Hernals ist der 17. Wiener Gemeindebezirk. Er wurde 1892 aus den selbständigen Gemeinden Hernals, Dornbach und Neuwaldegg gebildet und zählt rund 56.000 Einwohner. Der Bezirk wird von seinen Bewohnern vor allem wegen seiner gleichzeitigen Nähe zum Stadtzentrum (Universitäts- und Rathausviertel, Altes und Neues AKH) und zu Naherholungsgebieten (Schwarzenbergpark, Schafberg, Kongresspark und -bad) geschätzt. Für Hernals charakteristisch ist eine starke demographische Durchmischung, die sich in der Unterschiedlichkeit der Bezirksteile widerspiegelt. So finden sich im Bezirk hoch- und spätgründerzeitlich geprägte Viertel neben kommunalen Wohnhausanlagen, Cottagevierteln und alten Ortskernen.
Geographie mini|Blick vom Gallitzinberg in Ottakring über Hernals mini|Michaelerberg und Schafberg
Topographie Der Bezirk Hernals liegt im Nordwesten des Wiener Stadtgebietes im Übergangsbereich der Alpen zum Wiener Becken. Mit 11,35 km² Fläche (rund 2,7 % der Fläche Wiens) ist es der zehntgrößte Wiener Gemeindebezirk. Das Bezirksgebiet erstreckt sich entlang des Verlaufs der heute kanalisierten Als zwischen dem Wienerwald und dem Gürtel. Die Als ist nach dem Wienfluss der zweitlängste Bach, der aus dem Wienerwaldgebiet in die Donau fließt. Höchste Erhebung des Bezirkes ist der Heuberg mit 464 Metern, ein bekannter Wetterwinkel. Hernals verfügt über mehrere ökologische Schutzgebiete. Das Landschaftsschutzgebiet Hernals umfasst im Wienerwald 5,93 km² und nimmt 52,3 % der Bezirksfläche ein. Kleinere, sogenannte Ökologische Entwicklungsflächen, liegen auf der Franz Glaser-Höhe und im Bereich Stefan-Zweig-Platz/Korngasse.Magistratsabteilung 5 (MA5): Schutzgebiete 2006 ( [PDF; 4 kB]).
Der Bezirk ist heute durch große Unterschiede zwischen seinem Ost- und seinem Westteil gekennzeichnet. Während die östlichen, zentrumsnahen Bezirksteile (Hernals sowie das angrenzende Dornbacher Frauenfeld), die auf einem Sechstel des Bezirksgebietes rund drei Viertel der Bezirksbevölkerung aufnehmen, durch gründerzeitliche Bebauung und hohe Einwohnerdichte gekennzeichnet sind, finden sich im Westteil (Dornbach, Neuwaldegg, Heuberg) Villenviertel, alte Dorfkerne und Gemeindebauten in Grünruhelage, mitunter auch Weingärten.
Die hauptsächliche Verkehrs- und Entwicklungsachse des Bezirks ist die auf einen römischen Verkehrsweg zurückgehende Hernalser Hauptstraße, die im weiteren Verlauf Richtung Wienerwald Dornbacher bzw. Neuwaldegger Straße genannt wird und in die L120 nach Tulln mündet. Die Grenzen zu den Nachbarbezirken Währing und Ottakring verlaufen vor allem im zentrumsnahen Bereich oft mitten durch dicht verbautes Gebiet.
Bezirksteile Die ursprünglich selbständigen Vororte Hernals, Dornbach und Neuwaldegg wurden im Jahr 1892 eingemeindet und bilden heute den 17. Bezirk. Die Grenzen der ehemaligen Gemeinden haben sich heute noch in den Grenzen der drei bestehenden, gleichnamigen Katastralgemeinden erhalten, wobei Hernals den dicht verbauten Osten und Neuwaldegg den bewaldeten Nordteil des Bezirksgebietes einnimmt. Dornbach, das den Südwesten des Bezirksgebietes einnimmt, besteht aus einem dichter verbauten Gebiet im Osten und dem Waldgebiet des Heubergs im Westen.
Eine Gliederung des Bezirksgebiets besteht ferner in den Zählbezirken der amtlichen Statistik, in denen die Zählsprengel des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Die sechs Zählbezirke in Hernals sind Dornerplatz, Alt-Hernals, Äußere Hernalser Hauptstraße, Alszeile, Dornbach und Neuwaldegg. Die Grenzen der Zählbezirke Dornbach und Neuwaldegg stimmen jedoch nicht mit jenen der gleichnamigen Katastralgemeinden überein. Der Zählbezirk Äußere Hernalser Hauptstraße befindet sich beiderseits der Grenze zwischen den Katastralgemeinden Hernals und Dornbach, die ungefähr im Bereich der Vorortelinie verläuft.
Flächennutzung Die Baufläche von Hernals umfasst 29,7 % (wienweit 33,3 %) der Bezirksfläche. Der Anteil der Wohnbaufläche am gesamten Bauland beträgt 90,9 % (zweithöchster Anteil in Wien). Dementsprechend ist der Anteil der Betriebsbaugebiete (2,8 % der Baufläche) sowie der Flächen, die dem kulturellen, religiösen, sportlichen oder öffentlichen Bereich dienen (5,4 %), gering.
Grünflächen nehmen in Hernals 59,6 % der Bezirksfläche ein, womit Hernals der drittgrünste Bezirk ist. 66,5 % der Grünfläche entfallen auf Wälder, 12,1 % auf Wiesen und 11,4 % auf Kleingärten. Sport- und Freizeitflächen (3,7 %) und landwirtschaftliche Nutzflächen (2,4 %) nehmen nur einen geringen Umfang der Hernalser Grünflächen ein. Das einst bedeutende Weinbaugebiet ist bis auf einen letzten Rest am Kleinen Schafberg verschwunden.
Der Anteil der Verkehrsflächen am Bezirksgebiet ist mit 10,3 % sehr gering, Gewässer nehmen 0,4 % des Bezirksgebietes ein.Magistratsabteilung 5 (MA5): Nutzungsarten nach Bezirken. 1997–2003 ( [PDF; 5 kB; 20. August 2007]).
+ Flächennutzung in Hektar (2001) Baufläche Grünfläche Gewässer Verkehrsflächen 336,9 675,91 4,01 117,01 Wohnbau Betriebsgebiet öffentliche Einrichtungen Landwirtschaft Parks Wälder Wiesen Kleingärten Freizeit-Flächen306,119,5518,2515,8827,21449,476,8881,4825,05
Nachbarbezirke und Nachbargemeinden Der Bezirk Hernals grenzt im Nordwesten an die niederösterreichische Gemeinde Klosterneuburg. Im Westen grenzt Hernals zudem an den 14. Bezirk, Penzing, wobei die Bezirksgrenze entlang des Dornbachs und der Amundsenstraße verläuft. Die südliche Bezirksgrenze gegenüber dem 16. Bezirk, Ottakring, liegt zunächst im Waldgebiet zwischen Heuberg und Gallitzinberg und verläuft im Anschluss in östlicher Richtung durch verbautes Gebiet bis zum Gürtel, der Hernals im Osten vom 8. Bezirk, Josefstadt, und vom 9. Bezirk, Alsergrund, trennt. Im Norden verläuft die Bezirksgrenze gegenüber dem 18. Bezirk, Währing, durch dicht verbautes Gebiet und entlang des Höhenrückens des Schafbergs. Im Nordwesten grenzt Hernals auch an den 19. Bezirk, Döbling, bzw. dessen Bezirksteil Salmannsdorf.
Seit den 1990er Jahren kam es fünfmal zu kleineren Änderungen bei den Bezirksgrenzen. 1990 wurde die Grenze zu Währing im Bereich zwischen Czartoryskigasse und Herbeckstraße verschoben, was für Hernals einen kleinen Gebietsverlust bedeutete.Gesetz vom 21. November 1989 über eine geringfügige Änderung der Grenze zwischen dem 17. und 18. Bezirk (LGBl. 4/1990), ausgegeben am 2. Februar 1990. Im Bereich Savoyenstraße, Wilhelminenstraße und Oberwiedenstraße gewann Hernals 1992 ein kleines unbebautes Gebiet vom Gemeindebezirk Ottakring dazu.Gesetz über eine geringfügige Änderung der Grenze zwischen dem 16. und 17. Bezirk (LGBl. für Wien 10/1992), ausgegeben am 9. März 1992. 1995 erhielt Hernals von Währing im Bereich Höhenstraße, Keylwerthgasse und Salmannsdorfer Straße ein Wohngebiet zugeschlagenGesetz über eine Änderung der Grenzen zwischen dem 17., 18. und 19. Bezirk (LGBl. für Wien 48/1995), ausgegeben am 23. Juni 1995. und 1998 wurde die Grenze zu Ottakring (im Bereich Spinozagasse zwischen Steinmüllergasse und Rosenackerstraße)Gesetz über eine Änderung der Grenzen zwischen dem 16. und 17. Bezirk (LGBl. für Wien 6/1998), ausgegeben am 30. Jänner 1998. ein Stück Richtung Norden verschoben. Die bislang letzte Grenzänderung erfolgte 2001 im Bereich des Kongressparks, der seitdem vollständig auf Ottakringer Gebiet liegt.Gesetz über eine Änderung der Grenze zwischen dem 16. und 17. Bezirk (LGBl. für Wien 124/2001), ausgegeben am 14. Dezember 2001.
Bezirkswappen rechts|80px
Das Hernalser Wappen ist dreigeteilt und repräsentiert die drei ehemaligen selbständigen Gemeinden Hernals, Dornbach und Neuwaldegg. In: wien.gv.at, abgerufen am 12. Oktober 2021. Die obere Hälfte des Wappens ist Hernals gewidmet und zeigt eine blaue Weintraube auf rotem Grund. Das Wappen von Hernals steht dabei für die ehemalige Lebensgrundlage der Hernalser Weinbauern. Der vom Betrachter aus gesehen linke (heraldisch rechte) untere Teil des Wappens repräsentiert den Ort Dornbach durch zwei silberne, gekreuzte Schlüssel auf goldenem Grund. Die Schlüssel symbolisieren dabei das Benediktiner-Stift Sankt Peter in Salzburg, das die Grundherrschaft über Hernals innehatte. Die rechte untere Seite ist wiederum Neuwaldegg gewidmet, wobei das dargestellte Häuschen mit zwei Bäumen auf einer grünen Wiese mit Weg den ehemaligen Herrensitz symbolisiert.
Geschichte Das Werden eines Großstadtbezirks (1892–1914) mini|Artariastraße in Neuwaldegg Der 17. Wiener Gemeindebezirk, Hernals, entstand durch die 1890 vom Niederösterreichischen Landtag beschlossene und mit 1. Jänner 1892 wirksam gewordene Eingemeindung der vormals unabhängigen Vorortgemeinden Hernals, Dornbach und Neuwaldegg, deren Geschichte bis zur Vereinigung mit Wien in den entsprechenden Lemmata behandelt wird.
Die Längsform des 1890 geschaffenen Bezirks in West-Ost-Richtung (74.657 Einwohner) entspricht der traditionellen Besiedlungsachse entlang der Als und ihren Nebengewässern, die allerdings nach 1870 durch Einwölbungen sukzessive aus dem Ortsbild verschwanden. Die Vorortgemeinde Hernals war nicht nur die bei weitem bevölkerungsreichste der drei eingemeindeten und deshalb namensgebend, sondern mit 70.933 Einwohnern auch die nach Wien größte Gemeinde Niederösterreichs. Sie war aber längst mit den ähnlich bevölkerungsreichen Nachbargemeinden Ottakring, Neulerchenfeld (beide nun 16. Bezirk) und Währing (nunmehr 18. Bezirk) zu einer Vororteagglomeration zusammengewachsen, die fast eine Viertelmillion Einwohner zählte.
Nach der Eingemeindung wurden die Besiedlungslücken zwischen Hernals und Dornbach durch den Neubau von Zinshäusern im spätgründerzeitlichen Raster zwischen Rosensteingasse und Güpferlingstraße geschlossen. Dadurch entstand ein neuer, dichtbesiedelter Stadtteil (Äußeres Hernals) beiderseits einer als Allee ausgestalteten Hauptstraße, dessen räumliche und bauliche Struktur sich vom früh- und hochgründerzeitlich geprägten inneren Hernals (auch: Alt-Hernals) unterscheidet.
Zu den weiteren wesentlichen Neuerungen im Jahrhundertwende-Großstadtbezirk Hernals zählten die Abtragung des Linienwalls, die Demolierung bekannter Vergnügungsetablissements in seinem Umfeld zugunsten des Ausbaus des Gürtelboulevards und des Baus der Gürtellinie der Wiener Dampfstadtbahn (ab 1925 Wiener Elektrische Stadtbahn, heute U6), der Bau der Vorortelinie (ehemals Dampfstadtbahn, heute S45), die Verlegung des Hernalser Markts auf den heutigen Zimmermannplatz (9. Bezirk) sowie die Eröffnung des ersten kommunalen Hallenbads (Jörgerbad). mini|St. Annakapelle in Dornbach
Rotes Wien, Faschismus und Wiederaufbau (1918–1955) Zur Regierungszeit der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei im sogenannten Roten Wien wurde in Hernals nach dem Ersten Weltkrieg besonders der kommunale Wohnbau forciert. 1922 wurde nach dem Entwurf von Karl Ehn in der Balderichgasse der erste Gemeindebau mit 164 Wohnungen errichtet. Der größte in Hernals errichtete Gemeindebau der Zwischenkriegszeit war der 1929 übergebene im nördlichen Bereich der Wattgasse mit 294 Wohnungen. Wegen ihrer bemerkenswerten Architektur bekannt sind auch der 1924 / 1925 nach Plänen von Josef Frank errichtete Wiedenhoferhof am Kongressplatz und der Holyhof (1928 / 1929) des Wagner-Schülers Rudolf Perco. Aufgrund des finanziellen Drucks der Bundesregierung ging der Wohnbau schließlich stark zurück; der Anteil der Gemeindewohnungen in Hernals blieb mit 1.467 Wohnungen unter dem Wiener Durchschnitt.
Nach dem Schattendorfer Urteil kam es auch in Hernals zu Unruhen, am 15. Juli 1927 wurde die Polizeiwachstube in der Hernalser Hauptstraße 158 von aufgebrachten Demonstranten gestürmt. Diese schleppten das Inventar der Wachstube auf die Straße und zündeten es an. Zwei durch das Feuer in Mitleidenschaft gezogene Alleebäume wurden später als Revolutionsbäume gepflegt, gingen jedoch Mitte der 30er Jahre ein. Die Unruhen gingen am 16. Juni weiter, fünf Menschen starben an diesem Tag in Hernals.