mini|Familie von Fans des Fußballvereins Union Berlin

Ein Fan ([]; von Latein: Fanaticus – von der Gottheit ergriffen, in rasende Begeisterung versetzt; Englisch: fanatic – eifernd, sich rücksichtslos einsetzend, schwärmerisch, fanatisch) ist ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für ihn externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen, abstrakten oder sportlichen Fanobjekt hat und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Ressourcen wie Zeit und/oder Geld investiert.Schäfer, Mike S. & Jochen Roose (2005): Begeisterte Nutzer? Jugendliche Fans und ihr Medienumgang. In: merz - Medien + Erziehung 2005/2. 49-53. Die Intensität der Anhängerschaft variiert dabei stark.

Fans finden sich oft in Fanklubs zusammen. Sofern sich die begeisterte Anhängerschaft der Fans auf Personen bezieht, werden letztere als Stars bezeichnet. Die begeisterte Anhängerschaft äußert sich meist in Ritualen der Verehrung der betreffenden Person, Gruppe oder Sache. Die Verehrung, die die Fans zelebrieren, wird auch als Kult bezeichnet und hat eine umfangreiche Fankultur hervorgebracht. Er beruht häufig auch auf Mythen, die sich um den Gegenstand der Verehrung ranken. Die Ausprägung der Fankultur gilt als ein Indikator für lokale und/oder nationale Stimmungen. So haben z. B. die deutschen Fußballfans bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland (Sommermärchen) nachhaltig das Image der Deutschen im Ausland positiv geprägt.Arnd Krüger: Sport and identity in Germany since reunification. In: Philip Dine, Seán Crosson (Hrsg.): Sport, representation and evolving identities in Europe. Peter Lang, London 2010, ISBN 978-3-922654-45-2, S. 289–316.

Etymologie Das aus dem lateinischen (fanaticus/-a/-um) abgeleitete Wort fanatisch findet sich erstmals im 16. Jahrhundert im deutschen Sprachgebrauch, wurde jedoch nur im religiösen Kontext genutzt. Seit dem 19. Jahrhundert ist fanatisch auch in der Politik und im Sport gebräuchlich.

Das Wort „Fan“ in seiner heutigen Verwendung und Aussprache ist aus dem Englischen (fan [], Kurzform von fanatic = „Fanatiker“) in zahlreiche Sprachen übertragen worden, unter anderem ins Deutsche, Spanische, Französische und Tschechische (fanoušek). Trotz der Etymologie hat der Fan nichts mit dem im politischen Sinn negativ besetzten Begriff Fanatiker zu tun. Im Englischen bezeichnet man die Fans deshalb meistens als supporters. Der vom Typhusfieber abgeleitete italienische Begriff Tifoso oder im Plural Tifosi, der für Fans als „Mitfiebernde“ steht, wird häufig als Synonym für die italienischen Fans bei einer Sportveranstaltung verwendet. In Italien selbst benutzt man zusätzlich häufig den Begriff partigiano, was mit „Parteigänger“ zu übersetzen wäre. Aus dem Spanischen entlehnt und ins Englische und Deutsche übernommen ist ein weiteres Synonym, der Aficionado als „Liebhaber“ einer Sache.

Als personenbezogenes Kurzwort Fan ist es in der Verehrung von Musikern und Musikgruppen, Sportlern, Sportarten und -teams, Comic-/Serien-/Roman- und Filmgenres, Schauspielern, YouTubern und zahlreichen weiteren Personen, Tätigkeiten und Themen zu finden.

Für Anhänger von Computerprogrammen oder Spielkonsolen gibt es in Internetforen die meist negativ besetzten Anglizismen „Fanboy“ und „Fangirl“. Auch Comicfans und besonders leidenschaftliche Fans bestimmter Genres (insbesondere Science-Fiction) werden mitunter so bezeichnet, allerdings weit weniger negativ besetzt.

Fanboys und Fangirls zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass sie über ein besonders umfangreiches Wissen zu dem von ihnen geschätzten Themengebiet (bzw. zu der verehrten Person) verfügen, sie das entsprechende Themengebiet oder die Person in Meinungsverschiedenheiten leidenschaftlich verteidigen und es ihnen als eigentlich intelligente und eloquente Menschen in Anwesenheit von bzw. im direkten Kontakt mit ihren Idolen die Sprache verschlägt.

Für letzteren Kontext und ähnliche unwillentliche Überforderungsreaktionen entstanden zudem Wortneuschöpfungen wie Fangasm, ein Kofferwort der englischen Begriffe fan und orgasm (Orgasmus), oder auch Stan, ein Neologismus aus „Fan“ und Stalker, der obsessives Anhängertum zu bestimmten Prominenten beschreibt. vice.com vom 2. Juni 2017

Charakteristika des Fantums Gruppendynamik und Persönlichkeitsbildung Den Mittelpunkt des Fan-Seins bildet die Persönlichkeitsformung des Fans – die Herausbildung einer sogenannten Ich-Identität.Nikola Vatterodt: Boygroups und ihre Fans. Annäherung an ein Popphänomen der neunziger Jahre. CODA, Karben 2000, S. 67. Der Persönlichkeitsentwicklungsprozess hält ein ganzes Leben an und daher kann jeder Mensch, egal welcher Altersgruppe, ein Fan sein. Doch da vor allem die Persönlichkeit von jungen Menschen noch nicht gefestigt ist, sind die meisten Fans Jugendliche.Nikola Vatterodt: Boygroups und ihre Fans. Annäherung an ein Popphänomen der neunziger Jahre. CODA, Karben 2000, S. 71.

Eine Erklärung des Fantums lässt sich aus der personalen und sozialen Identität herleiten. Die soziale Identität meint die eigene Positionierung im sozialen Gefüge. Jeder Mensch teilt die Gesellschaft in verschiedene Gruppen auf und ordnet sich selbst denjenigen von ihnen zu, mit welchen er sich am meisten identifizieren kann. Ein Mensch kann zum Beispiel den Interessensgruppen Fußball, Schule und Madonna gleichzeitig angehören. Die personale Identität setzt sich dabei zu einem nicht geringen Anteil aus den verschiedenen Gruppenzugehörigkeiten und deren Gewichtung zusammen.Carlo Michael Sommer: Stars als Mittel der Identitätskonstruktion. Überlegungen zum Phänomen des Star-Kults aus sozialpsychologischer Sicht. In: Werner Faulstich, Helmut Korte (Hrsg.): Der Star. Geschichte, Rezeption, Bedeutung. Fink, München 1997, S. 116. Bei der Persönlichkeitsentwicklung spielt also die Positionierung innerhalb der Gesellschaft eine wichtige Rolle. Auf der einen Seite besteht das Bedürfnis nach Abgrenzung von der Gesellschaft und auf der anderen Seite das Bedürfnis nach Gemeinschaft. Ein Fan versucht sich also durch sein Fan-Sein von anderen (z. B.: Familie, Arbeitskollegen, Mitschülern) abzugrenzen und sucht gleichzeitig zum Beispiel durch das Eintreten in Fanclubs nach Nähe zu gleichgesinnten Menschen.Nikola Vatterodt: Boygroups und ihre Fans. Annäherung an ein Popphänomen der neunziger Jahre. CODA, Karben 2000, S. 67–68.

Identifikation mit einem Star mini|Weibliche Fans halten eine Schrifttafel bei einem Auftritt des Sängers Lukas Rieger hoch. Text: „Auch wenn ich dich nicht wirklich kenne, auch wenn du nicht bei mir bist, auch wenn du mich nicht kennst, bist du trotzdem mein Idol“

Der Star kann für seinen Fan als Vorbild und Idol fungieren. Sieht der Fan seinen Star als Vorbild an, so kann er sich zum Beispiel mit den Werten, Eigenschaften sowie dem Verhalten oder Aussehen des Stars identifizieren und strebt an, so zu sein wie er oder sie. Sieht der Fan seinen Star jedoch als sein Idol an, so wird der Star als ganze Person verehrt, die Bewunderung ist stark emotional geprägt und findet auf einer irrealen Ebene statt. Ein Idol dient seinem Fan meist dazu, einen Mangel (zum Beispiel eine fehlende soziale Anbindung oder fehlende Liebesbeziehung) auszugleichen. Im Extremfall hat das Idol die Rolle einer Art Gottes inne – als ein „allgegenwärtiges, allwissendes Wesen, […] [das] dem Fan Trost spendet und seine Einsamkeit lindert.“Nikola Vatterodt: Boygroups und ihre Fans. Annäherung an ein Popphänomen der neunziger Jahre. CODA, Karben 2000, S. 69.

„Eskalationsstufen“ des Fantums Die Grenzen zwischen „normalem“ und „exzessivem“ Fan-Sein sind weit gefasst und schwer definierbar. Jedoch kann gesagt werden, dass die Grenze zum exzessiven Fan-Sein überschritten wurde, wenn der Fan Fantasie und Realität nicht mehr klar voneinander trennen kann.Joli Jenson: Fandom as Pathology: The Consequences of Characterization. In: Lisa A. Lewis (Hrsg.): The Adoring Audience: fan culture and popular media. Routledge, London 1992, S. 18.

Schwärmerischer Fan Diese Fans können Realität und Fantasie klar voneinander trennen. Sie sind sozusagen rationale bis schwärmerische, aber kontrollierte Musikliebhaber, die ihr Fan-Sein als harmloses Hobby ausleben.Joli Jenson: Fandom as Pathology: The Consequences of Characterization. In: Lisa A. Lewis (Hrsg.): The Adoring Audience: fan culture and popular media. Routledge, London 1992, S. 18–20.

Fanatischer Fan

Fans schließen sich meist in Gruppen (z. B. Fanclubs) zusammen. Innerhalb dieser Gruppen setzen sich die Fans gemeinsam mehr und mehr mit dem jeweiligen Star auseinander, schaukeln sich gegenseitig hoch und steigern sich hinein. So kann es geschehen, dass sich aus einer kleinen Schwärmerei Fanatismus entwickeln kann.Verena Jendro: Das Phänomen der Boygroups. Erscheinungsweisen und Analyse der Hintergründe. Tectum, Marburg 1999, S. 72. In die Gruppe der fanatischen Fans könnte man auch die Groupies einordnen, welche Rock-Bands auf ihren Touren begleiten und in den meisten Fällen mit der Crew schlafen. Dieses Verhalten kann vor allem bei Boygroup-Fans beobachtet werden. Zu den typischen Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit zählen hierbei: lautes Kreischen, Weinen, in Ohnmacht fallen, Übernachten vor Hotel- oder Konzerthäusereingängen und die Verteidigung der präferierten Gruppe. Im privaten Bereich ist es für diese Art von Fans gewöhnlich, die Zimmerwände mit Poster zu plakatieren oder auch kleine Altäre einzurichten. In extremen Fällen können sich Fans so sehr in die Abhängigkeit von dem Star hineinsteigern, dass zum Beispiel die Auflösung einer Musikgruppe oder das Ende einer Starkarriere schlimme Folgen (z. B. Depressionen oder auch Suizid) für sie haben kann.Nikola Vatterodt: Boygroups und ihre Fans. Annäherung an ein Popphänomen der neunziger Jahre. CODA, Karben 2000, S. 74–76. Als beispielsweise die Boygroup Take That sich auflöste, nahmen sich vier Mädchen das Leben.Verena Jendro: Das Phänomen der Boygroups. Erscheinungsweisen und Analyse der Hintergründe. Tectum, Marburg 1999, S. 28.

Besessener Fan Fanatismus kann sich nicht nur durch die Mitgliedschaft in einer Gruppe entwickeln. Die Form des besessenen Fans meint die totale Abgrenzung von der Gesellschaft und vollkommene Hinwendung zum Star und Fan-Sein.Nikola Vatterodt: Boygroups und ihre Fans. Annäherung an ein Popphänomen der neunziger Jahre. CODA, Karben 2000, S. 70. Zu dieser Gruppe zählen auch die psychisch gestörten Fans (zum Beispiel starke Formen des Stalkings), die ihren Star dazu nutzen, eine eigene Persönlichkeit zu formen.Joli Jenson: Fandom as Pathology: The Consequences of Characterization. In: Lisa A. Lewis (Hrsg.): The Adoring Audience: fan culture and popular media. Routledge, London 1992, S. 17. Ein Beispiel hierfür wäre Mark David Chapman. Dieser kleidete und gab sich genau wie Beatles-Mitgründer John Lennon, heiratete auch eine japanische Frau und nannte sich sogar selbst John Lennon. Chapmans Fanatismus reichte so weit, dass er 1980 seinen Star umbrachte.Carlo Michael Sommer: Stars als Mittel der Identitätskonstruktion. Überlegungen zum Phänomen des Star-Kults aus sozialpsychologischer Sicht. In: Werner Faulstich, Helmut Korte (Hrsg.): Der Star. Geschichte, Rezeption, Bedeutung. Fink, München 1997, S. 118.

Fan-Aktivitäten mini|Choreographie von kroatischen Fans

Fan-Aktivitäten werden in drei Bereiche unterteilt: Konsumieren, Kommunizieren und Kreieren.Nikola Vatterodt: Boygroups und ihre Fans. Annäherung an ein Popphänomen der neunziger Jahre. CODA, Karben 2000, S. 82.

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