mini|Johnny Depp (2020) John „Johnny“ Christopher Depp II (* 9. Juni 1963 in Owensboro, Kentucky) ist ein US-amerikanischer Schauspieler und Musiker. Er zählt seit 2008 zu den bestbezahlten Schauspielern in Hollywood.vgl. Wesley Johnson: Hollywood’s Top Earners. Press Association Newsfile, 23. Juli 2008. International bekannt wurde er Ende der 1980er Jahre durch die Fernsehserie 21 Jump Street. Mit der Darstellung des exzentrischen Captain Jack Sparrow in der Piratenreihe Pirates of the Caribbean vergrößerte sich seine Popularität. Depp, der in seinen Filmen vor allem ungewöhnliche und extravagante Figuren wie auch real existierende Personen der Vergangenheit und Gegenwart verkörpert, wurde 2008 für seine Rolle in Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street als bester Hauptdarsteller in einer Komödie oder einem Musical mit einem Golden Globe ausgezeichnet. Darüber hinaus wurde er bislang dreimal für den Oscar, weitere neunmal für einen Golden Globe, viermal für den Screen Actors Guild Award und fünfmal für den Saturn Award nominiert.
Leben und Karriere Herkunft und Familie Johnny Depp wurde am 9. Juni 1963 als jüngstes von vier Kindern der Kellnerin Elizabeth „Betty“ Sue Palmer, geb. Wells († 2016), und des Ingenieurs John Christopher Depp I. in Owensboro im US-Bundesstaat Kentucky geboren.Brian J. Robb: Johnny Depp: A Modern Revel. Plexus Publishing, London 2006, ISBN 0-85965-385-4, S. 11. Depp wuchs mit zwei älteren Schwestern, Deborah (* 1956) und Elisa Christine (* 1960), sowie einem älteren Bruder, Daniel (* 1953), auf. Zwei der Geschwister stammen aus einer früheren Ehe seiner Mutter. Im Jahr 1970 zog seine Familie von Kentucky nach Miramar, einem Vorort von Miami.Alexandra Seitz: Johnny Depp – Ein Porträt. Bertz + Fischer, Berlin 2006, ISBN 3-929470-43-8, S. 8.
Familiäre und persönliche Schwierigkeiten Depps äußerten sich in selbstverletzendem Verhalten,Brian J. Robb: Biografie eines Rebellen – Johnny Depp. Ubooks-Verlag, 2007, ISBN 978-3-86608-087-4, S. 16. Alkohol- und Drogenkonsum.Brian J. Robb: Biografie eines Rebellen – Johnny Depp. Ubooks-Verlag, Augsburg 2007, ISBN 978-3-86608-087-4, S. 15. Er verübte Einbrüche, beging Vandalismus und Ladendiebstahl und prügelte sich mit anderen Jungen.Brian J. Robb: Biografie eines Rebellen – Johnny Depp. Ubooks-Verlag, Augsburg 2007, ISBN 978-3-86608-087-4, S. 15.Michael Blitz, Louise Krasniewicz: Johnny Depp – A Biography. Greenwood Publishing, 2007, ISBN 978-0-313-34300-1, S. 12.Michael Blitz, Louise Krasniewicz: Johnny Depp – A Biography. Greenwood Publishing, 2007, ISBN 978-0-313-34300-1, S. 11. Depps Eltern ließen sich scheiden, als er 15 Jahre alt war. Nach der Scheidung lebten er und seine Geschwister Christine und Daniel bei der Mutter; seine Schwester Deborah zog zum Vater.Brian J. Robb: Johnny Depp: A Modern Revel. Plexus Publishing, London 2006, ISBN 0-85965-385-4, S. 14 f.
Depp ist englisch-irischer sowie deutscherBrian J. Robb: Biografie eines Rebellen – Johnny Depp. Ubooks-Verlag, Augsburg 2007, ISBN 978-3-86608-087-4, S. 12. und hugenottischer Abstammung.Johnny Depp Biografie. In: Bibliothek für Hugenottengeschichte (BfHg). Abgerufen am 2. Juni 2022.
Anfänge als Musiker Bereits in seiner frühen Jugend hatten die Schallplatten seines BrudersMichael Blitz, Louise Krasniewicz: Johnny Depp – A Biography. Greenwood Publishing, 2007, ISBN 978-0-313-34300-1, S. 11. und der Gospelchor seines Onkels, eines Predigers, Depps Interesse an Musik geweckt. Laut Depp leistete sein Onkel auch einen „wesentlichen Beitrag“ dazu, dass er Schauspieler werden wollte. Nachdem Depp im Alter von zwölf Jahren seine erste Gitarre erhalten und auf ihr zu spielen gelernt hatte,Brian J. Robb: Biografie eines Rebellen – Johnny Depp. Ubooks-Verlag, Augsburg 2007, ISBN 978-3-86608-087-4, S. 14. gründete er mit 13 Jahren eine Band namens Flame.Michael Blitz, Louise Krasniewicz: Johnny Depp – A Biography. Greenwood Publishing, 2007, ISBN 978-0-313-34300-1 (englisch), S. 11 f.DVD (in Englisch): Inside the Actors Studio – Johnny Depp. hosted by James Lipton, Extended Edition, Studio: ILC Media, 2008; Quelle zu finden ab Minute 9:29 Im Jahr 1979 brach er den Besuch der High School ab und wollte Rockmusiker werden.Brian J. Robb: Johnny Depp: A Modern Revel. Plexus Publishing, London 2006, ISBN 0-85965-385-4, S. 14 f.Zwei Wochen nach dem Schulabbruch kamen ihm Zweifel, und er fragte den Dekan der Schule, ob er wieder aufgenommen werden könne. Der Dekan verweigerte dies und erklärte, er solle sein Band-Projekt weiter verfolgen; siehe Inside the Actors Studio – Johnny Depp. hosted by James Lipton, DVD, Extended Edition, Studio: ILC Media, 2008 ab Minute 8:50.
Depps Band Flame änderte ihren Namen in The Kids. Als Coverversionen spielende Vorband (u. a. für Iggy Pop, The B-52s und Talking Heads) brachte sie es in Florida zu lokaler Berühmtheit.Brian J. Robb: Biografie eines Rebellen – Johnny Depp. Ubooks-Verlag, Augsburg 2007, ISBN 978-3-86608-087-4, S. 15 f. Um sein Salaire aufzubessern, nahm Depp daneben diverse Jobs an (u. a. auf dem Bau, an einer Tankstelle und im Telefonmarketing).Matt Doeden: Johnny Depp: Hollywood Rebel. USA Today Lifeline Biographies, Verlag: Twenty-First Century Books (a division of Lerner Publishing Group, Inc.), Februar 2011, ISBN 978-0-7613-6420-7 (englisch), S. 13.DVD (englisch): Inside the Actors Studio – Johnny Depp. hosted by James Lipton, Extended Edition, Studio: ILC Media, 2008; Quelle zu finden ab Minute 10:00
Der Beginn seiner Schauspielkarriere führte zum Ende von The Kids. Zudem spielte Depp inzwischen in einer neuen Band, den Rock City Angels.Brian J. Robb: Biografie eines Rebellen – Johnny Depp. Ubooks-Verlag, 2007, ISBN 978-3-86608-087-4, S. 23.
Beginn der Schauspielkarriere in den 1980er Jahren Im Jahr 1984 verhalf Nicolas Cage Depp zu einem Vorsprechen für den Film A Nightmare on Elm Street.DVD (englisch): Inside the Actors Studio – Johnny Depp. hosted by James Lipton, Extended Edition, Studio: ILC Media, 2008; Quelle zu finden ab Minute 10:25 Depp erhielt die Rolle des Freundes der von Heather Langenkamp gespielten Hauptfigur. Es folgten weitere Nebenrollen in eher unbedeutenden Filmen, darunter Private Resort und Slow Burn.
1986 spielte Depp in einer Nebenrolle einen Übersetzer in dem Vietnam-Kriegsfilm Platoon von Oliver Stone. Alle Darsteller mussten vorab ein 13-tägiges Trainingslager am Drehort auf den Philippinen absolvieren und wurden wie Soldaten trainiert.Brian J. Robb: Biografie eines Rebellen – Johnny Depp. Ubooks-Verlag, 2007, ISBN 978-3-86608-087-4, S. 21. Depp war später frustriert, dass viele seiner wenigen Szenen in der Endfassung des Films nicht verwertet wurden. Trotzdem sei Platoon der erste Film gewesen, in dem er sich wirklich als Schauspieler gefühlt habe.DVD (englisch): Inside the Actors Studio – Johnny Depp. hosted by James Lipton, Extended Edition, Studio: ILC Media, 2008; Quelle zu finden ab Minute 11:21 In der Rolle des Private Lerner sei ihm bewusst geworden, welche Möglichkeiten der Film im Vergleich zum Fernsehen biete.
Dennoch betrachtete er die Schauspielerei zu Beginn nur als eine Möglichkeit, sein Musikerdasein zu finanzieren.DVD (englisch): Inside the Actors Studio – Johnny Depp. hosted by James Lipton, Extended Edition, Studio: ILC Media, 2008; Quelle zu finden ab Minute 11:15Alexandra Seitz: Johnny Depp – Ein Porträt. Verlag Bertz + Fischer, Berlin 2006, ISBN 3-929470-43-8, S. 19.Brian J. Robb: Biografie eines Rebellen – Johnny Depp. Ubooks-Verlag, 2007, ISBN 978-3-86608-087-4, S. 22. Erst ab 1986 habe er begonnen die Schauspielerei richtig zu lernen.Video: JOHNNY DEPP – Interview 1993 1_2 und JOHNNY DEPP – Interview 1993 2_2, Fernsehinterview, Canal+ (französischer Sender), Le Journal du cinéma mit Isabelle Giordano, 1993, Video ist in Schwarzweiß, Quelle zu finden ab Minute 8:12 Im Laufe der Jahre sei daraus eine Leidenschaft geworden:
Depp besuchte mehrere Schauspielschulen, so das The Loft Studio in Los Angeles.Playboy-Interview mit Johnny Depp, Mai 2004, Text: Bernard Weinraub, Titel: ? Er wurde u. a. von Peggy Feury und Sandra Seacat unterrichtet. Auch aus Schauspielbüchern, z. B. To the Actor von Michael Chekhov und On Method Acting von Edward Dwight Easty, und von bekannten Kollegen übernahm er darstellerische Methoden, etwa von Konstantin Sergejewitsch Stanislawski, Lee Strasberg und Eric Morris.DVD (in Englisch): Inside the Actors Studio – Johnny Depp. hosted by James Lipton, Extended Edition, Studio: ILC Media, 2008; Quelle zu finden ab Minute 38:34
Durchbruch mit 21 Jump Street Von 1987 bis 1990 spielte Depp in der US-Fernsehserie 21 Jump Street einen unangepassten jugendlichen Undercover-Polizisten. Aufgrund des internationalen Erfolgs der Serie wurde er auch außerhalb der USA zum Teenie-Idol. In späteren Interviews kritisierte er, als solches vermarktet und zu einer Ware degradiert worden zu sein.DVD (englisch): Inside the Actors Studio – Johnny Depp. hosted by James Lipton, Extended Edition, Studio: ILC Media, 2008; Quelle zu finden ab Minute 11:32, ab Minute 12:13 und 13:25. Zugleich betonte er, trotz der durch diese Serie erlangten Kenntnisse und Erfahrungen nie wieder etwas Vergleichbares erleben zu wollen. Wegen des großen kommerziellen Erfolgs der Serie wollte ihn der produzierende Fernsehsender, Fox, nicht vorzeitig aus seinem Vertrag entlassen.Alexandra Seitz: Johnny Depp – Ein Porträt. Verlag Bertz + Fischer, Berlin 2006, ISBN 3-929470-43-8, S. 26/27.
1990er Jahre: Erste große Erfolge mini|1992 bei den Filmfestspielen von Cannes
Um sein Image zu verändern, suchte sich Depp von da an Kinorollen vor allem nach künstlerischen Gesichtspunkten und nicht aus kommerziellen Erwägungen aus. Später erklärte er, dass er seine Figuren stets aus drei Anteilen zusammensetze: ein Drittel Lee Strasbergs Method Acting, ein Drittel Wesenszüge von real existierenden Personen aus seinem Bekanntenkreis und ein Drittel eigens ergänzte Marotten.
Im Jahr 1990 spielte Depp unter der Regie von John Waters seine erste Hauptrolle in einem Kinofilm, der Musicalparodie Cry-Baby. Mit der Hauptrolle in der Fantasy-Tragikomödie Edward mit den Scherenhänden erzielte er im selben Jahr seinen ersten großen Leinwanderfolg. Erstmals arbeitete er mit dem von ihm geschätzten Regisseur Tim Burton zusammen. Es gelang ihm, seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, und er wurde für den Golden Globe Award für den besten Hauptdarsteller jenes Jahres nominiert. Im folgenden Jahr wirkte er als rebellischer Rockstar in dem Musikvideo zu Into the Great Wide Open von Tom Petty & the Heartbreakers mit.
1993 übernahm Depp an der Seite von Mary Stuart Masterson die Hauptrolle des stillen, phantasiebegabten Sonderlings Sam in der melancholischen Liebeskomödie Benny und Joon, für die er erneut eine Nominierung für einen Golden Globe sowie den MTV Movie Award erhielt.
Es folgten Hauptrollen in Arizona Dream unter der Regie von Emir Kusturica und in Lasse Hallströms Familiendrama Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa, in dem er mit Leonardo DiCaprio und Juliette Lewis spielte. Das Aussehen und Charakterzüge, die Depp der Figur des Gilbert Grape verlieh, waren von einem Jugendfreund inspiriert, bekannte Depp.Michael Blitz, Louise Krasniewicz: Johnny Depp – A Biography. Greenwood Pub Group Inc; 1. Auflage: 30. November 2007, ISBN 978-0-313-34300-1 (englisch), S. 12.