Der Landkreis Sigmaringen liegt im Süden Baden-Württembergs. Der Landkreis bildet zusammen mit dem Bodenseekreis und dem Landkreis Ravensburg den Regionalverband Bodensee-Oberschwaben im Regierungsbezirk Tübingen. Der Landkreis wird auch als Dreiländerkreis bezeichnet, weil sein Territorium zu ähnlichen Anteilen zu den historischen Ländern Baden, Württemberg und Hohenzollern gehörte. Historisch gehörten einige Gebiete des heutigen Landkreises zu Vorderösterreich. Je nach historischen Kontext hat sich das Territorium signifikant verändert. Seit der Kreisreform 1973 und der damit verbundenen Bereinigung von Exklaven und Enklaven hat er die heutige Form.
Geographie Lage mini|Willkommen im Landkreis Sigmaringen mini|Ende des Durchbruchtales der Donau kurz vor Sigmaringen.
Der Landkreis Sigmaringen hat Anteile an der Schwäbischen Alb, Oberschwaben, dem Linzgau, dem Oberen Donautal und am Alpenvorland. Höchste Erhebung ist der Schnaitkapf bei Schwenningen mit , höchster nicht zur Schwäbischen Alb gehörender Berg ist mit der an seinem Südrand an der Grenze zum Bodenseekreis gelegene Höchsten. Der tiefste Punkt liegt an der Aach auf der Gemarkung von Herdwangen-Schönach mit Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung, 70174 Stuttgart: Gemeindehöhen Baden-Württemberg. Stand: 3. Mai 2021.. Geographischer Mittelpunkt des Landkreises ist der Wildpark Josefslust auf der Gemarkung von Sigmaringen.Karlheinz Fahlbusch (kf): Sigmaringen ist der Mittelpunkt. In der Südkurier-Ausgabe vom 29. März 2003 Die Europäische Hauptwasserscheide quert den südlichen Landkreis, südlich davon wird Richtung Bodensee/Rhein entwässert, nördlich Richtung Donau.
mini|Blick über die Schwarzachtalseen und das Donautal zur Schwäbischen Alb vom Mühlberg bei Herbertingen
Gewässer Die Wasserläufe im Kreis:
Ablach (33 km) Andelsbach (30 km) Donau (60 km) Fehla (11 km) Kehlbach (16 km) Lauchert (44 km) Linzer Aach (52 km) Ostrach (29 km) Ringgenbach (6,4 km) Schmeie (18 km) Schwarzach (ab Saulgau 11 km)
Nachbarkreise Der Landkreis Sigmaringen grenzt, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn, an die Landkreise Reutlingen, Biberach, Ravensburg, Bodenseekreis, Konstanz, Tuttlingen und Zollernalbkreis.
Natur
Der Landkreis Sigmaringen besitzt folgende 24 Naturschutzgebiete. Nach der Schutzgebietsstatistik der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)Schutzgebietsstatistik der LUBW, Stand: 19. Dezember 2024 stehen 2212,31 Hektar der Kreisfläche unter Naturschutz, das sind 1,84 Prozent.
Blauen: 46,8 ha; Stadt Sigmaringen – Gemarkung Jungnau Blochinger Ried: 27,8 ha; Stadt Mengen – Gemarkung Blochingen Blochinger Sandwinkel: 26,6 ha; Stadt Mengen – Gemarkung Blochingen Booser-Musbacher Ried: 96,4 ha (davon 30,5 ha im Landkreis Sigmaringen); Stadt Bad Saulgau – Gemarkungen Hochberg und Lampertsweiler Egelsee-Ried: 5,3 ha; Stadt Pfullendorf – Gemarkung Großstadelhofen Egelseewiesen: 48,0 ha; Gemeinde Wald – Gemarkungen Ruhestetten und Rothenlachen Fehlatal: 55,2 ha; Stadt Gammertingen – Gemarkung Gammertingen, Gemeinde Neufra – Gemarkung Neufra, Stadt Hettingen – Gemarkung Hettingen Feuchtwiesen Schwandorf: 15,0 ha; Gemeinde Sauldorf – Gemarkung Boll Herdle: 63,9 ha; Gemeinde Neufra – Gemarkung Neufra Kreuzäcker: 19,1 ha; Stadt Pfullendorf – Gemarkung Denkingen Kreuzbühl: 4,3 ha; Stadt Meßkirch – Gemarkung Rohrdorf Morgenweide: 38,5 ha; Gemeinde Inzigkofen – Gemarkung Inzigkofen Ölkofer Ried: 368,9 ha; Gemeinde Hohentengen – Gemarkungen Hohentengen und Ölkofen und Gemeinde Herbertingen – Gemarkung Herbertingen Pfrunger-Burgweiler Ried: 1508,1 ha (davon 865 ha im Landkreis Sigmaringen); Gemeinde Ostrach – Gemarkung Ostrach Ruhestetter Ried: 132,3 ha; Gemeinde Wald – Gemarkung Ruhestetten, Gemeinde Herdwangen-Schönach – Gemarkung Herdwangen und Stadt Pfullendorf – Gemarkung Aach-Linz Ruschweiler und Volzer See: 70,6 ha; Gemeinde Illmensee – Gemarkungen Ruschweiler und Illmensee Sauldorfer Baggerseen: 144 ha (davon 124 ha im Landkreis Sigmaringen); Gemeinde Sauldorf – Gemarkung Sauldorf Schwackenreuter Baggerseen-Rübelisbach: 104 ha (davon 27,2 ha im Landkreis Sigmaringen); Gemeinde Sauldorf – Gemarkungen Sauldorf und Boll Schwarzes Moos: 11,0 ha; Gemeinde Ostrach – Gemarkung Habsthal Taubenried: 136,5 ha; Gemeinde Ostrach – Gemarkungen Burgweiler, Magenbuch und Kalkreute sowie Stadt Pfullendorf – Gemarkung Pfullendorf Untere Au: 20,0 ha; Stadt Sigmaringen – Gemarkung Laiz Waltere Moor: 97 ha, (davon 23,8 ha im Landkreis Sigmaringen); Gemeinde Sauldorf – Gemarkung Sauldorf Wasenried: 11,0 ha; Gemeinde Bingen – Gemarkung Bingen und Stadt Sigmaringen – Gemarkung Sigmaringen Zielfinger Vogelsee: 45,5 ha; Stadt Mengen – Gemarkung Rulfingen und Gemeinde Sigmaringendorf – Gemarkung Sigmaringendorf
Flächennutzung 49,5 Prozent der Fläche des Landkreises werden als landwirtschaftliche Flächen genutztQuelle: Statistik für die EUREGIO-Bodensee. In: Aufgelistet! Die zehn Landkreise der Bodenseeregion, … In: Südkurier vom 25. Februar 2011 und in: Ders. vom 2. Juli 2011, etwa 39 ProzentNach anderen Angaben 33 Prozent sind mit Wald bedeckt. Die 46.600 HektarNach anderen Angaben 47.000 Hektar Wald im Landkreis gliedern sich nach folgenden Waldbesitzern: (PDF; 35 kB), 31. Mai 2010; abgerufen am 27. August 2011.Der Wald im Landkreis Sigmaringen: Buchen-Mischwald im Norden, Nadelhölzer im Süden. In: Jennifer Kuhlmann (jek): Rückblick auf das Jahr des Waldes. In: Schwäbische Zeitung, 2. Januar 2012. Kommunalwald (39 %) Großprivatwald (38 %) Kleinprivatwald (16 %) Kirchenwald (4 %) Staatswald (2 %) Bundeswald (1 %)
Die 25 Gemeinde- und 63 Kirchenwälder umfassen insgesamt 19.600 HektarNach anderen Angaben 20.000 Hektar, 1.100 Hektar Staatswald, rund 17.000 Hektar Großprivatwald der ehemaligen Fürstenhäuser (Graf Douglas / Prinz zu Fürstenberg, Hofkammer Altshausen, Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern – Forst und Gräflich Königsegg’sche Betrieb) sowie 7.900 Hektar Privatwald von über 6.000 Kleinprivatwaldbesitzern. Der vom Bund bewirtschaftete Wald liegt im militärischen Sperrgebiet (Truppenübungsplatz Heuberg). Im Staatswald des Kreises liegen 440 Hektar Bannwald, der vollkommen sich selbst überlassen wird. Seit 1991 entsteht im Pfrunger-Burgweiler Ried das größte zusammenhängende Bannwaldgebiet Baden-Württembergs. Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz im Landkreis, die überregionale Bedeutung haben, sind das „Obere Donautal“ und das „Pfrunger-Burgweiler Ried“.
Die Baumartenverteilung im Landkreis Sigmaringen ist wie folgt: Fichte (58 %) Buche (21 %) Eiche (4 %) Kiefer (3 %) Lärche (3 %) Tanne (2 %) Douglasie (1 %) sonstige Laubbäume (6 %) sonstige Nadelbäume (2 %)
Der Holzvorrat im Landkreis Sigmaringen liegt bei 15,5 Millionen Kubikmetern. Über ein Jahr wachsen in den Wäldern des Landkreises 500.000 Kubikmeter nutzbares Holz nach. Orkane wie Wiebke (1990) und Lothar (1999) sowie die Hitzewelle 2003 führten im Forstwald zu erheblichen Waldschäden, in deren Folge die Holzkäferbekämpfung intensiviert werden musste.Walter Jäger: Forsthaushaltsplan 2012, hrsg. v. Landratsamt Sigmaringen (Fachbereich Forst), 2011. Das Kreisgebiet ist in 19 Forstreviere unterteilt, denen jeweils ein Revierleiter vorsteht. (PDF; 41 kB), 8. November 2011; abgerufen am 2. Januar 2012
Höhlen mini|Göpfelsteinhöhle bei Veringenstadt
Auf dem Gebiet des Landkreises befinden sich eine Vielzahl von Höhlen, unter anderem die Amandahöhle, die Bittelschießer Höhle, die Burghöhle Dietfurt und die Petershöhle.
Klima Zur Sammlung von Wetterdaten befinden sich im Landkreis Sigmaringen zwei privat betriebene Wetterstationen. Eine dritte wurde durch die Bundeswehr betrieben, jedoch ist sie keinem Netz mehr angeschlossen. Die gesammelten Daten werden unter anderem vom Wetterdienst Meteomedia genutzt. Eine Wetterstation befindet sich im Sigmaringer Stadtteil Laiz ( ), eine zweite in Pfullendorf ( ).
Geschichte Der Landkreis Sigmaringen entstand 1925 durch die Vereinigung der beiden preußischen Oberämter Sigmaringen und Gammertingen (vgl. Hohenzollernsche Lande). Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel der Landkreis Sigmaringen 1945 in die Französische Besatzungszone und kam zunächst zum neuen Land Württemberg-Hohenzollern. Nach der Länderneugliederung im Südwesten am 25. April 1952 gehörte der Landkreis zum Land Baden-Württemberg und dort zum Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern, der 1973 in Regierungsbezirk Tübingen umbenannt wurde. Der Landkreis Sigmaringen bildete den südöstlichen Teil der territorial sehr zersplitterten Hohenzollerischen Lande; zu seinem Gebiet gehörten acht Exklaven (darunter auch Achberg an der bayerischen Grenze), und zwei Orte (Warmtal, Burgau) wurden als Kondominate mit dem Landkreis Saulgau zusammen verwaltet; siehe hierzu auch den Abschnitt Gemeinden vor der Kreisreform sowie den Artikel Territoriale Besonderheiten in Südwestdeutschland nach 1810.
Die baden-württembergische Kreisreform brachte am 1. Januar 1973 die Auflösung des alten und die Gründung des neuen Landkreises Sigmaringen. Dieser umfasst neben dem Großteil des alten Landkreises Sigmaringen zusätzliche Gebiete im Westen, Osten und Süden um Meßkirch, Saulgau und Pfullendorf. An den neuen Landkreis Sigmaringen fielen 30 Gemeinden des Landkreises Saulgau, 21 Gemeinden des Landkreises Stockach, sieben Gemeinden des Landkreises Überlingen und die Gemeinde Bronnen des Landkreises Reutlingen.
Während der Kreisreform (zum Teil auch schon zuvor) wurden die Exklaven bereinigt; einige, indem sie durch die Kreisreform mit dem Hauptgebiet des Landkreises verbunden wurden (Beuron, Thalheim), andere, indem sie die Landkreiszugehörigkeit wechselten (Langenenslingen). Auch einige weit von der Kreisstadt entfernte Gemeinden fielen zwischen 1969 und 1975 an andere Landkreise (Biberach, Konstanz, Ravensburg (Achberg), Reutlingen, Tuttlingen und Zollernalbkreis).
Hier werden diejenigen Gemeinden aufgelistet, die vor oder nach dem 1. Januar 1973 den Landkreis verlassen haben oder zu ihm gekommen sind.
Am 1. Dezember 1971 wurde die Gemeinde Igelswies in den Landkreis Stockach umgegliedert.
Am 1. Januar 1972 wurde Storzingen ebenfalls dem Landkreis Stockach zugesprochen. Die Stadt Trochtelfingen wechselte in den Landkreis Reutlingen. Am 1. Februar 1972 kam Egelfingen zum Landkreis Saulgau. Am 1. Juli 1972 wurde Otterswang für nur sechs Monate in den Landkreis Überlingen umgegliedert, bis es zum Landkreis Sigmaringen kam.
Am 1. Mai 1973 wurden die Ortsteile Höhreute, Niederweiler und Tafern der Gemeinde Illmensee in die zum Landkreis Ravensburg gehörende Gemeinde Wilhelmsdorf umgegliedert.
Nach Abschluss der Gemeindereform umfasst der Landkreis Sigmaringen noch 25 Gemeinden, darunter 9 Städte. Große Kreisstädte sind nicht vorhanden. Größte Stadt des Kreises ist Sigmaringen, kleinste Gemeinde ist Beuron.
Verwaltungsgeschichte des Kreisgebiets mini|hochkant=1.5|Der „Dreiländerkreis“ Sigmaringen
Das Gebiet des heutigen Landkreises Sigmaringen war bis 1802 auf zahlreiche Herrschaften aufgeteilt. Das Zentrum des Kreisgebiets um Sigmaringen und Krauchenwies gehörte zur seit 1535 hohenzollerischen Grafschaft Sigmaringen, ebenfalls später hohenzollerisch war die Grafschaft Veringen nördlich davon. Österreichisch waren u. a. die so genannten Donaustädte Mengen und Saulgau und die Herrschaft Werenwag im Westen des Kreisgebiets, fürstenbergisch die Herrschaften Jungnau und Meßkirch im Norden und Westen. Große Teile im Osten des heutigen Kreisgebiets gehörten zur Gefürsteten Grafschaft Scheer; weitere weltliche Territorien waren u. a. die Reichsstadt Pfullendorf und das Gebiet der Freiherren von Speth. Kirchlicher Besitz gehörte den (z. T. unter österreichischer Souveränität stehenden) Abteien und Klöstern Salem, Petershausen, Buchau, Wald, Heiligkreuztal, Habsthal, Beuron und Zwiefalten.