mini|300px|Blick auf Colditz Colditz ist eine Stadt im Landkreis Leipzig in Sachsen, direkt an der Zwickauer Mulde gelegen. Im Ortsteil Sermuth vereinigen sich die Zwickauer und die Freiberger Mulde. Ihre überregionale Bekanntheit verdankt die Stadt dem Schloss Colditz.

Geographie Geographische Lage Colditz befindet sich am Nordrand des Mittelsächsischen Hügellands an der Zwickauer Mulde, welche sich wenige Kilometer nördlich der Kernstadt im Ortsteil Sermuth mit der Freiberger Mulde zur Mulde vereinigt. Westlich der Stadt befindet sich der Colditzer Forst, an den sich nördlich der Glastener Forst mit der Parthequelle nahtlos anschließt. Nordöstlich von Colditz befindet sich jenseits der Freiberger Mulde mit dem Thümmlitzwald ein weiteres Forstgebiet, ebenso im Südosten in Richtung Geringswalde.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn, westlich beginnend) die Stadt Bad Lausick und die Stadt Grimma (beide im Landkreis Leipzig) sowie die Städte Leisnig, Hartha und Geringswalde und die Gemeinden Zettlitz und Königsfeld im Landkreis Mittelsachsen.

Ortsteile Die heutige Stadt Colditz entstand am 1. Januar 2011 aus dem Zusammenschluss der bisherigen Stadt Colditz (C), der Gemeinde Zschadraß (Z) und den vier südlichen Ortsteilen der aufgelösten Gemeinde Großbothen (G) (in Klammern jeweils die einstige Kommune vor dem Zusammenschluss).

Bockwitz (Z) Colditz (C) Collmen (Z) Commichau (Z) Erlbach (Z) Erlln (Z) Hausdorf (Z) Hohnbach (C) Kaltenborn (Z) Koltzschen (Z) Lastau (C) Leisenau (G) Maaschwitz (Z) Meuselwitz (Z) Möseln (C) Podelwitz (Z) Raschütz (Z) Schönbach (G) Sermuth (G) Skoplau (Z) Tanndorf (Z) Terpitzsch (Z) Zollwitz (Z) Zschadraß (Z) Zschetzsch (G) Zschirla (Z)

Geschichte Die Region Colditz wurde 1046 als Burgwardbezirk „Cholidistcha“ erstmals urkundlich erwähnt. Kol-dici als mögliche altsorbische Lautung könnte zum slawischen kol- (Glied einer Gemeinschaft) gehören, dies wird als Namensdeutung für möglich gehalten.Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 50. Im 12. Jahrhundert entstand eine Kaufmannssiedlung und die spätere St. Nikolaikirche. Die erstmalige Erwähnung der Stadt Colditz selbst erfolgte im Jahre 1265 als „civitas“. 1404 wurde die Herrschaft des Geschlechts Colditz von dem Haus Wettin erworben, womit die Eingliederung als markgräfliches Amt Colditz in die Markgrafschaft Meißen erfolgte. Im Jahre 1456 errichtete Kurfürst Friedrich II. von Sachsen seiner Gemahlin Margaretha von Österreich als Ausgleich für das ihr zustehende hohe Leibgedinge die Münzstätte Colditz und gestattete ihr eigene Münzen, die sogenannten Margarethengroschen, prägen zu lassen.

1504 wurde Colditz von einem großen Stadtbrand heimgesucht; nachfolgend wurde mit dem Umbau der Burg Colditz zum Schloss Colditz begonnen. Im 16. Jahrhundert blühte das Tuchmacher- und Leineweberhandwerk auf.

Ab den 1520er Jahren war das Schloss Jagdaufenthaltsort des kursächsischen Hofes und eines der favorisierten Schlösser Friedrichs des Weisen. Von 1602 bis 1622 war es Witwensitz der Kurfürstin Sophie von Brandenburg. In Colditz wurden von 1568 bis 1679 Hexenverfolgungen durchgeführt. Fünf Personen gerieten in Hexenprozesse, drei Frauen wurden mit Landesverweis bestraft und im Ortsteil Collmen wurde 1568 Anna, Tochter von Thomas Scheffer, wegen Liebeszauber zum Tode verurteilt.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 477 und 510. Ab dem frühen 18. Jahrhundert begann die Verwendung Colditzer Tone auf kurfürstliche Anweisung in der 1710 gegründeten Meißener-Porzellan-Manufaktur. Am 20. September 1750 zerstörte abermals ein Großbrand die Stadt. 130 Häuser und Scheunen fielen dabei den Flammen zum Opfer.Deutsche Fotothek: Plan von der Stadt Coldiz : worinnen am 20. Septbr. 1750 130 Haeusser und Scheunen abgebrandt. Handzeichnung, datiert 1751. Ab 1803 wurde im Schloss ein Landesarbeitshaus eingerichtet, um „Landstreicher“ und Bettler an Arbeitsmoral und Zeitdisziplin zu gewöhnen. 1804 begann die erste Tonverarbeitung in der Colditzer Steingutfabrik Thomsberger & Hermann. Das Schloss wurde 1829 zur Landesversorgungsanstalt für unheilbar Geisteskranke. Als dessen „agricole Kolonie“ wurde in Zschadraß 1868 eine psychiatrische Klinik gegründet, die lange Zeit zu den bedeutendsten und innovativsten Einrichtungen ihres Faches in Sachsen zählte.

Colditz war bis 1855 Sitz des Justizamtes Colditz. Von 1855 bis 1879 war das Gerichtsamt Colditz und danach das Amtsgericht Colditz erstinstanzliches Gericht in der Stadt. 1943 wurde das Amtsgericht Nebenstelle des Amtsgerichtes Borna und 1952 endgültig aufgehoben.

Von März 1933 bis August 1934 bestand im Schloss das KZ Colditz, in dem über 2000 Gegner des Nationalsozialismus von der SA und Polizeikräften schwer misshandelt wurden. Das Schloss diente dann zwischen 1936 und 1937 als Reichsarbeitsdienst-Lager und von 1940 bis 1945 als Kriegsgefangenenlager für Offiziere (Oflag IV-C). Dieser Umstand wurde in der britischen Fernsehserie Colditz 1972–1974 und dem britischen Film Colditz – Flucht in die Freiheit 2005 verfilmt. Im April 1941 gelang es dem französischen Offizier und späteren Widerstandskämpfer Alain Le Ray, als erstem aus diesem als ausbruchssicher geltenden Gefangenenlager zu fliehen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im November 1944 wurde auf dem Gelände der Steingutfabrik Südwerk ein Außenlager des KZ Buchenwald eingerichtet, in dem über 450 jüdische KZ-Häftlinge für die Hugo Schneider AG Panzerfäuste herstellen mussten. Viele starben an den grausamen Lebensbedingungen, am Sadismus der SS-Bewacher und schließlich auf dem Todesmarsch im April 1945.

Zu DDR-Zeiten wurde im „Steinhaus“ am Ortsrand ein Kinderferienlager betrieben und unterhalten, das nach 1990 dem Verfall preisgegeben wurde.

1958 markiert den Beginn der Porzellanherstellung in Colditz im VEB Colditzer Porzellanwerk. Dieses war in einem Kombinat mit u. a. dem Porzellanwerk Kahla verbunden. Colditz stellte einen beträchtlichen Teil des in der DDR bekannten Mitropa-Porzellans her, welches man am Herstellerlogo „cp“ erkennen kann.

Weiterhin kann Colditz auf eine bedeutende Schamotteindustrie zurückblicken, die jedoch ebenso wie die Porzellanindustrie den Umbruch nach 1990 nicht überstanden hat.Zur Geschichte der Porzellan- und Schamotteindustrie Das Adressbuch wies z. b. 1948 die Collmener Schamottewerke GmbH, die Colditzer Ziegelei von Rudolf Görling, die Sächsischen Steinzeugwerke zu Colditz, die Steingutfabrik Colditz AG. Weitere derartige Betriebe gab es in Collmen, das damals noch selbstständig war.

2002 und 2013 war die Stadt von einem Jahrhunderthochwasser betroffen.

2023 rückte die lokale rechtsextreme Szene in den Blick der bundesweiten Öffentlichkeit. Nachdem jahrelang seitens Polizei keine oder nur zögerliche Ermittlungen gegen gewaltbereite Neonazis vorgenommen wurden, kam es im Rahmen einer groß angelegten Razzia zur Verhaftung und Anklage mehrerer Akteure der rechtsextremen Szene.

Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung BockwitzStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 01.07.1991 01.01.2011 Eingemeindung nach Zschadraß,Umgliederung nach Colditz CollmenGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt 01.07.196101.01.2011 Eingemeindung nach Zschadraß,Umgliederung nach Colditz Commichau 01.01.196901.01.2011 Eingemeindung nach Zschadraß,Umgliederung nach Colditz Erlbach 01.01.199501.01.2011 Eingemeindung nach Zschadraß,Umgliederung nach Colditz Erlln 01.01.195201.01.2011 Eingemeindung nach Tanndorf,Umgliederung nach Colditz GroßsermuthDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 01.10.193701.03.199101.01.199401.01.2011 Zusammenschluss mit Kleinsermuth und Kötteritzsch zu Sermuth,Zusammenschluss von Sermuth und Schönbach zu Sermuth-Schönbach,Umgliederung nach Großbothen,Umgliederung nach Colditz Hausdorf 01.01.199501.01.2011 Eingemeindung nach Zschadraß,Umgliederung nach Colditz Hohnbach 01.12.197301.01.2011 Umgliederung nach Colditz Kaltenborn 01.09.196901.01.2011 Eingemeindung nach Hausdorf,Umgliederung nach Colditz Kleinsermuth 01.10.193701.03.199101.01.199401.01.2011 Zusammenschluss mit Großsermuth und Kötteritzsch zu Sermuth,Zusammenschluss von Sermuth und Schönbach zu Sermuth-Schönbach,Umgliederung nach Großbothen,Umgliederung nach Colditz Kötteritzsch 01.10.193701.03.199101.01.199401.01.2011 Zusammenschluss mit Großsermuth und Kleinsermuth zu Sermuth,Zusammenschluss von Sermuth und Schönbach zu Sermuth-Schönbach,Umgliederung nach Großbothen,Umgliederung nach Colditz Koltzschen 01.07.197301.01.2011 Eingemeindung nach Hausdorf,Umgliederung nach Colditz Lastau 01.01.199401.01.2011 Umgliederung nach Colditz Leisenau 01.01.199401.01.2011 Eingemeindung nach Großbothen,Umgliederung nach Colditz Maaschwitz vor 188001.01.2011 Eingemeindung nach Tanndorf,Umgliederung nach Colditz Meuselwitz 01.01.195201.01.2011 Eingemeindung nach Bockwitz,Umgliederung nach Colditz Möseln 01.07.195001.01.2011 Umgliederung nach Colditz Podelwitz 01.01.195201.01.2011 Eingemeindung nach Tanndorf,Umgliederung nach Colditz Raschütz 01.01.195201.01.2011 Eingemeindung nach Erlbach,Umgliederung nach Colditz Schönbach 01.03.199101.01.199401.01.2011 Zusammenschluss mit Sermuth zu Sermuth-Schönbach,Umgliederung nach Großbothen,Umgliederung nach Colditz Sermuth 01.10.193701.03.199101.01.199401.01.2011 Zusammenschluss von Großsermuth, Kleinsermuth und Kötteritzsch,Zusammenschluss mit Schönbach zu Sermuth-Schönbach,Umgliederung nach Großbothen,Umgliederung nach Colditz Skoplau 01.07.195001.01.2011 Eingemeindung nach Commichau,Umgliederung nach Colditz Tanndorf 01.01.199601.01.2011 Eingemeindung nach Zschadraß,Umgliederung nach Colditz Terpitzsch 01.04.193801.01.2011 Eingemeindung nach Hausdorf,Umgliederung nach Colditz Thumirnicht 01.04.193501.01.2011 Umgliederung nach Colditz Zollwitz 01.04.193801.01.2011 Eingemeindung nach Hausdorf Zschadraß 01.01.2011 Umgliederung nach Colditz Zschetzsch 01.07.195001.03.199101.01.199401.01.2011 Eingemeindung nach Schönbach,Zusammenschluss von Schönbach und Sermuth zu Sermuth-Schönbach,Umgliederung nach Großbothen,Umgliederung nach Colditz Zschirla 01.04.193701.01.2011 Eingemeindung nach Kaltenborn,Umgliederung nach Colditz

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember): Jahr 1834 1895 1960 1990 2000 2004 2007 2009 2012 2013 20152018 Einwohner 3248 5121Brockhaus' Konversations-Lexikon, F.A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 1894. 6797 6635* 5756 5286 5048 4870 8980 8897 87528472 * 3. Oktober     Datenquelle ab 1990: Statistisches Landesamt Sachsen

Politik mini|hochkant=1.1|Rathaus Colditz am Marktplatz

Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die nun 16 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: Freie Wählervereinigung „Für unsere Heimat“ (FWV): 5 Sitze Bündnis Zukunft (BZ): 5 Sitze Bürgerinitiative Colditz (BIC): 2 Sitze Alternative für Deutschland (AfD): 1 Sitz Christlich Demokratische Union (CDU): 1 Sitz Freie Demokratische Partei (FDP): 1 Sitz Die Linke: 1 Sitz +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Freie Wählervereinigung „Für unsere Heimat“530,8837,8947,5Bündnis Zukunft530,8528,1––AfD115,1––––Bürgerinitiative Colditz212,4317,0316,4CDU14,2–4,318,0FDP13,717,3315,7Linke13,015,515,5Wahlbeteiligung67,0 %59,9 %50,8 %

Bürgermeister Bürgermeister ist Robert Zillmann (seit 1. Juni 2018), der parteilos ist. +Vergangene BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagErgebnis2025Robert ZillmannZillmann53,5 %2018 50,1 %2011Matthias SchmiedelSchmiedel 90,9 %2008Manfred HeinzFDP 55,5 %2001 54,1 %1994 55,0 %

Wappen und Flaggen 100px 44px 100px

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