Eine Doktrin (von ) ist ein System von Ansichten und Aussagen, das oftmals den Anspruch hat, allgemeine Gültigkeit zu besitzen.

Im politischen Sprachgebrauch wird eine Doktrin als politische Leitlinie der Regierung aufgefasst. Sie wird einseitig von dieser erklärt und stellt kein völkerrechtliches Dokument dar. Bekannt sind vor allem die außenpolitischen Doktrinen der US-Präsidenten und in den ehemaligen realsozialistischen Staaten der Marxismus-Leninismus, auch bekannt als Staatsdoktrin.

Im verteidigungspolitischen Umfeld spielt die Militärdoktrin eine wichtige Rolle.

Politische Doktrin Eine politische Doktrin ist eine Reihe von Prinzipien und Überzeugungen, die das politische Verhalten und die Politikgestaltung leiten. Sie spiegelt oft bestimmte Ideologien wie Liberalismus, Konservatismus, Demokratie oder Pluralismus wider. Solche Doktrinen basieren häufig auf Schulen der sogenannten „politischen Gedanken“ oder politischen Philosophie, die grundlegende Normen und Werte für politische Systeme formulieren. In dem Kontext spricht man auch von einem „Leit- oder Grundgedanken“. Dabei verkörpert die Demokratie verschiedene Werte und Überzeugungen, die sich auf politische Teilhabe, individuelle Rechte und Regierungsführung beziehen. Sie bietet einen Rahmen für andere Ideologien. Ferner sind auch ideologische Strömungen wie Faschismus, Nationalismus, Patriotismus, Imperialismus, Kolonialismus, Feudalismus, Kommunismus, Sozialismus, Kapitalismus, Autoritarismus, Militarismus in diesem Kontext zu erwähnen. Zusätzlich existieren wirtschaftliche Doktrinen, die oft mit politischen Ideologien verknüpft sind.

In seiner religionsphilosophischen Schrift Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft formulierte Immanuel Kant 1793 seinen Übergang von der Kritik zur Doktrin.

Im Folgenden sind die Doktrinen und politische Ideologien aufgezählt. In einigen Fällen ist die Doktrin eng mit einer sicherheitspolitischen Strategie, Außenpolitik, o.a. Themen verbunden.

Vereinigte Staaten

(Chronologisch) Monroe-Doktrin (1823) zur politischen Isolation nach dem Motto „Amerika den Amerikanern!“Monroe meint die Westliche Hemisphäre. und zum Interventionsverbot der USA Hoover-Stimson-Doktrin (1932) zur Verurteilung der japanischen Okkupation der Mandschurei Truman-Doktrin (1947) zum weltweiten Kampf gegen den Totalitarismus – Beginn des Kalten Kriegs; vgl. auch Containment-Politik Eisenhower-Doktrin (1957) zur Ermächtigung, gegen eine kommunistische Aggression mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln (also auch der Verwendung von Atomwaffen) vorzugehen Nixon-Doktrin (1969) zur US-amerikanischen Außenpolitik in Asien mit Blick auf Vietnam Carter-Doktrin (1980), militärische Drohgebärde von US-Präsident Jimmy Carter an die UdSSR nach der sowjetischen Invasion in Afghanistan Reagan-Doktrin (1985) zur US-Außenpolitik nach dem Motto „Friede durch Stärke“ der 1980er Jahre und Stellvertreterkriegen Reaganomics die Wirtschaftspolitik von Präsident Ronald Reagan (c. 1980er bis 1990) Bush-Doktrin (2002 und 2006) nach dem Ende des Kalten Kriegs und nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zur generellen Interventionsmöglichkeit gegen Terrorismus mit der Option auf präventive Militäreingriffe im Falle einer nationalen Sicherheitsgefährdung „America First“ (2024), politischer Wahlspruch und Wirtschaftspolitik (siehe auch die Zollpolitik) von US-Präsident Donald J. Trump, siehe auch Make America Great Again (MAGA) und das Project 2025 „Trumpismus“ „Friede durch Stärke“ (2024) die Friedens- und Sicherheitspolitik der Regierung Trump „Donroe-Doktrin“ (auch „Trump Corollary“ zur o. g. Monroe-Doktrin), die Außenpolitik der zweiten Trump-Administration in der westlichen Hemisphäre, vgl. auch die Nationale Sicherheitsstrategie (NSS) der USA von 2025.

Sowjetunion / Russland

Bolschewismus-Leninismus (Trotzkismus) in den 1920er Jahren Stalinismus, ab 1927 bis 1953, siehe auch „Sozialismus in einem Land“ ab den 1930er Jahren Staatsdoktrin der Sowjetunion Breschnew-Doktrin (1968) zur „beschränkten Souveränität“ der sozialistischen Staaten, abgelöst 1989 durch Gorbatschows Sinatra-Doktrin Primakow-Doktrin (1990) geht davon aus, dass die nationale Sicherheit der Russischen Föderation auf ihrem Status als Supermacht (viz. Großmacht) beruht

VR China

Generell: Sozialismus chinesischer Prägung und Überragender Führer Maoismus oder „Mao-Zedongs-Gedanken“ ab 1949 Deng-Xiaoping-Theorie oder Dengismus, ab 1975 von Zhou Enlai entwickelt Vier Grundprinzipien von Deng Xiaoping aus den späten 1970ern Vier Modernisierungen nach 1978, zwei Jahre nach Mao Zedongs Tod, unter Deng Xiaoping Chinesischer Traum seit 2012 und davor die „Große Wiederbelebung der chinesischen Nation“ ab 2001 Xi-Jinping-Gedanken oder „Xiismus“ ab dem Jahr 2017

Weitere Länder oder Staatengemeinschaften (Chronologisch) Calvo-Doktrin (1868) zum Verzicht ausländischer Investoren auf das diplomatische Schutzrecht Drago-Doktrin (1907) zum Verbot der Gewaltanwendung zur Eintreibung von Staatsschulden Yoshida-Doktrin (um 1946) zur japanischen Außenpolitik Titoismus, ab etwa 1948 eine Gegenideologie zum Stalinismus in Jugoslawien BRD: Hallstein-Doktrin (1955) zur Verhinderung der Anerkennung der DDR „Kimilsungism“ und später der „Kimjongilism“, der Personenkult um Kim Il-sung und Kim Jong-il fortgeführt von Kim-Jong-un Europa der Vaterländer (um 1960) zur Beibehaltung von Nationalstaaten als Leitlinie der europäischen Integration DDR: Ulbricht-Doktrin (1967) zur Verhinderung der Anerkennung der Bundesrepublik Deutschland im Ostblock Nordkorea: Sŏn’gun („Militär zuerst!“), die Sicherheits- und Wirtschaftsdoktrin ab 1950 von Kim Il-sung und ab 1994 von Kim Jong-il Thatcherismus, die Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik von Margaret Thatcher (1980er bis 1990) „Österreich zuerst“ (1992/1993), keine Doktrin per se, sondern eine Bewegung mit dem Namen und einer ideologischen Agenda Sozialismus des 21. Jahrhunderts (seit 1996) „Chavismus“ in Venezuela ab 1998 Wahhabismus, eine puristisch-traditionalistische Richtung des sunnitischen Islam

Wirtschaft und Finanzwelt In diesem Zusammenhang spielen auch Wirtschaftspolitik und Geldpolitik eine übergeordnete Rolle. „America First“, siehe oben Die Essential-Facilities-Doktrin (erstmals 1912 angewandt) ist eine aus dem US-Recht stammende wirtschaftspolitische Doktrin zur erzwungenen Einräumung von Lizenzen und Nutzungsrechten zum Erhalt des Wettbewerbs bei marktbeherrschenden Unternehmen. Reaganomics, siehe oben Thatcherismus, siehe oben Verschiedene Finanzdoktrinen befassen sich mit der Rettung von Staaten oder Unternehmen in der Krise: Bail-out-Politik als allgemeiner Begriff für die Rettung bedrohter Staaten, Kommunen oder Unternehmen Too Big to Fail für die Rettung als systemrelevant angesehener Unternehmen oder Gebietskörperschaften in der Krise Lender of last resort als Rettungsinstitution, die noch hilft, wenn andere Gläubiger dazu nicht mehr bereit sind.

Siehe auch Außenpolitik – Innenpolitik – Sicherheitspolitik Autokratie Denkfabrik Denkschule Disziplin oder Gehorsam Dogma Große Mächte Nuklearstrategie – teilweise auch als Nukleardoktrin bezeichnet Soziologie – Politikwissenschaft Theologie, z. B. biblische oder christliche Doktrin

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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