mini|Ruprecht mit seiner Gemahlin Elisabeth von Hohenzollern-Nürnberg in einer Miniaturkopie einer heute verlorenen Wanddarstellung im Heidelberger Schloss, 1772/73. (Bayerisches Nationalmuseum München, Inv. Nr. NN 3610). Im Saal des Heidelberger Schlosses befand sich einst eine der berühmtesten Ahnenreihen aus gotischer Zeit. Für den Neubau des Amberger Schlosses wurde im frühen 17. Jahrhundert von dieser Fürstenreihe eine Wandkopie angefertigt. Beide Serien sind jedoch nicht mehr erhalten, sondern lediglich noch eine farbige Miniaturkopie auf Pergament. Ruprecht (* 5. Mai 1352 in Amberg; † 18. Mai 1410 auf Burg Landskron in Oppenheim) aus der Dynastie der Wittelsbacher war von 1398 bis 1410 als Ruprecht III. Pfalzgraf bei Rhein und von 1400 bis 1410 römisch-deutscher König im Heiligen Römischen Reich.

Das spätmittelalterliche römisch-deutsche Königtum war zu Beginn des 15. Jahrhunderts in eine schwere Krise geraten. Zusammen mit den anderen drei rheinischen Kurfürsten setzte Ruprecht den zunehmend unbeliebt gewordenen König Wenzel 1400 ab, woraufhin er selbst zum König gewählt wurde, wenngleich Wenzel seinen Anspruch nicht aufgab. Ruprechts zehnjähriges Königtum war durch eine nachlassende Integrationskraft des königlichen Hofes und permanente Geldnot geprägt. Ein geplanter Italienzug endete im Fiasko. Ruprecht blieb ohne Kaiserkrone und konnte auch nicht das Herzogtum Mailand für das Reich zurückgewinnen. Finanziell angeschlagen kehrte er an den Rhein zurück. Das legitimatorische Defizit seines Königtums versuchte er durch repräsentative Symbolik wie Grablege, Königssiegel oder eigene Münzprägungen auszugleichen.

Er war der einzige mittelalterliche König aus Heidelberg. Ihm gelang es, das Territorium der Kurpfalz zu erweitern. Unter ihm erhielt Heidelberg für kurze Zeit den Charakter einer Hauptstadt des Reiches. Mit der Heiliggeistkirche in Heidelberg schuf sich Ruprecht einen standesgemäßen Begräbnis- und Erinnerungsort, der den Wittelsbachern am Rhein bis in das 17. Jahrhundert als Grablege diente. Ruprechts Teilung von Herrschaft und Territorium unter den vier Söhnen entgegen bestehenden Hausverträgen sicherte der pfälzischen Linie der Wittelsbacher das dynastische Überleben. Alle heute lebenden Wittelsbacher stammen von Ruprecht ab. Bis heute gilt er unter Historikern vielfach als römisch-deutscher König mit dem geringsten politischen Aktionsradius und Handlungsspielraum. Die neuere Forschung hinterfragt angesichts weitgespannter Heirats- und Bündnisprojekte sowie der Weiterentwicklung im Verwaltungs- und Politikbereich das Urteil eines gescheiterten Königs.

Leben Herkunft mini|Territorialbestand der Pfalzgrafschaft im Jahr 1329 nach dem wittelsbachischen Hausvertrag von Pavia (ohne die Oberpfalz) mini|Der mit Ranken und Blüten verzierte Stammbaum der wittelsbachischen Pfalzgrafen bei Rhein um das Jahr 1530 zeigt 23 Halbfiguren jeweils mit einem Wappen und einer Banderole. In der linken oberen Ecke sind dargestellt: „Ruprecht Römischer König und Pfalzgraf bei Rhein und Frau Katharina geborene Burggräfin zu Nürnberg“. (Kunstsammlungen der Veste Coburg, VI, 429,102) Ruprecht entstammte dem Geschlecht der Wittelsbacher, die in den Quellen erstmals in der Mitte des 11. Jahrhunderts fassbar sind. Kurz vor 1050 wird in den Urkunden des Bistums Freising ein „Graf Otto von Scheyern“ genannt, der als Ahnvater der Wittelsbacher gilt. Seine Grafschaft befand sich zwischen Augsburg und Ingolstadt mit der Grafenburg Scheyern. Sein Sohn Otto II. erweiterte das Herrschaftsgebiet durch das Ansammeln von Kirchen- und Klostervogteien (Freisinger Domstift, Weihenstephan, Ilmmünster, Eisenhofen). Mit dem Instrument der Vogtei ließen sich größere Gebiete beherrschen, ohne dass dort Besitzrechte nötig waren.Stefan Weinfurter: Welfen – Staufer – Wittelsbacher: Eine Aufsteigergeschichte. In: Alfried Wieczorek, Bernd Schneidmüller, Alexander Schubert (Hrsg.): Die Wittelsbacher am Rhein. Die Kurpfalz und Europa. Regensburg 2013, S. 36–43, hier: S. 39; Ludwig Holzfurtner: Die Wittelsbacher. Staat und Dynastie in acht Jahrhunderten. Stuttgart 2005, S. 15 ff. Unter Friedrich Barbarossa, der 1152 zum König gewählt worden war, gehörten die Wittelsbacher zu den treuen Anhängern und taten sich durch besondere Leistungen im Königsdienst hervor. Im Jahr 1180 wurde Otto von Wittelsbach von Friedrich Barbarossa für seine Treue zum Herzog von Bayern erhoben.

1214 erfolgte eine weitere Rangerhöhung der Familie, als der junge staufische Herrscher Friedrich II. Herzog Ludwig I. von Bayern zum Pfalzgrafen bei Rhein erhob. Damit erhielten die Wittelsbacher als treue Parteigänger des Staufers nach 1180 nach dem Herzogtum Bayern ein weiteres bedeutendes Reichsfürstentum. Im Vertrag von Pavia 1329 vereinbarten Kaiser Ludwig IV. („der Bayer“) und seine pfälzischen Neffen eine Trennung der wittelsbachischen Herrschaft in die Pfalzgrafschaft einerseits und in Bayern anderseits.Ludwig Holzfurtner: Die Wittelsbacher. Staat und Dynastie in acht Jahrhunderten. Stuttgart 2005, S. 72 f. Außerdem vereinbarten sie, dass beim Erlöschen eines Zweiges gegenseitiges Erbrecht gelten sollte. Dadurch entstanden zwei unabhängig voneinander agierende Familienzweige mit eigenen Herrschaftsbereichen. Durch die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. aus dem Jahr 1356 wurde dem Pfalzgrafen eine herausgehobene Stellung unter den weltlichen Königswählern zugesprochen. Als Erztruchsess übte er das Reichsvikariat aus und hatte damit die Stellvertretung bei Abwesenheit oder Tod des Königs inne. Durch zeremonielle Befugnisse, wie etwa einen besonderen Sitzplatz im Miteinander von König und Kurfürsten, wurde der Vorrang im politisch-sozialen Ordnungsgefüge des Reichs für jedermann sichtbar inszeniert. Die Pfalzgrafschaft bei Rhein gehörte um 1400 zu den mächtigsten Fürstentümern im Reich. Den Vorrang verdankte sie der Lage am Rhein, die für die Kurpfalz zahlreiche wirtschaftliche und politische Vorteile brachte.Ingo Runde: Der Rhein als Wirtschafts- und Verkehrsachse. In: Jörg Peltzer, Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter, Alfried Wieczorek (Hrsg.): Die Wittelsbacher und die Kurpfalz im Mittelalter. Eine Erfolgsgeschichte? Regensburg 2013, S. 51–66. Die Rheinzölle machten die Pfalzgrafen zu den wohlhabendsten Reichsfürsten. Die Wittelsbacher wurden neben den Luxemburgern und Habsburgern die dritte Dynastie, die maßgeblich die Geschicke des Reichs im Spätmittelalter bestimmte.

Familie und frühe Jahre Geboren wurde Ruprecht als einziger Sohn Ruprechts II. und dessen Frau Beatrix von Sizilien am 5. Mai 1352 in Amberg. Aus seiner Jugend ist nichts überliefert, außer dass er seine Mutter bereits mit 13 Jahren verlor. Er nahm aber frühzeitig an wichtigen Ereignissen teil. Ab 1378 erscheint er neben seinem Großonkel Ruprecht I. und seinem Vater Ruprecht II. vielfach in wichtigen Urkunden. Dadurch war er bereits früh als künftiger Nachfolger in der Kurpfalz hervorgehoben. Vor seiner Regentschaft als Kurfürst hielt er sich vor allem in der Oberpfalz auf.Alois Gerlich: König Ruprecht von der Pfalz. In: Hartmut Harthausen (Hrsg.): Pfälzer Lebensbilder. Bd. 4. Speyer 1987, S. 9–60, hier S. 18; Regesten der Pfalzgrafen am Rhein, Bd. 1, bearbeitet von Adolf Koch, Jakob Wille, Innsbruck 1894, Nr. 5728–5826. Im Winter 1385/86 ist er als Preußenfahrer belegt.Werner Paravicini: Die Preußenreisen des europäischen Adels. Teil 1, Sigmaringen 1989, S. 148–149 (Digitalisat).

Ruprecht heiratete am 27. Juni 1374 in Amberg Elisabeth von Hohenzollern, die Tochter des Burggrafen Friedrich V. und dessen Gemahlin Markgräfin Elisabeth von Meißen und Thüringen. Aus der Ehe gingen insgesamt sechs Söhne und drei Töchter hervor. Sein ältester Sohn Ruprecht IV., genannt Ruprecht Pipan, wurde 1375, Friedrich 1377, der spätere Kurfürst Ludwig III. 1378, Johann 1383, Stephan 1385 und Otto 1390 geboren, seine Töchter Margarete von der Pfalz 1376, Agnes 1379 und Elisabeth 1381. Die Herrschaft war damit dynastisch in weit höherem Ausmaß gesichert als zuvor. Zugleich aber war dadurch die Einheit der Pfalz in Gefahr. Ruprecht II. vereinbarte daher 1392 mit seinem Sohn Ruprecht III., dass zukünftig nur der älteste Sohn in der Herrschaft nachfolgen sollte.Jörg Peltzer: Der Rang der Pfalzgrafen bei Rhein. Die Gestaltung der politisch-sozialen Ordnung des Reichs im 13. und 14. Jahrhundert. Ostfildern 2013, S. 157. Für die nachgeborenen Söhne waren lediglich Apanagen oder die geistliche Laufbahn vorgesehen. Dies legten sie in der Rupertinischen Konstitution vom 13. Juli 1395 fest.Eine Edition der Urkunde findet sich bei Meinrad Schaab, Rüdiger Lenz (Hrsg.): Ausgewählte Urkunden zur Territorialgeschichte der Kurpfalz 1156–1505. Stuttgart 1998, S. 150–164. Ausführlich dazu: Heinz-Dieter Heimann: Hausordnung und Staatsbildung. Innerdynastische Konflikte als Wirkungsfaktoren der Herrschaftsverfestigung bei den wittelsbachischen Rheinpfalzgrafen und den Herzögen von Bayern. Ein Beitrag zum Normenwandel in der Krise des Spätmittelalters. Paderborn u. a. 1993, S. 248–268 (online). Die Rupertinische Konstitution wurde nicht umgesetzt. Die Urkunde blieb unvollständig besiegelt und erlangte keine Rechtskraft.Oliver Auge: Ein kleiner König? Zum 600. Todestag König Ruprechts von der Pfalz (1400–1410). In: Oppenheimer Hefte 39 (2011), S. 2–29, hier: S. 4. Das Regelwerk blieb vor allem deshalb unwirksam, weil die dort bedachten Söhne Ruprechts starben.Heinz-Dieter Heimann: Von Pavia nach Heidelberg. Die Hausordnungen der Wittelsbacher im 14. und frühen 15. Jahrhundert: Dynastieformierung in der Kontinuität des Gesamthauses. In: Jörg Peltzer, Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter, Alfried Wieczorek (Hrsg.): Die Wittelsbacher und die Kurpfalz im Mittelalter. Eine Erfolgsgeschichte? Regensburg 2013, S. 109–125, hier: S. 123. Nach dem Tod seines Vaters wurde Ruprecht im Alter von fast 46 Jahren am 6. Januar 1398 Nachfolger in der Kurwürde und mit der Pfalzgrafschaft belehnt.

Absetzung Wenzels