Helfrich (CDU)Osthessen News, 18. Juli 2017: "Rhönkanzler" Manfred Helfrich feiert 60. Geburtstag: "Fleißig, offen, ehrlich": „wurde er … 1991 zum Ersten Beigeordneten, 2001 zum Bürgermeister“ - Gemeinde Poppenhausen, 24. September 2019: Bürgermeister mit unbebrochenem Gestaltungswillen: „Am 1. November beginnt für den 62-jährigen Bürgermeister offiziell seine vierte, sechs Jahre dauernde, Amtszeit, die wohl zudem seine letzte sein wird.“ 1983–2001 Wolfgang Wehner (CDU) 1973–1983 Hubert RommelOsthessen News, 25. Mai 2008: "In guter Erinnerung" - Rhöngemeinde gedachte Bürgermeister Rommel: „zum Andenken an den vor 25 Jahren durch eine heimtückische Krankheit im noch jungen Alter von nur 47 Jahren verstorbenen Bürgermeisters Hubert Rommel“
Wappen und Flagge mini|100px Das Wappen und die Flagge wurden am 29. Oktober 1951 durch das Hessische Ministerium des Innern amtlich verliehen.
Sehenswürdigkeiten
Die katholische Pfarrkirche St. Georg wurde von 1609 bis 1621 erbaut. 1857–1861 wurde sie mit dem Bau eines Querschiffes und eines neuen Chores erweitert, 1993 bis 1994 im neugotischen Stil restauriert. Im Turm der Kirche befindet sich ein vierstimmiges Geläut von Bronzeglocken der Glockengießerei Otto aus Hemelingen/Bremen. Die Glocken haben die Schlagtonreihe d – fis – a – h und folgende Durchmesser: 1428, 1134, 953, 850. Vor der Kirche befindet sich ein steinernes Hochkreuz aus dem Jahre 1763 sowie der Marktplatzbrunnen von 2015. Nordwestlich von Poppenhausen befindet sich die Berg- und Wallfahrtskapelle St. Maria auf dem Stein. Sie wurde vor 1714 errichtet. Im Umfeld befindet sich ein Bildstock von 1639 und eine steinerne Freikanzel (Predigtstuhl) von 1736. Am Weg stehen 14 Kreuzwegstationen von 1767 mit einer imposanten Kreuzigungsgruppe von 1768. Am Hausberg Stein (Kalvarienberg) befindet sich auch eine Marien- oder Lourdesgrotte, die 1893 angelegt und 1959 erweitert wurde. Im Sieblos-Museum im Rathaus sind Fossilfunde aus der Braunkohle von Sieblos ausgestellt. Nördlich des Ortsteils Abtsroda baute 1898 der Abtsrodaer Schmiedemeister Damian Ebert eine Marienkapelle an den Berg. Er war zuvor zum zweiten Mal nach Lourdes gepilgert. Etwa vier Kilometer östlich von Poppenhausen liegt der natürliche Guckaisee. Am 7. September 2012 wurde der 2,5 km lange Themenwanderweg Liebesweg eröffnet.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftsstruktur Die ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Gemeinde bietet heute etwa 1400 Arbeitsplätze. Der bestimmende Wirtschaftsfaktor ist der Fremdenverkehr, der im Sommer und durch die relativ schneesichere Lage auch im Winter zahlreiche Arbeitsplätze bietet. Neben dem örtlichen Handel und Gewerbe sind auch einige mittelständische Industriebetriebe ansässig. Der Hersteller von Segelflugzeugen Alexander Schleicher hat einen eigenen Werksflugplatz auf dem Segelfluggelände Huhnrain bei Poppenhausen. Die regionale Bäckerei Pappert geht auf eine Bäckerfamilie aus dem 17. Jahrhundert zurück.
In der Zeit der Zugehörigkeit des Marktflecken zum Königreich Bayern bemühte sich die Regierung um die „Hebung der Rhönindustrie“. 1853 kam es zur Gründung der „Industrieschule für Holzschnitzerei zu Poppenhausen“, die dem Polytechnischen Zentralverein Würzburg gehörte. Der Betrieb lief recht gut. Die hier angefertigten Schnitzereien fanden bei Händlern in ganz Deutschland Abnehmer. Es kam aber zu Querelen bei der Vermarktung der Holzwaren, die von Würzburg aus erfolgte. Schließlich wurde die Holzschnitzschule 1861 nach Bischofsheim verlegt. Die heutige Staatliche Berufsfachschule für Holzbildhauer (Bischofsheim in der Rhön) ist Deutschlands älteste Holzschnitzschule.
Verkehr Poppenhausen liegt drei Kilometer südlich der Bundesstraße 458 Fulda–Hilders. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Lütter, Altenfeld und Gersfeld (Rhön) an der südlich von Poppenhausen verlaufenden Rhönbahn, jeweils zwischen sechs und etwa acht Kilometer entfernt. Durch die Lokale Nahverkehrsgesellschaft Fulda mbH bestehen außerdem direkte Busverbindungen nach Fulda.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Josef Wehner (* 30. November 1856; † 11. Februar 1942 in Fulda), Kaufmann und Abgeordneter des Provinziallandtages der preußischen Provinz Hessen-Nassau.