mini|Michel Houellebecq 2016 Michel Houellebecq [] (eigentlich Michel Thomas; * 26. Februar 1956laut Geburtsurkunde oder 1958Denis Demonpion: Houellebecq non autorisé, enquête sur un phénomène. Maren Sell, 2005. Siehe auch liberation.fr in Saint-Pierre auf Réunion) ist ein französischer Schriftsteller.

Leben Auf der französischen Überseeinsel Réunion geboren, verbrachte Houellebecq seine frühe Kindheit bis 1961 vorwiegend bei seinen Großeltern mütterlicherseits im damaligen Französisch-Algerien. Seine Mutter, Janine Ceccaldi,Denis Demonpion: Houellebecq non autorisé: enquête sur un phénomène. Sell, Paris 2005. eine Anästhesistin, und sein Vater, René Thomas, ein Hochgebirgsführer, fanden kaum Zeit, sich ihrem Sohn zu widmen. Als seine Mutter von einem anderen Mann schwanger wurde und sich seine Eltern daraufhin scheiden ließen, kam er im Alter von sechs Jahren ins Pariser Umland zu seiner Großmutter väterlicherseits, einer Kommunistin, deren Geburtsnamen er später als Künstlernamen wählte. Über das tatsächliche Geburtsjahr gibt es ein tiefgreifendes Missverständnis und Zerwürfnis mit seiner Mutter. Janine Ceccaldi sagt, dass ihr Sohn 1956 geboren sei, während Houellebecq behauptet, er habe das Datum mit 1958 richtiggestellt, nachdem seine Mutter das Alter des Jungen um zwei Jahre vordatieren ließ.La mère de Michel Houellebecq règle ses comptes avec son fils. liberation.fr. Vom 29. April 2008 (französisch) Sie rechtfertigte sich gleichwohl damit, ihr Sohn sei ein Lügner, Hochstapler und Nichtsnutz.. Interview mit Janine Lucie Ceccaldi. Veröffentlicht auf sebtheplayer.com. Abruf am 27. September 2016 (französisch).

Der dauerhafte Umzug nach Frankreich bedeutete für Houellebecq den Wechsel auf ein Internat in Meaux, wo ihn seine Mitschüler Einstein nannten. Nach dem Baccalauréat besuchte er am Pariser Lycée Chaptal die Vorbereitungsklassen für Technische Hochschulen. 1975 wurde er am Institut national agronomique Paris-Grignon zum Studium zugelassen. Hier gründete er nebenher die kurzlebige Literaturzeitschrift Karamazov, für die er einige Gedichte schrieb, und versuchte sich an einem Film mit dem Titel Cristal de souffrance („Leidenskristall“). 1978 beendete er das Studium als diplomierter Landwirtschaftsingenieur. Statt jedoch berufstätig zu werden, bewarb er sich mit Erfolg um einen Studienplatz in der Sektion für Film der École nationale supérieure Louis Lumière, die er jedoch 1981 ohne Abschluss verließ.

Noch während des Studiums heiratete Houellebecq 1980 die Cousine seines besten Freundes, ein Jahr später wurde sein Sohn Étienne geboren. Dieses Ereignis konnte er nicht verkraften. Houellebecq war ohne Anstellung, hatte Eheprobleme und litt an Depressionen. In der Folge trennte er sich von seiner Frau und begab sich in psychiatrische Behandlung.

1983 bekam er eine Stelle als Programmierer im Beratungsunternehmen Unilog, wechselte kurz darauf allerdings ins französische Landwirtschaftsministerium. Diese Zeit, rund drei Jahre, verarbeitete er später in seinem Roman Ausweitung der Kampfzone. Neben der Berufstätigkeit schrieb er erneut Gedichte und erstmals auch Kritiken sowie Buchrezensionen. Er kam so mit verschiedenen Persönlichkeiten im Pariser Literaturbetrieb in Kontakt und widmete sich schließlich ganz der Schriftstellerei. 1991 erschienen sein Essay H. P. Lovecraft, Contre le monde, contre la vie sowie der Gedichtband Rester vivant, dem 1992 der Band La Poursuite du bonheur folgte. Im selben Jahr lernte er seine zweite Ehefrau Marie-Pierre Gauthier kennen.

Vor allem aufgrund der Anfeindungen der französischen Kritik nach seinem zweiten Roman, Elementarteilchen (1998), zog sich Houellebecq mit seiner Frau für einige Jahre nach Irland zurück. Das Paar wohnte dann seit 2003 in einem Haus in der Nähe der spanischen Stadt Almería. Später trennte sich Houellebecq von seiner Frau.„… il aurait été très généreux avec son ex-femme, Marie-Pierre Gauthier.“ In: Michel Houellebecq, dernière rock star française. Im Jahr 2010 erfolgte die Scheidung.Michel Houellebecq hat offenbar geheiratet - und Carla Bruni plaudert es aus, spiegel.de, 23. September 2018, abgerufen am 24. September 2018. Seit 2013 lebt er erneut dauerhaft in Paris und geht in seiner Freizeit dem Straßenradsport nach.

miniatur|Houellebecq im November 2016 an der Universidade Federal do Rio Grande do Sul, Porto Alegre In Guillaume Nicloux’ Film Die Entführung des Michel Houellebecq spielt Houellebecq sich selbst. Der Film wurde 2014 auf der Berlinale zum ersten Mal gezeigt.zeit.de Film „Die Entführung des Michel Houellebecq“ Weltekelpaket neu verschnürt. zeit.de. Vom 9. Februar 2014.

Bereits 2000 gab er ein Konzert in Köln, bei dem er eigene Gedichte instrumental untermalt vortrug.

Am 7. Januar 2015, dem Tag, an dem in Frankreich sein Roman Soumission (Unterwerfung) erschien, fand ein terroristischer Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo statt, bei dem zwölf Menschen getötet wurden. Auf dem Titelblatt der aktuellen Ausgabe war eine Karikatur von Houellebecq mit den ihm in den Mund gelegten Worten „2015 verliere ich meine Zähne, 2022 feiere ich Ramadan“spiegel.de Terrorangriff auf Satiremagazin Warum „Charlie Hebdo“?. spiegel.de. Vom 7. Januar 2015. abgedruckt. Unter den Opfern war auch Bernard Maris, mit dem Houellebecq gut befreundet war. Houellebecq brach daraufhin die Werbung für seinen neuen Roman ab und zog sich zurück.Houellebecq stoppt Werbetour für neues Buch. faz.net. Vom 8. Januar 2015. Am 19. Januar 2015 trat er allerdings wieder öffentlich bei einer Lesung im Rahmen der Lit.Cologne in Köln auf.

Durch zwei Fotos auf Instagram wurde die geheime Hochzeit mit der dritten Ehefrau – Qianyum Lysis Li – durch den Hochzeitsgast Carla Bruni bekannt. Die gebürtige Chinesin ist 20 Jahre jünger als Houellebecq. Die Hochzeit fand wohl am 22. September 2018 statt.Michel Houellebecq hat offenbar geheiratet - und Carla Bruni plaudert es aus, spiegel.de, 23. September 2018, abgerufen am 24. September 2018

Houellebecq kritisierte eine 2006 von Denis Demonpion veröffentlichte, nicht-autorisierte Biografie stark. Die 130 Personen, die dem Autor Auskunft über Houellebecq gegeben haben, bezichtigte er sogar des Verrats. Er selbst habe vor der Veröffentlichung auf die Biografie einwirken und diese mit Fußnoten versehen wollen, dies sei ihm jedoch verwehrt worden. Seine eigene Version seiner Biografie weicht in vielen entscheidenden Punkten von der im Buch ab, Demonpion wirft ihm vor, er „konstruiert sein Leben wie seine Romane“.

Werk Michel Houellebecq begann in den 1980er-Jahren mit Gedichten, die 1991 und 1992 gesammelt in den Bänden Rester vivant und La Poursuite du bonheur erschienen (Suche nach Glück, 2000). In seinem frühen Essay H. P. Lovecraft, Contre le monde, contre la vie von 1991 (Gegen die Welt, gegen das Leben, 2002), setzte er sich mit dem Leben und Werk H. P. Lovecrafts, des amerikanischen Kultautors der fantastischen Literatur, auseinander.

Mit seinen Romanen Extension du domaine de la lutte von 1994 (Ausweitung der Kampfzone, 1999) und vor allem Les Particules élémentaires von 1998 (Elementarteilchen, 2001), die beide verfilmt wurden, erreichte er nationale und internationale Bekanntheit. Der dritte Roman, Plateforme von 2001 (Plattform), und der vierte, La possibilité d'une île von 2005 (Die Möglichkeit einer Insel), waren gleich bei ihrem Erscheinen Erfolge. Sie wurden mit den Literaturpreisen Prix Novembre bzw. Prix interallié ausgezeichnet und noch im Erscheinungsjahr in mehrere Sprachen, auch ins Deutsche, übersetzt.

In seinen meist in der Ich-Form erzählten Romanen zeichnet Houellebecq, ähnlich wie sein Freund Frédéric Beigbeder, das provokante Bild einer narzisstischen westlichen Konsumgesellschaft. Seine Protagonisten leiden unter ihrer Egozentrik, ihrem Unerfülltsein und ihren Schwierigkeiten, in einer kontakt- und gefühlsgehemmten Gesellschaft menschliche Nähe und gegenseitige Hingabe zu erleben. Insbesondere die sexuelle Frustration erscheint als ein Leitmotiv. Eine von Houellebecqs Spezialitäten, die besonders in Plattform zum Tragen kommt, besteht darin, regelmäßig halb- bis anderthalbseitige Sexszenen in die Handlung einzufügen. Hierbei werden die Vorgänge (die sich i. d. R. im Rahmen des „Normalen“ halten) teils sachlich, teils einfühlsam dargestellt. Ein anderes Merkmal sind die ebenfalls oft en passant eingefügten essayistischen, zeitkritischen oder populärwissenschaftlichen Betrachtungen. Insgesamt ist Houellebecqs Sprache schnörkellos und präzise; sein Erzählstil wirkt nüchtern und beiläufig.

Houellebecqs Lyrikbände Suche nach Glück, Der Sinn des Kampfes und Wiedergeburt, die zwischen 1996 und 1999 übersetzt wurden, sind im deutschen Sprachraum weitgehend unbekannt geblieben, ebenso seine Essays (einige 2001 wiederveröffentlicht in Die Welt als Supermarkt), die in der internationalen Presse (u. a. Die Zeit) und in namhaften Literaturzeitschriften (u. a. L’Atelier du roman, Paris) erschienen sind. 2014 kam Houellebecqs Gedichtband Gestalt des letzten Ufers in Deutschland heraus.

2015 erschien Soumission (Unterwerfung), eine politische Fiktion über das Frankreich im Jahr 2022, das von einem islamischen Präsidenten regiert wird.Michel Houellebecqs Vision: Wenn sich Frankreich dem Islam unterwirft. In: Spiegel online. 6. Januar 2015 (abgerufen am 7. Januar 2015).Skandal-Autor Michel Houellebecq lässt Muslime regieren. In: Der Tagesspiegel. 6. Januar 2015 (abgerufen am 7. Januar 2015) Volker Weidermann nennt Houellebecq anlässlich des Erscheinens von Unterwerfung den „radikalsten Schriftsteller unserer Zeit“. Der berufsmäßige „Skandalautor“ sei „eine ikonische Figur der westlichen Kultur“, die deren Irrsinn literarisch notiere: „Einsamkeit und das Leiden unter den Zumutungen der Freiheit ist das Thema seiner Bücher von Anfang an. Sein Stil ist schonungslos und mitleidvoll zugleich. Totale Freiheit ist großartig nur für die Helden der Geschichte, die Verlierer gehen an den Möglichkeiten der Welt, die sie nicht nutzen können, zugrunde.“Volker Weidermann: Der radikalste Schriftsteller unserer Zeit. faz.net, 8. Januar 2015, abgerufen am 16. Januar 2015. 2018 erschien ein ARD-Film nach seinem Roman Unterwerfung.Wolfgang Höbel: „Unterwerfung“ als ARD-Film. Das Zynikerleben ist ein Chanson, spiegel.de, Artikel vom 6. Juni 2018.

Anfang 2019 erschien sowohl in Frankreich als auch nahezu zeitgleich in Deutschland der Roman Sérotonine (Serotonin), in dem Houellebecq den Niedergang des 46-jährigen, Antidepressiva nehmenden Agraringenieurs Florent-Claude Labrouste schildert, der nach der Trennung von seiner japanischen Frau ins Hotel zieht und beschließt, seiner Arbeit nicht mehr nachzugehen und sein Leben zu beenden. Themen des Romans sind die Verachtung der Europäischen Union, das wirtschaftliche Elend in der französischen Provinz und der daraus resultierende Aufstand der Landbevölkerung, Sexualität, Einsamkeit und Entfremdung. Gerade weil schon sein Roman Plattform von 2001 den ein Jahr später stattfindenden Anschlag von Bali vorzeichnet und Unterwerfung 2015 am Tag des islamistischen Terroranschlags auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo veröffentlicht wurde, wird in den Kritiken von Serotonin immer wieder die prophetische Rolle Houellebecqs betont, dessen Beschreibung von Straßensperren bei einem Aufstand von Milchbauern mit den Gelbwestenprotesten verglichen wird.